12 große Fragen Sind alle Krankheiten besiegbar?

Teil 6: Der Mensch hat viele Gebrechen. Sein Körper krankt irgendwann. Die Forschung könnte Abhilfe schaffen

Natürlich, möchte man als fortschrittsgläubiger Mensch sofort antworten. Hätten wir beliebig viel Zeit und Geld und ginge man davon aus, dass alle Krankheiten eine Ursache haben, die Forscher finden und Ärzte beheben lernen können, dann müsste man alle Leiden therapieren können. Irgendwann, für alle Ewigkeit. Amen.

Der frisch gekürte deutsche Nobelpreisträger für Medizin ist jedoch skeptisch: »Durch mehr Grundlagenforschung könnten wir bei einigen Krankheiten sicher schneller vorwärtskommen.« Aber für die »vorausseh-bare Zukunft« hält es der Krebsforscher Harald zur Hausen für »absolut illusionär, mit unbegrenzten Mitteln auch nur das Krebsproblem zu lösen«.

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Können wir durch die Erfolge der Medizin wenigstens dauerhaft gesünder werden? Würden mehr Menschen beherzigen, was bekannt ist, könnten 80 Prozent der Herz-Kreislauf-Todesfälle vermieden werden: durch gesunde Ernährung, mehr Bewegung und Verzicht aufs Rauchen. Wenn zusätzlich eine Wundermedizin jedes kaputte Herz und Gefäß reparieren könnte, dann würden zwar immer weniger Menschen an Herzleiden sterben, aber sie erkrankten häufiger an Krebs. Wäre auch der besiegt, würden Alzheimer oder Rheuma ihren Tribut fordern. Und verlören auch sie ihren Schrecken, drohten bisher unbekannte Leiden. Zudem sind die Menschen dem Ansturm immer neuer Erreger ausgesetzt. Wir können schon froh sein, wenn wir einen Schritt schneller bleiben als die Angreifer.

Der zweite Feind lauert in unserem Erbgut. Selbst wenn Forscher lernen könnten, krank machende Mutationen von einer normalen Variation zu unterscheiden und das Erbgut von ihnen zu befreien – niemand könnte vorhersagen, welche Gene die Menschheit in Zukunft benötigen wird. Wer die oft schmerzhafte und immer tödliche Conditio humana abschaffen will, der riskiert am Ende womöglich nur eines: das Überleben der Menschheit.

 
Leser-Kommentare
  1. Nun ja, das Überleben der Menschheit haben wir ja schon mal sehr gut durch die riesigen A-Waffen-Arsenale riskiert. Dass dies durch die Abschaffung von Krankheiten mittels Genmanipulation nun gefährlicher sein bzw. werden würde, das müsste man erstmal genauer nachweisen.

    Es ist bzw. wäre hier auch mal interessant mal den Umgang der Menschen mit Krankheiten und Kranken zu beleuchten. So sollen Krankheiten schon im alten Judentum, bis zu Jesu Zeiten, und wohl auch hernach und in anderen Kulturen bzw. Völkern Ausdruck von Sünden gewesen sein. Lahme und Gebrechliche durften deshalb nicht in den Tempel und sich der ja so eminent wichtigen rituellen geistlichen Reinigung erfreuen - sie waren und sollten für immer unrein bleiben.
    Heute werden vereinzelt sogar Blinde und "Lahme" zu Profi- oder Semiprofi-Sportlern hochgezüchtet, bzw. tun sie dies selbst, wo man nichts weiter tut als Sport zu treiben um in Wettkämpfen zu siegen. Nix hier also mit dem "Besiegen des Siegens". Von einem Extrem in ein Anderes, könnte man da fast meinen.

  2. vielleicht sollte der mensch,um gesund zu sein und zu bleiben, nicht bei sich sondern bei der umwelt anfangen.zuerst sollte er vielleicht dafür sorgen, dass die luft rein, der boden sauber und das wasser trinkbar bleiben.viele-nicht alle natürlich- krankheiten sind doch selbstgemacht.durch umweltverschmutzung und einer falschen lebensweise.aber eventuell ist, bei den gegebenen umweltbedingungen, eine als allgemein anerkannte falsche lebensweise für den menschen zum teil erträglicher.sport, oder bewegung an sich, in einer feinstaubbelasteten umgebung gilt als -ebenfalls allgemein anerkannt-risiko.und bei vielen menschen ist weniger zu wenig als zu einseitige bewegung das problem.aber möglicherweise schafft die aktuelle wirtschaftskrise neue verhältnisse;
    weniger feinstaub und co2 durch weniger transit, und mehr bewegungsmöglichkeiten in mehr freizeit. g.w.

    • Joso
    • 09.11.2009 um 20:35 Uhr

    weil wir wie alle Lebewesen, von den Viren über Pflanzen bis zu den größten auf der Erde vorkommenden Tieren, den Walen, einer ständigen, die Erbanlagen verändernten Strahlung aus dem Weltall ausgesetzt sind: wird es immer wieder Kranke und mit sonstigen Defekten behaftete Individuen geben. Der Grund warum es auf diesem Planeten trotzdem noch Leben gibt ist die natürliche Auslese. Weiße Hirsche, haben keine
    Deckung und sind eine leichte Beute für Wölfe. Ein Fisch der seine
    Bauchseite aublitzen läßt macht das nicht oft, wenn ein Zander oder
    Hecht auf der Lauer liegt. Ein Löwenrudel greift in der Dämmerung
    eine Büffelherde an und versucht ein altes, kankes oder schwaches
    Tier zu erlegen. Natürlich kann man solch ein Geschehen nicht auf die Menschen übertragen. Ich kann doch nicht einfach meine alte an
    Demenz leidende Oma erlösen, nur weil sie in ihrer Jugend einmal
    ein Stück BSE verseuchtes Rindfleisch gegessen hat. Übrigens, das mit
    den Strahlen aus dem Weltall habe ich schon bei der Frage: Warum wir nicht ewig leben erläutert.

    • LIQ
    • 08.12.2010 um 18:02 Uhr

    Viren und Bakterien haben bei ihrer Replikation auch hin und wieder mal Kopierfehler, so dass sich immer wieder neue Möglichkeiten von Krankheiten ergeben, und somit die Medizin immer nur hinterher arbeiten kann, also Reaktion !
    Medizin ist generell nicht Aktion sondern immer nur Reaktion, weil die Krankheiten immer wieder Variationen vorlegen !
    Ein Besiegen der Krankheiten würde ein Vorarbeiten nach Lottospielermanier bedürfen, was theoretisch und praktisch völlig unausführbar ist !
    Und selbst beim Nacharbeiten kann uns beim heutigen Globalrudel im Einzelfall schlicht und einfach die Zeit weglaufen, sodass ein Fortbestand der Sozialtiermutanten dieses Planeten für die nächsten tausend Jahre sehr fraglich ist !

    MfG LIQ

    LIQG@gmx.de

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  • Serie 12 Fragen der Wissenschaft
  • Quelle ZEIT Wissen 01/2009
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