Forscher zur Bundestagswahl
"Grüne Gentechnik ist Naturschutz"
Die Politik sollte lieber auf kompetente Wissenschaftler hören als auf Greenpeace, fordert Christiane Nüsslein-Volhard, Trägerin des Medizin-Nobelpreises
»Die neue Bundesregierung muss sich klar zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln bekennen. Sie sollte sich von Vernunft leiten lassen, nicht von Ideologie! Es ist doch klar: Um den Nahrungsbedarf einer wachsenden Weltbevölkerung zu decken, müssen wir die landwirtschaftlichen Erträge steigern.
Entweder zerstören wir dazu Natur und machen unberührte Flächen urbar. Oder aber wir setzen die grüne Gentechnik ein, um unsere Äcker ergiebiger zu machen und weniger Pflanzenschutzmittel zu versprühen. Insofern ist ein Bekenntnis zur grünen Gentechnik auch eines zum Naturschutz.
Die Krux ist, dass die zuständigen Minister wenig von Biologie verstehen und lieber auf Greenpeace hören als auf Wissenschaftler. Sie schüren Ängste und behaupten, die Deutschen wollten keine Gen-Lebensmittel. Das stimmt nicht! Die Menschen wollen gesundes und preiswertes Essen, und das kann sehr gut aus gentechnisch gezüchteten Sorten produziert werden.
Bisher hat es keinen nachweisbaren Schaden für Mensch und Umwelt gegeben, obwohl die Pflanzen weltweit auf einer Fläche angebaut werden, die dreimal größer ist als Deutschland. Warum sollten Cornflakes aus Genmais ausgerechnet für die Deutschen schädlich sein?
Wenn wir den Anschluss in der Pflanzenzüchtung nicht verlieren wollen, brauchen wir dringend Genehmigungsverfahren, die weniger restriktiv sind. Und wir müssen diejenigen hart bestrafen, die in Nacht-und-Nebel-Aktionen unsere Felder verwüsten.
Wenn Forscher ins Ausland abwandern, weil hier keine Wissenschaft auf Weltniveau möglich ist, trifft das auch die Wirtschaft hart: Deutschland wird dann Saatgut importieren müssen, anstatt es wie heute zu exportieren. So etwas haben wir in den Achtzigern bereits in der Pharmabranche erlebt. Damals wurde Hoechst zehn Jahre lang die Genehmigung verweigert, Insulin gentechnisch herzustellen, es wurde am Ende eingeführt. Abgesehen von dem großen Verlust, hat das die deutsche Genforschung entscheidend behindert.«
Protokoll: JENS UEHLECKE
- Datum 31.7.2009 - 16:07 Uhr
- Serie Umwelt
- Quelle ZEIT Wissen 04/2009
- Kommentare 92
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argumentiert hier eine Nobelpreisträgerin.
Die grüne Gentechnik ist Naturschutz - so einfach ist das!
Wie die Auswirkungen auf die Menschen in Entwicklungsländern sind, was für Gefahren gentechnisch veränderte Sorten für die Artenvielfalt bedeuten und wem diese neuen Anbaumehoden vor allem zu Gute kommen? Kein Wort?
Dass Frau Christiane Nüsslein-Volhard als Nobelpreisträgerin für Medizin keinerlei Gewissensbisse plagen dermaßen vereinfachend für die grüne Gentechnik Lobbyarbeit zu verrichten erschreckt mich. Insbesondere da ich Medizinstudent bin, erschreckt mich dieser "DIN A4 Wisch" ganz besonders!
Die "Auswrikungen auf den Menschen" werden doch in den USA schon seit Jahrzehnten erforscht. Immerhin wird dort seid 30 Jahren "Gen-Mais" angebaut. Das einzige wirkliche "Problem" ist das es bis jetz noch keinen negativen Folgen gehabt hat.
Die meisten Menschen die von "Grüner Gentechnik" reden haben eben keine Ahnung was sie überhaupt ist sondern lassen sich von Propaganda leiten.
Mit Argumenten kommt man bei einem von Angst befeuerten "Glaubenskrieg" nicht weiter. Der Artikel hätte auch 10 Seiten lang sein können und Keiner (welcher Angst davor hat) wäre überzeugt gewesen.
Die Politik sollte mehr auf die Wissenschaft hören als auf "Propaganda" a la Greenpeace.
In einigen Punkten kann man Ihnen zustimmen, aber das Problem ist, dass die heute existierenden genetisch modifizierten Kulturen KEINE höheren Erträge liefern und daher nichts gegen den Flächenverbrauch und den Hunger in der Welt ausrichten können.
Und ob Pflanzenschutzmittel eingespart werden können ist leider auch nicht sicher!
Darum sollten wir auf jeden Fall weiter forschen, aber nicht einfach alles blind zulassen!
Natürlich kommen wir um eine Änderung bezüglich unserer Nahrungsbeschaffung nicht drum herum, da ,wie richtig dargestellt, der Bedarf an Nahrung stetig zunimmt.
Es ist dabei auch nicht auszuschließen, bzw aus meiner Sicht sogar wahrscheinlich, dass die grüne Gentechnik eine Lösung dafür sein wird.
Allerdings kann ich mich meinem "Vorschreiber" nur anschließen, was die vielseitigen Bedenken angeht.
Diese Technik ist noch zu jung um die Risiken tatsächlich abschätzen zu können und das rapide vorantreiben derer Etablierung ist weniger auf den Wunsch nach Hungersnotbekämpfung, als auf die Profitgier der entsprechenden Unternehmen.
Lobbyismus pur. Schämen sie sich!
Wow. Bisher stand ich gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln sehr skeptisch gegenüber, aber dieser ausführliche und mit vielen Fakten unterlegte Artikel hat mich vollständig vom Gegenteil überzeugt. Danke Frau Nüsslein-Volhard.
(Ich hoffe mal die gute Frau wird halbwegs vernünftig bezahlt für diese geistigen Ergüsse)
Jaja, wenn mir ein Nobelpreisträger das sagt, dann soll ich das glauben? Unkrautvernichtungsmittel wie Roundup sind, wie sich inzwischen herausgestellt hat, keineswegs so unschädlich, wie die Hersteller behaupten - solche Mittel bestehen üblicherweise aus einem Zellgift und einem Zellöffner, der "Einfachheit" halber zeigt man, dass beide Bestandteile jeweils für sich allein unschädlich sind. Ja klar - das Zellgift kommt allein nicht in die Zellen 'rein, und der Zellöffner allein öffnet zwar die Zelle, in Abwesenheit eines Giftes passiert aber weiter nichts.
So, und klassisches Genfood ist eben genau so Zeugs, dass z.B. gegen Roundup resistent ist. D.h. das Genfood versperrt dem Zellöffner den Zutritt oder das Zellgift ist für's Genfood unwirksam. Verwendet wird das Zeugs dennoch, reichert sich dann irgendwo anders an, und kann uns letztendlich doch schaden. Direkt natürlich nicht, das Roundup-Gemüse frisch geerntet auf dem Tisch ist (hoffentlich) harmlos - so es sich nicht bereits in der Pflanze anreichert, und dann über die Nahrungskette direkt bei uns auf dem Teller landet. Nicht ganz so harmlos ist Gemüse mit eingebautem Gift - das Gift ist schließlich absichtlich giftig, das unmodifizierte Gemüse ungiftig.
Die Zusammenhänge sind alle schön "unter den Teppich gekehrt", weil die Leute, die an Genfood arbeiten, ja nicht dafür bezahlt werden, Risiken aufzudecken - die sollen Geld verdienen und die Zulassungsbehörden möglichst austricksen. Möglichst mit monopolisiertem Saatgut. Unsere Bauern sind dumm genug, so was zu kaufen, und sich in die entsprechende Abhängigkeit zu begeben. Sie waren auch dumm genug, völlig überzüchtete Turbo-Kühle zu kaufen, und wundern sich, wenn der Markt nicht so schnell wächst wie ihre Kühe mehr Milch geben.
Ich sehe jedenfalls nicht den Zusammenhang zwischen Genfood und Segen für die Landwirtschaft. Genfood steht für mich für
brutale Unkrautvernichter
von Haus aus schon giftiges Gemüse
teures, monopolisiertes Saatgut
extrem fragwürdige Antibiotika-Marker, die schon auf dem Feld für die Ausbreitung von Resistenzen sorgen
Letzteres ist ein technisches Problem, das inzwischen gelöst wurde. Die ersten drei Probleme sind nicht gelöst. Selbst ein grundsätzlich gutartig verändertes Genfood müsste immer noch mit dem Saatgutmonopol-Problem kämpfen.
Die Effizienz-Steigerung in der Landwirtschaft ist seit der Einführung solcher Saatgutmonopole übrigens zurückgegangen. Wenn man das Problem "Welternährung" also lösen müsste (im Moment gibt es da nur ein Verteilungsproblem, produziert wird mehr als genug), dann muss man erst mal dieses Monopol abschaffen. Unter den fairen Marktbedingungen, die dann herrschen, muss sich das Genfood dann auch ohne die Marktdominanz des Herstellers Montsanto dann durchsetzen, ohne Korruption und gekaufte Experten, einfach mit Qualität, die dem Bauern und dem Verbraucher offensichtlich nützen, und die keine schädlichen Nebenwirkungen haben.
Davon sind wir aber weit entfernt.
Gentechnisch veränderte Lebensmittel können unsere Probleme nicht lösen. Das Argument, man bräuchte sie zur Ernährung der Weltbevölkerung ist eine Sackgasse.
Die meisten Erzeugnisse aus der Landwirtschaft gehen in die Tierfütterung, wo sie mit einem Wirkungsgrad von 10 % veredelt werden. So werden aus einer Tagesration Mais für 40 Menschen knapp 200 g Steak für den dickbäuchigen Industriebürger. Wie wäre es mal mit der Abschaffung der Massentierhaltung und Fleischverzicht ?
Ob gentechnisch veränderte Pflanzen schädlich sind, weiß kein Mensch - da kann man noch so viele Studien anstellen. Wer will sich anmaßen, eine lebenslange Prognose zu erstellen ?
Eins ist jedoch sicher : Wenn erst mal alle Pflanzen aus dem Labor kommen, werden die Bauern ihr Saatgut nur noch von der Industrie kaufen können. Diese Entwicklung ist jetzt schon abzusehen.
Und, liebe Frau Nüsslein-Volhard, ICH will keine Gen-Lebensmittel auf meinem Teller. Aber wahrscheinlich bin ich für Sie nur die Ausnahme von der Regel. Für diesen Kommentar bekomme ich jedenfalls kein Honorar von Monsanto.
Die "Auswrikungen auf den Menschen" werden doch in den USA schon seit Jahrzehnten erforscht. Immerhin wird dort seid 30 Jahren "Gen-Mais" angebaut. Das einzige wirkliche "Problem" ist das es bis jetz noch keinen negativen Folgen gehabt hat.
Die meisten Menschen die von "Grüner Gentechnik" reden haben eben keine Ahnung was sie überhaupt ist sondern lassen sich von Propaganda leiten.
Mit Argumenten kommt man bei einem von Angst befeuerten "Glaubenskrieg" nicht weiter. Der Artikel hätte auch 10 Seiten lang sein können und Keiner (welcher Angst davor hat) wäre überzeugt gewesen.
Die Politik sollte mehr auf die Wissenschaft hören als auf "Propaganda" a la Greenpeace.
Wenn Anwendung bei amerikanischen Farmern von Genmais auf ihren Feldern als Forschung anzusehen ist, dann haben sie mit ihrer Aussage recht. Ob das sinnvolle Forschung ist, wag ich zu bezweifeln.
Jedenfalls sind viele Farmer inzwischen nicht nur enttäuscht sondern richtig ärgerlich. Anfangs waren die Erträge tatsächlich höher, so wie von Saatgutfirmen versprochen. Nach einigen guten Ernten verringerten sich die Erträge und inzwischen sind sie vielerorts niedriger als Erträge von Feldern, die mit konventionell gezüchtetem Saatgut bestellt sind. Das gilt nicht nur für Mais sondern auch für Raps und Soja, was hier ja auch schon seit Jahrzehnten als Gensaat angebaut wird.
Geringere Erträge sind aber nicht das einzige Problem. Mit den “eingebauten Pflanzenschutzgenen” sollte sich der Gebrauch von Planzenschutzmitteln verringern, was wiederum für die anfänglichen Ernten stimmte. Inzwischen entwickelt sich Resistenz und der Pflanzenschutzmittelverbrauch muß erhöht werden.
Zu ihrem Entsetzen stellen viele Farmer jetzt fest, wie schwierig es ist wieder auf konventionell gezüchtetes Saatgut umzustellen. Einerseits sind da die Schwierigkeiten aus den Verträgen mit den Saatgutfirmen rauszukommen und andererseits, zu mindest vorübergehend, sind die Felder für konventionelles Saatgut nicht mehr gut geeignet. Dies sind bittere Erfahrungen für die Landwirte, mit vorausgehender Grundlagenforschung hätte das verhindert werden können.
"Gruene Gentechnik" ist ein Sammelbegriff wie "Maschienenbau". Eine Aussage "Maschienenbau ist gut fuer die Armen" oder "Maschienenbau hilft gegen Krieg" ist genauso undifferenziert wie "Gruene Gentechnik ist Naturschutz". Eher wuerde ich die Frage stellen: Haben wir Institutionen, denen wir die Regulierung dieser sehr breit einsetzbaren Technologie zutrauen? z.B. das EU Patentamt, oder die Zulassungsstellen? Universitaeten, oder Beratungsfirmen?
es gibt einen ganzen Zoo von Fakten, die alle dagegen sprechen. Bitte informieren Sie sich, und argumentieren sie sachlich.
Allein das Zulassungsverfahren für GVOs in den USA ist de facto nicht existent. Wie können Sie in diesen Zusammenhang von Propaganda und Glaubenskriegen reden?
Man kann da auch ganz unemotional argumentieren:
1. Wer möchte, ernährt sich von GVO-Produkten.
2. Die Hersteller übernehmen die Verantwortung und die Kosten für die Reinhaltung benachbarter Nicht-GVO Felder.
3. GVO-Verbraucher werden mitsamt ihrer Nachkommen aus den Krankenkassen ausgeschlossen und bekommen eine eigene, welche auch die Risiken trägt.
Na, towlie 288? Das wär doch was, oder?
Tschüß auch.
Hier wird halt einer beinharten Lobbyistin und langjährigen Profiteurin der Gentechnik in der ZEIT ein Forum geboten.
Weder kann sie Sachverhalte differenziert gegenüberstellen noch hat sie einen blassen Schimmer von politischer Ökonomie. Mit dem - hoch bezahlten und wissenschaftlich kaschierten - Schubladendenken der Profiteure lässt sich keine Diskussion über Gentechnik im Ganzen führen.
Prädikat: Nicht lesenswerte [...]
Erkenntnis: Selbstdarstellung aus dem weitgehend korrupten Wissenschaftsbetrieb (bzw. dessen, was heute als Wissenschaft verhökert wird)
Ergo: Null Erkenntnisgewinn!
[Gekürzt, bitte formulieren Sie Kritik sachlich und konstruktiv. Danke. /Die Redaktion pt.]
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