Forscher zur Bundestagswahl

"Bringt die CO2-Abscheidung voran!"

Eine Renaissance der Kohle steht bevor, befürchtet Klimaforscher Ottmar Edenhofer. Die neue Bundesregierung muss die Reform des europäischen Emissionshandels vorantreiben

"Wir müssen uns jetzt auf die internationale Klimapolitik konzentrieren. Zunächst sollte die neue Regierung darauf hinwirken, dass der europäische Emissionshandel reformiert wird. Bisher beschränkt dieser sich ja vor allem auf den Strommarkt.

Es müssen also vor allem Konzerne Zertifikate kaufen, deren Kraftwerke mehr CO2 erzeugen, als ihnen zusteht. Wenn wir unsere Emissionen wirklich drastisch senken wollen, müssen wir aber alle Sektoren berücksichtigen, in denen CO2 entsteht, auch den Verkehrs- und den Gebäudesektor.

Da wir jedoch nicht den Ausstoß jedes Schornsteins und jedes Auspuffs messen können, sollten wir das System auf die sogenannte erste Handelsstufe verlagern. Dann müsste bereits Zertifikate kaufen, wer fossile Energieträger in den Wirtschaftskreislauf bringt, also Fördergesellschaften und Importeure. Benzin zum Tanken und Gas zum Heizen würden ebenso berücksichtigt wie Kohle für Kraftwerke. Und der Markt könnte den billigsten Weg finden, um CO2 zu vermeiden.

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Zudem sollten wir uns schon jetzt überlegen, wie man den europäischen Handel mit dem verbinden kann, der gerade in den USA entsteht. Ein transatlantisches System gäbe Staaten wie China und Indien den Anstoß, ihre ablehnende Haltung zu überdenken.

Und schließlich müssen wir uns auf eine Renaissance der Kohle einstellen. Warum? Einfach, weil wir so viel davon haben, dass wir unser Klima locker dreimal ruinieren könnten. Je nach Abschätzung reichen die Vorräte noch für 600 bis 800 Jahre. Wenn sich die Weltwirtschaft wieder erholt, werden Staaten wie China und Indien vermehrt Kohle im Stromsektor nutzen.

Sicher müssen wir alternative Energieträger fördern, wir müssen aber auch die CCS-Technik weiter erforschen, das Abscheiden und das unterirdische Einlagern von CO2. Wir sollten daher schnell 10, 15 Versuchsanlagen in Europa errichten. Noch weiß niemand, ob diese Technik wirklich im großen Maßstab funktioniert. Wir wissen nur: Sie hat ein großes Potenzial."

Protokoll: JENS UEHLECKE

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Leser-Kommentare

  1. was für ein Schwätzer!

    Soll er sich doch mal entscheiden was er"weiß" und was er da promoten will.

    Karl Müller

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    Mit einer einfachen Weltsicht kann man es sich selbst natürlich auch sehr einfach machen.

    Die Frage ist doch eher, ob da jemand aus eigener Überzeugung spricht oder ob er nur Realist genug ist um zu erkennen, dass der Kapitalist immer die billigste oder gewinnbringendste Lösung sucht und die Politik insgesamt ihre verdammte Pflicht nicht erfüllt und bisher kläglich versagt hat.

    Ich finde eher traurig, wenn ein Wissenschaftler sich auf dieses markt-"rationale" Niveau herablassen muss um die Politker und letzten Deppen davon zu überzeugen überhaupt etwas zu tun. Sonst würden oder werden die ihre Kohlekraftwerke nämlich einfach so hinstellen und den Mist weiter in die Atmosphäre blasen - einfach weil genug Kohle da ist und die Endlagerung von Brennstäben ein unvermittelbares und richtig teures Unterfangen (siehe Fall Asse).

    In China gibt es massig an Kohle und in Deutschland sind wider jeglicher Ration zig dieser Dreckschleudern geplant oder werden uns bereits vor die Nase gesetzt, weil es auch hier genug Kohle (gleich im doppelten Sinne) gibt! Als junger Mensch sag ich schonmal danke liebe Volksparteien! Danke liebe Weltpolitik. Danke liebe Wirtschaftsbosse.

    Jetzt kann man einen Wissenschaftler Schwätzer nennen, weil er "wenigstens" für "saubere" Kohlekraftwerke plädiert statt die Dinger einfach so hinzustellen. Ich halte das eher für notwendig in Anbetracht der geldgeilen Dummheit die in diesem System ihr zuhause findet.

    • 03.08.2009 um 11:59 Uhr
    • kkr

    der nur der Großindustrie und ihren Lobbyisten Vorteile bringt. Langfristig ist diese Technologie Schwachsinn und die Verträge sind so gestaltet dass die Ablagerungen wieder durch den Steuerzahler zu sanieren sind. Da können wir gleich bei dem bewährten Atomstrom bleiben.

    Es sollte in andere Technologien investiert werden, die zukunftsträchtiger sind.

    PS: für mich riecht dies nach honorierter Parteinahme, um nichts anderes zu sagen. Ich würde mich schämen.

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    Zustimmung   babbelfish

    Ich stimme meinem Vorredner zu, dass CO2-Abscheidung langfristig eine verlorene Technologie ist und eben keine großes Potential hat. Allerdings ist die Idee, Energieträger zu verteuern und den Markt sich Gedanken machen zu lassen wie man am besten mit diesem teuren Gut umgeht ("Kostenreduktion") eine sehr Gute und sollte auch auf alle anderen Ressourcen ("Kreislaufwirtschaft") und weltweit ausgedehnt werden.

    Grüße

    babbelfish

  2. Ich stimme meinem Vorredner zu, dass CO2-Abscheidung langfristig eine verlorene Technologie ist und eben keine großes Potential hat. Allerdings ist die Idee, Energieträger zu verteuern und den Markt sich Gedanken machen zu lassen wie man am besten mit diesem teuren Gut umgeht ("Kostenreduktion") eine sehr Gute und sollte auch auf alle anderen Ressourcen ("Kreislaufwirtschaft") und weltweit ausgedehnt werden.

    Grüße

    babbelfish

    • 03.08.2009 um 15:19 Uhr
    • otto_B

    "....weil wir so viel davon haben...."
    Welch wohlfeiles Argument. Das trifft aber für Uran und Thorium auch zu. Zur Atom-Frage hat er sich zwar nicht geäußert, aber die Debatte wird damit immerhin in eine interessante Richtung gelenkt:
    Die reine grüne Lehre vollzieht ja den Abschied von den "bösen" Technologien (Atom....) allein mit den regenerativen, wie Wind, Energie-vom-Acker, PV, ...... gewürzt mit ein "bischen" Gas .....
    Wenn jetzt aber sogar die grünsten Parteisoldaten wie Gabriel, und auch die dieses Farblabel tragende Partei einen Bedarf an Grundlast anerkennen -der mit CCS-Kohle zu erbringen ist-, dann ist das ja ein interessantes Argumentationsmodell. In diesem Sinne äußert sich ja auch der Herr aus Potsdam.
    Warum aber bei CCS auf die gesellschaftliche Entrüstung über die Risikotechnologie verzichtet werden sollte, welche bei der Atomenergie seit den Tagen von Brokdorf und Kahl das Klima in der Republik bestimmt (zumindest deren westlichen Teil....), das sehe ich als eine offene Frage. Gewisse Ansätze zur Ablehnung der CO2-Blasen im Untergrund gibt es ja schon. Die Größe Zahl der "betroffenen" Anwohner wäre zumindest deutlich größer als beim "Atomklo" Gorleben. Dort geht es um einen Salzstock, bei CCS um halb Norddeutschland.
    Vielleicht doch nochmal über die Berechtigung des Atoms in der Grundlast nachdenken? Von einer Beispielhaftigkeit der deutschen Politik ist im internationalen Vergleich derzeit nicht allzuviel erkennbar.

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    ... dieses Problem ist auch mit EE lösbar, Stichwort "Virtuelles Kraftwerk". Ausbau der Speicherkapazitäten, Vergrößerung des Bezugsgebietes (Saharastrom usw.).

    Darüber gibt es natürlich (wie immer) Glaubenskämpfe, oft unseriös befeuert von beiden Seiten, den EE-Herstellern und den konventionellen Abzockern.

    Klar das braucht alles Zeit, umso mehr, umso halbherziger und sparsamer man es betreibt. CCS ist dabei noch ganz am Anfang, sehr teuer, uneffektiv und nicht zukunftsträchtig. Da würde ich das Geld lieber in andere, bereits viel besser erforschte Energieformen, investieren. Übergangsweise mag auch noch der Atomstrom herhalten. Vorzugsweise würde ich aber trotzdem die deutschen Kraftwerke zumachen und bei den Franzosen einkaufen. Dann müssen die sich auch mit den lästigen Problemen, dem Abfall und dem Risiko rumschlagen :-)

    • 03.08.2009 um 16:13 Uhr
    • Lyaran

    Atomenergie ist schwachsinnig da unkalkulierbar, CO2 intensiv und auf Resourcen aufbauend die noch ca. 120 Jahre halten. Wer das als Lösung ansieht sollte nochmal drüber nachdenken.

    Kohle ist verfügbar. Noch sehr lange. CCS Techniken sind aber noch sehr energieintensiv und zum großen Teil nicht nachrüstbar. Forschen sollte man daran dennoch denn man weiss nie wann man sie mal brauchen könnte.

    Wenn man wirklich etwas ändern will muss man eben genau das. Etwas ändern und zwar am eigenen Verhalten. Da soetwas im dekadenten Deutschland aber immer mit einem Rückschritt in die Steinzeit gleichgesetzt wird kann man darauf wohl noch ewig warten.

  3. Die CCS Technik hört sich für mich auch nicht wirklich nach einer Lösung an, vor allem weil sie ja zu ähnlichen Problemen wie Atomenergie führt (Endlagerung, wie sicher sind die CO2 Lager?). Allerdings ist es vielleicht eine Zwischenlösung, die uns die nötige Zeit gibt unsere Wirtschaft komplett auf regenerative Energien umzustellen.

    Allerdings ist das hier meiner Meinung nach wesentlicher:
    Dann müsste bereits Zertifikate kaufen, wer fossile Energieträger in den Wirtschaftskreislauf bringt, also Fördergesellschaften und Importeure. Benzin zum Tanken und Gas zum Heizen würden ebenso berücksichtigt wie Kohle für Kraftwerke. Und der Markt könnte den billigsten Weg finden, um CO2 zu vermeiden.

    Das ist der entscheidende Punkt. Momentan wird 'Müll' (CO2) als Abfallprodukt produziert, aber niemand muss dafür zahlen dass er entsorgt wird (z.B. durch Aufforstungsprojekte o.ä.). Müll produzieren darf man quasi zum Nulltarif. Deshalb denken auch viele, dass hier der Markt versagt hat. Tatsache ist aber, dass der Markt funktioniert (Stichwort: billigste Lösung finden), allerdings setzen die Regierungen die falschen Regeln. Bei der Atomenergie ist es das gleiche, müssten Energiekonzerne für die nächsten paar Millionen Jahre Rücklagen bilden um sicherzustellen, dass die Endlager entsprechen gewartet und gesichert werden, wäre Atomenergie unendlich teuer.

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    Leider...   johaupt


    "Allerdings ist es vielleicht eine Zwischenlösung, die uns die nötige Zeit gibt unsere Wirtschaft komplett auf regenerative Energien umzustellen."

    ... eben nicht. Das wäre vielleicht der Fall, wenn die Technik bereits serientauglich und günstig wäre. Ist sie aber nicht. Sie ist noch mehr oder weniger im Forschungstadium, auch Edenhofer spricht ja lediglich von Versuchsanlagen. Ob die Sache jemals im großen Stil funktionieren kann, ist unbekannt, aber man hat für die Konzerne schonmal die entsprechenden Selbstbedienungstöpfe geschaffen, denn die armen armen Energieriesen machen ja kaum Gewinne, aus denen sie solche Forschungen bezahlen könnten. Da muss man schonmal in den Steuertopf greifen (im Übrigen ist die Förderung mehrfach höher als die für richtige EE).

    Mit anderen Worten: man investiert massenhaft Geld in eine nicht besonders zukunftsträchtige, absehbar nicht besonders effektive, absehbar problematische und noch recht ferne Technologie, während man bestehende EE kaum ausreichend und konsequent vorantreibt.

  4. Äußerst enttäuscht zeige ich mich von diesem Artikel, weil er zeigt, dass diese Herren dort am PIK immer noch in ihrer eigenen kleinen Lummerland-Welt leben, sich weder rechts noch links ihres Pfades umschauen. Zum Thema "Volumina an biogen fossilen Energieträgern" hatte ich vor einigen Jahren während der "Langen Nacht der Wissenschaften" Gelegenheit mit Herrn Prof. Schellenhuber zu sprechen. Auf meinen Hinweis des Vorhandenseins mehrerer Studien zu diesem Thema, die zu vollkommen anderer Einschätzung kommen, wurde ich recht kurzatmig abgewimmelt und auf Herrn Edenhofer verwiesen, der jedoch an diesem Abend nicht zugegen war. Nun gut, wenn man mit einem interessierten Laien nicht diskutieren will, ist das eine Sache. Das würde ich auch gar nicht erwähnen, wenn man sich, wie hier in diesem Artikel geschehen, immer noch auf diesem alten und nun mittlerweile veralteten Emissionsszenarien stützt, die selbst von den optimistischsten Schätzungen der IEA, BGR, World Energy Council oder EIA nicht getragen werden.
    Von 600 bis 800 Jahre Kohle war hier die Rede. Ich weiß nicht, wo Herr Edenhofer diese Zahlen her hat. Aber mit der Realität haben die nun wirklich nichts zu tun. Nicht nur, dass es in der Vergangenheit noch nie über einen längeren Zeitraum eine konstante Nachfrage gegeben hat (die ist nämlich stetig gestiegen, mit ein paar Ausnahmen bei Krisen verschiedenster Art), es also sehr unwahrscheinlich ist, dass dieses auch in der Zukunft so passieren wird, so dass man hier irgendwelche Reichweitenprognosen abgeben kann, schon gar nicht wenn die Vorräte von immer schlechterer Qualität werden, nein die aktuellen Fördermengen nach dem Energieinhalt gemessen haben in vielen Ländern entweder den Förderhöhepunkt erreicht (USA) oder längst überschritten (Deutschland, England, Polen etc.). Ausgehend davon, kann man festhalten, dass die CCS-Technik viel viel zu spät kommt, und wenn sie denn kommen sollte, nur minimalste Anwendung findet. Die bis zu 40 Prozent mehr Kohle, die dafür notwendig ist, kann gar nicht bereitgestellt werden. Und sollte das doch aufgrund eines gewaltigen Kraftaktes auch nur annähernd erreicht werden, kann man der Menschheit auf einer ganz anderen Art "Gute Nacht" sagen. Was immer gerne unterschlagen wird, sind die enorme akute Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen. Ob es nun das Mountaintop removal mining in den Appalachen ist, oder der immense Verbrauch von potentiellen Ackerland in Deutschland durch den Braunkohlentagebau, mit diesen Folgen hat man sich auf ewig zu arrangieren, selbst wenn das CO2 schon längst wieder auf natürliche Weise gebunden ist. Dieses nicht einmal zu erwähnen und nur auf diesem einen Pfad der Emissionsvermeidung zu gehen, halte ich für äußerst gefährlich und auch dumm. Wenn ich mir ansehe, dass es in China und Indien (die schon zu einem großen Teil auf Strom aus Kohle angewiesen sind) schon schwierig ist, Kraftwerke mit Rauchgasentschwefelung zu etablieren, dann gebe ich der wesentlich teureren CCS-Technik dort überhaupt keine Chance. Kurz und schlecht, diese Technik ist bereits jetzt ein totgeborenes Kind. Potentiale bestehen nur auf dem Papier.

  5. Mit einer einfachen Weltsicht kann man es sich selbst natürlich auch sehr einfach machen.

    Die Frage ist doch eher, ob da jemand aus eigener Überzeugung spricht oder ob er nur Realist genug ist um zu erkennen, dass der Kapitalist immer die billigste oder gewinnbringendste Lösung sucht und die Politik insgesamt ihre verdammte Pflicht nicht erfüllt und bisher kläglich versagt hat.

    Ich finde eher traurig, wenn ein Wissenschaftler sich auf dieses markt-"rationale" Niveau herablassen muss um die Politker und letzten Deppen davon zu überzeugen überhaupt etwas zu tun. Sonst würden oder werden die ihre Kohlekraftwerke nämlich einfach so hinstellen und den Mist weiter in die Atmosphäre blasen - einfach weil genug Kohle da ist und die Endlagerung von Brennstäben ein unvermittelbares und richtig teures Unterfangen (siehe Fall Asse).

    In China gibt es massig an Kohle und in Deutschland sind wider jeglicher Ration zig dieser Dreckschleudern geplant oder werden uns bereits vor die Nase gesetzt, weil es auch hier genug Kohle (gleich im doppelten Sinne) gibt! Als junger Mensch sag ich schonmal danke liebe Volksparteien! Danke liebe Weltpolitik. Danke liebe Wirtschaftsbosse.

    Jetzt kann man einen Wissenschaftler Schwätzer nennen, weil er "wenigstens" für "saubere" Kohlekraftwerke plädiert statt die Dinger einfach so hinzustellen. Ich halte das eher für notwendig in Anbetracht der geldgeilen Dummheit die in diesem System ihr zuhause findet.

    Antwort auf "Ärgerlich,"
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