Klima - Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU)
Klima - Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU)
Wie lautet der Auftrag? Der WBGU berät die Bundesregierung seit 1992 in der Klimapolitik. Alle zwei Jahre gibt der Beirat ein Hauptgutachten heraus, die Themen bestimmen die Wissenschaftler selbst: zum Beispiel Bioenergie, Sicherheitsrisiken durch den Klimawandel oder Armutsbekämpfung durch Umweltpolitik. Die Bundesregierung kann den Beirat zudem mit Sondergutachten und Stellungnahmen beauftragen.
Wer ist dabei? Im Beirat sitzen neun Wissenschaftler verschiedener Disziplinen: Ökonomen, Klimaforscher, Politikwissenschaftler und Juristen. Sie werden von der Bundesregierung für je vier Jahre berufen. Vorschläge kommen vom Umwelt- und vom Forschungsministerium. Der Beirat wird unterstützt von einer Geschäftsstelle, in der sechs weitere Wissenschaftler arbeiten.
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Wie wird beraten? Zunächst tragen die Wissenschaftler möglichst viel Material zum ausgewählten Thema zusammen und lesen sich ein, denn häufig handelt es sich dabei nicht um ihre eigentlichen Forschungsgebiete. Zehnmal im Jahr treffen sie sich für je zwei Tage und diskutieren die Ergebnisse. Anders als Gremien wie etwa das International Panel on Climate Change (IPCC), die lediglich den Stand der Forschung wiedergeben, hat der WBGU ausdrücklich den Auftrag, der Politik Handlungsempfehlungen zu geben. In ihrem aktuellen Gutachten zu Biosprit empfehlen die Forscher beispielsweise, auf die bislang vorgeschriebene Beimischung im Benzin zu verzichten. Seine Ergebnisse stellt der Beirat auch auf Pressekonferenzen und in Ausschüssen des Bundestags vor. Alle Gutachten können von der Website www.wbgu.de heruntergeladen werden.
Was macht die Politik daraus? Manchmal hat der WBGU ziemlich viel Einfluss: Zwei Grad Temperaturanstieg gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter seien verkraftbar, schrieben die Wissenschaftler 1995 in einem Sondergutachten zur CO2-Reduktion. Ebenso wie die EU und die G8 verordnete sich die Bundesregierung dieses Klimaziel – und muss sich nun daran messen lassen. Dass Gutachten so direkte politische Folgen haben, ist allerdings selten: Weil die Hauptgutachten nicht von der Politik bestellt werden, sondern die Wissenschaftler die Themen selbst bestimmen, ist die politische Relevanz nicht immer gegeben.
Was sagen die Forscher? »Es ist der Forschung gelungen, die Botschaft vom Klimawandel in die Politik zu tragen«, sagt Stefan Rahmstorf, Wissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und seit 2004 im WBGU. Doch nun werde zu wenig getan, um den Klimawandel tatsächlich zu begrenzen. Zwei Hauptgründe macht er dafür aus: Den meisten Politikern fehle der wissenschaftliche Hintergrund, um die Klimaforschung wirklich zu verstehen. Lobbygruppen wie die Energieindustrie seien deshalb oft erfolgreich damit, ihre Sicht der Dinge in Berlin zur maßgeblichen zu machen. Und langfristige Prozesse wie die Anpassung an den Klimawandel und Nachhaltigkeit kollidierten mit kurzen Wahlperioden, sagt Rahmstorf. »Es ist schon frustrierend, wenn die Politik die Ergebnisse nicht zur Kenntnis nimmt.«
- Datum 29.09.2009 - 08:47 Uhr
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- Quelle ZEIT Wissen 05/2009
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