Die neue Dreschmaschine des Reisbauern Dharnidhar Mahato sieht nicht gerade aus wie ein technischer Durchbruch: Zusammengeflickt aus einem rostigen Fahrradrahmen mit nur einem Pedal und zwei Trommeln, die aus Holzresten und Blechbüchsen bestehen. Und trotzdem, Anil Gupta ist begeistert. »Eine wunderbare Erfindung ist das«, ruft der Professor in die Runde der Bauern und Schüler, die an diesem Abend im Hof der Dorfschule von Balakdih versammelt sind. Nur zwei matte Glühbirnen erhellen die Szene, im Hintergrund röchelt ein Dieselgenerator.

Strom vom Netz gibt es hier nicht. Die Lehmhütten liegen sieben Autostunden von Kalkutta entfernt, erreichbar nur über holprige Straßen und Feldwege. Die Reisfelder sind so klein und die Böden so unfruchtbar, dass die Bauern sich über jedes Jahr freuen, das sie ohne Not durchstehen. Niemand würde von dieser Gegend irgendeinen Beitrag zum technischen Fortschritt erwarten, und ausgerechnet hierher ist der Professor vom angesehenen Indian Institute of Management gekommen. Er sucht nach Ideen – und nach Erfindungen.

Erfindungen wie den Reisdrescher, den Dharnidhar Mahato selbst gebaut hat und jetzt präsentiert. »Es gibt schon einen Drescher zu kaufen, der mit den Füßen angetrieben wird«, erklärt Mahato. »Aber der kostet 3000 Rupien.« Sein Eigenbau kostet 500 Rupien (umgerechnet etwa zehn Euro) und kann doppelt so viel Reis verarbeiten wie der kommerzielle Drescher. »Wenn das kein Durchbruch ist«, bemerkt Gupta, »viele von euch müssen den Reis ja noch von Hand dreschen, wie vor 3000 Jahren.« Die Männer, Frauen und Kinder klatschen. Der Erfinder schaut verlegen und doch stolz in die Runde, als ihm Gupta eine Ehrenurkunde überreicht.

Dass sich ein hohes Tier aus der Stadt für sie interessiert, haben die Leute von Balakdih noch nie erlebt. Nun hebt der Professor an zu einem Loblied auf die Kreativität, das in einer Frage an die Schüler gipfelt: »Wer von euch möchte Erfinder werden?« Zögerlich heben einige die Arme, unter den aufmunternden Rufen Guptas werden es mehr. »Dann schlaft diese Nacht nicht, sondern denkt nach!«

Mittlerweile ist es zehn Uhr abends, und Gupta muss weiter. Mit seinen zwei Dutzend Begleitern bricht er auf, bis zum Nachtlager im nächsten Dorf sind es noch fünf Kilometer. Allein heute hat der Tross schon 30 Kilometer zurückgelegt, im Schatten von zwei Bannerträgern, die tagsüber durch ein quäkendes Megafon skandieren: »Wir suchen eure Erfindungen!«, und: »Achtet euer traditionelles Wissen!«

Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe 03/2008 des Magazins ZEIT Wissen BILD Jetzt schweigt das Megafon. Anil Gupta führt den Pilgerzug durch die Nacht, gekleidet im knielangen Hemd aus handgesponnener Baumwolle, wie es schon Mahatma Gandhi trug. Ein Prophetenbart umhüllt das Kinn, seine nackten Füße stecken in Ledersandalen, ein dünner Schal schützt etwas vor der Kälte. Gupta erzählt von seiner Erweckung, die ihn vor zwanzig Jahren zum Guru der Selbsthilfe machte. »Ich hatte jahrelang die Anbautechniken der Bauern studiert, darauf gründeten meine Aufsätze, meine Karriere an der Uni, mein Einkommen. Doch was hatte ich den Menschen dafür zurückgegeben? Nichts. Kein Geld, keine Anerkennung, keine Erwähnung in den Publikationen. Das raubte mir den Schlaf.«

Längst hatten ihn seine Studien davon überzeugt, dass in den armen Menschen auf dem Land viel mehr Wissen und Potenzial steckten, als die meisten Entwicklungsberater und Beamten glaubten. »Man nimmt die Landbevölkerung nur wahr als Hände und Beine, die arbeiten können, und als Mäuler, die gefüttert werden müssen«, sagt Gupta. »Das ist falsch. Die Menschen sind zwar arm, aber an Wissen sind sie reich. Darauf müssen wir uns konzentrieren.«