Eigentlich steht alles im Erdkundebuch: Unser Planet verbirgt unter seiner Kruste einen Mantel aus heißem Gesteinsbrei und in seinem Innersten einen Kern aus einer Eisen-Nickel- Legierung. Dieses Standardmodell ist jedoch viel zu grob. Noch immer gilt, was Jules Vernes Professor Lidenbrock in der Reise zum Mittelpunkt der Erde seinem Neffen Axel sagte: »Weder Du noch irgendein Mensch weiß einigermaßen zuverlässig, was im Inneren des Erdballs vorgeht.«

Bohrversuche von Amerikanern und Russen in den 60er und 70er Jahren scheiterten jämmerlich: Als das Gestein zu weich und zu heiß für die Bohrer wurde, hatten die Forscher gerade mal die Erdoberfläche angekratzt.

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Für den Rest der rund 6370 Kilometer bis zum Zentrum müssen Geowissenschaftler sich deshalb immer noch auf ihre ältesten Instrumente verlassen: Erdbebenmessgeräte. Sie zeichnen auf, wie sich Erschütterungen durch den Körper des Planeten ausbreiten. Anhand dieser Daten interpretieren Seismologen die Grenzen zwischen Kruste, Mantel und Kern.

Viele Fragen sind trotzdem noch offen: Wann erfolgte die Kernbildung? Gibt es einen chemischen Austausch zwischen Kern und Mantel? Und welche Temperaturen herrschen im Kern? Hierzu gibt es zumindest Schätzungen: An der Grenze von innerem zu äußerem Kern könnte die Temperatur zwischen 6000 und 7000 Grad Celsius liegen.

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Klar ist, dass im flüssigen äußeren Kern ein ziemliches Durcheinander herrschen muss. Dort wird ständig heißes Metall umgewälzt und so das Magnetfeld der Erde aufrechterhalten. Wie? Dazu gibt es bisher bloß Theorien.

Was dort vor sich geht, wollen Geologen irgendwann mit einem Röntgenblick von der Erd- oberfläche aus erforschen. So hochauflösend, dass auch winzige Unterschiede im äußeren Kern sichtbar werden. Dafür müsste das Netz der Messstationen aber viel dichter sein. Abhilfe könnten »seismische Arrays« schaffen, Verbünde von Stationen, die an wenigen, re- präsentativen Stellen der Erdoberfläche sehr dicht aufgestellt wären. Ihre Ergebnisse könnte man hochrechnen – und vielleicht sogar Strömungs- und Temperaturunterschiede erkennen.

Der Nachteil: Auch damit wäre die Menschheit dem Mittelpunkt der Erde noch kein Stück näher gekommen.