Gesundheitskarte Neues von der unendlichen Geschichte

Seit Jahren schon soll die elektronische Gesundheitskarte eingeführt werden. Jetzt kommt sie endlich – und bringt keinen Fortschritt

Ohne Code kann niemand die Daten des Patienten sehen [1]. Erst wenn der die Geheimzahl eingetippt hat [2], wird eine Verbindung zu einem sicheren Server [3] hergestellt - die Patientenakte wird auf den Monitor des Arztes übertragen [4].

Ohne Code kann niemand die Daten des Patienten sehen [1]. Erst wenn der die Geheimzahl eingetippt hat [2], wird eine Verbindung zu einem sicheren Server [3] hergestellt - die Patientenakte wird auf den Monitor des Arztes übertragen [4].

Und die Gesundheitskarte kommt doch noch. Anfang 2009 beginnen die Krankenkassen mit dem »Basis-Rollout« in der »Durchstichregion« Nordrhein. Wer so redet, muss sich nicht wundern, wenn die Betroffenen mit dem Schlimmsten rechnen. Dabei ist in diesem Fall das Schlimme gerade, dass sich gar nichts ändert: Auf dem Chip der neuen Kartesind die gleichen Daten gespeichert wie auf der alten: Name, Krankenkasse, Versichertennummer, Gültigkeitsdauer. Mehr nicht.

Dabei hatte der Bundestag so viel im Sinn, als er die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte beschloss. Acht Jahre ist das jetzt her. Sie sollte der Generalschlüssel werden zu einer wunderbaren Welt gut organisierter und sinnvoll vernetzter medizinischer Betreuung. Die Vision: Der Notarzt muss sie nur in sein Lesegerät stecken, schon kennt er Blutgruppe, Allergien und Erkrankungen des Unfallopfers. Zudem verhindert die Karte, dass Ärzte unverträgliche Medikamente gleichzeitig verschreiben, und vermeidet so jedes Jahr Tausende Todesfälle. Röntgenbilder gehen auf dem Weg zwischen Praxen, Krankenhaus und Reha-Klinik nie wieder verloren. Eine elektronische Patientenakte enthält alle Informationen für eine Behandlung. Unleserliche Rezepte, unauffind-bare Diagnosen – Vergangenheit. Und der Arzt hat endlich Zeit für seine Patienten.

Was für ein schöner Traum – auch wenn Kritiker fürchten, es könne ein Albtraum daraus werden. Sie warnen, unsere Gesundheitsdaten könnten bei Erpressern, Versicherungen, Arbeitgebern landen – vielleicht sogar beim Staat. Zwar gibt es keine hundertprozentige Sicherheit, doch ist die neue Karte dank einer Verschlüsselung besser geschützt als viele Bankkonten. Wenn zusätzlich noch jeder selbst entscheiden kann, ob seine Patientenakte elektronisch geführt wird, ist der Nutzen deutlich größer, als es die Gefahren sind.

Doch Notfalldaten, elektronisches Rezept und Krankenakte – all das bleibt auch nach Einführung der neuen Karte erst einmal Zukunftsmusik. Obwohl es schon Dutzende Testprojekte gibt, ist noch nicht einmal geklärt, wie die genauen Abläufe in den Arztpraxen aussehen sollen.

Einziger Unterschied der neuen Karte zur alten ist erst einmal das aufgedruckte Passfoto. Das nutzt nur den Krankenkassen. Sie erhoffen sich Einsparungen, weil die Karte nicht mehr an Unversicherte weitergegeben werden kann. Auch der Nutznießer der ersten Onlineanwendung steht schon fest: ebenfalls die Krankenkassen. Bei jedem Arztbesuch wollen sie die Versichertendaten prüfen und Korrekturen sofort auf der Karte speichern. Das spart ihnen Geld für die Aus- stellung neuer Karten nach Umzug oder Heirat.

Die Nachteile aber sollen andere haben: Die Ärzte erwartet Ärger mit der Umstellung ihrer Computer. Und die Patienten machen sich Sorgen um ihre Daten. So hat sich das Projekt im Hickhack der Lobbyisten festgefressen. Der Beginn des »Rollouts« ändert daran wenig.

 
Leser-Kommentare
  1. Bis auf die Notfalldaten soll die Gesundheitskarte primär als Schlüssel zu den Patientendaten dienen. Damit kann der behandelnde Arzt mit der Karte die Daten nachladen, die für eine Behandlung benötigt werden. Das kann die bisherige Karte nicht, da die vor allem eine Art Visitenkarte mit Patientendaten ist, aber keine Schlüsselfunktion hat!

    Man sollte doch meinen die Medien würden honorieren, dass die Gesundheitskarte viele teure Mehrfachbehandlungen spart und Fehldiagnosen reduziert. Oder, dass die Gesundheitskarte endlich die Möglichkeit bietet mit den datenschutzrechtlich sehr bedenklichen Zuständen in den meisten Arztpraxen aufzuräumen.
    Trotzdem gibt es praktisch nur Artikel die gegen die Gesundheitskarte anschreiben.

    Ich zitiere mal von Heise, um zu belegen, dass die aktuelle Rollout Strategie mit eingeschränktem Funktionsumfang, sinnvoll ist:
    "Ein eHealth BCS-Terminal (Basic Card Services) ist ein "migrationsfähiges" Kartenlesegerät, das später mit einem einfachen Software-Update auf den aktuellen Stand der Gesundheitstelematik gebracht werden kann."

  2. Über den Kommentar von Dark_Sun hinaus, sollte außerdem noch klargestellt werden, dass die Aussage "– und bringt keinen Fortschritt" so schlichtweg falsch ist und das Gesundheitskartenprojekt unnötig schlecht redet.
    Es ist richtig, dass die Karte im Basis-Rolout tatsächlich nicht viel mehr kann als die bisherige Krankenversichertenkarte. Allerdings wäre es auch recht mutig/unrealistisch alle Funktionen der Karte in einem Schritt einzuführen.
    Sobald die Karte in ganz Deutschland ausgeteilt ist werden in weiteren Schritten die vielen Funktionen der Karte freigegeben.
    Letztlich geht es doch darum sicherzustellen, dass die Abläufe der Ärzte und die Sicherheit der Patienten gewährleistet werden - was in den Medien ja auch gern betont wird. Komisch nur, dass dann genau die Maßnahmen, die dafür sorgen sollen angegriffen werden.

    • Anonym
    • 22.01.2009 um 12:58 Uhr

    Was nützt kann doch nicht schlecht sein?

    Diese Politik die uns schon seit einigen Jahren verkauft wird, mit dem Label es sei halt "pragmatisch", läuft immer auf das selbe Schema hinaus.
    Wer kann schon gegen Vorratsdatenspeicherung sein wenn man nichts zu verbergen hat? Und den Behörden hilft es bei allerlei schmutzigen Verbrechen bzw. deren Ermittlung. Wer kann schon gegen das Rauchverbot sein? Es schützt doch unsere Gesundheit. Oder im Gesundheitsbereich: Wer kann schon gegen Gesundheitsprämien abhängig vom Körpergewicht eines Versicherten sein, wie es immer wieder in ernsthaft diskutiert wird? Ist doch nur gerecht, nur ein gesunder und sportlicher Bürger ist ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft und verdient daher eine solidarische Krankenversicherung. Alle anderen sollen die persönlichen Risiken die so unterschiedlich wie die Individuen sind eben selbst absichern. Und die Gesundheitskarte, es spart Geld und ist doch auch bequemer wenn alles zentral erfasst ist. Da kann man dann auch entlarven wenn einer zu drei verschiedenen Urologen geht weil er eine Zweit- oder Drittmeinung zu seinem Fall haben will - so eine Verschwendung! Alles das und mehr schön nachprüfbar per Suchmaske in der zentralen EDV der Gesundheitsbürokratie. Ist doch so nützlich! Wie kann man da nur dagegen sein...
    Wir müssen endlich aufhören alles dem Dogma der Nützlichkeit unterzuordnen. Freiheit ist nicht die effizienteste Art eine Gesellschaft zu organisieren, sicherlich. Diese "Ineffizienz" müssen wir uns allerdings leisten.
    Der Staat ist dazu da das Zusammenleben der Bürger zu organisieren, nicht zu bestimmen oder zu lenken. In dieser speziellen Hinsicht gehört die Politik auf Normalmaß zurechtgestutzt, daran erinnert. Es gibt Grenzen für Politik die sich nicht nur wortklauberisch an der Juristerei orientieren dürfen sondern auch am berühmten "Gewissen" dem der Volksvertreter einzig verantwortlich ist - die Frage welcher Gestalt dieses Gewissen ist kann auch das Grundgesetz nicht beantworten. Auch das Gewissen ist eben bei jedem Mensch nach anderen Standards angelegt und meiner Meinung nach bei unseren Politikern nicht zum Wohle des Volkes sondern eben in Richtung "Vater Staat" der sich schon kümmert. Ich hab schon einen Vater, danke.

  3. Verlieren sie zb eine kreditkarte so lassen sie diese sperren und gut is. Der schaden ist begrenzt. Eine neue kreditkarte gibt ihnen eine neue chance ganz von anfang zu beginnen.

    Nicht so bei biodaten - und es ist sogar noch viel fataler. Wenn zb. bekannt wird, dass sie medikament a in einer bestimmten dosis erhalten, dann hat das einen grund. Da liegt wohl eine krankheit vor die behandelt wird. Diese krankheit kann evt. an ihre nachkommen vererbt werden. Diese 'krankendaten' beschreiben nicht nur sie, sondern auch alle ihre anverwandten, eltern, schwester, ... Selbst bei biodaten, die heute als unbedenklich gelten (weil sie zb. keine aussage ueber ihre genetisch verwandten ermoeglichen) ist diese gefahr vorhanden. Warum? Technologischer fortschritt!

    Ein hoffentlich ueberzogenes beispiel (um denn zugrundeliegenden mechanismus zu verdeutlichen) waere zb folgendes: Aus den mustern der fingerabdruecke koennte durch eine neue erfindung aussagen ueber krankheitsrisiken (und damit kosten) die in einem menschen innewohnen getroffen werden.

    Sind solche daten verfuegbar und werden auch in einer oekonomisch orientierten gesellschaft genutzt koennte folgendes passieren: Ihr frisch und gut ausgebildetes kind bewirbt sich um eine langfristig orientierte position in einem unternehmen. Die bewerbung wird mit einer allgemeinen ablehnung zurueckgeschickt. Ist es jetzt schlechter als die mitbewerber qualifiziert oder hat es nur einen unguenstigeren gesundheitsfaktor in irgendeiner datenbank?

    Die zentrale datenhaltung ist grundsaetzlich abzulehnen. Da ist eine handmappe mit durchnummerierten blaettern (journal/tagebuch) die beim patienten/hausarzt verbleibt eine unendlich bessere loesung als die zentrale datenhaltung. Diese zentrale datenhaltung genuegt dem interesse von allen moeglichen gruppen nur nicht dem patienten und seiner langfristigen verpflichtung sich und seiner familie gegenueber.

    Jeder gesammelte datensatz wird seinen patienten ueberleben. Es ist wie ein unangenehmer eintrag in der suchmaschinen-trefferliste: Er wird immer da sein und er wird garantiert aelter als sie selber.

    Tun sie sich und ihrer familie/verwandten das nicht an

  4. Das Thema Patientenkarte zeigt, was passieren kann, wenn sich Leute in eine Sackgasse begeben und Fehler nicht eingestehen wollen. Die Kartentechnologie ist veraltet, kostet viel Geld und beruht auf falschen Vorstellungen. Waehrend Fluglinien and andere Firmen auf die einfachere Handyidentifizierung umstellen, die einfacher und sicherer ist, muessen mit der Karte Milliarden verschwendet werden. Auch der statische Notfalldatensatz ist eine Idee der 80-er Jahre, die nicht in unsere Zeit passt, da neue flexible Datensaetze noetig sind. Leider ist die Patientenkarte sehr umstaendlich und kostet Aerzten und Personal mehr Zeit.

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    • ohno
    • 23.01.2009 um 12:28 Uhr

    > Die Kartentechnologie ist veraltet, kostet viel Geld und beruht auf falschen Vorstellungen

    Dann nennen Sie doch bitte mal eine neuere Technologie, die es schafft, kryptografische Schlüssel sicher zu erzeugen und zu verwalten.

    Handy ist da ein ganz schlechtes Beispiel, denn was ist da noch mal drin zur Schlüsselverwaltung? Ne Smartcard? Ach so.

    Falls Sie alledings nur darauf hinauswollen, dass man auf kontaktbehaftete Terminals verzichten sollte, dann frage ich mich, was daran billiger sein soll.

    Dass es Ärzte und Personal mehr Zeit kostet, mag zu Anfang ja sein. Es ist im Moment leider en vogue, kurzsichtig zu denken; Jede Verwaltung ohne unzeitgemäße Medienbrüche wird auf Dauer effektiver sein, aber da muss man sich erst mal umgewöhnen, oh je.

    • ohno
    • 23.01.2009 um 12:28 Uhr

    > Die Kartentechnologie ist veraltet, kostet viel Geld und beruht auf falschen Vorstellungen

    Dann nennen Sie doch bitte mal eine neuere Technologie, die es schafft, kryptografische Schlüssel sicher zu erzeugen und zu verwalten.

    Handy ist da ein ganz schlechtes Beispiel, denn was ist da noch mal drin zur Schlüsselverwaltung? Ne Smartcard? Ach so.

    Falls Sie alledings nur darauf hinauswollen, dass man auf kontaktbehaftete Terminals verzichten sollte, dann frage ich mich, was daran billiger sein soll.

    Dass es Ärzte und Personal mehr Zeit kostet, mag zu Anfang ja sein. Es ist im Moment leider en vogue, kurzsichtig zu denken; Jede Verwaltung ohne unzeitgemäße Medienbrüche wird auf Dauer effektiver sein, aber da muss man sich erst mal umgewöhnen, oh je.

  5. Die Anmerkungen zum Missbrauch medizinischer Daten sind richtig. Der Plan der Regierung sieht ein zentrales Datenarchiv vor - natürlich mit neuster und sicherster Verschlüsselungstechnologie. Wenn man daran denkt, dass es vielleicht doch nicht so sicher ist wie angenommen, bleibt trotzdem ein mulmiges Gefühl im Bauch.
    Aber es gibt auch eine Alternative dazu. Die Gesundheitskarte dient als Sicherheitsschlüssel, dabei spielt es keine Rolle ob die Daten zentral irgendwo liegen oder dezentral bei meinem Hausarzt. Derzeit ist letzteres der Fall - allerdings mit einem unschönen Effekt: Während ich im Behandlungszimmer auf meinen Arzt warte sehe ich häufig auf dem Monitor noch die Daten meines vorhergehenden Patienten - interessant was da so alles steht, vielleicht ist es sogar zufällig jemand den man kennt.
    Genau dieses Problem könnte mit der Gesundheitskarte auf ganz einfache Weise umgangen werden: die Daten des Patienten sind nur zusammen mit der Karte und dem Arzt einsehbar, fertig.

    Und noch eine Anmerkung: Wirklich alle Anwendungen der Gesundheitskarte, die mit zentraler Datenspeicherung zu tun haben sind freiwillig. Niemand wird dazu gezwungen oder gedrängt. Es ist sogar verboten, dass Krankenkassen Patienten bevorteilen, die diese Anwendungen nutzen.

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    • LJA
    • 22.01.2009 um 23:34 Uhr

    ist es leider nicht. Wenn ein Datensatz erst einmal existiert, dann ist es für den Patienten praktisch nicht nachvollziehbar wie viele Kopien davon existieren und wo die Daten jeweils gespeichert sind. Wer die Gewalt über die physischen Speicher hat, wird auch irgend eine Möglichkeit zur Umgehung aller Sicherheitsmaßnahmen finden. Das ist letztenendes nur eine Frage von krimineller Energie, Kontakten und technischem Know How. Die beiden letzteren kann man kaufen, dass erste ist in vielen Menschen von Natur aus vorhanden.
    Der Staat, in welcher Inkarnationsform auch immer, braucht allerdings nichts davon. Er hätte im Zweifellsfalle freien Zugang.

    Die zentrale datenhaltung ist nicht als schliessfachtechnologie ausgelegt. Die verschluesselung dient nur der authentifizierung und evtl. der uebertragungssicherung. Die zentrale datenhaltung ist aus sicht des einzelnen patienten nicht verschluesselt (also nicht in einem schliessfach gesichert).

    Die industrie und buerokratie wuenscht sich analysetechnologien im backend. Daher sind die zentral gehaltenen patientendatensaetze und die behandlungs/medikationsdatensaetze im backend wie in einer grossen tonne unverschluesselt - und sind damit eben nicht als schliessfach anzusehen sondern eine uebergabe der daten an die zentrale in einen ungesschuetzten zustand und damit dem spaeteren andersgebrauch preisgegeben. Sicher der zugang ist beschraenkt aber er kann jederzeit durch neue regelungen und gesetze ausgeweitet werden. Nach einer sammelphase wird das volumen und der inhalt der daten begehrlichkeiten von vielen seiten wecken. Ab dem zeitpunkt ist der buerger/patient nicht mehr am spieltisch. Er dient nur noch zur anreicherung der bereits erfassten daten. Es kann ueber seine koepfe hinweg neue nutzung der erfassten daten eingefuehrt werden. Der patient und seine gesundheitskarte ist in dem augenblick unmassgeblich - die auswertung und verwertung der daten beginnt seinen lauf.

    Nicht uebersehen sollte man die 'klebrigkeit' also die dauerhaftigkeit erfasster daten. Erfasste daten konnen und sind sehr dauerhaft - der patient verliert die kontrolle ueber seine daten.

    Das argument der freiwilligkeit der erfassung zentraler daten ist naiv. Das ist ja gerade das potential der it. Die it ist ein sogenannter 'enabler'. Man beginnt mit etwas (datenerfassung) und merkt dann spaeter: oh, da koennte man ja noch was ranbauen und erweitern.

    Sicherheitstechnologien sind aber jetzt genau das gegenteil: sie sind 'disabler' - also schranken oder rote linien ueber die keinesfalls getreten werden darf sonst bricht das ganze security-modell zusammen.

    Diese enabler <-> disabler kontradiktion ist ja gerade der kern jeder security-technologie. Das steht in jedem besseren lehrbuch ueber sicherheitstechnologien.

    Die zentrale datenhaltung ist eine solche rote linie. Werden solche zentrale daten in die umwelt freigesetzt und sind diese daten eine medizinische beschreibung eines menschen sind diese daten nicht mehr einzufangen und der mensch kann sich ja auch nicht einen neuen gen-datensatz zulegen oder eine krankheit gegen eine andere tauschen (wie zb. mit einer neuen kreditkarte). Ein freisetzen oder erweitern der nutzung ist ein dammbruch der nicht gestoppt werden kann.

    Sowas wuerde unsere gesellschaft in ihren fundamenten und dauerhaft umbauen und sollte daher nicht ueber die koepfe der buerger hinweg (fuer die meisten buerger sind diese konsequenzen schlicht nicht ersichtlich - selbst it-fachpersonal tut sich da schwer) durchgedrueckt werden.

    • LJA
    • 22.01.2009 um 23:34 Uhr

    ist es leider nicht. Wenn ein Datensatz erst einmal existiert, dann ist es für den Patienten praktisch nicht nachvollziehbar wie viele Kopien davon existieren und wo die Daten jeweils gespeichert sind. Wer die Gewalt über die physischen Speicher hat, wird auch irgend eine Möglichkeit zur Umgehung aller Sicherheitsmaßnahmen finden. Das ist letztenendes nur eine Frage von krimineller Energie, Kontakten und technischem Know How. Die beiden letzteren kann man kaufen, dass erste ist in vielen Menschen von Natur aus vorhanden.
    Der Staat, in welcher Inkarnationsform auch immer, braucht allerdings nichts davon. Er hätte im Zweifellsfalle freien Zugang.

    Die zentrale datenhaltung ist nicht als schliessfachtechnologie ausgelegt. Die verschluesselung dient nur der authentifizierung und evtl. der uebertragungssicherung. Die zentrale datenhaltung ist aus sicht des einzelnen patienten nicht verschluesselt (also nicht in einem schliessfach gesichert).

    Die industrie und buerokratie wuenscht sich analysetechnologien im backend. Daher sind die zentral gehaltenen patientendatensaetze und die behandlungs/medikationsdatensaetze im backend wie in einer grossen tonne unverschluesselt - und sind damit eben nicht als schliessfach anzusehen sondern eine uebergabe der daten an die zentrale in einen ungesschuetzten zustand und damit dem spaeteren andersgebrauch preisgegeben. Sicher der zugang ist beschraenkt aber er kann jederzeit durch neue regelungen und gesetze ausgeweitet werden. Nach einer sammelphase wird das volumen und der inhalt der daten begehrlichkeiten von vielen seiten wecken. Ab dem zeitpunkt ist der buerger/patient nicht mehr am spieltisch. Er dient nur noch zur anreicherung der bereits erfassten daten. Es kann ueber seine koepfe hinweg neue nutzung der erfassten daten eingefuehrt werden. Der patient und seine gesundheitskarte ist in dem augenblick unmassgeblich - die auswertung und verwertung der daten beginnt seinen lauf.

    Nicht uebersehen sollte man die 'klebrigkeit' also die dauerhaftigkeit erfasster daten. Erfasste daten konnen und sind sehr dauerhaft - der patient verliert die kontrolle ueber seine daten.

    Das argument der freiwilligkeit der erfassung zentraler daten ist naiv. Das ist ja gerade das potential der it. Die it ist ein sogenannter 'enabler'. Man beginnt mit etwas (datenerfassung) und merkt dann spaeter: oh, da koennte man ja noch was ranbauen und erweitern.

    Sicherheitstechnologien sind aber jetzt genau das gegenteil: sie sind 'disabler' - also schranken oder rote linien ueber die keinesfalls getreten werden darf sonst bricht das ganze security-modell zusammen.

    Diese enabler <-> disabler kontradiktion ist ja gerade der kern jeder security-technologie. Das steht in jedem besseren lehrbuch ueber sicherheitstechnologien.

    Die zentrale datenhaltung ist eine solche rote linie. Werden solche zentrale daten in die umwelt freigesetzt und sind diese daten eine medizinische beschreibung eines menschen sind diese daten nicht mehr einzufangen und der mensch kann sich ja auch nicht einen neuen gen-datensatz zulegen oder eine krankheit gegen eine andere tauschen (wie zb. mit einer neuen kreditkarte). Ein freisetzen oder erweitern der nutzung ist ein dammbruch der nicht gestoppt werden kann.

    Sowas wuerde unsere gesellschaft in ihren fundamenten und dauerhaft umbauen und sollte daher nicht ueber die koepfe der buerger hinweg (fuer die meisten buerger sind diese konsequenzen schlicht nicht ersichtlich - selbst it-fachpersonal tut sich da schwer) durchgedrueckt werden.

  6. wenn ich soviel M*** lesen muss, von Leute die Arztpraxen nur als Patienten kennen.

    Keiner von Ihnen werte Kommentatoren hat auch nur einen blassen Schimmer von den Abläufen und Prozessen in Artzpraxen und Kliniken.

    Dort herrscht zu einem ganz großen Teil wildes IT-Mittelalter (ja auch in Kliniken - zich Anwendungen, oft unintegriert und ineffizient), ca. 8% der Ärzte habe noch nicht einmal einen PC!!!

    Dokumentation passiert oft im EDV-System UND physisch. Es gibt keine Strategien zum strukturierten Umgang mit Informationen (extern erhaltene und intern erzeugte). Wir reden hier zu 70% von Einzelpraxen mit einigen Mitarbeiterinnen!

    Und nun glauben Sie bitte nicht, dass die Informationsverarbeitung in Kliniken sonderlich besser ist, wir stecken hier in den Anfängen z. B. Behandlungspfade für Standardabläufe zu definieren und mühselig in der täglichen Arbeit zu verankern.

    Ihre Diskussionen gehen leider vollkommen an den Realitäten an der Basis vorbei!

    Oder z. B. Elektronische Speichersysteme für die Radiologie (PACS), da denkt der Laie die hat heute jeder, wer macht denn noch Filmaufnahmen - weit gefehlt, es gibt noch genug Kliniken die das noch nicht einmal haben!

    Hier gehts wirklich um harte Basisarbeit, meine Damen und Herren!

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    Leider hat auch mein Vorredner anscheinend keine Ahnung! Es gibt gute Gründe für einen Verzicht auf elektronische Speicherung von Röntgenaufnahmen. Zum 1. die Kosten: geeichter, regelmäßig vom TÜV abgenommener Monitor ist Vorschrift und enorm teuer (nur ein Beispiel)neben der eigentlichen Rö-Ausstattung.
    2. Die Ansprüche an die Lesbarkeit von Röntgenaufnahmen sind sehr hoch. Sie dürfen zwar komprimiert gespeichert werden, allerdings muß immer die eigentliche Aufnahme - unveränderbar und unkomprimiert, z.B. im TIF-Format vorhanden sein, die gehörig Speicher frißt (einfaches OPTG min. 20-25 MB, Thorax noch viel größer). Übermittelt diese dicken Dinger mal via Intenet an einen Kollegen - nicht überall ist die volle DSL-Leistung zu haben - das dauert und verlangsamt bloß die Abläufe. Gleiches gilt auch für den Zugriff auf die zentralen iiii-Card-Server. Nach den vielen Crashs, System- und Programmabstürzen, Bugs, etc. p.p. die ich in den letzten Jahren erlebt habe. ist mir die gute alte Röntgenaufnahme immer noch am liebsten. Die kann ich auch bei Stromausfall lesen, mir notfalls auch auf'm Klo anschauen. Und allein ein simpler Telefonausfall läßt bei Verwirklichung der Gematik-Träume den gesamten Ablauf zusammenbrechen. (Hatten wir in drei Jahren schon 3 mal - jedesmal Kabel der Telekom kaputt)
    Zur Datensicherheit: Die ausgespähten Mitarbeiter der DB, der Telekom etc. werden froh sein, daß es bei Ihnen die iiiiiii-Card noch nicht gab, oder glaubt jemand wirklich diese wäre dann nicht auch -auch die der Partner - Ziel gewesen? Und ich wette, an die Daten wären die beauftragten Firmen auch gekommen. Wie lange wird's wohl dauern bis die Speicherung nicht mehr freiwillig ist, denn so wäre die iiiii-Card nur ein teurer Flop. Wann wird wohl - wegen größerer Einfachheit und angeblichen Kostenersparnissen - ganz einfach die neue Tax-ID zur Versichertennummer auf der iiii-Card; womit der Kreis der Zugriffsberechtigten sich schon mal vervielfacht: Zoll, Arbeitgeber (!), Einwohnermeldeamt etc.
    Mit der Salamitaktik sollen wir nur sturmreif geschossen werden um die t o t a l e Überwachung zu schlucken!

    Leider hat auch mein Vorredner anscheinend keine Ahnung! Es gibt gute Gründe für einen Verzicht auf elektronische Speicherung von Röntgenaufnahmen. Zum 1. die Kosten: geeichter, regelmäßig vom TÜV abgenommener Monitor ist Vorschrift und enorm teuer (nur ein Beispiel)neben der eigentlichen Rö-Ausstattung.
    2. Die Ansprüche an die Lesbarkeit von Röntgenaufnahmen sind sehr hoch. Sie dürfen zwar komprimiert gespeichert werden, allerdings muß immer die eigentliche Aufnahme - unveränderbar und unkomprimiert, z.B. im TIF-Format vorhanden sein, die gehörig Speicher frißt (einfaches OPTG min. 20-25 MB, Thorax noch viel größer). Übermittelt diese dicken Dinger mal via Intenet an einen Kollegen - nicht überall ist die volle DSL-Leistung zu haben - das dauert und verlangsamt bloß die Abläufe. Gleiches gilt auch für den Zugriff auf die zentralen iiii-Card-Server. Nach den vielen Crashs, System- und Programmabstürzen, Bugs, etc. p.p. die ich in den letzten Jahren erlebt habe. ist mir die gute alte Röntgenaufnahme immer noch am liebsten. Die kann ich auch bei Stromausfall lesen, mir notfalls auch auf'm Klo anschauen. Und allein ein simpler Telefonausfall läßt bei Verwirklichung der Gematik-Träume den gesamten Ablauf zusammenbrechen. (Hatten wir in drei Jahren schon 3 mal - jedesmal Kabel der Telekom kaputt)
    Zur Datensicherheit: Die ausgespähten Mitarbeiter der DB, der Telekom etc. werden froh sein, daß es bei Ihnen die iiiiiii-Card noch nicht gab, oder glaubt jemand wirklich diese wäre dann nicht auch -auch die der Partner - Ziel gewesen? Und ich wette, an die Daten wären die beauftragten Firmen auch gekommen. Wie lange wird's wohl dauern bis die Speicherung nicht mehr freiwillig ist, denn so wäre die iiiii-Card nur ein teurer Flop. Wann wird wohl - wegen größerer Einfachheit und angeblichen Kostenersparnissen - ganz einfach die neue Tax-ID zur Versichertennummer auf der iiii-Card; womit der Kreis der Zugriffsberechtigten sich schon mal vervielfacht: Zoll, Arbeitgeber (!), Einwohnermeldeamt etc.
    Mit der Salamitaktik sollen wir nur sturmreif geschossen werden um die t o t a l e Überwachung zu schlucken!

  7. Leider hat auch mein Vorredner anscheinend keine Ahnung! Es gibt gute Gründe für einen Verzicht auf elektronische Speicherung von Röntgenaufnahmen. Zum 1. die Kosten: geeichter, regelmäßig vom TÜV abgenommener Monitor ist Vorschrift und enorm teuer (nur ein Beispiel)neben der eigentlichen Rö-Ausstattung.
    2. Die Ansprüche an die Lesbarkeit von Röntgenaufnahmen sind sehr hoch. Sie dürfen zwar komprimiert gespeichert werden, allerdings muß immer die eigentliche Aufnahme - unveränderbar und unkomprimiert, z.B. im TIF-Format vorhanden sein, die gehörig Speicher frißt (einfaches OPTG min. 20-25 MB, Thorax noch viel größer). Übermittelt diese dicken Dinger mal via Intenet an einen Kollegen - nicht überall ist die volle DSL-Leistung zu haben - das dauert und verlangsamt bloß die Abläufe. Gleiches gilt auch für den Zugriff auf die zentralen iiii-Card-Server. Nach den vielen Crashs, System- und Programmabstürzen, Bugs, etc. p.p. die ich in den letzten Jahren erlebt habe. ist mir die gute alte Röntgenaufnahme immer noch am liebsten. Die kann ich auch bei Stromausfall lesen, mir notfalls auch auf'm Klo anschauen. Und allein ein simpler Telefonausfall läßt bei Verwirklichung der Gematik-Träume den gesamten Ablauf zusammenbrechen. (Hatten wir in drei Jahren schon 3 mal - jedesmal Kabel der Telekom kaputt)
    Zur Datensicherheit: Die ausgespähten Mitarbeiter der DB, der Telekom etc. werden froh sein, daß es bei Ihnen die iiiiiii-Card noch nicht gab, oder glaubt jemand wirklich diese wäre dann nicht auch -auch die der Partner - Ziel gewesen? Und ich wette, an die Daten wären die beauftragten Firmen auch gekommen. Wie lange wird's wohl dauern bis die Speicherung nicht mehr freiwillig ist, denn so wäre die iiiii-Card nur ein teurer Flop. Wann wird wohl - wegen größerer Einfachheit und angeblichen Kostenersparnissen - ganz einfach die neue Tax-ID zur Versichertennummer auf der iiii-Card; womit der Kreis der Zugriffsberechtigten sich schon mal vervielfacht: Zoll, Arbeitgeber (!), Einwohnermeldeamt etc.
    Mit der Salamitaktik sollen wir nur sturmreif geschossen werden um die t o t a l e Überwachung zu schlucken!

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