Forscher und Politik Die Entscheidungshelfer

Gesundheit, Technologie, Klima – in vielen Zukunftsfragen wäre die Politik ohne die drei Beratungsgremien in diesen Bereichen aufgeschmissen. Würde sie ihnen nur zuhören.

Viele Forscher wundern sich, dass Politiker sie zwar um Rat fragen, dann aber nicht richtig hinhören

Viele Forscher wundern sich, dass Politiker sie zwar um Rat fragen, dann aber nicht richtig hinhören

Gesundheit - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG)

Wie Lautet der Auftrag? Das IQWIG untersucht seit 2004 als unabhängiges Institut, ob neue Medikamente oder Therapien besser wirken als alte und ob höhere Kosten dafür gerechtfertigt sind. Auf dieser Basis entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten und Krankenkassen, welche Medikamente die Kassen zahlen. Das IQWIG berät die Politik also nur indirekt, dazu hat es allerdings sogar einen gesetzlichen Auftrag.

Wer ist dabei? Das Institut beschäftigt etwa 90 Mitarbeiter, vor allem Statistiker. Aufträge für Gutachten vergibt es aber auch an Externe. Zudem hat es selbst einen wissenschaftlichen Beirat.

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Wie wird beraten? Zuerst halten die Wissenschaftler in einem Berichtsplan fest, wie sie vorgehen wollen. Dann sichten sie alle Studien zu dem fraglichen Medikament und prüfen nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin, ob die Daten den im Berichtsplan definierten Standards genügen. Nur dann werden die Studien berücksichtigt. Drei Ergebnisse können am Ende herauskommen: Das neue Medikament wirkt besser, als das alte, es wirkt nicht besser oder aber man kann es einfach nicht sagen, weil es nicht genügend Studien gibt. Alle Berichtspläne, Vorberichte und Gutachten werden im Internet veröffentlicht. Zu Berichtsplänen und Vorberichten können Ärzte, Pharmafirmen und Bürger Stellung nehmen. Weil die Abschlussberichte sehr kompliziert sind, versucht das Institut, die Ergebnisse für Patienten verständlich aufzubereiten. Diese Beratung ist unter www.gesundheitsinformation.de zu finden.

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Was macht die Politik daraus? Meistens fällt die Entscheidung entsprechend den IQWIG-Gutachten: Ist ein Nutzen zu erkennen, zahlen die Kassen. Gibt es keinen Nutzen, zahlen sie nicht. Und wenn aussagekräftige Studien fehlen, weigern sie sich meist auch – bis neue Studien den Nutzen belegen. Manchmal greift jedoch auch die Politik ein, denn sie kann die Gutachten des IQWIG beanstanden und so die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses beeinflussen. So war es beispielsweise Anfang 2008 im Falle des neuen Diabetesmedikaments für Kinder.

Was sagen die Forscher? »Wir sind gegründet worden, damit wir die Bösen sind, nicht die Politiker«, sagt IQWIG-Leiter Peter Sawicki. Trotzdem habe er oft den Eindruck, die Politiker wollten ihn und seine Kollegen nicht verstehen. »Wenn sich ein Politiker von Pharma-Lobbyisten erzählen lässt, wie Medikamente wirken, anstatt uns zu fragen, dann fragt man sich schon, ob das Absicht ist«, sagt er. »Politiker wollen den Menschen Hoffnung geben. Neue Medikamente sind immer Hoffnungsträger. Wenn wir dann sagen: Die wirken nicht so gut, dann enttäuschen wir die Menschen. Politiker dürfen aber nicht enttäuschen, sonst werden sie nicht wiedergewählt«, sagt Sawicki.

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