Fühlt es sich schrecklich an, sein Bewusstsein nach und nach zu verlieren, wenn man stirbt – oder nimmt man es ganz gelassen hin? Welche Überraschungen erwarten uns in den letzten Momenten unseres Daseins? Fragen wie diese beschäftigen nicht nur Philosophen und Wissenschaftler bereits seit vielen Jahrhunderten, wahrscheinlich stellt sie sich fast jeder Mensch irgendwann einmal im Leben.

Endgültige Antworten bekommen wir freilich erst, wenn unsere eigene letzte Stunde geschlagen hat. Bis dahin müssen wir uns mit den ergreifenden Erlebnisberichten von Menschen begnügen, die dem Tod schon einmal ganz nah waren. Und mit den neuesten Erkenntnissen der Medizin, dank derer wir immer besser verstehen, was geschieht, wenn der Geist den Körper für immer verlässt.

Der Tod hat viele Gesichter, so viel ist sicher. In der Regel besiegelt ihn allerdings ein Sauerstoffmangel im Gehirn: Ob als Folge einer Herzattacke, ob durch Ertrinken oder Ersticken, am Ende sterben Menschen, weil die Nervenzellen in ihrem Gehirn nicht mehr ausreichend versorgt werden. Bald darauf ist keine elektrische Aktivität mehr messbar – nach moderner Definition ist der Tod eingetreten.

Strömt – aus welchem Grund auch immer – kein sauerstoffhaltiges Blut mehr ins Gehirn, hat ein Mensch in den meisten Fällen nur noch etwa zehn Sekunden, bevor er das Bewusstsein verliert. Zu sterben kann allerdings auch wesentlich länger dauern. Wie lange genau, hängt von der Ursache und den Umständen des Todes ab. Die folgenden Beispiele geben einen Überblick über die gruseligen Details des Ablebens.

Ertrinken - Der Kampf an der Wasseroberfläche
Eine dunkle Romantik umgibt von jeher das Ertrinken: Unzählige Heldinnen der Literatur nahmen sich das Leben, indem sie sich in die Fluten stürzten. Tatsächlich ist es weder angenehm noch schmerzlos, an Wasser zu ersticken – selbst wenn es oft überraschend schnell geht. Wie lange es dauert, hängt vor allem von den Schwimmerqualitäten und der Wassertemperatur ab. In Großbritannien, wo das Meerwasser oft sehr kalt ist, ertrinken 55 Prozent der Opfer nicht mehr als drei Meter von einem Ufer oder Boot entfernt. Zudem kann ein Drittel der Opfer gut schwimmen. Das zeige, dass man binnen Sekunden in Gefahr geraten könne, sagt Mike Tipton, Physiologe an der University of Portsmouth.

Kann das Opfer seinen Kopf nicht mehr über Wasser halten, beginnt der typische, 20 bis 60 Sekunden lange Überlebenskampf an der Oberfläche. Über Wasser schnappt der Totgeweihte nach Luft, unter Wasser hält er den Atem an. Sein Körper hängt aufrecht im Wasser, mit letzter Kraft bewegt er die Arme, als wolle er sich an einer Leiter hochhangeln.

Geht er schließlich endgültig unter, hält er den Atem so lange wie möglich an, meist 30 bis 90Sekunden. Dann inhaliert er etwas Wasser, verschluckt sich, hustet und inhaliert noch mehr. Aus Reflex verschließt sich die Luftröhre. Das Wasser verhindert nun den Gasaustausch in der Lunge. »Es brennt zunächst etwas in der Brust, wenn das Wasser die Luftröhre hinabläuft, dann breitet sich aber ein Ruhegefühl im Körper aus«, sagt Tipton – die einsetzende Bewusstlosigkeit, der schließlich Herzstillstand und Hirntod folgen.

Verbrennen - Meistens führen giftige Gase zum Tod
Lange war es das Schicksal von Hexen, qualvoll im Feuer zu sterben. Rauch und Flammen versengen die Augenbrauen und das Haar, sie verbrennen den Rachen und die Luftwege, sodass es schwerfällt zu atmen.

Verbrennungen verursachen schnell einen starken Schmerz, der noch schlimmer wird, weil sie eine entzündliche Reaktion im Körper hervorrufen und so die Empfindlichkeit steigern. Mit fortschreitendem Grad der Verbrennung, ließen die Schmerzen zwar nach, aber nicht wesentlich, sagt David Herndon, Spezialist an der University of Texas. »Verbrennungen dritten Grades sind nicht so schmerzhaft wie Verbrennungen zweiten Grades, weil die Nerven an der Hautoberfläche bereits zerstört sind. Große Brandwunden tun aber in allen Fällen unglaublich weh.«

Manche Opfer berichten, sie hätten ihre Verbrennungen nicht gespürt, solange sie noch in Gefahr waren. Wenn der Adrenalinschub und der Schock nachlassen, kommt der Schmerz aber schnell.

Die meisten Opfer sterben allerdings nicht direkt an den Brandwunden, sondern an giftigen Brandgasen: Kohlenmonoxid, Kohlendioxid oder sogar Blausäuregas.

Eine dänische Studie fand im Jahr 1996 heraus, dass drei Viertel der 286 untersuchten Opfer eine Kohlenmonoxid-Vergiftung erlitten hatten. Abhängig von der Größe des Feuers und davon, wie nah es ist, führt das entstehende Kohlenmonoxid bereits innerhalb von wenigen Minuten zu Kopfschmerzen und Benommenheit und schließlich auch zu Bewusstlosigkeit.

Laut der amerikanischen Feuerwehr-Vereinigung sterben 40 Prozent der Opfer an der Vergiftung, bevor sie wieder aufwachen.

Verbluten - Ein Gefühl von Schwäche, Durst und Angst
Wie schnell ein Mensch verblutet, hängt von Ort und Größe der Wunde ab, sagt der Notfall-Mediziner John Kortbeek von der University of Alberta in Kanada. Menschen sterben etwa innerhalb weniger Sekunden, wenn ihre Aorta – die Hauptblutbahn, die vom Herz wegführt – durch einen Sturz oder einen Autounfall stark verletzt ist.

Der Tod schleicht sich allerdings wesentlich langsamer an, wenn eine kleinere Vene oder Arterie beschädigt ist. Manchmal dauert es sogar einige Stunden, bis ein Verletzter einer solchen Blutung erliegt. In diesen Fällen durchlebt das Opfer die verschiedenen Stadien eines hämorrhagischen Schocks.

In einem durchschnittlichen Erwachsenenkörper zirkulieren fünf Liter Blut. Wer ungefähr einen Dreiviertelliter verliert, merkt in der Regel kaum etwas davon. Der Verlust von 1,5 Litern – sei es durch eine äußere Wunde oder innere Blutungen – führt zu Schwäche, Durst und Angst. Die Atmung der Betroffenen beschleunigt sich. Fehlen zwei Liter Blut oder mehr, wird ihnen schwindelig, sie fühlen sich verwirrt und verlieren schließlich das Bewusstsein.

»Menschen, die einen hämorrhagischen Schock überlebt haben, beschreiben sehr unterschiedliche Erlebnisse. Die einen hatten Angst, die anderen fühlten sich relativ entspannt«, sagt John Kortbeek. »Das hängt im Wesentlichen damit zusammen, welche Verletzungen sie hatten – und wie stark diese waren.«

Eine einzelne stark blutende Wunde an einer Oberschenkelarterie sei weitaus weniger schmerzhaft als eine Vielzahl von offenen Knochenbrüchen, die man sich bei einem Autounfall zugezogen hat.

Abstürzen - Möglichst mit den Füßen zuerst landen!
Aus großer Höhe hinabzufallen ist sicher eine der schnellsten Arten zu sterben. Das maximale Tempo beträgt etwa 200 Kilometer pro Stunde. Das erreicht man bei Sprüngen aus 145 Meter Höhe und mehr. Eine Hamburger Studie fand heraus, dass etwa 75 Prozent der Opfer in den ersten Sekunden nach dem Aufprall sterben.

Lebend im Krankenhaus anzukommen ist besonders unwahrscheinlich, wenn man auf dem Kopf landet. Das passiert vor allem bei Stürzen aus weniger als 10 Meter oder mehr als 25 Meter Höhe. Die Todesursache hängt von dem Untergrund und der Körperhaltung ab. Eine Analyse von 100 Selbstmordsprüngen von der Golden-Gate-Brücke (Höhe: 75 Meter, Aufprallgeschwindigkeit: 120 Kilometer pro Stunde) fand zahlreiche Todesursachen: Lungenquetschungen, kollabierte Lungen, explodierte Herzen oder von Rippen durchbohrte Schlagadern.

Überlebende erzählen oft von dem Gefühl, die Zeit vergehe beim Fallen langsamer. Natürlicherweise versucht man, mit den Füßen zuerst aufzukommen, was dazu führt, dass Beine, Rückgrat und Becken brechen. Auch Aorta und Herzkammern können zerspringen. Dennoch ist es die sicherste Landung – Füße und Beine dienen als Knautschzone und schützen die inneren Organe.

Kletterer und Skydiver, die einen Sturz überlebt haben, berichten von ihrem Bemühen, richtig zu landen: entspannt, mit angewinkelten Beinen und bereit, sich abzurollen. Der beste Tipp ist allerdings, möglichst weich zu landen. Eine Studie von 1942 berichtet von einer Frau, die aus ihrem Haus 28 Meter tief auf frisch gepflügten Boden fiel. Sie kam mit einer gebrochenen Rippe und einem gebrochenen Handgelenk davon.

Einen Schlag bekommen - Herz und Gehirn sind am verletzlichsten
Bei Haushaltsunfällen mit niedrigen Stromspannungen sind Herzrhythmusstörungen die häufigste Todesursache, sie führen zum Herzstillstand. Die Bewusstlosigkeit trete in der Regel nach zehn Sekunden ein, sagt Richard Trohman, Herzspezialist an der Rush University in Chicago. Höhere Spannungen können aber auch unmittelbar einen Blackout verursachen.

Der elektrische Stuhl wurde zum Beispiel extra so konstruiert, dass Todgeweihte schmerzlos sterben: Der Strom wird direkt durch Kopf und Herz geleitet. Ob die Verurteilten tatsächlich ohne Schmerzen sterben, ist strittig. Studien an Hunden haben in den 50er Jahren gezeigt, dass die Elektroden an beiden Seiten des Kopfes angelegt werden müssen, damit ausreichend Strom durch das Gehirn fließt und der Tod sofort eintritt. Zudem gab es in der Vergangenheit auch viele verpfuschte Exekutionen, bei denen die Köpfe der Gefangenen plötzlich in Flammen standen.

Eine Studie an den Leichen von 43 Menschen, die auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet worden waren, hat 2005 beschrieben, dass die meisten Opfer Brandmale an Kopf und Beinen hatten – an den Stellen, an denen die Elektroden angebracht waren. Der Autor glaubt allerdings, dass die Verbrennungen erst nach dem Tod entstanden und die Opfer unmittelbar an dem Elektroschock gestorben waren.

John Wikswo, Biophysiker von der Vanderbilt University in Tennessee, hält dagegen, dass der dicke, isolierende Schädelknochen eines Menschen einen schnellen Tod verhindern könnte. Viele Opfer würden womöglich sterben, weil ihr Gehirn durch den Stromstoß erhitzt oder ihre Atemmuskulatur gelähmt wird.

Einen Herzinfarkt erleiden - Nicht mit Magenschmerzen verwechseln!
Den hollywoodreifen Herzinfarkt – den plötzlichen Schmerz, den verzweifelten Griff an die Brust und den unmittelbaren Kollaps – mag es geben. Normalerweise verläuft ein Infarkt aber weniger dramatisch und kündigt sich nur mit einem leichten Unwohlsein an.

Die häufigsten Symptome sind tatsächlich Schmerzen in der Brust, Beklemmungen oder ein Druckgefühl – manchmal dauern sie an, manchmal verschwinden sie wieder. Verursacht werden sie vom Herzmuskel, der an den Folgen eines Sauerstoffmangels leidet. Die Schmerzen können bis in den Kiefer, den Rachen, den Rücken, den Bauch oder sogar in die Arme abstrahlen. Hinzu kommen Symptome wie Kurzatmigkeit, Schnupfen und kalter Schweiß.

Die meisten Opfer warten zwei bis sechs Stunden, bis sie Hilfe rufen, Frauen im Schnitt sogar noch länger. Wahrscheinlich weil sie oft weniger bekannte Symptome hätten, sagt JoAnn Manson, Epidemiologin an der Harvard Medical School. Überlebende sagen, sie hätten kein großes Aufheben machen wollen. Der Herzinfarkt habe sich eher wie eine Magenverstimmung, Müdigkeit oder ein Muskelkrampf angefühlt.

Jede Verzögerung kostet Leben. Die Opfer einer Herzattacke sterben meist, noch ehe sie ins Krankenhaus kommen. Der konkrete Auslöser ihres Todes sind oft Herzrhythmusstörungen.

Selbst kleine Infarkte können zu einem Herzstillstand führen. Versagt der Herzmuskel, wird der Betroffene nach nur zehn Sekunden bewusstlos und stirbt nach Minuten. Wer es ins Krankenhaus schafft, hat bessere Chancen: In Großbritannien und den USA überleben mehr als 85 Prozent der Infarktpatienten mindestens 30 Tage.