Es ist ein echtes Geheimnis, das da weiter-gereicht wird. Nur dem besten Freund, der liebsten Kollegin oder der allernächsten Verwandtschaft wird es erzählt: Da gibt es diesen Arzt, diesen einen – der ist wirklich gut.

Was genau aber ist das: ein guter Arzt? Und woran erkennt man ihn, wie findet man ihn, wenn man keine Tippgeber hat?

Zunächst sollte man sich über seine Ansprüche klar werden: Soll es eher ein Arzt sein, zu dem man mit seinen Alltagsleiden wie Fieber und Husten gehen kann? Oder sucht man jemanden für die Krankheit, die bislang noch niemand lindern konnte? Ersterer ist der Hausarzt im klassischen Sinne, er sollte zuhören können, die Familiensituation kennen und auch mal einen guten Rat haben für ein nichtmedizinisches Problem. Letzterer ist der Facharzt, der sich in seinem Gebiet zusätzlich noch spezialisiert hat. Also etwa der Orthopäde, der vor allem Schultern operiert. Hier gilt die alte Regel: Wer etwas häufiger macht, kann es besser. Es schadet also nicht, den Orthopäden mal zu fragen, wie oft er Schultern operiert. Tut er das nur einmal im Monat, ist das nicht so gut wie einmal in der Woche oder täglich. Doch diese Angabe ist nur ein Hinweis auf die Qualität eines Arztes, keine Garantie. Welche Indizien gibt es noch?

Zum Beispiel ein paar Dinge, die selbst-verständlich sein sollten, es aber nicht immer sind: Der Arzt sollte seinem Patienten nicht nur zuhören, sondern ihn auch untersuchen. Er kennt neueste Studien und kann die Fragen der Patienten danach beantworten. Er hat kein Problem, sich mit Ärzten anderer Fachgebiete auszutauschen und seine Patienten dort auch hinzuschicken, wenn die etwas besser können als er selbst. Er macht sich Gedanken, wenn er ein neues Medikament verordnet, fragt seine Patienten etwa nach anderen Mitteln, die sie einnehmen. Und ganz wichtig: Er bezieht seine Patienten in Entscheidungen mit ein und erklärt ihnen Nutzen und Risiko einer Therapie. Tut ein Arzt all das, ist das ein gutes Zeichen – und Sie haben jemanden, den Sie Ihren Freunden empfehlen können.

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