Intelligenz : Abstieg in die Dummheit

In den vergangenen hundert Jahren ist der Intelligenzquotient mit jeder Generation gestiegen, hat der Intelligenzforscher James Flynn entdeckt. Doch jetzt ist ein Wendepunkt erreicht, behauptet er. Die Reizüberflutung nimmt überhand. Droht unseren Enkeln der intellektuelle Niedergang?

ZEIT Wissen: Herr Professor Flynn, in Deutschland wird gerade über den Sinn von Intelligenztests diskutiert, weil die Universität Freiburg Studenten mit einem IQ über 130 die Studiengebühren erlassen wollte. Ein Gericht hat das aber verboten.

James Flynn: Ein ziemlich klarer Fall. Die Universität sollte sich lieber die Schulleistungen anschauen. Sie sind ein besserer Gradmesser für Motivation und Disziplin, von denen der Erfolg im Studium entscheidend abhängt. Außerdem sagen IQ-Tests nichts über Kreativität aus. Dafür müsste man die Bewerber etwa einen Essay schreiben lassen. Mit allen drei Kriterien zusammen – IQ-Test, Schulnoten und Essay – kann man ganz gut vorhersagen, ob ein Student gute Leistungen bringen wird.

ZEIT Wissen: Wie hoch ist Ihr IQ?

Ich habe mal einen Test gemacht, aber ich kenne das Ergebnis nicht. So schlecht kann es nicht gewesen sein, denn ich wurde an der University of Chicago zugelassen.

ZEIT Wissen: Mit einem IQ über 130 hätten Sie Mitglied im Eliteverein Mensa werden können.

Flynn: Ich halte es mit Karl Popper. Als Mensa ihn aufnehmen wollte, lehnte er ab mit der Begründung, er würde nie einem Verein beitreten, dessen einzige Existenzberechtigung der hohe IQ seiner Mitglieder sei. Sich einzig und allein gegenseitig zum IQ gratulieren? Nein danke.

ZEIT Wissen: Halten Sie sich für intelligent?

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