Auschwitz-Birkenau Die letzten Dinge
In der Gedenkstätte des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau drohen die Habseligkeiten der Opfer zu verfallen. Die Restauratoren haben große Probleme, die Überbleibsel des Grauens zu konservieren. Es ist ein Kampf gegen die Zeit – und gegen die Tränen.
© Bartek Wrzesniowski/AFP/Getty Images

Restauration eines Schuhs: viele von ihnen offenbaren den Restauratoren Geheimnisse, die sie über sechs Jahrzehnte lang in sich getragen hatten
Die Sandale gehörte einem Kind. Sein Fuß hat einen Abdruck auf der Innensohle hinterlassen, die Spuren der kleinen Zehen sehen aus wie der Schatten einer Perlenkette. Der Fußabdruck ist das Letzte, was blieb. Das Kind musste seine Schuhe ausziehen, bevor es die Gaskammer betrat. Sein Körper wurde im Krematorium entsorgt, für ihn hatte man keine Verwendung mehr. Die Sandalen aber hob man auf, sie kamen in einen Lagerraum, zur Wiederverwertung im Reich.
In dem Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordeten die Nationalsozialisten eine Million Juden sowie 100.000 Polen, Sinti und Roma und Kriegsgefangene. Über 80.000 Schuhe fanden sowjetische Soldaten, nachdem sie das Lager Ende Januar 1945 befreit hatten. 8000 davon waren Kinderschuhe. Und das war nur ein Bruchteil. Denn die Viehwaggons, in denen sich auf der Hinfahrt die Menschen gedrängt hatten, waren nicht leer zurückgerollt, sondern gefüllt mit den Habseligkeiten derer, die beraubt und ermordet worden waren.
Die Sammelleidenschaft der deutschen Lagerverwaltung beschränkte sich nicht allein auf Schuhe. Zum Bestand des heutigen Museums gehören auch 3800 Koffer, 120.00 Töpfe, Tausende von Brillengestellen (40 Kilogramm ineinander verhakte Metallgestelle und Glas – gezählt hat sie bis heute noch niemand), 460 Prothesen und fast 250 Regalmeter akribisch geführter Dokumente. Hinzu kommen 155 Gebäude, etwa 300 Ruinen, mehr als 13 Kilometer Zaun mit 3600 Betonpfeilern, Wege, Schienen, Entwässerungsrohre und Kanalisation. Diesen gesamten Bestand zu erhalten wirft Probleme auf: technische, finanzielle – und emotionale.
»Wir bewegen uns hier auf absolutem Neuland«, sagt Chefkonservator Rafał Pióro. Der 35-Jährige hat vor sechs Jahren seinen Posten als Chef eines jungen Teams angetreten. Die meisten seiner Mitarbeiter sind unter 40. Sie alle haben ihr Handwerk an Renaissancegemälden oder Kirchenfenstern gelernt – und haben nun billiges, übersäuertes Papier aus den zwanziger Jahren vor sich auf den Tischen liegen, oder Plastikzahnbürsten, denen nach fünfundsechzig Jahren die Borsten ausfallen.
»Ich kann nicht meine Lehrer anrufen und sie um Rat fragen, wenn ich von einem Stück nicht weiß, mit welchen Methoden ich es konservieren soll«, erklärt Pióro. Für die Konservierung dieser Materialien gibt es kaum Erfahrungswerte. Eher kommt es vor, dass seine ehemaligen Professoren ihn anrufen und um Rat bitten – wenn es zum Beispiel darum geht, neue Geräte anzuschaffen. Denn das hell erleuchtete Labor, das er 2003 mit Geldern der amerikanischen Ronald S. Lauder Foundation einrichtete, ist eines der modernsten der Welt.
An einem Großteil der Labortische beschäftigen sich derzeit Restauratoren mit der Konservierung von 39.000 Formularen aus dem Bestand des SS-Hygiene-Instituts. Wer kein Deutsch versteht, dem bleibt der Inhalt der Dokumente erspart: Es geht um Eiter-, Blut-, Urin- und Kotproben, die mit allen möglichen Bakterienstämmen infiziert sind.
Sorgsam notierten die Angestellten des SS-Instituts Namen, Probenart und Untersuchungsergebnisse. Dabei schrieb der Erste vielleicht mit einem weichen Bleistift, der Nächste trug die Ergebnisse mit Tinte ein, der Dritte fügte mit dem Kugelschreiber Bemerkungen hinzu, und der Vierte setzte den Stempel darunter. »Wir haben bisher 93 verschiedene Tinten und Farben auf den Dokumenten identifiziert«, sagt Pióro, viele von ihnen sind auf ein und demselben Schriftstück. Welche davon sind wasserfest? Welche bleichen aus? Welche reagieren empfindlich auf die konservierenden Chemikalien? Diese Fragen muss sich der Konservator vor Beginn der Arbeit für jedes Dokument neu stellen.
- Datum 02.12.2009 - 18:27 Uhr
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- Quelle ZEIT Wissen 06/2009
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wenn ich an die Opfer denke, dann finde ich es hat mehr Würde ihre Sachen der Natur zu überlassen. Schlimm genug, dass sie ausgestellt wurden, denn es sind ganz persönliche Dinge. Aber jetzt noch konservieren...
Diese Leute sind tot und sie haben nichts damit zu tun, dass die Welt sich immer noch genauso dreht. Dass man angeblich an Greuel erinnern muss, um in Zukunft Greuel zu verhindern. Das sind Theorien. Und dafür wird der Schuh, die Zahnbürste irgendeines armen Schluckers ausgestellt und nun auch noch dran herumgefummelt, damit's ja nicht auseinanderfällt. Ich finde das pervers.
Das ist die Ironie der Geschichte und der Greueltaten/Verbrechen vorheriger Generationen.
Bleiben sie nur in Geschichtsbücher werden sie vergessen - und die einzige Alternative ist eben die Überreste zu konservieren...
Und wenn wir es nicht tun, dann wird sich die Geschichte wiederholen - leider.
Das ist die Ironie der Geschichte und der Greueltaten/Verbrechen vorheriger Generationen.
Bleiben sie nur in Geschichtsbücher werden sie vergessen - und die einzige Alternative ist eben die Überreste zu konservieren...
Und wenn wir es nicht tun, dann wird sich die Geschichte wiederholen - leider.
Das ist die Ironie der Geschichte und der Greueltaten/Verbrechen vorheriger Generationen.
Bleiben sie nur in Geschichtsbücher werden sie vergessen - und die einzige Alternative ist eben die Überreste zu konservieren...
Und wenn wir es nicht tun, dann wird sich die Geschichte wiederholen - leider.
(Bitte verzichten Sie auf derlei Vergleiche und die damit verbundene Verharmlosung von NS-Verbrechen. Die Redaktion /ft)
(Bitte verzichten Sie auf derlei Vergleiche und die damit verbundene Verharmlosung von NS-Verbrechen. Die Redaktion /ft)
Heinzschmidt, waren sie schon einmal in Auschwitz? Haben sie schon einmal auf sich wirken lassen, was Menschen ihren Mitmenschen antun können? Offensichtlich nicht. Wenn sie sich auch nur einen Rest von menschlichem Empfinden bewahrt haben, hätten sie nun einen Grund,über ihren Text vor Scham in die Erde zu versinken.
Was ist schon ein >Hochglanz Zentrum der Vertreibung< gegen diesen Ort der Vernichtung, Auschwitz.
Wir Deutschen werden Auschwitz nie los. Wir sollen es als Ort der Mahnung annehmen, erhalten und bewahren.
Dem kann ich nur zustimmen.
Man kann viel drüber lesen, ansehen usw.
Das alles ist jedoch überhaupt nicht zu vergleichen mit den Eindrücken, die der Besuch eines KZs hinterläßt. Nur vor Ort erhält man eine ansatzweise Vorstellung von dem Grauen, wie es wirklich war. Nicht abstrakt, nicht als Zahl, sondern als Empfindung, spürbar und wahrnehmbar.
Dem kann ich nur zustimmen.
Man kann viel drüber lesen, ansehen usw.
Das alles ist jedoch überhaupt nicht zu vergleichen mit den Eindrücken, die der Besuch eines KZs hinterläßt. Nur vor Ort erhält man eine ansatzweise Vorstellung von dem Grauen, wie es wirklich war. Nicht abstrakt, nicht als Zahl, sondern als Empfindung, spürbar und wahrnehmbar.
Ich will nicht gegen dieses Projekt argumentieren. Vielleicht trifft es zu, dass diese Arbeit notwendig ist, um anschaulich zu machen, was ein KZ bedeutete. Wie der Holocaust (die Schoah sagt man wohl neuerdings) möglich wurde, wird so allerdings nicht geklärt; das ist ja auch nicht das Ziel. Das kann man nicht über visuelle Darstellung erreichen, und die bekannte Behauptung "Those who do not remember the past are condemned to repeat it" muss auch Gegenstand eines Diskurses sein können; in dieser plakativen Form klärt und demonstriert sie zunächst einmal nichts.
Dem kann ich nur zustimmen.
Man kann viel drüber lesen, ansehen usw.
Das alles ist jedoch überhaupt nicht zu vergleichen mit den Eindrücken, die der Besuch eines KZs hinterläßt. Nur vor Ort erhält man eine ansatzweise Vorstellung von dem Grauen, wie es wirklich war. Nicht abstrakt, nicht als Zahl, sondern als Empfindung, spürbar und wahrnehmbar.
(Bitte verzichten Sie auf derlei Vergleiche und die damit verbundene Verharmlosung von NS-Verbrechen. Die Redaktion /ft)
an die zensur
ich habe gar nichts verglichen, ioch habe geschrieben, dass die weitere existenz dieser einrichtungen kein verbrechen in den letzten 50 jahren verhindert hat, weder in afrika, noch in asien noch in europa
lesen sollte man schon können, und ihger unterstellung ich hätte ns verbrechen verharmlost ist eine widerliche unterstellung
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