Herr Pastötter, warum weiß man noch immer so wenig über den Einfluss von Pornografie auf das Verhalten von Jugendlichen?

Die Wissenschaft hat sich nicht darum gekümmert. Es galt das Diktum von Günter Amendts »Das Sexbuch«: Pornos seien für Alte, deren Fantasie abgeschlafft ist, Jugendliche fänden sie langweilig. Zudem wollen Wissenschaftler nicht als repressiv gelten, deswegen ist Medienkritik unpopulär.

Ist die Aufregung um Pornos vielleicht übertrieben?

Ganz im Gegenteil! Es ist höchste Zeit, dass wir uns aufregen, weil sie nämlich seit mindestens 35 Jahren die Sexualaufklärung und das sexuelle Wissen massiv beeinflussen. Aus den USA gibt es etwa Studien, die belegen konnten, dass sich Jugendliche, die Fernseh-Soaps mit sexuellen Inhalten sehen, in ihrem Verhalten daran orientieren.

Sind Zustände wie in Berlin-Hellersdorf eine Ausnahme oder die Zukunft?

Sexuelle Verwahrlosung geht oft mit sozialer Verwahrlosung einher. Letztere ist aber nicht an untere Schichten gebunden. Ursachen sind generationenübergreifende Sprachlosigkeit und das Fehlen von Vätern oder männlichen Vorbildern. So füllt Pornografie eine Lücke.

Manche Experten sprechen von einem »deutschlandweiten Feldversuch«, den nur niemand auswertet. Wer sollte das tun?