Überblick zum Jahreswechsel Die 12 großen Fragen der Wissenschaft

Manche Rätsel wird die Wissenschaft vielleicht nie lösen können. Doch wo Forscher an die Grenzen des Bekannten stoßen, entwickeln sie einen besonderen Entdeckergeist. ZEIT Wissen stellt die wichtigsten Fragen aus Physik, Biologie, Medizin, Mathematik und Geologie vor – und zeigt, wie leidenschaftlich die Suche nach den Antworten sein kann

Es hatte den Anschein, als wollte David Gross seine Kollegen piesacken und hätte auch noch Spaß daran. Kaum hatte er den Nobelpreis für Physik bekommen, präsentierte er ihnen eine Liste der wichtigsten offenen Fragen seines Fachs. Er habe die anderen Physiker aber nicht ärgern wollen, sagt Gross: »Fundamentale Fragen spornen die Leute an.«

Große Rätsel befeuern nicht nur die Neugier von Wissenschaftlern aller Disziplinen, sie weisen ihnen auch den Weg. Wissenslücken sind deshalb kein Versagen der Forschung, sondern im Gegenteil großartige Gelegenheiten: Hier gibt es noch etwas zu entdecken!

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Immer wieder haben Wissenschaftler gedacht, sie hätten alle grundlegenden Fragen beantwortet. Bis jetzt lagen sie damit jedes Mal falsch. Im Jahr 1900 behauptete der Physiker William Thomson noch, in seinem Fach sei eigentlich alles geklärt bis auf zwei kleine Wölkchen, die den strahlend blauen Himmel der Erkenntnis trübten: das Rätsel der Lichteigenschaften und das Problem der Schwarzkörperstrahlung. Fünf Jahre später fand Albert Einstein revolutionäre Lösungen für beides, die Relativitätstheorie und die Quantenmechanik. Sie beantworteten nicht nur die offenen Fragen, sondern warfen das fast fertige Weltbild der Physiker über den Haufen.

Heute ergeht es den Biologen ähnlich wie Einsteins Kollegen vor 100 Jahren: Ihr Wissen über den Menschen ist plötzlich nicht mehr viel wert. Als im Jahr 2003 die Entzifferung des menschlichen Genoms gefeiert wurde, dachten viele Wissenschaftler, sie könnten nun einfach im »Buch des Lebens« lesen, alle Buchstaben waren ja da! Sie hatten sich zu früh gefreut – aus neuen Antworten ergeben sich eben neue Fragen. Heute sind die Genetiker ratloser denn je: Statt einer übersichtlichen Aufreihung fanden sie im Genom eine konfuse Sammlung von Erbinformationen, deren Zusammenspiel noch niemand versteht.

Die Fragen der Biologie haben wohl die größte Bedeutung für jeden Einzelnen von uns. Denn davon, ob die Wissenschaftler die fundamentalen Prozesse des Lebens entschlüsseln, hängen Antworten auf große Rätsel der Menschheit ab – wie etwa auf die Frage, ob wir alle Krankheiten besiegen können.

Serie: Wissensfragen
Weitere Artikel zur Serie "12 Fragen der Wissenschaft. Bitte klicken Sie auf das Bild.

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Man muss jedoch nicht bis in Genlabore vordringen, um auf ungeklärte Phänomene zu stoßen. Es reicht, ins Bett zu gehen. Denn selbst warum wir ein Drittel unseres Lebens schlafend verbringen, wissen die Forscher noch nicht. Eine Antwort könnte Menschen mit Schlafproblemen helfen, vielleicht aber auch dazu beitragen, ein weit größeres Geheimnis zu lüften: Wie funktioniert das Bewusstsein?

Manche Fragen spielen im Alltag keine so große Rolle – etwa, was vor dem Urknall war oder woraus das Universum besteht. In ihnen liegt vor allem der Reiz des Rätsels, sie sind Antrieb für Generationen von Forschern. Und selbst wenn die Wissenschaftler nicht die großen Antworten finden, so machen sie auf der Suche danach immer wieder wichtige Entdeckungen.

 
Leser-Kommentare
  1. Den Überblick über die hier gestellten Fragen habe ich nicht gefunden, es bleibt insofern und auch angesichts der Einleitung fraglich, ob hier auch die Frage nach der Zukunft und Zukunftsfähigkeit der Art mit aufgeführt bzw. thematisiert werden wird, was man wissenschaftlich auch unter Gesichtspunkten der Verhaltensbiologie besehen kann, oder rein philosophisch. Gewiss kann diese Frage letztlich erst durch die Praxis bewiesen werden (wie ja auch die Herausbildung des Menschen von Affen so richtig erst durch einen Wiederholungsversuch hätte nachgewiesen werden könnte), im Falle des friedlich-wohlorganisierten Aussterbens können dies mit Sicherheit also erst die letzten Menschen erkennen, bis dahin muss man quasi extrapolieren und kombinieren. Gleichwohl treibt uns diese Frage ja schon sehr lange um, kann man auch darüber, wie, verschleiert hier aber wohl, in der Theologie, theoretisieren und prognostizieren. Sollte man die Frage der irdischen Zukunft (über nochmal ein paar Tausend oder Millionen Jahren) verneinen, dann würden sich viele andere Fragen ja sehr stark relativieren, weshalb man sich dieser - ja keineswegs absurden - Frage ganz besonders und vorrangig annehmen muss - bzw. müsste...!

    • Walkus
    • 26.12.2008 um 12:57 Uhr

    Stellen Sie sich vor, sie kommen nach Hause und finden einen geliebten Menschen todkrank vor. Welche Frage stellen Sie? Kann der Tod einmal besiegt werden? Kann es der Pharmaindustrie jemals gelingen, eine Universalmedikament hervorzubringen, das stets hilft? Ist der Mensch nun wirklich krank, oder halte ich ihn nur für krank? Gibt es eine Formel für dauerhaft anhaltende Gesundheit? Ist Krankheit eine Prüfung Gottes?

    Von dieser Art sind die Fragen, die die Zeitschrift "Zeit" hier stellt. Aber welche Frage stellt die Zeit wirklich?

    Mein Vorschlag:
    Auf welche Weise können wir Menschen leben frei von Konflikt in innerer und äußerer Stabilität?

  2. Albert Einstein fand keine revolutionären Lösungen und beantwortete auch keine offenen Fragen, sondern produzierte reinen Humbug, der bis heute die Wissenschaft lähmt. Beispielsweise bemerkte er noch nicht einmal, daß die von Voigt erfundene, nach Lorentz benannte und mit ihm assoziierte Transformation im allgemeinen Falle nichtkollinearer Geschwindigkeiten überhaupt nicht transitiv ist!

    „Wir stecken tief in der Dekadenz; das Sensationelle gilt, und nur einem strömt die Menge noch begeistert zu: dem baren Unsinn.“
    (Theodor Fontane)

  3. 4. Fragen

    sind wichtig. Sie zu beantworten hieße, dass man nichts mehr zu tun hätte. Das wäre doch furchtbar langweilig. Ich hoffe, dass niemals alle Fragen geklärt werden und wenn doch, dass sie, wie im Artikel geschrieben, wieder neue Fragen aufwerfen, die dann wieder Fragen aufwerfen usw usf....
    Das Leben ist ein Rätsel und genau dieses macht das Dasein spannend!

  4. von Platon beschreibt auch heute für mich noch treffend die Situation : Wir sind Teil einer Welt und als ein Teil(chen) wird es uns kaum gelingen, die Welt vollständig zu erfassen.
    Die Naturwissenschaften haben sich auf eine Methodik verständigt, die den "regelhaft" strukturierten Teil der Welt zu erfassen versucht, indem er durch formale Theorien beschrieben und diese in Beobachtungen geprüft werden. Die Theorien erlauben uns, die Welt intellektuell zu verstehen, sie sind aber nie sicher, da sie nur falsifiziert werden können. Theorien dürfen daher auch nie als die Realität angenommen werden, sie sind immer nur Modelle.
    Es ist für mich nicht denkbar, dass die Menschheit jemals den Zustand erreichen kann, die regelhaft strukturierte Welt vollständig erfasst zu haben. Daher muss sich jeder Naturwissenschaftler offen für Beobachtungen zeigen, die man (noch) nicht erklären kann, bzw. die geläufiges Denken in Frage stellen. Es bedeutet auch Ansporn, sich zu bemühen, und es wird damit auch nicht langweilig.
    Ich bin überzeugt, dass es auch einen im naturwissenschaftlichen Sinne nicht regelhaft strukturierten Teil der Welt gibt. Wenn das so ist, dann gibt es auch Erkenntnisse außerhalb der Naturwissenschaften. Ob man dieser Aussage zustimmt oder nicht, beides ist nun Glaubenssache.
    ich freue mich also auf weitere 12 große Fragen der Naturwissenschaften.

    • level7
    • 30.08.2010 um 19:48 Uhr

    "Je mehr ich weiß, umso mehr weiß ich, dass ich nichts weiß", Sokrates.
    Wie ein Kreis, dessen innerer Bereich das eigene Wissen repräsentiert und dessen außen liegender (unendlicher?) Bereich das, was man nicht weiß, erweitert sich mit zunehmendem Wissen die Ahnung dessen, was man noch nicht weiß, symbolisiert durch den größer werdenden Kreis, dessen Rand (der Strich) die Ahnung des Äußeren (Unbekannten) darstellt.

    Das Amüsante an den Naturwissenschaften ist, dass sie mit Stolz geschwellter Brust neue Erkenntnisse verkünden, die Geist orientierte (z.B. spirituelle) "Wissenschaften" schon seit vielen Jahrhunderten (-tausenden?) kennen.
    (s. z.B. Blavatzki "Geheimlehre")

    • LIQ
    • 08.12.2010 um 18:10 Uhr

    Viele Detailantworten stehen noch aus, die aber auf Dauer machbar währen, wenn die Population dieser Sprechaffen um einen herum lange genug überlebt, was wiederum äußerst zweifelhaft ist !
    Nachkommastellenpräzisierungen im LHC und VLT sind noch zu erwarten, also für die jeweiligen Messskalenendbereiche "sehrklein" und "sehrgroß" !
    Ein bisschen Kleinkram bleibt für immer und ewig ein Fragezeichen, denn spätestens beim nächsten Universumsamplitudennulldurchgang auf dem Realzeitring
    ( nicht Wirkzeit ) wird eine theoretische und praktische Wahrnehmungsbegrenzung definitiv unvermeidlich !
    Mit den heutigen wissenschaftlichen Fakten kann man die Welt fast komplett erklären, jedenfalls so genau, dass man völlig auf das Zurückgreifen auf diverse Götter verzichten kann, allerdings nicht diese völlig über- / kaputtgezüchteten Sozialtiermutanten dieses Planeten !
    Die hier sehr stark in Mode gekommene Züchtung von biomechanischen, biochemischen und bioelektrischen Funktionsuntüchtigkeiten verhindert die machbare Komplettierung der alles erklärenden Fakten !

    MfG LIQ

    LIQG@gmx.de

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