12 große FragenWarum schlafen wir?

Teil 11: Wenn wir die Augen schließen und beginnen zu träumen, erholt sich unser Körper. Das ist allerdings nur eine These, Beweise stehen noch aus

Der Eisbär Knut aus dem Berliner Zoo hält ein Nickerchen. Etwa zwei Drittel des Tages verbringt er schlafend. Warum jedoch er oder auch der Mensch schlafen, bleibt rätselhaft

Der Eisbär Knut aus dem Berliner Zoo hält ein Nickerchen. Etwa zwei Drittel des Tages verbringt er schlafend. Warum jedoch er oder auch der Mensch schlafen, bleibt rätselhaft

Ziemlich gemein war das Experiment, mit dem Allan Rechtschaffen Ende der 80er Jahre herausbekommen wollte, was passiert, wenn man nicht schläft. Er setzte Ratten auf einen Drehteller über einem Wasserbecken. Sobald die Tiere einzuschlafen begannen, fing der Teller an zu rotieren, sodass sie laufen mussten, um nicht ins Wasser zu fallen und zu ertrinken. Nach zweieinhalb Wochen starben die Ratten. Schlaf ist offenbar lebensnotwendig. Aber warum?

Die einfachste Antwort lautet: Im Schlaf wird weniger Energie verbraucht. Doch Menschen sparen in acht Stunden gerade mal so viele Kalorien, wie eine Tasse Milch enthält, hat die Biologin Isabella Capellini ausgerechnet. Kein Grund, so viel Zeit zu vergeuden.

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Sicher ist, dass sich der Körper im Schlaf erholt: Eiweiße werden aufgebaut und freie Radikale, die beim Stoffwechsel entstehen und das Erbgut schädigen, abgebaut. Das Großreinemachen könne aber nicht der eigentliche Grund für den Schlaf sein, sagt der Psychologe Jan Born: »Dazu müsste man nicht das Bewusstsein ausschalten.« Vielmehr gehe es um Sortierarbeiten im Gehirn. Im Tiefschlaf würden Erinnerungen vom Hippocampus, wo sie im Wachzustand zwischenge-speichert werden, ins Großhirn überspielt. »Im wachen Zustand würde das die Reizverarbeitung stören. Wir würden halluzinieren«, erklärt Born.

Um zu beweisen, dass Schlaf wichtig für das Gedächtnis ist, raubte der Psychologe von der Universität Lübeck seinen Probanden versuchsweise den Tiefschlaf. Sie konnten sich tatsächlich am nächsten Tag schlechter an Gelerntes erinnern als ausgeschlafene Testpersonen. Ohne Schlaf kein Gedächtnis, folgert Born daraus. Und ohne Gedächtnis kein Bewusstsein. Denn ohne Erinnerung würde das Erleben in einzelne Momente zerbröseln. Der Psychologe sagt es so: »Schlaf ist ein Bewusstseinsverlust, der Bewusstsein schafft.«

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Doch es gibt Widerspruch, und zwar von Giulio Tononi: Schlafen sei nicht zum Speichern von Erinnerungen da, sondern zum Löschen, meint der Neurowissenschaftler. Im Schlaf würden die Nervenverbindungen, die sich über Tag durch Erfahrungen vermehrt haben, ausgedünnt, da das Hirn sonst schnell überlastet sei. Für Born müssen sich Speichern und Löschen aber nicht ausschließen, sondern könnten sich beim Sortieren ergänzen.

 

Ist das also die Lösung? Nicht wenn es nach Jerry Siegel geht. Der Schlafforscher hat die Branche mit der Behauptung aufgemischt, Schlaf habe sich keineswegs entwickelt, weil er zur Regeneration oder zur Gedächtnisbildung nötig sei – sondern vor allem, damit wir keinen Unsinn machen. Wer einen Teil des Tages bewusstlos verbringt, hat schließlich weniger Gelegenheit, Fehler zu begehen. Das ist vorteilhaft fürs Überleben.

Doch vielleicht stimmen auch beide Erklärungen: Das Hirn könnte sich in der Evolution die be-wusstlosen Schutzphasen zunutze gemacht haben, um Eindrücke zu sortieren. Vielleicht also haben wir nur ein Gedächtnis und damit ein Bewusstsein, nur weil wir schlafen.

 
Leserkommentare
  1. und Bewusstsein ist gar nicht klar, da Raten, die kein Bewusstsein haben, ohne Schlaf sterben. Ich denke, es werden hier zwei Forschungsfragen über Schlaf vermischt. Die eine beschäftigt sich eben mit den Gründen fürs Schlafen. Die andere damit, wie Schlaf Bewusstseinsakte beeinflusst.

    Im Übrigen ist diese Frage ziemlich interessant. Ich frag mich, ob man, wenn man sein Körper trainiert, nicht zu schlafen, es schafft, nicht mehr zu schlafen. Tag und Nacht wach zu bleiben. Den Körper so zu kontrollieren, dass Wachsamkeit vom Willen abhängig gemacht wird. Statt tiefer Schlaff, Stufen von Wachsamkeit. Ich denke, die Idee ist gar nicht so verrück. Bewusstlosigkeit ist wie ein Verschwinden von der Kontinuität der Zeit. Dieses ICH, welches meine Handlungen begleitet, verschwindet, kann sich an nichts erinnern. Die Zeit ist verschwunden, die Welt und das ICH sind gleich verschwunden. Jede Nacht geht man das Risiko ein, nicht mehr aufzuwachen. Gewohnheit ist nicht die Lösung des Problems, sondern ihr Zupackung. Kinder mögen es nicht schlafen zu gehen. Sie weinen sogar. Sie haben Angst davor nicht aufzustehen. Diese Lücke im Bewusstseinsstrom zwischen Einschlafen und Aufwachen ist nicht mehr rekonstruierbar, wenn man alleine Schlafen geht.
    Außerdem finde ich das Leben zu kurz, um so viel Zeit an Schlafen zu verschwinden.

    Leider muss ich jetzt (06:10AM) für zwei Stündchen schlafen gehen. Mit der Hoffnung, dass mein Beitrag nicht gleich verschwindet. Vielleicht werden die Internet-Server irgendwann unsere Garantie, dass wir nicht verschwinden. So verrückt ist das auch nicht.

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    daß Ratten kein Bewußtsein haben?

    "Kinder mögen es nicht schlafen zu gehen. Sie weinen sogar. Sie haben Angst davor nicht aufzustehen."

    Warum denken Sie, dass Kinder nicht schlafen wollen, weil sie Angst davor haben aufzustehen? Ich glaube nicht, dass jedes Kind so komplex denkt. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass das Kind einfach noch keine Lust hat schlafen zu gehen und lieber noch ein bisschen spielen möchte.

    • 9N0m
    • 23.11.2009 um 8:50 Uhr

    Jeder, der ueber einen laengeren Zeitraum nur ganz wenig Schlaf bekommt, merkt, dass der Schlaf- und Wachzustand mehr und mehr in ein ander uebergehen.

    Je weniger man schlaeft, je mueder ist man. Logisch.
    Wenn aber zu wenige geschlafen wird, erreicht man irgendwann einen Zustand in dem man vor Muedigkeit probleme hat einzuschlafen. (Das ist eine andere Muedigkeit, als wenn man nun einmal 40 Stunden wach ist und nurnoch schlafen will...)

    Der Zustand kommt dem nicht mehr schlafen schon recht nahe, ist aber alles andere als beneidenswert.
    Jeder Uebermuedete gleicht einem Zombie, da er von der Umwelt schon fast nichts mehr mitbekommt - er will schlafen.
    Wenn der Zustand aber ueber einen langen Zeitraum aufrecht erhalten wird, gewoehnt sich der Koerper daran und empfindet es als normal, dass er keinen/kaum Schlaf bekommt - und versucht die "Schlaftaetigkeiten" auf den "Wachzustand" zu uebertragen.

    Das jedenfalls sind meine eigenene Erfahrungen. Trotz langer Recherchen habe ich dafuer leider nie wissenschaftliche Beweise gefunden (vlt gibt es die inzwischen), sondern nur meine eigenen Schlussfolgerungen daruas gezogen.

    • heli 1
    • 01.09.2010 um 15:21 Uhr

    Jahrmillionen lang müssen sich Lebewesen schlicht und einfach die Zeit totschlagen weil sie nicht einmal Ihre eigene Hand vor dem Gesicht sehen !Wer einmal schlaflos sich die Nacht um die Ohren geschlagen hat weiß wie quälend dies ist. Die Evolution hat dadurch den Schlaf erfunden und beglückt uns mit Träume, Erholung und Entspannung.

    daß Ratten kein Bewußtsein haben?

    "Kinder mögen es nicht schlafen zu gehen. Sie weinen sogar. Sie haben Angst davor nicht aufzustehen."

    Warum denken Sie, dass Kinder nicht schlafen wollen, weil sie Angst davor haben aufzustehen? Ich glaube nicht, dass jedes Kind so komplex denkt. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass das Kind einfach noch keine Lust hat schlafen zu gehen und lieber noch ein bisschen spielen möchte.

    • 9N0m
    • 23.11.2009 um 8:50 Uhr

    Jeder, der ueber einen laengeren Zeitraum nur ganz wenig Schlaf bekommt, merkt, dass der Schlaf- und Wachzustand mehr und mehr in ein ander uebergehen.

    Je weniger man schlaeft, je mueder ist man. Logisch.
    Wenn aber zu wenige geschlafen wird, erreicht man irgendwann einen Zustand in dem man vor Muedigkeit probleme hat einzuschlafen. (Das ist eine andere Muedigkeit, als wenn man nun einmal 40 Stunden wach ist und nurnoch schlafen will...)

    Der Zustand kommt dem nicht mehr schlafen schon recht nahe, ist aber alles andere als beneidenswert.
    Jeder Uebermuedete gleicht einem Zombie, da er von der Umwelt schon fast nichts mehr mitbekommt - er will schlafen.
    Wenn der Zustand aber ueber einen langen Zeitraum aufrecht erhalten wird, gewoehnt sich der Koerper daran und empfindet es als normal, dass er keinen/kaum Schlaf bekommt - und versucht die "Schlaftaetigkeiten" auf den "Wachzustand" zu uebertragen.

    Das jedenfalls sind meine eigenene Erfahrungen. Trotz langer Recherchen habe ich dafuer leider nie wissenschaftliche Beweise gefunden (vlt gibt es die inzwischen), sondern nur meine eigenen Schlussfolgerungen daruas gezogen.

    • heli 1
    • 01.09.2010 um 15:21 Uhr

    Jahrmillionen lang müssen sich Lebewesen schlicht und einfach die Zeit totschlagen weil sie nicht einmal Ihre eigene Hand vor dem Gesicht sehen !Wer einmal schlaflos sich die Nacht um die Ohren geschlagen hat weiß wie quälend dies ist. Die Evolution hat dadurch den Schlaf erfunden und beglückt uns mit Träume, Erholung und Entspannung.

  2. daß Ratten kein Bewußtsein haben?

  3. Ich muss dem 1. Kommentator recht geben. Im Artikel steht dass die Ratten nach 2 Wochen starben. Es steht aber auch im Artikel dass die Ratten wach bleiben mussten um nicht ins Wasser zu fallen und zu ertrinken. Mir stellt sich da die Frage ob die Ratten nun tot umfielen oder einfach einschliefen und dann im Wasser ertranken. Ich halte letzteres wahrscheinlicher (und habe jetzt auch keine Lust nach dem Artikel zu suchen, waehre nett wenn der Autor das nachreichen wuerde). Wenn das stimmt waere es kein Beweis fuer die Lebensnotwendigkeit des Schlafes.

    Gruss,
    pu

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    Also, ich habe auch in meinem Studium mal was über dieses Experiment gelesen und natürlich ist es nicht so, dass die Ratten ins Wasser fielen und dort ertranken. Daraus könnte man ja kaum ableiten, der Schlaf sei lebensnotwendig. Sorry, aber für wie doof halten Sie Wissenschaftler, bzw. ZEIT- Journalisten eigentlich?

    Dennoch gibt es einen Kritikpunkt am Experiment: es beweist nämlich trotzdem nicht, dass Schlaf (wenigstens bei Ratten) lebensnotwendig ist, da dieser Drehteller gepaart mit der Angst, ins Wasser zu fallen (plus Schlafentzug), eventuell eine permanente Stresssituation für die armen Tierchen war und die Ratten letztlich wegen dieses Stress so früh verstarben.

    Also, ich habe auch in meinem Studium mal was über dieses Experiment gelesen und natürlich ist es nicht so, dass die Ratten ins Wasser fielen und dort ertranken. Daraus könnte man ja kaum ableiten, der Schlaf sei lebensnotwendig. Sorry, aber für wie doof halten Sie Wissenschaftler, bzw. ZEIT- Journalisten eigentlich?

    Dennoch gibt es einen Kritikpunkt am Experiment: es beweist nämlich trotzdem nicht, dass Schlaf (wenigstens bei Ratten) lebensnotwendig ist, da dieser Drehteller gepaart mit der Angst, ins Wasser zu fallen (plus Schlafentzug), eventuell eine permanente Stresssituation für die armen Tierchen war und die Ratten letztlich wegen dieses Stress so früh verstarben.

  4. "Kinder mögen es nicht schlafen zu gehen. Sie weinen sogar. Sie haben Angst davor nicht aufzustehen."

    Warum denken Sie, dass Kinder nicht schlafen wollen, weil sie Angst davor haben aufzustehen? Ich glaube nicht, dass jedes Kind so komplex denkt. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass das Kind einfach noch keine Lust hat schlafen zu gehen und lieber noch ein bisschen spielen möchte.

    • bivi
    • 01.01.2009 um 20:26 Uhr

    Dass Kinder generell nicht schlafen wollen ist nicht zutreffend.
    Kinder fürchten sich nicht vorm Schlafen sondern haben eher Angst den Kontakt zur Bezugsperson zu verlieren, alleine aufzuwachen oder wollen nicht aus interessanten Umgebungen herausgerissen werden.
    Ich kenne Kleinkinder die freiwillig ins Bett gehen, ja sogar selbst dazu die Initiativer ergreifen.

  5. danke für deine bemerkung zu 4 ;-)

    hoffentlich können dich meine kommentare zu weiteren motivieren...

    liebe grüße
    final reality

    ps: das pseudonym ist hier nur aus sicherheitsgründen notwendig. es ist drin, was drauf steht...

    • noiv
    • 09.01.2009 um 15:16 Uhr

    In der Physik gibt es das Phänomen, dass das Vergessen Energie kostet und das Merken nicht. Ich glaube, jedes informationsverarbeitende System, braucht früher oder später eine Pause um zu vergessen. Dass die Evolution für uns die Nacht als Zeitraum ausgesucht hat, ist sicher von Vorteil. Im Gegensatz zu Fledermäusen ist bei Menschen die aufgenommene Informationsmenge im Dunkeln eher gering.

    Spannend fände ich eine Antwort auf die Frage welches Lebewesen das einfachste Nervensystem hat und trotzdem regelmäßig Schlaf braucht? Bakterien machen doch einfach durch, oder?

  6. nur nicht so, wie wir und das vorstellen. Sie unterliegen denselben Gesetzen wie wir.

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