Ärzte Halbwissen in Weiß

Die Titelgeschichte vom aktuellen ZEIT Wissen berichtet über Ärzte, die eher intuitiv als nach wissenschaftlichen Studien handeln – zum Schaden ihrer Patienten. Zu diesem Artikel hat die Redaktion eine Fülle an Leserbriefen erhalten, vor allem von Medizinern, die ihren Berufsstand verunglimpft sehen. Doch bei manchen Schreiben fragte sich die Redaktion: Haben die Ärzte überhaupt verstanden, worum es geht? Der Versuch einer Aufklärung.

Es war eigentlich klar, was passieren wird. Mit besonderen Reaktionen auf unseren aktuellen Titel „Der betrogene Patient“ musste man rechnen. Und so kam es auch: Viele Ärzte konnten es nicht so stehen lassen, dass wir ihnen in unserem Titelstück über evidenzbasierte Medizin vorwarfen, ihre Patienten falsch, weil nicht nach dem Stand der Wissenschaft zu behandeln. Und sie schrieben uns Leserbriefe. Doch manches von dem, was uns da erreichte, war schier unglaublich. Im Tonfall, vor allem aber inhaltlich.

Natürlich kann man unsere Titelgeschichte kritisieren. Sie beschreibt eine weit verbreitete Unart vieler Ärzte, ihre Patienten nur nach Bauchgefühl zu behandeln und nicht nach wissenschaftlich fundierten Leitlinien. Sie ist ein Plädoyer für die evidenzbasierte Medizin (EBM), also eine Medizin, die auf den aktuellen Stand der Forschung gründet.

Und natürlich kann man auch unsere Verbesserungsliste anzweifeln. In der führen wir auf, wann und wo Behandlungen keinen erwiesenen Nutzen haben, ja sogar eher schaden, und welche Therapien und Verfahren besser sind als häufig angewendete – von der Behandlung akuter Rückenschmerzen über die Früherkennung von Dickdarmkrebs bis zur Entfernung von Weisheitszähnen.

Doch man sollte uns mit guten Argumenten kritisieren. Was uns manche Ärzte allerdings schrieben, ließ uns ernsthaft zweifeln, ob diese Mediziner den richtigen Beruf ergriffen haben und uns hoffen, nicht in die Hände eines solchen Vertreters zu fallen. Auch nachdem sie unseren Artikel gelesen hatten, wissen viele Ärzte offenbar immer noch nicht, was evidenzbasierte Medizin ist. Sie vertrauen jeder Veröffentlichung, so lange nur „Studie“ darüber steht. Sie meinen, es handelt sich schon um evidenzbasierte Medizin, wenn ein namhafter Professor in einer drittklassigen Fachzeitschrift einen Aufsatz veröffentlicht - Eminenz statt Evidenz. Und manchmal müssen sogar populäre Internet-Seiten, die für Laien gemacht sind, als Literaturquelle herhalten.

Ein Doktor, seines Zeichens Facharzt für Chirurgie, griff unsere Verbesserungsliste mit derart hanebüchen Argumenten und Quellen an, dass es schon ein wenig Fremdschämen auslöste. Unsere Empfehlung, entzündete Mandeln nicht immer und sofort herausoperieren zu lassen, konterte er mit Fakten, die er der Internet-Seite www.medizinfo.de entnommen hatte. Unsere Einschätzung zur Therapie einer Blinddarmentzündung begegnete er unter anderem mit Informationen von www.medknowledge.de . Nichts gegen diese Seiten, es gibt viele schlechtere im Internet. Aber sie können doch bitte schön nicht als Referenz für Entscheidungen eines Arztes herangezogen werden! Und schon gar nicht als Basis dafür, welches die Therapien mit dem größten Nutzen sind bei entzündeten Mandeln und Blinddarm. Dazu bedarf es einer Analyse der besten Studien, die zu diesen Fragestellungen gemacht wurden.

Im Falle unserer Therapie-Empfehlung für eine Mandelentzündung etwa stützen wir uns auf die Stellungsnahme von BMJ Clinical Evidence ( www.clinicalevidence.com ), einer äußerst renommierten Einrichtung des British Medical Journals, die bei dieser Fragestellung die besten 20 Studien zum Thema ausgewertet und bewertet hat.

Erst das bezeichnen wir als evidenzbasiert. Doch der Chirurg warf uns „oberflächliches Geschreibsel“ vor, das „schlecht recherchiert“ sei. Weitere Quellen des Chirurgen übrigens: ein Artikel der Zeitschrift für Chemotherapie aus dem Jahre 1983 zu unserer Empfehlung zum Lippenherpes oder auch seine persönliche Meinung zur Behandlung von Meniskusoperationen. Aber vielleicht sollten doch wir noch mal unsere Quellen und Aussagen und uns selbst überprüfen. Denn immerhin ist der Leserbriefschreiber ein „Kenner zahlreicher Studien und wissenschaftlicher Arbeiten“, der „überdies recht passabel operieren kann“ und „glücklicherweise in der Position“ ist, „die geistige Inkontinenz dieses Leitartikels (!) zu durchschauen“, wie er schreibt.

Wie kommt so ein Leserbrief zustande? Hat der Mann unsere Titelgeschichte vielleicht gar nicht richtig gelesen?

Ein Brief erreichte uns von einem Facharzt für Dermatologie und Venerologie, einem Hautarzt also. Er überlegt sich, ein Plakat in seiner Praxis aufzuhängen, mit folgendem Wortlaut: „Der verarschte Leser! Warum die Käufer immer wieder auf Journalisten hereinfallen, die innerhalb weniger Wochen (oder waren es nur Tage) mit etwas Internet und einem großem Anteil an wissensunabhängigem Selbstbewusstsein Äußerungen von sich geben, wo andere, wenn es schnell geht 6 Jahre Medizinstudium und 5 Jahre Facharzt dazu benötigen.“ Der Tonfall des Briefes war es nicht, der uns erstaunte, obwohl wir ihm doch den Tipp geben würden, vor dem Aufhängen des Plakats noch mal jemanden über den Text lesen zu lassen, der ein wenig Gefühl für Sprache hat. Nein, es waren die Gegenargumente, die uns erschrecken ließen. „Was machen Sie, wenn Sie bei einem Kind versäumt haben, ein Antibiotikum zu geben und nachher einseitig Taubheit (zugegeben sehr selten) oder eine Nierenentzündung bei Streptokokken mit Schädigung des Organs vorkommt?“ fragt er mit Bezug auf unsere Empfehlung, bei Mittelohrentzündung von Kindern zurückhaltend zu sein mit dem Einsatz von Antibiotika. Gegenfrage: Was macht man, wenn man einem Kind mit einer Mittelohrentzündung, die meistens ohne Antibiotikum-Gabe von alleine heilt, ein Antibiotikum gibt und der kleine Patient darauf allergisch reagiert und verstirbt? Oder wenn das Antibiotikum die Nieren des Kindes unwiderruflich schädigt? Oder die Leber?

In der evidenzbasierten Medizin wird abgewogen. Wie wirksam ist eine Therapie? Wie viele Patienten muss man behandeln, damit es einem besser geht (die so genannte „Number needed to treat“)? Wie häufig kommt es dabei zu Nebenwirkungen? Welche Methode schadet mehr als sie nutzt? Was ist besser: zu behandeln oder abzuwarten und den Verlauf der Erkrankung genau zu beobachten?

Dann schreibt der Hautarzt, er habe „in dieser Wintersaison in mehr als 500 Fällen Venen verödet“ mit Bezug auf unseren Text, in dem wir ganz eindeutig sagen, dass bei der Behandlung von Krampfadern bislang nur ein Nutzen belegt ist für das Ziehen und nicht das Veröden der Venen. Er begründet sein Vorgehen damit, dass seine Patienten, die er auf diese Weise behandelt hat, natürlich eine Besserung verspüren würden. „Wissen sie was? Diese Patienten pfeifen auf Ihren Artikel und werden, wenn etwas geholfen hat und sie wieder Probleme haben wieder zu mir kommen.“ Dazu nur ein Zitat aus der ZEIT 2007/24 von Edmund Neugebauer, Vorsitzender des Netzwerks Evidenzbasierte Medizin und Direktor des Instituts für Forschung in der Operativen Medizin der Universität Witten/Herdecke: „Die persönliche Erfahrung eines Mediziners kann gefärbt sein und lässt keine Aussage darüber zu, ob seine Methoden gut sind. Denn er sieht oft nur die Patienten wieder, denen er mit seiner Behandlung geholfen hat. Die anderen, denen es durch seine Bemühungen nicht besser und manchmal sogar schlechter geht, wechseln zu einem Kollegen. Der Arzt hat also eine verschobene Wahrnehmung, die durch Zufall bestimmt sein kann und auf keinen Fall repräsentativ ist.“

Verschwiegen werden sollten allerdings nicht die vernünftigen Leserbriefe von Ärzten mit kritischen Anmerkungen, die Substanz haben. „Überhaupt nicht erwähnt wird (in der Titelgeschichte. Die Red.) der Umstand, dass weite Teile ärztlichen Handelns überhaupt nicht durch die EBM abgedeckt sind – einfach, weil es keinerlei gute Untersuchungen zu wichtigen Fragestellungen gibt“, steht in einer Mail eines Arztes. Ein berechtigter Punkt. Wir aber wären schon froh, wenn die Ärzte auch nur die guten Leitlinien, die es schon gibt, anwendeten.

Ein anderer Mediziner schreibt: „Man kann Leitlinien zwar lesen, und sie geben einem eine Vorstellung und Orientierung. Aber sie ersetzen nicht die individuelle Entscheidung.“ Richtig. Etwas anderes behaupten wir auch nicht. Und Edmund Neugebauer bringt es in der ZEIT auf den Punkt: „Zu einer richtigen Entscheidung kommt ein Arzt am ehesten, wenn er seine eigene Erfahrung und die Meinung des Patienten ebenso mit einbezieht wie das Wissen aus der Fachliteratur, also die Studienlage. Das Ganze nennt sich dann evidenzbasierte Medizin.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht noch die Worte eines Hals-Nasen-Ohren-Arztes, der die vielen haarsträubenden Leserbriefe (unbeabsichtigt) auf den Punkt bringt: „Mit Logik und Differenzierung kommt man oft nicht weit“, schreibt er. Und, deutlich beleidigt: „Dem Zeit Wissen Magazin ist mit der gegenwärtigen Redaktion nicht gedient.“

 
Leser-Kommentare
  1. Der ideale Arzt ist einer, der sowohl über lange Erfahrung verfügt - also um Mitte 40/50 - und der sich fortlaufend in seinem Fachgebiet weiterbildet.

    Man muß schon bei ernsthaften Beschwerden genügend Eigeninitiative entwickeln und manchmal auch Wege aufsich nehmen, um fündig zu werden.

    Der reine Horror sind junge Ärzte, die beweisen wollen, wie gut sie aufgepaßt haben.

  2. Daß Ärzte erschreckend wenig Ahnung von evidenzbasierter Wissenschaft haben, verwundert nicht, wenn man ihre Ausbildung kennt. Die hat mit Wissenschaft nämlich wenig zu tun.

    Ein Medizinstudium besteht zu fast 100% aus dem Auswendiglernen, zuerst von anatomischen Begriffen, später von Medikamenten und ihren Wirkungen. Kritisches Hinterfragen der Lerninhalte, Analyse von "Studien", Diskussion abweichender Meinungen? Fehlanzeige. Studienwechsler berichten mitunter, wie sie an der neuen Hochschule aus allen Wolken fielen, weil einige der dortigen "absoluten Wahrheiten" denen ihrer bisherigen Ausbildungsstätte diametral entgegenstanden.

    Die Doktorarbeit eines Mediziners hat häufig mit wissenschaftlicher Arbeit wenig zu tun, vielfach sind es reine Fleißarbeiten, die in anderen Studiengängen höchstens als aufgeblähte Seminararbeiten durchgehen würden. Kaum ein anderer Akademiker bekommt seinen Doktortitel dermaßen hinterhergeworfen.

    Es ist daher kein Wunder, daß die meisten Mediziner selbst mit simpelsten wissenschaftlichen Grundbegriffen überfordert sind, etwa dem Handwerkszeug der Statistik (das Fach hat man als Mediziner nicht). Die Verwechslung von Korrelationen mit Ursache-Wirkungs-Beziehungen zum Beispiel ist bei medizinischen "Studien" völlig normal. Leute mit höherem Cholesterinspiegel haben häufiger Herzinfarkte? Also verursacht Cholesterin den Herzinfarkt. Das ist in etwa so logisch wie: reparierte Autos bleiben häufiger stehen? ALso beschädigt die Reparatur das Auto.

    In anderen Wissenschaftszweigen würden solche Schlußfolgerungen ausgelacht. In der Medizin können sie über Jahrzehnte hinweg die Lehrmeinung dominieren, auch, wenn sie (wie das Cholesterinmärchen) längst widerlegt sind (in Wirklichkeit ist Cholesterin wohl eher ein Reparaturmechanismus des Körpers). Ärzte halten gern fest an dem, was sie mal gelernt haben.

    Viele sind völlig außerstande, Autoritäten infrage zu stellen oder irgendein Ding, das sich "Studie" nennt, kritisch zu hinterfragen. Die Reaktionen der Mediziner, die im Artikel beschrieben sind, passen genau in dieses Bild. Das sind dieselben Leute, die ihr Verschreibungsverhalten vorzugsweise von Pharmavertretern bestimmen lassen.

    Natürlich gibt es viele Ärzte, die sich selbst unabhängiges Denken beigebracht haben. Aber das ändert nichts am Trend. Evidenzbasierte Medizin wird es erst geben, wenn sich die Ausbildung ändert.

    Das Resultat: Mediziner neigen stärker als jeder andere Akademikerschlag zum Rechthabertum. Was man zu wissen glaubt, wird nicht infagegestellt.

    • Fahad
    • 11.07.2007 um 16:57 Uhr

    Ich kann den Autor gut verstehen, wenn er sich ueber die negativen Briefe wundert. Aber woher soll das Wissen zur EBM kommen? Das Ganze ist nicht älter als maximal 25 Jahre. Dass bei jeder neuen Therapie Wirksamkeit, Effektivität und Wirtschaftlichkeit sorgfältig überprueft werden müssen, wurde erst nach Archie Cochrane erkannt. Erste systematische Reviews randomisierter kontrollierter Studien gibt es seit nicht einmal 10 Jahren. Und: ohne das Internet geht es gar nicht. Seit wann sind Ärzte generell online? Wie kann ein Mitte 40- oder Mitte 50ähriger Arzt, der also lange vorher seine Ausbildung genossen haben dürfte, unter dem Einfluss einer Eminenz-basierten Medizin, wie der Autor schon bemerkt hat, einen blassen Schimmer davon haben, sollte er nicht immer noch z.B. an der Universität damit befasst sein? Natürlich ist fundierte Berufserfahrung unabdingbar. Aber allgemein akzeptiert ist, dass die Erinnerungen einer nichtwirksamen Behandlung rasch verblasst. Legen wir unsere Vorstellungen über den guten (insbesondere) alten Hausarzt schnell ad acta. Erst die neue Generation von Ärzten, geschult in EMB und PBL und im sinnvollen Umgang mit dem Internet kundig, wird sich tatsächlich wissenschaftlich der Behandlung ihrer Patienten widmen können.

    Was hat das für Konsequenzen für den Patienten? Erstens, er kann sich ebenfalls im Internet informieren. Die Information ist in aller Regel schnell abrufbar und sollte mit dem behandelnden Arzt umgehend besprochen werden. Das wird rasch zu weiteren Erkenntnissen führen: ist der Arzt in der Tat in der Lage, auf ein bestehendes Informationsdefizit und/oder –bedürfnis des Patienten angemessen zu reagieren? Und ist es möglich, gemeinsam die optimale Therapie zu planen und durchzuführen? Denn der Patient hat sein Einverständis zu geben! Der mündige Patient ist in der Regel nicht der Querulant, vor dem sich Ärzte im Allgmeinen in Acht nehmen sollten, sondern der Patient der weiß, dass Heilung auch und im im Besonderen seiner Mithilfe bedarf.

    EBM ist keineswegs billiger zu haben als die Behandlung aus dem Bauch heraus. Sie setzt lebenslanges Lernen auf Seiten des Arztes voraus, der seinen Patienten als Partner, nicht als Kunde sieht. Ein weiteres Problem dabei ist, dass Verlage medizinische Artikel teuer verkaufen. Meines Erachtens muss derartige Information frei (für Arzt wie Patient) verfügbar sein.

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    Ihre Darstellung des Arzt-Patientenverhaeltnis trifft den Nagel auf den Kopf. Ein Bekannter von mir hatte nach einem freak incident chronische Kopfschmerzen, es war ein Puzzle ohne Loesung. Sein Arzt, in Boston, gab ihm seine Hypothese bezueglich der Ursachen und des Rueckkopplungsmechanismus, und mein Freund hatte dann seine Recherchen dazu im Internet betrieben und manchmal auch den Arzt auf neue Forschungsergebnisse hingewiesen die jener noch nicht kannte. Genau, solch ein Patient wird in der Regel nicht den Arzt verklagen.

    Ihre Darstellung des Arzt-Patientenverhaeltnis trifft den Nagel auf den Kopf. Ein Bekannter von mir hatte nach einem freak incident chronische Kopfschmerzen, es war ein Puzzle ohne Loesung. Sein Arzt, in Boston, gab ihm seine Hypothese bezueglich der Ursachen und des Rueckkopplungsmechanismus, und mein Freund hatte dann seine Recherchen dazu im Internet betrieben und manchmal auch den Arzt auf neue Forschungsergebnisse hingewiesen die jener noch nicht kannte. Genau, solch ein Patient wird in der Regel nicht den Arzt verklagen.

    • fbm
    • 11.07.2007 um 17:11 Uhr

    ich war von deiner klaren darstellung nun etwas geschockt und habe sofort meine nachbarin kontaktiert, die derzeit medizin studiert.

    sie erzählt z.b. das "cholersterinmärchen" auch, nur etwas differenzierter. ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein zu hoher spiegel von irgendwas wirklich vorteilhaft ist. im allgemein gibt es doch immer ein ideal, aber ich bin wie gesagt nicht vom (medizinischen) fach.

    was jedoch nicht stimmt ist, dass an universitäten kein umgang mit statistik vermittelt wird. zumindest bei ihr gibts das sehr wohl. inwiefern das nun hilft kann ich aber nicht beurteilen. dass es jahrzehnte dauern dürfte, bis zumindest grundlegende statistische kenntnisse etabliert sind, ist allerdings ein problem. vielleicht braucht die allgemeinheit der mediziner daher unterstützung von leuten, die sich mit dem deuten von studien auskennen. ein lumpiges semester statistik wird sonst sowieso nicht viel bewirken.

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    Rijukan hat recht. Das Medizinstudium in D ist von ueberkommen Traditionen gepraegt und (wenn ich mich recht an eine Soziologievorlesung im Grundstudium erinnere) vor allem darauf angelegt die Zahl der Absolventen klein zu halten und mit dem Brimborium der lateinischen Fachbegriffe einen Initiationsritus zu veranstalten. Dabei wird der Schwierigkeitsgrad des Studiums (kuenstlich aufgeblaeht durch nutzloses Auswendiglernen) mit Qualifikation verwechselt.

    Die Promotion (mit Ausnahme von denen die auf eine Karriere in der Forschung zielen) ist bei Medizinern sowieso an Laecherlichkeit nicht zu ueberbieten. Eine Promotion sollte eine eigenstaendige wissenschaftliche Arbeit sein. In der Medizin sind Promotionen (gelegentlich in den ersten Studiensemestern begonnen) meist weder selbstaendig noch wissenschaftlich.

    Die Idee, dass ein Artzt sich auf seine 'Erfahrung' bei der Behandlung von Patienten verlassen koenne ist aus Sicht der wissenschaftlichen Theorie so absurd, dass jeder der sie auessert etwaige akademische Grade direkt abgeben sollte.
    Das ist wie bei den Supermarktkassen. Man glaubt immer an der langsamsten anzustehen, weil man sich selektiv an nur an die Male erinnert an denen man an der langsamsten anstand.
    Genauso ist es so, dass Mediziner sich selektiv an die Patienten erinnern bei denen eine Behandlung erfolgreich war. Solche Erfahrungserinnerungen sind _nie_ eine Quelle von Erkenntnis.

    @fbm
    Sorry, ich mir den Kommentar jetzt nicht verkneifen:

    Sie untersuchen die Hypothese, dass Aertzte statistisch nicht bewandert sind anhand einer Stichprobe von einer (1) Person und schreiben aussderem folgendes: "ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein zu hoher spiegel von irgendwas wirklich vorteilhaft ist. im allgemein gibt es doch immer ein ideal, aber ich bin wie gesagt nicht vom (medizinischen) fach."

    Mit dieser Art wissenschaftlichem Vorgehen + 5 Jahre Fachbegriffe in Latein pauken koennten Sie glatt "vom Fach" sein. ;o).

    Rijukan hat recht. Das Medizinstudium in D ist von ueberkommen Traditionen gepraegt und (wenn ich mich recht an eine Soziologievorlesung im Grundstudium erinnere) vor allem darauf angelegt die Zahl der Absolventen klein zu halten und mit dem Brimborium der lateinischen Fachbegriffe einen Initiationsritus zu veranstalten. Dabei wird der Schwierigkeitsgrad des Studiums (kuenstlich aufgeblaeht durch nutzloses Auswendiglernen) mit Qualifikation verwechselt.

    Die Promotion (mit Ausnahme von denen die auf eine Karriere in der Forschung zielen) ist bei Medizinern sowieso an Laecherlichkeit nicht zu ueberbieten. Eine Promotion sollte eine eigenstaendige wissenschaftliche Arbeit sein. In der Medizin sind Promotionen (gelegentlich in den ersten Studiensemestern begonnen) meist weder selbstaendig noch wissenschaftlich.

    Die Idee, dass ein Artzt sich auf seine 'Erfahrung' bei der Behandlung von Patienten verlassen koenne ist aus Sicht der wissenschaftlichen Theorie so absurd, dass jeder der sie auessert etwaige akademische Grade direkt abgeben sollte.
    Das ist wie bei den Supermarktkassen. Man glaubt immer an der langsamsten anzustehen, weil man sich selektiv an nur an die Male erinnert an denen man an der langsamsten anstand.
    Genauso ist es so, dass Mediziner sich selektiv an die Patienten erinnern bei denen eine Behandlung erfolgreich war. Solche Erfahrungserinnerungen sind _nie_ eine Quelle von Erkenntnis.

    @fbm
    Sorry, ich mir den Kommentar jetzt nicht verkneifen:

    Sie untersuchen die Hypothese, dass Aertzte statistisch nicht bewandert sind anhand einer Stichprobe von einer (1) Person und schreiben aussderem folgendes: "ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein zu hoher spiegel von irgendwas wirklich vorteilhaft ist. im allgemein gibt es doch immer ein ideal, aber ich bin wie gesagt nicht vom (medizinischen) fach."

    Mit dieser Art wissenschaftlichem Vorgehen + 5 Jahre Fachbegriffe in Latein pauken koennten Sie glatt "vom Fach" sein. ;o).

  3. Deutsche Mediziner sind schon seit Jahren die Prügelknaben der Nation. Ihr Beruf setzt mit die längste und anspruchsvollste Ausbildung (Studium + Facharzt-Weiterbildung) voraus. Die Arbeitsbedingungen sowohl in Krankenhäusern als auch in Praxen sind derart hart, dass sie kaum mit einem geregelten Leben, geschweige denn Familienleben vereinbar sind. Schön und gut könnte man sagen, sie haben sich das schließlich so ausgesucht. Leider steht auch die Bezahlung in überhaupt keinem Verhältnis zur Qualifizierung und erst Recht nicht zum Arbeitsaufwand (60 bis 80 Stundenwochen, Wochenend-, Nacht- und Feiertagsarbeit je nach Arbeitgeber ohne Zuschläge). Hinzu kommt, dass ein Arzt neuerdings immer mit einem Bein im Gefängnis steht. Wenn es hierzulande ein Patient darauf anlegt, einen Arzt auf Schadensersatz zu verklagen, hat er durchaus große Chancen auf Erfolg. Das liegt daran, dass ein Arzt dazu gezwungen ist, alle seine Entscheidungen, Anweisungen und Behandlungen akribisch genau zu dokumentieren, um sich gegen rechtliche Anfechtungen abzusichern. Dazu fehlt ihm oft schlichtweg die Zeit. Und hier sind wir an dem Punkt, auf den ich eigentlich hinaus will: ein Redakteur macht sich in einem Leitartikel Gedanken zur evidenzbasierten Medizin, ein wichtiges Thema, darin stimme ich zu 100% zu. Nur besteht das Problem in diesem unseren Land darin, dass die Rahmenbedingungen für eine gewissenhaft praktizierte Heilkunde, die im Idealfall sogar wissenschaftlich abgesichert ist, momentan überhaupt nicht stimmig sind. Mediziner haben mit ganz anderen, basaleren Problemen zu kämpfen und überdies meist überhaupt nicht die Zeit, sich mit den beschriebenen Studien auseinander zu setzen. Und das ist meiner Meinung nach der Grund, warum so viele Ärzte derart emotional auf diesen Artikel reagieren. Die Stimmung unter deutschen Medizinern, vor allem niedergelassenen Medizinern ist gereizt, und ich denke das ist noch untertrieben ausgedrückt. Der Grund: politische Entscheidungen, die ihnen (und letztlich auch ihren Patienten) systematisch das Wasser abgraben. Die Auswirkungen werden wir alle noch zu spüren bekommen.

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    Qualität statt Opferrolle
    Lebensfreude statt Herzinfarkt
    Selbstverantwortung vor Gesundheitssystem
    Vorbeugung vor Früherkennung
    Maßhalten statt Größenwahn

    Qualität statt Opferrolle
    Lebensfreude statt Herzinfarkt
    Selbstverantwortung vor Gesundheitssystem
    Vorbeugung vor Früherkennung
    Maßhalten statt Größenwahn

  4. "Für die meisten Ärzte ist die Wahrheit schwer zu verstehen, weil Ihr Gehalt, Status und die gewinnbringende Anwendung der Abrechnungsziffern (GoÄ) sie davon abhalten, die Wahrheit zu verstehen."

  5. Qualität statt Opferrolle
    Lebensfreude statt Herzinfarkt
    Selbstverantwortung vor Gesundheitssystem
    Vorbeugung vor Früherkennung
    Maßhalten statt Größenwahn

  6. Mit Interesse und auch Genugtuung habe ich (junger Arzt, der noch nicht einmalk Facharzt ist) den interessanten Artikel im ZEIT Wissen gelesen. Viele Punkte sprachen mir aus der Seele, andere waren mir auch neu. Oft versuche ich mein Handeln an der EbM zu orientieren. Die AWMF ist der erste Link in meinen Favoriten, ich besitze mehrere Bücher zu Leitlinien und EbM. Oft ertappe ich mich oder Kollegen dabei eben nicht Leitlinien gerecht zu handeln. Sei es aus Angst vor vermeindlichen Verurteilungen (meiner Ansicht nach auch eine von findigen Anwälten geschickt geschürte Angst), oder dass einmal zu wenig intensiv therapiert vielleicht doch schaden könnte, oder einfach auch weil das Kollegium und insbesondere der so über alles erhabene und allwissende Chefarzt diese Position vertritt. Deshalb danke für diesen Artikel und auch danke für all die Bücher die sich kritisch mit dem Tun von uns Ärzten auseinandersetzt. Nur dadurch kann vielleicht auch in Deutschland eines Tages eine Fehlerkultur entstehen, die für die Gesundheit unserer Patienten so wichtig wäre.
    Mit der Antwort auf die Leserbriefe mit dem Niveau "beleidigte Leberwurst" hat sich Herr Schweitzer jedoch einen Bärendienst erwiesen. Muss man wirklich auf dasgleiche (vermeindlich niedrige) Niveau wie die Briefschreiber begeben und sie versuchen Lächerlich zu machen? Gerade von einem Journalisten der ZEIT hätte ich da mehr Souveränität erwartet. Sehr Schade!

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  • Quelle ZEIT Wissen 04/2007
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