Psychologie Angst – ein Gefühl mit Nebenwirkungen
Wann wird eine berechtigte Angst zur Hysterie? Wissenschaftler suchen die Ursache bei Politikern und Spiegelneuronen - und geben Tipps gegen übertriebene Angst.

Bloß weg von hier! Wenn wir Angst haben, wird unser Körper in einen Alarmzustand versetzt
1. Was ist Angst?
Liebe und Freude, Trauer, Wut und Scham gehören zur Gefühlsgrundausstattung. Und eben die Angst. Sie soll uns helfen, in gefährlichen Situationen schnell zu reagieren. Dafür wird der Körper in einen Alarmzustand versetzt: Die Aufmerksamkeit steigt, die Pupillen weiten sich, Seh- und Hörnerven werden empfindlicher; Muskelspannung, Energiebereitstellung und Reaktionsgeschwindigkeit werden erhöht; Herzfrequenz und Atmung beschleunigen sich; wir schwitzen, zittern, uns wird übel und schwindelig.
Dabei ist es völlig egal, ob die Bedrohung echt ist oder eingebildet – die körperliche Reaktion ist die gleiche. Ist die Angst aber übertrieben, hilft sie uns nicht mehr. Im Gegenteil: Auf die Dauer macht sie dann krank.
- Angst
Angst warnt vor Gefahr und ermöglicht schnelle Reaktionen. Streng genommen wird zwischen Angst und Furcht unterschieden: Furcht bezieht sich auf einen bestimmten Gegenstand, Angst nicht.
- Angststörung
Angststörungen liegen vor, wenn jemand die Gefährlichkeit einer Situation überschätzt. Man unterscheidet Phobien, die Panikstörung und die generalisierte Angststörung.
- Risiko
Risiko ist die statistische Wahrscheinlichkeit dafür, dass etwas Negatives passiert. Man muss zwischen absolutem und relativem Risiko unterscheiden: Wenn ein Medikament die Sterblichkeit von 2 auf 1 von 10000 senkt, nimmt das absolute Risiko um 0,01 Prozent ab und das relative Risiko um 50 Prozent.
- Anxiolytische Medikamente
Anxiolytische Medikamente lösen Angst- und Spannungszustände. Sie wirken gegen negative Emotionen, beruhigen aber auch und machen müde. Deswegen werden sie oft als Schlafmittel ein- gesetzt, vor allem, wenn die Betroffenen wegen ihrer Ängste nicht schlafen können. Bekannteste Substanz ist Diazepam (Valium).
Zu den krankhaften Angststörungen gehören die Phobien . Wer darunter leidet, fürchtet sich übermäßig, zum Beispiel vor dem Fliegen, vor Krankheiten oder dem Kontakt mit anderen. Panikattacken treten plötzlich und ohne jeden Anlass auf. Weil sie so unberechenbar sind, haben die Patienten häufig Angst vor der Angst. Die generalisierte Angststörung ist ein ständiger Begleiter, in Extremfällen wird sie mit anxiolytischen Medikamenten behandelt. Die Betroffenen sorgen sich dauernd, dass ihnen oder ihren Angehörigen etwas zustoßen könnte. Ihre Gedanken kreisen um Unfälle, Krankheiten und Armut.
2. Ist Angst ansteckend?
Manchmal erleben viele Menschen zur selben Zeit die gleiche Angst, zum Beispiel nach einer Katastrophe wie einem Erdbeben. Die Bewohner der betroffenen Region fürchten dann, dass die Gefahr noch nicht vorüber ist und Nachbeben folgen. Auch kann eine Panik viele Menschen auf einmal erfassen, oft wird sie von einer realen Gefahr ausgelöst, zum Beispiel einem Feuer oder aggressiven Hooligans im Stadion. Manchmal stellt aber auch die Masse selbst die Gefahr dar, wie bei der Katastrophe im Hillsborough-Stadion 1989 in Sheffield. Ordner hatten zu viele Menschen in einen Fanblock hineingelassen.
Die generalisierte Angststörung hat ebenfalls ein kollektives Pendant: Gestern fürchteten wir BSE, heute haben wir Angst vor dem Klimawandel und dem Terrorismus, morgen vor der nächsten Seuche. »Rolling fear« nennt das der britische Risikoforscher Bill Durodié, der das Heimatschutz-Forschungsprogramm an der Nanyang Technological University in Singapur koordiniert.
Zwar haben diese Ängste oft einen konkreten Anlass, aber die Reaktion ist meist übertrieben; die Besorgnis verselbstständigt sich und wendet sich immer neuen Schrecken zu. Solche Angstwellen schaukeln sich hoch und erfassen immer mehr Menschen, bis man den Eindruck hat, alle redeten nur noch über das eine.
»Angst ist ein soziales Phänomen, man steigert sich da wechselseitig hinein«, sagt der Historiker Joachim Radkau von der Universität Bielefeld. Wie das genau funktioniert, dazu gibt es bisher kaum Studien. Der Psychologe Arvid Kappas von der Jacobs University Bremen vermutet, dass Spiegelneuronen im Hirn dabei eine Rolle spielen. Sie sind nicht nur aktiv, wenn man selbst Angst zeigt, sondern auch, wenn man merkt, wie andere sich fürchten. »Ich spüre dann die Angst des anderen in mir selbst«, erklärt Kappas.
3. Was ist »German Angst«?
Der Begriff tauchte wohl zum ersten Mal in den achtziger Jahren in englischsprachigen Wirtschaftszeitungen auf; die Journalisten meinten damit die Zögerlichkeit deutscher Unternehmer und Wirtschaftspolitiker. Bald wurde das Schlagwort im In- und Ausland in allen möglichen Zusammenhängen benutzt, um die angeblich typisch deutsche Ängstlichkeit zu beschreiben – sei es bei Militäreinsätzen oder im Fußball.
Jetzt schreiben viele Journalisten, dass es die »German Angst« nicht mehr gebe: Gerade in der Wirtschaftskrise reagierten die Deutschen nicht panischer als Menschen in anderen Ländern, im Gegenteil, sie seien jetzt besonders cool.
Tatsächlich ist aber fraglich, ob es eine typisch deutsche Angst jemals gab; Historiker sind skeptisch. Frank Biess, der gerade an der Universität Göttingen die deutsche Angstgeschichte der Nachkriegszeit erforscht, hält »weder Form noch Inhalt dieser Ängste für spezifisch deutsch«.
Insgesamt kursieren mehr Begründungen, warum es eine »German Angst« geben könnte (die Erfahrung von Krieg und Völkermord und das damit verbundene Schuldgefühl, der Dreißigjährige Krieg, die deutsche Romantik), als Belege dafür, dass es sie tatsächlich gibt.
Artikel und Bücher, die die vermeintlich typisch deutsche Angst beschreiben, sind oft vielmehr Teil der Krankheit, die sie zu diagnostizieren vorgeben. Mancher Autor mag sich seine These auch nicht von schönen Ereignissen kaputt machen lassen: Vielleicht sei zum Beispiel die gute Laune während der Fußball-WM 2006 einfach zu gut gewesen, um wahr zu sein, vielleicht stecke dahinter in Wahrheit – genau: Angst.
4. Sind die Menschen heute ängstlicher als früher?
Wer Zeitung liest oder fernsieht, gewinnt schnell den Eindruck: Angst ist auf allen Kanälen. In britischen Qualitätszeitungen hat sich zum Beispiel der Gebrauch des Begriffs »at risk« während der neunziger Jahre verzehnfacht, fand der Soziologe Frank Furedi heraus. Ähnlich sah es bei Wörtern wie stress, trauma und vulnerable aus. Aber sind die Menschen wirklich besorgter als früher, oder berichten die Medien nur mehr darüber? Schwer zu sagen, auch hier gibt es mehr Begründungen als Belege für die widersprüchlichen Thesen.
Manche Wissenschaftler, wie der Risikoforscher Durodié, meinen: Ja, die Menschen sind heute ängstlicher. Weil nach dem Ost-West-Konflikt das »Ende der Politik« gekommen sei und niemand mehr recht wisse, wogegen er eigentlich eintreten solle, und noch weniger, wofür, suchten sich Parteien und Bürger neue Feindbilder. Die gemeinsame Besorgnis stifte Identität. Der Historiker Radkau sieht das anders. Auch im deutschen Kaiserreich habe es solche Besorgnis schon gegeben. Und noch früher hätten sich die Leute eben vor Hexerei und der Hölle gefürchtet.
5. Welche Rolle spielt die Politik?
»In allen Fällen von kollektiven Ängsten, die ich kenne, ist politische Macht im Spiel«, sagt der Sozialhistoriker Jakob Tanner von der Universität Zürich. »Das war bei der Massenhysterie im Ersten Weltkrieg so und auch bei der Angst vor der Atombombe im Kalten Krieg.« Immer gehe es auch um die Instrumentalisierung von Gefühlen und damit um Herrschaftsausübung. Wer Angst hat, muckt nicht so schnell auf und unterstützt die Politiker, die versprechen, das Problem zu lösen.
So schürte Konrad Adenauer im Nachkriegsdeutschland die Ängste vor Vergeltung und neuem Krieg mit antikommunistischer Propaganda und dämmte sie mit seinem Sicherheitsversprechen wieder ein. Und auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs beschworen Antikapitalisten die Angst vor dem Westen, um die eigene Opposition in Schach zu halten.
Eine neue Politik der Angst setzte nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ein: Politische Entscheidungen von der Verschärfung von Sicherheitsmaßnahmen bis hin zum Irakkrieg wurden auch mit der Angst vor dem Terrorismus gerechtfertigt. Angst sei eine politische Ressource, mit der Politiker ihre Legitimität und Autorität erhöhen könnten, sagt der britische Dokumentarfilmer Adam Curtis. In seiner BBC-Serie The Power of Nightmares zeigt er, wie die Neokonservativen in den USA davon profitieren, dass sie die Angst vor islamistischem Terror schüren.
Aber selbst wenn Politiker einfach vorsichtig sind oder zeigen wollen, dass sie sich um ein Problem kümmern, könne das Angst erzeugen, sagt der Risikoforscher Durodié: »Wenn ein Bundesland vorsichtshalber eine Chemikalie verbietet, ohne dass es wirklich Belege dafür gibt, dass sie gefährlich ist, dann müssen die anderen trotzdem nachziehen. Nachher denken alle: Wenn die überall verboten ist, muss die ja gefährlich sein.«
6. Wie hat sich der Umgang mit der Angst verändert?
Wer gestand, Angst zu haben, galt bis in die fünfziger Jahre nicht nur als feige, sondern schnell als neurotisch oder gar minderwertig. »Heute sind öffentliche Angstbekundungen aus dem politischen Diskurs nicht mehr wegzudenken«, schreibt der Historiker Frank Biess. In der Nachkriegszeit habe die Ächtung der Angst durch die Nationalsozialisten nachgewirkt, außerdem seien die Menschen nach außen hin eher nüchtern mit Gefühlen umgegangen: »Öffentliche Gefühlsäußerungen erschienen als zutiefst verdächtig.« Mit der Studentenbewegung begann sich das zu verändern. Heute gilt als mutig, wer Angst äußert. Das werde längst taktisch genutzt, meint Biess. Dass man keine Angst mehr haben muss, über seine Angst zu reden, trägt zu dem Eindruck bei, die Menschen seien ängstlicher geworden.
7. Was kann man gegen übertriebene Angst tun?
Psychologen raten Menschen mit Angststörungen, häufiger einen Schritt zurückzutreten und sich zu fragen: Ist das überhaupt realistisch? Das ist auch ein gutes Gegenmittel gegen kollektive Angstwellen. Um Risiken besser einschätzen zu können, sollte man sich ein bisschen mit Statistik auskennen. Das tun die wenigsten. Der Psychologe Gerd Gigerenzer diagnostiziert ein weitverbreitetes »statistisches Analphabetentum«. Besonders schwer fällt es vielen, relative und absolute Risiken zu unterscheiden.
Beispiel Brustkrebs-Früherkennung: Oft ist die Rede vom Segen der regelmäßigen Röntgenuntersuchung der Brust, die das Sterberisiko um 25 bis 30 Prozent senke. Die Angabe stimmt, ist aber missverständlich. Die absoluten Zahlen sind ernüchternd: Von 1000 untersuchten Frauen sterben drei in einem Zeitraum von zehn Jahren. Von 1000 nichtuntersuchten Frauen sterben vier. Macht formell ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko. Dass aber die Untersuchung selbst Risiken birgt, wird oft verschwiegen. Die Röntgenstrahlen sind belastend, und bei vielen Frauen wird etwas Verdächtiges gesehen, das Angst macht und sich erst nach aufwendigen Untersuchungen bei den meisten als harmlos herausstellt.
Gigerenzer will nun Ärzten und Journalisten Risikokompetenz beibringen. In der Schule solle Statistik als Problemlösungs-Strategie für die wirkliche Welt gelehrt werden: »Wer ein paar statistische Prinzipien verstanden hat, der kann seine Entscheidungen vernünftig und emotional zugleich treffen. Wenn Sie nicht verstehen, sind Ihre Emotionen manipulierbar.«
Und natürlich kann es nicht schaden, Optimisten zu Wort kommen zu lassen: als Angstwellen-Brecher.
- Datum 21.10.2009 - 15:19 Uhr
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- Quelle ZEIT Wissen 05/2009
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ein gutes Mittel gegen Angst ist es seinen Beruf nicht ausrichten was ich verdiene und wie dieser angesehen ist unter uns Menschen. Disziplin
und maßvolles Leben hilft dabei. Vorallem das hohle Leben der öffendlichen Medien filtern, wenn gar vermeiden. Was nützt es mir unter Applaus zu leben, wenn mein Inneres dabei vergiftet wird
Ich habe in empirischer Sozialforschung (Soziologie) meine Diplomarbeit geschrieben und kann es nur begrüßen, dass endlich in Schulen das Fach Statitik eingefüht werden soll. Im Mathematikunterricht lässt es sich perfekt einbauen. Nur so können die Bürger über den ewigen Betrug und die Lügenmärchen durch alle möglichen Kreise aufgeklärt werden. Der einzige Nachteil ist, dass man mit statistischen Kenntnissen ein emotional armes Leben führt. Warum soll man z.B. heiraten, wenn man weiß das in Großstädten fast 50 % aller Ehen geschieden werden. Folge: man lässt es sein. Als Ratiomensch hat man aber eben doch viele Vorteile, dank der Statistik.
Sie Schreiben "Der einzige Nachteil ist, dass man mit statistischen Kenntnissen ein emotional armes Leben führt. Warum soll man z.B. heiraten, wenn man weiß das in Großstädten fast 50 % aller Ehen geschieden werden. Folge: man lässt es sein."
Das Wissen, dass Scheidungen oft vorkommen, hat wohl jeder. Statistische Kenntnisse versetzen bloß in die Lage, begründete Schlussfolgerungen zu ziehen. Dann kann man auch gucken, ob man Zahlen für verschiedene (passende wie unpassende) Vergleichsgruppen findet und wirklich aus der Statistik (=kollektiven Erfahrung) lernen statt einfach Angst zu haben.
Das statistische Analphabetentum zeigt sich ja gerade darin, dass Menschen glauben, eine statistische Wahrscheinlichkeit von 50% bedeute, dass sie sie keine bessere Chance hätten, als eine Münze zu werfen (was oft so nicht stimmt).
Sie Schreiben "Der einzige Nachteil ist, dass man mit statistischen Kenntnissen ein emotional armes Leben führt. Warum soll man z.B. heiraten, wenn man weiß das in Großstädten fast 50 % aller Ehen geschieden werden. Folge: man lässt es sein."
Das Wissen, dass Scheidungen oft vorkommen, hat wohl jeder. Statistische Kenntnisse versetzen bloß in die Lage, begründete Schlussfolgerungen zu ziehen. Dann kann man auch gucken, ob man Zahlen für verschiedene (passende wie unpassende) Vergleichsgruppen findet und wirklich aus der Statistik (=kollektiven Erfahrung) lernen statt einfach Angst zu haben.
Das statistische Analphabetentum zeigt sich ja gerade darin, dass Menschen glauben, eine statistische Wahrscheinlichkeit von 50% bedeute, dass sie sie keine bessere Chance hätten, als eine Münze zu werfen (was oft so nicht stimmt).
Eine Erscheinung unserer Zeit ist es meinerMn, dass wir in der Flut von Informationen dass Bewußtsein dafür verloren haben, was wirkliche Bedürfnisse sind und was nur scheinbar solche. Manchmal messen wir Scheinbedürfnissen einen viel höheren Stellenwert bei als den wirklichen. Werden existenzielle Bedürfnisse nicht mehr befriedigt,so ist das Leben des Individuums in realer Gefahr.
Sie erwähnen den Klimawandel so en passant. Deshalb möchte ich hier doch einmal gegen den Stachel löcken:
Der Klimawandel ist eine reale Gefahr. Selbst wenn man realistischerweise sagen muss, dass wir hier nicht so stark von den Veränderungen betroffen sein werden wie die Malediven. Und unsere Enkel in ganz anderer Weise als wir. Und es herrscht auch keine Massenpanik deswegen. Sondern eher eine erstaunliche Trägheit angesichts der Dringlichkeit der Probleme.
Hier ein Zitat aus einem Film über den Klimawandel, den ich vor einer Reihe von Jahren gesehen habe, als noch niemand öffenlich in den Medien darüber diskutierte.
Ein ganz entspannt aussehender Experte sagte lächelnd in die Kamera: `Ich werde häufig gefragt "Welche Relevanz hat der Klimawandel für uns?" Dann antworte ich immer "Das hängt davon ab ob sie leben oder ob sie sterben wollen.` Offensichtlich ein Hysteriker.
dass von Seiten des Estblishments eingesetzt, ja sogar vehement geschürt wird, um den "normalen" Bürger in Trab und von eigenen Forderungen möglichst fern zu halten! So trägt dessen latente Existenzangst, neuerlich weiter verschärft durch eine ggf. drohende gesellschaftliche Stigmatisierung nebst dem bedrohlichen Fall in die unwiderrufliche Armut per Hartz IV, ihn zu vielfältigen Verzichten gegenüber dem Arbeitgeber; treibt ihn im Hamsterrad der Wirtschaft an bis zum Exzess, bzw. in den fast unweigerlichen Burn-out!
Es könnte anders sein, ganz anders. Frei von existenziellen Ängsten und den damit einhergehenden vielfältigen Begleiterscheinungen. Frei von Raubbau an Geist und Körper. Denn es wäre im Grunde genug für alle da.
Ja, genug für ALLE, wenn das was da ist nur etwas gerechter verteilt wäre und nicht alles stets von unten nach oben geschaufelt würde!
Mit welcher Berechtigung eigentlich? Heißt es nicht, alle Menschen wären gleich und alle hätten die gleiche Existenzberechtigung? Leider hat in unserer Gesellschaft nicht einmal jeder die gleichen Startbedingungen und das beginnt schon lange vor der Geburt. Mit welchem Recht werden da die nicht so gut gestellten Bürger stets noch weiter unterdrückt und gesellschaftlich ausgegrenzt? Und die, die noch "im Boot" sitzen, die hält man eben in permanenter Angst vor den Folgen eines über-Bord-gehens, falls sie nicht spuren, nach der Pfeife des Establishments tanzen.
Der Lohn ist andauernde Angst, und Krankheit an Leib und Seele!
Sehr klare Aussagen über das 'statistische Analphabetentum' und der Notwendigkeit, endlich nicht nur Ärzten und Journalisten sondern vor allem auch Politikern die Zusammenhänge zwischen 'relativ' und 'absolut' beizubringen.
Sie Schreiben "Der einzige Nachteil ist, dass man mit statistischen Kenntnissen ein emotional armes Leben führt. Warum soll man z.B. heiraten, wenn man weiß das in Großstädten fast 50 % aller Ehen geschieden werden. Folge: man lässt es sein."
Das Wissen, dass Scheidungen oft vorkommen, hat wohl jeder. Statistische Kenntnisse versetzen bloß in die Lage, begründete Schlussfolgerungen zu ziehen. Dann kann man auch gucken, ob man Zahlen für verschiedene (passende wie unpassende) Vergleichsgruppen findet und wirklich aus der Statistik (=kollektiven Erfahrung) lernen statt einfach Angst zu haben.
Das statistische Analphabetentum zeigt sich ja gerade darin, dass Menschen glauben, eine statistische Wahrscheinlichkeit von 50% bedeute, dass sie sie keine bessere Chance hätten, als eine Münze zu werfen (was oft so nicht stimmt).
ich habe die Angst vor der Angst zwar nicht ganz so schlimm erlebt, wie im Artikel beschrieben, ich erlaube mir aber trotzdem mal meine Sicht der Dinge zu beschreiben.
Dieses Problem taucht bei Menschen auf, die ein Leben führen, das ihrem Wesen widerspricht. Man muss unterscheiden zwischen dem Menschen an sich und dem durch Erziehung und Gesellschaft veränderten Menschen. Laufen diese beiden zu sehr auseinander, so kann diese Angst auftreten, die irgendwo aus dem tiefsten Inneren sich mit ungeheurer Wucht an die Oberfläche drängt. Erlebt man diese Angst, so ist es höchste Zeit sich Gedanken über sein Leben zu machen und sich evtl. neu zu definieren.
'Nichts mehr wollen' klingt vielleicht etwas übertrieben, hat aber bei mir zu Angstfreiheit und einem besseren Leben geführt. Ich bin dankbar dafür, dass ich diese Art von Angst, mit all ihren physischen Erscheinungen (Herzrasen, Händezittern, Schweissausbrüche) erlebt habe und immer wieder erlebe wenn dieses unnatürliche Wollen in mir aufsteigt.
Es wird einem überall dieses Bild vom richtigen Leben vorgehalten: Karriere, Geld, Status, Bildung, viele Freunde, eine harmonische Partnerschaft, häufiger Sex und noch vieles mehr. Schafft man es, sich davon zu lösen, so ist man frei. Auch frei von Angst.
Ich habe meine Erfahrungen und mein Wissen mit der Angst auf meiner Internetseite zusammengefasst. Sie ist noch nicht fertig aber es wird langsam: http://www.angst-angststo...
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