Die Idee des 22-jährigen Stanley Miller war simpel: Er wollte die Bedingungen auf der unbelebten Erde in einem Glaskolben simulieren. Er füllte Wasser hinein sowie die Bestandteile der Uratmosphäre: Ammoniak, Methan und Wasserstoff. Elektrische Entladungen simulierten Blitze.

Das Ergebnis wurde 1953 zur Weltsensation: Die Theorie von der Ursuppe, in der das Leben auf der Erde entstanden sei, schien bestätigt. Doch das größte Rätsel der Biologie war noch ungelöst. In der Brühe fand Miller zwar Biomoleküle, etwa Aminosäuren. Doch wie waren daraus lebende Organismen entstanden?

Alle Artikel der Serie "Die 12 großen Fragen der Wissenschaft" im Überblick© Shadowforce/photocase.deDer Münchner Chemiker Günter Wächters-häuser hat eine mögliche Erklärung: Die frühesten Stoffwechselvorgänge hätten sich unter hohem Druck in eisen- und schwefelhaltigen Tiefseegesteinen entwickelt – in der Nähe heißer Unterwasser-Geysire. Diese ersten chemischen Reaktionen lieferten die Energie zur Bildung komplexerer Moleküle. Eine Kettenreaktion kam in Gang, die schließlich zum Entstehen von Eiweißen führte – einem Grundbaustein für Zellen.

Der Forscher Thomas Cech kam zudem auf die Idee, dass das Prinzip der Vererbung in einer RNA-Welt seinen Anfang fand. RNA ähnelt dem Erbmolekül DNA. Manche RNA-Moleküle – »Ribozyme« – beschleunigen biochemische Reaktionen enorm. In der Frühzeit des Lebens, so die Theorie, entstanden zufällig auch RNA-Bausteine, die sich selbst kopieren konnten. Dabei könnten sie zuweilen Fehler gemacht haben, sodass RNA-Moleküle mit neuen Eigenschaften entstanden: Die Evolution hatte begonnen.