12 große Fragen Wird die Wissenschaft eines Tages alle Fragen beantworten?

Die Forscher haben ja schon viel hinbekommen. Sie haben Krankheiten wie die Pocken ausgerottet und mit Raumsonden die Grenzen des Sonnensystems erforscht. Manch einer ist da versucht zu glauben, sie hätten auf alles eine Antwort. Schaut man aber nur ein wenig genauer hin, wird schnell klar: Es gibt eine ganze Menge Fragen, von denen man nicht weiß, ob die Wissenschaft sie je wird beantworten können.

Das liegt zum einen an der Komplexität der Dinge. Die Naturwissenschaften basieren auf den Prinzipien der Reduktion, der Abstraktion und der Idealisierung. Doch in der Biologie zum Beispiel gibt es viele Phänomene, die auf sehr komplexen Wechselwirkungen beruhen. Hier bringen uns diese vereinfachenden Kategorien nicht weiter. Komplexe Systeme begegnen uns auch in vielen anderen Bereichen, die aktuelle Finanzkrise ist ein gutes Beispiel dafür.

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Serie: Wissensfragen
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Neben diesen chaotischen Systemen gibt es aber auch Phänomene, die wir prinzipiell nicht fassen können. Bewusst wurde uns das durch die Quantenmechanik: Zwei Eigenschaften eines Teilchens lassen sich nicht gleichzeitig bestimmen. Diese Erkenntnis war eine regelrechte Ab-strafung für alle, die glaubten, man könne alles erkennen, wenn man nur genau genug hinsehe.

Schließlich beschränken wir uns auch selbst. Wir stellen nur die Fragen, die unseren Vorstellungen entsprechen. So beschäftigten sich die Wissenschaftler, die die Befruchtung erforschten, lange nur mit der Beweglichkeit von Spermien. Dass auch die Eizelle eine aktive Rolle spielt, war vor der Emanzipation undenkbar.

Egal, in welchen Bereich wir schauen: Je besser wir die Dinge verstehen, desto klarer wird uns, was wir nicht verstehen. Deshalb wäre es überheblich zu glauben, die Wissenschaft könne alle Fragen beantworten. Sie beschenkt uns mit Erkenntnis, aber sie lehrt uns auch Demut.

Und dann sind da noch die letzten, großen Fragen. Woher kommen wir, was ist der Sinn des Lebens, was geschieht mit uns nach dem Tod? Denn was immer die Forscher auch herausfinden, eines geht uns nicht in den Kopf: die Vorstellung, dass wir Menschen vergänglich sind. Der Tod ist in den Kategorien der Wissenschaft einfach nicht erklärbar.

Die Forschung hat vieles aufgedeckt, doch sie scheitert an der wohl tiefsten Frage: dem Geheimnis unserer Existenz.

 
Leser-Kommentare
  1. kann m.E. nie alle Fragen letztlich beantworten.

    Bei jeder Begründung für eine Aussage landen wir in einem von drei Problemen (Münchhausen Trilemma):

    Infiniter Regress: Wir brauchen für jede Begründung wiederum eine Begründung, die wir wieder begründen müssen, usw. usf., ein Prozess ohne Ende (und daher praktisch nicht durchführbar).
    Logischer Zirkel: Die Begründung eines Phänomens ist schon im Phänomen selbst enthalten, man dreht sich gewissermaßen im Kreis - im Glossar ist beispielsweise die Definition des "logischen Zirkels" selbst zirkelhaft.
    Dogmatismus: Anstatt zu begründen wird einfach behauptet, dass ein bestimmtes Phänomen mit der Begründung bereits erklärt ist.

    Quellen:
    http://www.gavagai.de/the...
    http://www.schmidt-salomo...
    http://www.dittmar-online...

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    • Lodda
    • 31.12.2008 um 18:59 Uhr

    Lieber Flieger51,

    ich stimme Ihnen in jeder Hinsicht zu und würde gerne noch einen Aspekt hinzufügen: Selbst wenn wir aus naturwissenschaftlicher Perspektive die Antwort auf die Frage nach unserer Existenz eines Tages finden sollten (in der Tat ein schwieriges Unterfangen) - was bedeutet diese Erkenntnis dann für unser praktisches Handeln? Aus dem Wissen um eine Sache folgt schließlich noch keine konkrete Handlungsanweisung. Aus dem Wissen um die physikalische Beschaffenheit der Dinge eine solche Anweisung destillieren zu wollen, ist unzulässig. In der Philosophie bezeichnet man das Problem, aus dem Sein der Dinge auf ein verbindliches Sollen zu schließen u.a. als "Naturalistischen Fehlschluss" (http://de.wikipedia.org/w...).

    • Daaje
    • 02.01.2009 um 15:47 Uhr

    Um es gleich vorweg zu sagen: Dies ist eigentlich keine Antwort auf Post 1, sondern eine Reaktion auf die schlechte Bewertung, die dieser Post bekommen hat.

    Das Problem, dass Flieger51 darstellt ist ein altes Philosophisches Problem, dass aufzeigen soll, dass wir niemals Gewissheit erlangen können. Es zeigt drei Möglichkeiten auf, eine Meinung so zu begründen, dass man Gewissheit erlangt. Alle diese drei Möglichkeiten sind aber unattraktiv - oder erscheinen zumindest ungeeignet.

    Unumstritten ist derzeit, dass dies eine vollständige Liste aller Möglichkeiten ist. Umstritten ist derzeit, ob wir Gewissheit erlangen können, und wenn ja, für welche dieser Möglichkeiten wir uns dafür entscheiden müssen.

    Die als "Dogmatismus" bezeichnete Lösung wird heute vielerorts favorisiert. "Dogmatismus" ist dabei allerdings nicht abwertend gemeint; häufig wird auch von "Fundamentalismus" gesprochen - was ebenfalls nicht abwertend gemeint ist, sondern einfach nur herausstellen soll, dass ein bestimmtes Fundament die Basis unserer Überzeugungen sein soll. Dieses Fundament kann auch die empirische Wissenschaft sein, oder Überzeugungen wie "Ich denke also bin ich", oder eben religiöse Überzeugungen.

    Die negativen Wertungen des Posts verstehe ich so, dass hier vermutet wurde, dass wenn jemand der Wissenschaft die Fähigkeit abspricht, Gewissheit zu "produzieren", dass er dann zugleich der Religion das Wort redet. Wenn man den Fundamentalismus kritisiert, dann scheint es mir vielmehr so zu sein, dass man damit die Wissenschaft und die Religion gleichermaßen diskreditiert. Wenn es falsch sein sollte, _irgendetwas_ als Fundament anzunehmen, dann gilt das für wissenschaftliche Überzeugungen ebenso wie für religiöse.

    Oder sind die negativen Wertungen so zu verstehen, dass die wertenden Leser der Ansicht sind, dass die von Flieger51 genannte Unzulänglichkeit der Wissenschaft nicht aus dem Münchhausentrilemma folgt. Dem würde ich zwar zustimmen, aber dann müssen wir uns für eine der Möglichkeiten des Trilemmas entscheiden - und das ist alles andere als eine leichte Entscheidung.

    Ich möchte aber noch einmal hervorheben: Wenn wir prinzipiell keine Gewisshei haben können, dann hilft weder Glaube noch Forschung. Als Schlachtfeld im Krieg zwischen diesen beiden Herangehensweisen taugt das Münchhausentrilemma nichts. Es sagt weder etwas über Gott noch über die empirische Wissenschaft aus. Es ist nur geeignet, um uns bewusst zu machen, wie wir begründen (sollten), und ob diese Begründungen uns Gewissheit verschaffen können, und in dieser Eigenschaft, als Reaktion auf den Artikel m.E. völlig geeignet.

    • Lodda
    • 31.12.2008 um 18:59 Uhr

    Lieber Flieger51,

    ich stimme Ihnen in jeder Hinsicht zu und würde gerne noch einen Aspekt hinzufügen: Selbst wenn wir aus naturwissenschaftlicher Perspektive die Antwort auf die Frage nach unserer Existenz eines Tages finden sollten (in der Tat ein schwieriges Unterfangen) - was bedeutet diese Erkenntnis dann für unser praktisches Handeln? Aus dem Wissen um eine Sache folgt schließlich noch keine konkrete Handlungsanweisung. Aus dem Wissen um die physikalische Beschaffenheit der Dinge eine solche Anweisung destillieren zu wollen, ist unzulässig. In der Philosophie bezeichnet man das Problem, aus dem Sein der Dinge auf ein verbindliches Sollen zu schließen u.a. als "Naturalistischen Fehlschluss" (http://de.wikipedia.org/w...).

    • Daaje
    • 02.01.2009 um 15:47 Uhr

    Um es gleich vorweg zu sagen: Dies ist eigentlich keine Antwort auf Post 1, sondern eine Reaktion auf die schlechte Bewertung, die dieser Post bekommen hat.

    Das Problem, dass Flieger51 darstellt ist ein altes Philosophisches Problem, dass aufzeigen soll, dass wir niemals Gewissheit erlangen können. Es zeigt drei Möglichkeiten auf, eine Meinung so zu begründen, dass man Gewissheit erlangt. Alle diese drei Möglichkeiten sind aber unattraktiv - oder erscheinen zumindest ungeeignet.

    Unumstritten ist derzeit, dass dies eine vollständige Liste aller Möglichkeiten ist. Umstritten ist derzeit, ob wir Gewissheit erlangen können, und wenn ja, für welche dieser Möglichkeiten wir uns dafür entscheiden müssen.

    Die als "Dogmatismus" bezeichnete Lösung wird heute vielerorts favorisiert. "Dogmatismus" ist dabei allerdings nicht abwertend gemeint; häufig wird auch von "Fundamentalismus" gesprochen - was ebenfalls nicht abwertend gemeint ist, sondern einfach nur herausstellen soll, dass ein bestimmtes Fundament die Basis unserer Überzeugungen sein soll. Dieses Fundament kann auch die empirische Wissenschaft sein, oder Überzeugungen wie "Ich denke also bin ich", oder eben religiöse Überzeugungen.

    Die negativen Wertungen des Posts verstehe ich so, dass hier vermutet wurde, dass wenn jemand der Wissenschaft die Fähigkeit abspricht, Gewissheit zu "produzieren", dass er dann zugleich der Religion das Wort redet. Wenn man den Fundamentalismus kritisiert, dann scheint es mir vielmehr so zu sein, dass man damit die Wissenschaft und die Religion gleichermaßen diskreditiert. Wenn es falsch sein sollte, _irgendetwas_ als Fundament anzunehmen, dann gilt das für wissenschaftliche Überzeugungen ebenso wie für religiöse.

    Oder sind die negativen Wertungen so zu verstehen, dass die wertenden Leser der Ansicht sind, dass die von Flieger51 genannte Unzulänglichkeit der Wissenschaft nicht aus dem Münchhausentrilemma folgt. Dem würde ich zwar zustimmen, aber dann müssen wir uns für eine der Möglichkeiten des Trilemmas entscheiden - und das ist alles andere als eine leichte Entscheidung.

    Ich möchte aber noch einmal hervorheben: Wenn wir prinzipiell keine Gewisshei haben können, dann hilft weder Glaube noch Forschung. Als Schlachtfeld im Krieg zwischen diesen beiden Herangehensweisen taugt das Münchhausentrilemma nichts. Es sagt weder etwas über Gott noch über die empirische Wissenschaft aus. Es ist nur geeignet, um uns bewusst zu machen, wie wir begründen (sollten), und ob diese Begründungen uns Gewissheit verschaffen können, und in dieser Eigenschaft, als Reaktion auf den Artikel m.E. völlig geeignet.

    • Lodda
    • 31.12.2008 um 18:59 Uhr

    Lieber Flieger51,

    ich stimme Ihnen in jeder Hinsicht zu und würde gerne noch einen Aspekt hinzufügen: Selbst wenn wir aus naturwissenschaftlicher Perspektive die Antwort auf die Frage nach unserer Existenz eines Tages finden sollten (in der Tat ein schwieriges Unterfangen) - was bedeutet diese Erkenntnis dann für unser praktisches Handeln? Aus dem Wissen um eine Sache folgt schließlich noch keine konkrete Handlungsanweisung. Aus dem Wissen um die physikalische Beschaffenheit der Dinge eine solche Anweisung destillieren zu wollen, ist unzulässig. In der Philosophie bezeichnet man das Problem, aus dem Sein der Dinge auf ein verbindliches Sollen zu schließen u.a. als "Naturalistischen Fehlschluss" (http://de.wikipedia.org/w...).

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    aber ohne Wissen ist alles nichts.

    Ohne Wissen lebten wir wie jedes andere Tier auch und bräuchten uns um unser Handeln keine Gedanken zu machen.

    Nur weil wir mehr von den Dingen wissen als unsere Mitgeschöpfe, sind ethische Fragen für uns überhaupt von Bedeutung. Wüssten wir nicht um eine Sache, würde sich eine Frage nach daraus resultierenden Handlungen gar nicht erst stellen.

    Das Wissen ist nun mal die Grundlage allen ethischen Handelns. Nur aus dem Wissen heraus können wir entscheiden, was ethisch und moralisch ist und was nicht.

    • PGMN
    • 02.01.2009 um 13:06 Uhr

    Mich würde einmal interessieren, wozu der Mensch eine konkrete Handlungsanweisung braucht. Es gibt Leute, die behaupten, ohne Glauben könnte man morgens nicht aufstehen, da man mit dem Aufstehen eine Erwartungshaltung an das Leben beweist. Die Natur kommt im Allgemeinen auch ohne Handlungsanweisung aus, warum muss der Mensch eine Ausnahme bilden?

    aber ohne Wissen ist alles nichts.

    Ohne Wissen lebten wir wie jedes andere Tier auch und bräuchten uns um unser Handeln keine Gedanken zu machen.

    Nur weil wir mehr von den Dingen wissen als unsere Mitgeschöpfe, sind ethische Fragen für uns überhaupt von Bedeutung. Wüssten wir nicht um eine Sache, würde sich eine Frage nach daraus resultierenden Handlungen gar nicht erst stellen.

    Das Wissen ist nun mal die Grundlage allen ethischen Handelns. Nur aus dem Wissen heraus können wir entscheiden, was ethisch und moralisch ist und was nicht.

    • PGMN
    • 02.01.2009 um 13:06 Uhr

    Mich würde einmal interessieren, wozu der Mensch eine konkrete Handlungsanweisung braucht. Es gibt Leute, die behaupten, ohne Glauben könnte man morgens nicht aufstehen, da man mit dem Aufstehen eine Erwartungshaltung an das Leben beweist. Die Natur kommt im Allgemeinen auch ohne Handlungsanweisung aus, warum muss der Mensch eine Ausnahme bilden?

  2. aber ohne Wissen ist alles nichts.

    Ohne Wissen lebten wir wie jedes andere Tier auch und bräuchten uns um unser Handeln keine Gedanken zu machen.

    Nur weil wir mehr von den Dingen wissen als unsere Mitgeschöpfe, sind ethische Fragen für uns überhaupt von Bedeutung. Wüssten wir nicht um eine Sache, würde sich eine Frage nach daraus resultierenden Handlungen gar nicht erst stellen.

    Das Wissen ist nun mal die Grundlage allen ethischen Handelns. Nur aus dem Wissen heraus können wir entscheiden, was ethisch und moralisch ist und was nicht.

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    • Lodda
    • 02.01.2009 um 17:42 Uhr

    "Das Wissen ist nun mal die Grundlage allen ethischen Handelns. Nur aus dem Wissen heraus können wir entscheiden, was ethisch und moralisch ist und was nicht." - Das sehe ich ganz genau so. Nur gilt es zu bedenken, dass es einen Unterschied gibt zwischen positivistischem Wissen und dem Wissen um dessen Bodenlosigkeit und Temporalität. Vielleicht ist gerade das Wissen um das eigene Nichtwissen bzw. um die unbegrenzte Vielheit an möglichen Erklärungen und Standpunkten ein ethisches Motiv, das heute allzu oft in Vergessenheit gerät. Die Frage ist meiner Auffassung nach nicht, ob wir unserem Ethos ein wie auch immer beschaffenes Wissen über die Welt zu Grunde legen, sondern welches Bestandteil dieses Wissens. Wie aber ist eine ethische Entscheidung möglich, die ihr eigenes Nicht-Wissen berücksichtigt? Je mehr wir wissen, desto stärker wird uns bewusst, wie kontingent, unerschöpflich und inkohärent unser Fundus an Erklärungsmöglichkeiten und Antworten tatsächlich ist. Mit Blick auf diese Aporie hilft uns der Rückgriff auf die Wissenschaft und ihren Erkenntniswert nicht wirklich weiter. Vielleicht legen Sie einmal exemplarisch offen, was genau Sie unter "Wissen" eigentlich verstehen? Das sind Sie mir und Ihren positiv gestimmten BewerterInnen noch schuldig geblieben.

    • Lodda
    • 02.01.2009 um 17:42 Uhr

    "Das Wissen ist nun mal die Grundlage allen ethischen Handelns. Nur aus dem Wissen heraus können wir entscheiden, was ethisch und moralisch ist und was nicht." - Das sehe ich ganz genau so. Nur gilt es zu bedenken, dass es einen Unterschied gibt zwischen positivistischem Wissen und dem Wissen um dessen Bodenlosigkeit und Temporalität. Vielleicht ist gerade das Wissen um das eigene Nichtwissen bzw. um die unbegrenzte Vielheit an möglichen Erklärungen und Standpunkten ein ethisches Motiv, das heute allzu oft in Vergessenheit gerät. Die Frage ist meiner Auffassung nach nicht, ob wir unserem Ethos ein wie auch immer beschaffenes Wissen über die Welt zu Grunde legen, sondern welches Bestandteil dieses Wissens. Wie aber ist eine ethische Entscheidung möglich, die ihr eigenes Nicht-Wissen berücksichtigt? Je mehr wir wissen, desto stärker wird uns bewusst, wie kontingent, unerschöpflich und inkohärent unser Fundus an Erklärungsmöglichkeiten und Antworten tatsächlich ist. Mit Blick auf diese Aporie hilft uns der Rückgriff auf die Wissenschaft und ihren Erkenntniswert nicht wirklich weiter. Vielleicht legen Sie einmal exemplarisch offen, was genau Sie unter "Wissen" eigentlich verstehen? Das sind Sie mir und Ihren positiv gestimmten BewerterInnen noch schuldig geblieben.

    • peto1
    • 01.01.2009 um 13:27 Uhr

    Natürlich ist die frage sehr interresant und tiefsinnig aber genausogut kan man fragen was passiert nach dem tot?
    Aber es gibt eine frage wie ich meine die viel wichtiger ist als die frage wiso weshalb und warum, die frage Wieviel Zeit haben Wir?

    • PGMN
    • 02.01.2009 um 13:06 Uhr
    5. Wozu?

    Mich würde einmal interessieren, wozu der Mensch eine konkrete Handlungsanweisung braucht. Es gibt Leute, die behaupten, ohne Glauben könnte man morgens nicht aufstehen, da man mit dem Aufstehen eine Erwartungshaltung an das Leben beweist. Die Natur kommt im Allgemeinen auch ohne Handlungsanweisung aus, warum muss der Mensch eine Ausnahme bilden?

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    freue ich mich auf all die aufregenden Dinge, die geschehen werden - sagte Pooh, der Bär. Ich freu mich aufs Früchstück - sagte das kleine Schweinchen. Das mein ich doch - erwiderte Pooh.
    Einen Grund, aufzustehen findet ein positiv denkender Mensche jeden Morgen, auch ganz ohne jenseitigen Zinnober.
    _________________________________________________
    Alles, was gesagt werden kann, kann klar gesagt werden -
    Ludwig Wittgenstein

    • Daaje
    • 02.01.2009 um 15:16 Uhr

    Die Natur kommt ohne Handlungsanweisung aus - ich stimme Ihnen zu. Daher liegt die Antwort für Ihre folgende Frage auf der Hand: Der Mensch ist eben nicht nur ein natürliches Wesen, sondern auch ein kulturelles.

    Man kann die Fragen, ob wir einen freien Willen haben, ob wir geistige Wesen sind, oder rein materiell, ob es einen Gott gibt, oder nicht - all diese Fragen kann man außer Acht lassen. Selbst wenn unser kulturelles Dasein nur eine Illusion ist, gibt es diesen Aspekt - wenn auch nur als Illusion.

    Wir haben zumindest den Eindruck, Entscheidungen zu treffen. Und es erscheint uns so, dass wir dafür Gründe benötigen, dass wir zeitweise nachdenken müssen, bevor wir uns entscheiden können. Wir erwägen, was besser wäre - und dafür brauchen wir wertende Maßstäbe, etwas wie "Es wäre besser, Weihnachten mit meiner Frau und meinen Kindern zu verbringen, als in einer Kneipe am Bahnhof." Diese wertenden Maßstäbe kommen aber nicht aus der Natur. Die Natur wertet nicht, die Natur macht einfach - sozusagen. Wo bekommen wir nun also diese Maßstäbe her. Selbst wenn wir uns nur einbilden, sie zu brauchen: diese Illusion ist sehr beharrlich: Versuchen Sie einmal, sich auch nur einen Tag nur von Ihren Instinkten und Trieben leiten zu lassen! Sie werden feststellen, dass Ihnen permanent ein kulturelles Etwas über die Schulter schaut, und zwischen Ihren Schläfen ein befremdetes "Was soll denn das?" brummelt. Irgendwann gönnen Sie sich dann eine Pause vom Triebhaften, und lesen "heimlich" ZEIT-Online. Man wird dieses Kulturelle nicht so leicht los. Was soll ich ohne diese Maßstäbe nur tun?

    Diese Maßstäbe kommen aus der Kultur. Weihnachten ist kulturell mit Familie verknüpft und nicht mit Kneipe. Daher bin ich in der Lage, mich zu entscheiden.

    Ob man dazu Glauben im theologischen Sinne braucht, sei dahin gestellt. Ich denke, es geht auch gut ohne. Sicherlich kann aber auch die Religion diese Aufgabe für einen Menschen erfüllen; auch sie setzt wertende Maßstäbe.

    All dies weist darauf hin, dass die Frage "Was ist der Mensch?" nicht vollständig geklärt ist, wenn man seinen Platz im Stammbaum der Evolution nennt.

    freue ich mich auf all die aufregenden Dinge, die geschehen werden - sagte Pooh, der Bär. Ich freu mich aufs Früchstück - sagte das kleine Schweinchen. Das mein ich doch - erwiderte Pooh.
    Einen Grund, aufzustehen findet ein positiv denkender Mensche jeden Morgen, auch ganz ohne jenseitigen Zinnober.
    _________________________________________________
    Alles, was gesagt werden kann, kann klar gesagt werden -
    Ludwig Wittgenstein

    • Daaje
    • 02.01.2009 um 15:16 Uhr

    Die Natur kommt ohne Handlungsanweisung aus - ich stimme Ihnen zu. Daher liegt die Antwort für Ihre folgende Frage auf der Hand: Der Mensch ist eben nicht nur ein natürliches Wesen, sondern auch ein kulturelles.

    Man kann die Fragen, ob wir einen freien Willen haben, ob wir geistige Wesen sind, oder rein materiell, ob es einen Gott gibt, oder nicht - all diese Fragen kann man außer Acht lassen. Selbst wenn unser kulturelles Dasein nur eine Illusion ist, gibt es diesen Aspekt - wenn auch nur als Illusion.

    Wir haben zumindest den Eindruck, Entscheidungen zu treffen. Und es erscheint uns so, dass wir dafür Gründe benötigen, dass wir zeitweise nachdenken müssen, bevor wir uns entscheiden können. Wir erwägen, was besser wäre - und dafür brauchen wir wertende Maßstäbe, etwas wie "Es wäre besser, Weihnachten mit meiner Frau und meinen Kindern zu verbringen, als in einer Kneipe am Bahnhof." Diese wertenden Maßstäbe kommen aber nicht aus der Natur. Die Natur wertet nicht, die Natur macht einfach - sozusagen. Wo bekommen wir nun also diese Maßstäbe her. Selbst wenn wir uns nur einbilden, sie zu brauchen: diese Illusion ist sehr beharrlich: Versuchen Sie einmal, sich auch nur einen Tag nur von Ihren Instinkten und Trieben leiten zu lassen! Sie werden feststellen, dass Ihnen permanent ein kulturelles Etwas über die Schulter schaut, und zwischen Ihren Schläfen ein befremdetes "Was soll denn das?" brummelt. Irgendwann gönnen Sie sich dann eine Pause vom Triebhaften, und lesen "heimlich" ZEIT-Online. Man wird dieses Kulturelle nicht so leicht los. Was soll ich ohne diese Maßstäbe nur tun?

    Diese Maßstäbe kommen aus der Kultur. Weihnachten ist kulturell mit Familie verknüpft und nicht mit Kneipe. Daher bin ich in der Lage, mich zu entscheiden.

    Ob man dazu Glauben im theologischen Sinne braucht, sei dahin gestellt. Ich denke, es geht auch gut ohne. Sicherlich kann aber auch die Religion diese Aufgabe für einen Menschen erfüllen; auch sie setzt wertende Maßstäbe.

    All dies weist darauf hin, dass die Frage "Was ist der Mensch?" nicht vollständig geklärt ist, wenn man seinen Platz im Stammbaum der Evolution nennt.

  3. freue ich mich auf all die aufregenden Dinge, die geschehen werden - sagte Pooh, der Bär. Ich freu mich aufs Früchstück - sagte das kleine Schweinchen. Das mein ich doch - erwiderte Pooh.
    Einen Grund, aufzustehen findet ein positiv denkender Mensche jeden Morgen, auch ganz ohne jenseitigen Zinnober.
    _________________________________________________
    Alles, was gesagt werden kann, kann klar gesagt werden -
    Ludwig Wittgenstein

    Antwort auf "Wozu?"
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    wenn man so in den Tag hineinlebt, wissend, es gibt gutes und schlechtes auf dieser Welt. Deshalb ja die Reflexionen, dass man solche Dinge nicht ausfersehen auch macht, mitmacht oder unnötig duldet. (Es kann dies ja eben auch anders sich darstellen, jedesmal. Auch die sonstigen Krisen und Betrügereien stellen sich ja immer wieder etwas anders da.) So schön es ist bzw. sich lebt, wenn man einfach so in den Tag hineinleben kann: Man muss sich schon sehr genau überlegen, was man macht, oder ob man nicht auch in den letzten großen Widerstand, den Lebenswiderstand sozusagen, gehen sollte bzw. muss.

    wenn man so in den Tag hineinlebt, wissend, es gibt gutes und schlechtes auf dieser Welt. Deshalb ja die Reflexionen, dass man solche Dinge nicht ausfersehen auch macht, mitmacht oder unnötig duldet. (Es kann dies ja eben auch anders sich darstellen, jedesmal. Auch die sonstigen Krisen und Betrügereien stellen sich ja immer wieder etwas anders da.) So schön es ist bzw. sich lebt, wenn man einfach so in den Tag hineinleben kann: Man muss sich schon sehr genau überlegen, was man macht, oder ob man nicht auch in den letzten großen Widerstand, den Lebenswiderstand sozusagen, gehen sollte bzw. muss.

    • Walkus
    • 02.01.2009 um 14:04 Uhr

    Ist die Frage nach der Begrenztheit der Wissenschaft ein quantitatives Problem? Ist die Wissenschaft dadurch begrenzt, dass es Fragen gibt, auf die man bisher keine schlüssige Antwort weiß? Und kann die Wissenschaft einen absoluten Wahrheitsanspruch für sich erheben, wenn sie auf all jene Fragen, die jetzt als unbeantwortbar erscheinen eine Frage weiß?

    Oder ist die Frage der Begrenztheit der Wissenschaft eine "qualitative" Frage? Eine Frage also, die aus dem Wesen des Begriffs beantwortet werden muss?

    • Daaje
    • 02.01.2009 um 15:16 Uhr

    Die Natur kommt ohne Handlungsanweisung aus - ich stimme Ihnen zu. Daher liegt die Antwort für Ihre folgende Frage auf der Hand: Der Mensch ist eben nicht nur ein natürliches Wesen, sondern auch ein kulturelles.

    Man kann die Fragen, ob wir einen freien Willen haben, ob wir geistige Wesen sind, oder rein materiell, ob es einen Gott gibt, oder nicht - all diese Fragen kann man außer Acht lassen. Selbst wenn unser kulturelles Dasein nur eine Illusion ist, gibt es diesen Aspekt - wenn auch nur als Illusion.

    Wir haben zumindest den Eindruck, Entscheidungen zu treffen. Und es erscheint uns so, dass wir dafür Gründe benötigen, dass wir zeitweise nachdenken müssen, bevor wir uns entscheiden können. Wir erwägen, was besser wäre - und dafür brauchen wir wertende Maßstäbe, etwas wie "Es wäre besser, Weihnachten mit meiner Frau und meinen Kindern zu verbringen, als in einer Kneipe am Bahnhof." Diese wertenden Maßstäbe kommen aber nicht aus der Natur. Die Natur wertet nicht, die Natur macht einfach - sozusagen. Wo bekommen wir nun also diese Maßstäbe her. Selbst wenn wir uns nur einbilden, sie zu brauchen: diese Illusion ist sehr beharrlich: Versuchen Sie einmal, sich auch nur einen Tag nur von Ihren Instinkten und Trieben leiten zu lassen! Sie werden feststellen, dass Ihnen permanent ein kulturelles Etwas über die Schulter schaut, und zwischen Ihren Schläfen ein befremdetes "Was soll denn das?" brummelt. Irgendwann gönnen Sie sich dann eine Pause vom Triebhaften, und lesen "heimlich" ZEIT-Online. Man wird dieses Kulturelle nicht so leicht los. Was soll ich ohne diese Maßstäbe nur tun?

    Diese Maßstäbe kommen aus der Kultur. Weihnachten ist kulturell mit Familie verknüpft und nicht mit Kneipe. Daher bin ich in der Lage, mich zu entscheiden.

    Ob man dazu Glauben im theologischen Sinne braucht, sei dahin gestellt. Ich denke, es geht auch gut ohne. Sicherlich kann aber auch die Religion diese Aufgabe für einen Menschen erfüllen; auch sie setzt wertende Maßstäbe.

    All dies weist darauf hin, dass die Frage "Was ist der Mensch?" nicht vollständig geklärt ist, wenn man seinen Platz im Stammbaum der Evolution nennt.

    Antwort auf "Wozu?"
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    Hierzu ein paar Anmerkungen:

    "Die Natur kommt ohne Handlungsanweisung aus - ich stimme Ihnen zu. Daher liegt die Antwort für Ihre folgende Frage auf der Hand: Der Mensch ist eben nicht nur ein natürliches Wesen, sondern auch ein kulturelles."

    Das ist eine Art kulturalistischer Irrtum. Die Natur des Menschen schließt die Kultur mit ein. Die Kultur ist Teil der menschlichen Natur. Insofern kann unser 'kulturelles Dasein' auch keine 'Illusion' sein.

    "Wir erwägen, was besser wäre - und dafür brauchen wir wertende Maßstäbe, ... Diese wertenden Maßstäbe kommen aber nicht aus der Natur. Die Natur wertet nicht, die Natur macht einfach - sozusagen. Wo bekommen wir nun also diese Maßstäbe her."

    Richtig, die Natur wertet nicht. Aber das Individuum wertet. Alle höheren Organismen "werten". Beim Menschen erfolgen manche Wertungen, im Unterschied zum Tier, allerdings bewusst.

    Den Begriff 'Wertung' habe ich hier mit Absicht sehr weit gefasst. Ich denke, dass unsere heutigen 'Wertungen' ursprünglich schlicht lebensnotwendige Entscheidungen waren, also aus natürlichen Entscheidungsprozessen hervorgegangen sind. Denn jeder höhere Organismus muss in der Auseinandersetzung mit der Umwelt permanent die richtigen Entscheidungen treffen, um zu überleben (das erinnert an "struggle for existence", nicht wahr :)).

    Und damit ist auch klar, wo unsere wertenden Maßstäbe wirklich herkommen: aus uns selbst. Wir haben sie uns im Laufe der Jahrmillionen erworben, sie sind in unsere Gene eingeschrieben. Unser Pech ist nur, dass wir nicht wirklich wissen könne, wo genau was steht und ob das dann auch für die aktuelle Situation das Richtige ist. Das ändert aber nichts daran, dass wir allein auf unsere Erfahrungen, auf unser Wissen (genetisch fixiertes und kulturell tradiertes Wissen) angewiesen sind. Es gibt keine helfende, äußere Instanz.

    "All dies weist darauf hin, dass die Frage "Was ist der Mensch?" nicht vollständig geklärt ist, wenn man seinen Platz im Stammbaum der Evolution nennt."

    Das ist so überspitzt formuliert, dass selbst ich geneigt bin, zuzustimmen. ☺

    Aber wer da denkt, er könne bei dieser Frage den Stammbaum auch nur ein bisschen vernachlässigen, liegt völlig daneben. Was und wie wir heute sind, hat sich im Laufe von knapp drei Milliarden Jahren genau so natürlich/biologisch entwickelt (inklusive Kultur).

    Hierzu ein paar Anmerkungen:

    "Die Natur kommt ohne Handlungsanweisung aus - ich stimme Ihnen zu. Daher liegt die Antwort für Ihre folgende Frage auf der Hand: Der Mensch ist eben nicht nur ein natürliches Wesen, sondern auch ein kulturelles."

    Das ist eine Art kulturalistischer Irrtum. Die Natur des Menschen schließt die Kultur mit ein. Die Kultur ist Teil der menschlichen Natur. Insofern kann unser 'kulturelles Dasein' auch keine 'Illusion' sein.

    "Wir erwägen, was besser wäre - und dafür brauchen wir wertende Maßstäbe, ... Diese wertenden Maßstäbe kommen aber nicht aus der Natur. Die Natur wertet nicht, die Natur macht einfach - sozusagen. Wo bekommen wir nun also diese Maßstäbe her."

    Richtig, die Natur wertet nicht. Aber das Individuum wertet. Alle höheren Organismen "werten". Beim Menschen erfolgen manche Wertungen, im Unterschied zum Tier, allerdings bewusst.

    Den Begriff 'Wertung' habe ich hier mit Absicht sehr weit gefasst. Ich denke, dass unsere heutigen 'Wertungen' ursprünglich schlicht lebensnotwendige Entscheidungen waren, also aus natürlichen Entscheidungsprozessen hervorgegangen sind. Denn jeder höhere Organismus muss in der Auseinandersetzung mit der Umwelt permanent die richtigen Entscheidungen treffen, um zu überleben (das erinnert an "struggle for existence", nicht wahr :)).

    Und damit ist auch klar, wo unsere wertenden Maßstäbe wirklich herkommen: aus uns selbst. Wir haben sie uns im Laufe der Jahrmillionen erworben, sie sind in unsere Gene eingeschrieben. Unser Pech ist nur, dass wir nicht wirklich wissen könne, wo genau was steht und ob das dann auch für die aktuelle Situation das Richtige ist. Das ändert aber nichts daran, dass wir allein auf unsere Erfahrungen, auf unser Wissen (genetisch fixiertes und kulturell tradiertes Wissen) angewiesen sind. Es gibt keine helfende, äußere Instanz.

    "All dies weist darauf hin, dass die Frage "Was ist der Mensch?" nicht vollständig geklärt ist, wenn man seinen Platz im Stammbaum der Evolution nennt."

    Das ist so überspitzt formuliert, dass selbst ich geneigt bin, zuzustimmen. ☺

    Aber wer da denkt, er könne bei dieser Frage den Stammbaum auch nur ein bisschen vernachlässigen, liegt völlig daneben. Was und wie wir heute sind, hat sich im Laufe von knapp drei Milliarden Jahren genau so natürlich/biologisch entwickelt (inklusive Kultur).

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