Klimawandel Der Konzern
Dieser Mann holt den Kohlenstoff aus dem Feuer
Er ist kein Öko. Von einem Vattenfall-Ingenieur, Hobbypiloten und Professor für Verbrennungsforschung würde man das aber auch kaum erwarten. Trotzdem denkt Lars Strömberg für den Vorstand des schwedischen Energiekonzerns über klimaschonende Stromerzeugung nach. Im Sommer setzte er in der Lausitz den Grundstein für das erste CO 2 -arme Kohlekraftwerk des Konzerns, besser gesagt für eine kleine 30-Megawatt-Versuchsanlage. In ihr soll das Kohlendioxid aus den Abgasen wieder eingefangen, verflüssigt und später unterirdisch deponiert werden. Strömberg setzt auf die sogenannte Oxyfuel-Technik: Statt mit Luft wird die Kohle mit einem Gemisch aus Sauerstoff und wieder in den Verbrennungskreislauf zurückgeführtem Abgas verbrannt. Das reduziert die störenden Stickoxide. Am liebsten würde Strömberg das Kraftwerk gleich größer bauen. »Ich weiß, dass es funktioniert«, sagt er. Das Pilotprojekt ist keine ökologische Überzeugungstat, eher eine Lebensversicherung. Planung und Bau eines Kohlekraftwerks dauern rund zwölf Jahre, vierzig Jahre bleibt es am Netz. Deshalb sei er »lieber einen halben Schritt voraus als einen ganzen hinterher«, sagt Strömberg. Anders als viele Kollegen nahm er die Klimaforscher schon früh ernst und warnte den Vattenfall-Vorstand, ohne CO 2 -freie Technik könne Strom aus Kohle schon bald Geschichte sein. »Ich hatte noch nie ein Projekt«, sagt er, »wo ich drei- oder viermal ein Nein hörte, bevor ich das Okay bekam.« Ein größeres Kraftwerk wird er freilich nur bauen können, wenn die Politik so strenge Klimaziele vorgibt, dass sich der Preis für Emissionsrechte mindestens vervierfacht.
Während seine deutschen Vattenfall-Kollegen beim Umweltminister Stimmung gegen strengere Emissionsauflagen machen, findet Strömberg, dass »die Politiker Mut zeigen sollten«. Klage ein Unternehmer über zu hohe Auflagen, sollten sie antworten: »Dann kauf dir Emissionsrechte.« So wäre Klimaschutz für die Gesellschaft am billigsten. Aber auch Strömberg weiß, dass es letztlich ums Geschäft geht. Falls seine Vision nicht aufgeht, stellt er das Projekt eben wieder ein. Matthias Urbach
Ökologischer Fußabdruck
868 Gramm:
So viel CO
2
emittiert ein neues Braunkohlekraftwerk pro Kilowattstunde.
61 Gramm:
So viel CO
2
wird ein Oxyfuel-Kraftwerk mit CO
2
-Abscheidung ausstoßen (Quelle: Fraunhofer ISI).
CO
2
-arme Kraftwerke rechnen sich noch nicht
5 Euro pro Tonne CO
2
:
Aktueller Preis im Emissionshandel
20 Euro pro Tonne CO
2
:
Ab diesem Preis rechnet sich die Oxyfuel-Technik
41 Prozent:
Anteil der Kohle am deutschen CO
2
-Ausstoß.
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- Datum 05.02.2007 - 04:17 Uhr
- Quelle ZEIT Wissen 02/2007
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