Forensik Leichen lügen nicht

Dank neuer Hightech-Methoden entgeht Kriminalisten kaum noch eine Spur. Skeptiker warnen vor blindem Vertrauen in die Technik.

Hat die Lupe bald ausgedient? Verfechter neuer Technologien versprechen sich umfassendere und präzisere Ergebnisse

Hat die Lupe bald ausgedient? Verfechter neuer Technologien versprechen sich umfassendere und präzisere Ergebnisse

Der Täter muss durch das Fenster eingestiegen sein. Wahrscheinlich ist er über den Jägerzaun geklettert und hat sich an dem Gartenzwerg vorbei durch das Beet geschlichen, in der Erde ist der Abdruck seines Schuhs zu erkennen. Als er die Scheibe der Gartenlaube einschlug, hat er sich verletzt, an den Glassplittern klebt noch Blut.

Der Einbruch sieht aus wie echt – ist er aber nicht. Der Jägerzaun, der Gartenzwerg und das Ketchup an der Scheibe sind Teil einer Kulisse, in der angehende Kriminalisten üben, wie man Spuren sichert. Die Laube steht nicht in einem Schrebergarten, sondern im Ausbildungszentrum der Berliner Polizei in Spandau. Kriminalhauptkommissar Siegfried Weller zeigt, welche Tatorte seine Kollegen und er hier für Kriminalistik-Studenten nachgestellt haben, sein Hund Zeus trottet hinter ihm her. An dem Flur im Dachgeschoss befinden sich neben der Gartenlaube unter anderem ein Baucontainer, ein Tante-Emma-Laden, eine Bar und eine komplett eingerichtete Zweizimmerwohnung – »Tatortstraße« nennen die Berliner Polizisten ihre künstliche Welt.

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Was die Studenten hier lernen, sind sauberes Handwerk und altbewährte Methoden der Kriminalistik: Mit welchem Werkzeug wurde die Tür aufgebrochen? Wo könnte ein Verdächtiger in seiner Wohnung etwas versteckt haben? Wie pinselt man Rußpulver korrekt auf Fingerabdrücke? Doch die klassische Kriminalistik bekommt zunehmend Konkurrenz: Biologen, Mediziner, Hirnforscher und Ingenieure entwickeln immer neue wissenschaftliche Methoden zur Aufklärung von Verbrechen. Hightech überholt Handwerk: Die DNA-Analyse hat Tausende von Verbrechern überführt und unschuldig Verurteilte entlastet. Inzwischen beginnen Genetiker sogar, vom Erbgut eines Verdächtigen auf sein Aussehen zu schließen. Neurowissenschaftler versuchen, mit bildgebenden Verfahren zu unterscheiden, wer lügt und wer die Wahrheit sagt, und eine neue Kameratechnik sorgt dafür, dass Ermittler am Tatort keine Spur mehr übersehen. (Klicken Sie hier für eine Infografik.)

Viele Kriminalisten der alten Schule stehen den hochgerüsteten forensischen Methoden allerdings skeptisch gegenüber. Neue Methoden setzen sich nur langsam durch, schließlich müssen sie auch vor Gericht bestehen. Und tatsächlich liegen die Kommissare nicht immer falsch mit ihren Bedenken: Die wissenschaftlichen Praktiken sind störanfällig – manchmal allein deshalb, weil Kriminalbeamte sich blind auf die aufwendige Technik verlassen und sich in scheinbarer Sicherheit wiegen. Verfechter der neuen Verfahren dagegen halten die altbewährten Methoden oft für überholt, von der neuen Technologie versprechen sie sich umfassendere und präzisere Ergebnisse.

Seit einigen Monaten arbeitet die Kriminalpolizei Hannover mit einer Kamera, die Tatorte mit sämtlichen Details und in höchster Auflösung scannt. »Wir haben vor Kurzem Spuren in einer Wohnung gesichert, in der eine Vergewaltigung stattgefunden hatte«, sagt die Kriminalkommissarin Nina Graupner. »Da war es besonders wichtig, den Zustand des Betts genau zu dokumentieren, weil dort die Tat passiert ist.« Wie sieht die Bettdecke aus? Gibt es Hinweise darauf, dass Täter und Opfer miteinander gekämpft haben? Solche Fragen sind entscheidend für den Gerichtsprozess. Deshalb stellte die Kommissarin die sogenannte Spheron-Kamera auf.

Das Gerät dreht sich einmal komplett um die eigene Achse und nimmt ein vollständiges Bild des Raums auf, das die Kriminalbeamten später in ein Computerprogramm übertragen und am Bildschirm immer wieder aufrufen. So können sich auch Kollegen ein Bild vom Tatort machen, die nie dort waren. Bei der Kripo Hannover ist das besonders wichtig, weil die ermittelnden Kommissare – anders, als man es von Fernsehkrimis kennt – gar nicht selbst den Ort des Verbrechens besichtigen. Für die Spurensicherung und die Dokumentation des Tatorts ist die Abteilung zuständig, in der Nina Graupner arbeitet. Sie gibt die Ergebnisse dann weiter an die Kollegen, die in dem Fall ermitteln. Bisher mussten diese sich die Situation anhand einzelner Fotos und eines Berichts veranschaulichen, jetzt stehen sie praktisch mittendrin. Auch die Richter bekommen so eine genauere Vorstellung vom Geschehen.

In dem Computermodell des Tatorts markiert Graupner die Spuren, die ihre Kollegen gesichert haben – Haare oder Speichelspuren an einem Glas etwa. »Wenn zum Beispiel eine Blutspur erst später durch die chemische Bearbeitung sichtbar wird, können wir sie nachträglich in das Gesamtbild einfügen«, erklärt Graupner. »Und wenn wir ein Detail vom Tatort noch einmal genauer ansehen wollen, einen Blutspritzer an der Wand vielleicht, können wir ihn in der 3-D-Optik heranzoomen.«

Doch nicht jede Polizeidienststelle kann sich die Spheron-Kamera leisten, zusammen mit der passenden Software kostet sie mindestens 80.000 Euro. In der Berliner Tatortstraße lernen die Studenten, auch ohne diese aufwendige Ausrüstung zurechtzukommen. Sie notieren auf sogenannten Spurensicherungsblättern, wo genau im Raum sie Haare oder Speichel entdeckt haben.

Weller bückt sich im nachgebauten Wohnzimmer der Tatortstraße, hebt den Teppich an und nimmt ein locker sitzendes Stück aus dem Laminatboden. Wenn die Studenten üben, wie man Wohnungen durchsucht, dürfen sie dieses Versteck nicht übersehen. Weller geht weiter in die Küche, Zeus hinterher. »Da nicht genügend Geld für die Ausstattung zur Verfügung stand, haben viele Kollegen der Berliner Polizei und wir selbst Möbel gespendet«, sagt der Kommissar. Sein alter Gasherd gehört jetzt zur Kulisse.

Das, sagt Weller, sei der größte Vorteil der Tatortstraße: »Weil sie so authentisch ist, können die Studenten, die wir hier ausbilden, im Alltag gleich richtig mitarbeiten.« Zum Beispiel wissen sie dann, wie man Verdächtige befragt: Das üben sie in dem Vernehmungsraum, ausgestattet mit einer Spiegelglaswand, wie man sie aus Krimis kennt.

Vernehmungen (1) würden heute oft vernachlässigt, kritisiert Weller. »Dabei spart man viel Zeit und technischen Aufwand, wenn man den Täter dazu bringt, einem das zu sagen, was man wissen will.« Schließlich ist es einfacher, nach Beweisen zu suchen, wenn der Täter schon verraten hat, wo man sie findet.

Nicht nur für die Spurensuche, auch in der Rechtsmedizin spielen neue Technologien eine wichtige Rolle – wenn man sie denn bezahlen kann. Einige Rechtsmediziner (2) blicken seit Kurzem mithilfe von teuren Computertomografen (CT) in das Innere von Leichen, bevor sie diese mit dem Skalpell öffnen.

Aufschlussreich war dieses Verfahren in einem Fall, den Klaus Püschel erlebte, der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: Ein junger Patient wurde mit einer Schussverletzung am Bauch ins Krankenhaus eingeliefert, er starb noch auf dem Operationstisch. »Da hätte man leicht denken können, er wäre an seinen Verletzungen gestorben«, sagt Püschel. Doch auf den CT-Bildern sahen er und seine Kollegen einen schwarzen Fleck in der linken Brusthöhle – eine Gasblase. Daraufhin öffneten sie die Stelle des Körpers unter Wasser, Luftbläschen zischten an die Oberfläche. Damit hatten sie den Beweis erbracht, dass der Mann nicht nur eine Schussverletzung hatte, sondern auch einen sogenannten Spannungspneumothorax (3) – die Ärzte hatten versehentlich in seine Lunge gestochen. »Ohne die CT-Aufnahme hätten wir das nicht erkennen können«, sagt Püschel.

»Virtopsy« heißt die virtuelle Autopsie mithilfe solcher Computertomografien (4), entwickelt wurde sie an der Universität Bern. (Klicken Sie hier für eine Infografik.) Ein Computerprogramm berechnet dafür anhand der gemessenen Daten Scheibchenbilder des Körpers, die ein Radiologe einzeln ansehen kann. Die Rechtsmediziner in Bern verwenden die Multislice-Technik, mit der sehr dünne Scheibchen entstehen, die Untersuchung ist also besonders genau. Am Bildschirm können sie sich sogar durch ein dreidimensionales Modell des Körpers hindurchbewegen, bevor sie ihn öffnen. Michael Thali, der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin in Bern, hat die Methode mitentwickelt und sagt ihr eine große Zukunft voraus: »In einigen Jahren wird die Virtopsy so weit sein, dass es gar nicht mehr nötig ist, Körper zu sezieren.«

Ob es wirklich so kommt, ist auch eine finanzielle Frage. Püschel und seine Kollegen arbeiten mit einem ausgemusterten Computertomografen, den andere Ärzte ihnen überlassen haben, für ein neues Gerät war das Budget zu knapp. »Für die Toten ist eindeutig zu wenig Geld da«, sagt Püschel. Vielen anderen Rechtsmedizinern steht eine solche Ausrüstung gar nicht zur Verfügung. Zu teuer.

Bis eine neue Technik im Alltag ankommt, vergeht viel Zeit, das gilt auch für die Forensik. Neue wissenschaftliche Methoden können schon bei der Beantwortung einiger entscheidender Fragen helfen:

—— Wer ist das Opfer? Geoforensiker können zur Identifizierung des Opfers beitragen, wenn ein Mörder es unkenntlich gemacht hat: Nahrung und Wasser enthalten Elemente wie Sauerstoff oder Wasserstoff, die aus Isotopen bestehen. Die Zusammensetzung dieser Isotope ist an jedem Ort anders, Trinkwasser und Nahrung hinterlassen dementsprechend unterschiedliche Spuren in Gewebe und Haaren. Kriminalisten bekommen so Hinweise darauf, wo sich das Opfer in den letzten Wochen oder sogar Jahren seines Lebens aufgehalten hat.

—— Hat der Täter wirklich keine Spuren hinterlassen? Mit einer neuen Methode können Wissenschaftler Fingerabdrücke (5) sichtbar machen, selbst wenn der Täter diese sorgfältig weggewischt hat. Fasst jemand mit schwitzenden Fingern Metall an, bleibt ein hartnäckiger Abdruck zurück, weil das Salz im Schweiß die Oberfläche korrodieren lässt. Die deutlichsten Spuren hinterlässt ein Verbrecher, der oft sehr salzig isst und deshalb viel Salz ausschwitzt.

—— Wie sieht der Verdächtige aus, dessen DNA-Spuren am Tatort gefunden wurden? Genetiker arbeiten daran, aus dem Erbgut Informationen über das Äußere einer Person zu gewinnen. In Deutschland ist es aus Datenschutzgründen verboten, die entsprechenden Abschnitte der DNA zu untersuchen – nur das Geschlecht darf hierzulande aus einer Genspur ermittelt werden –, doch in den Niederlanden ist mehr erlaubt, und die Wissenschaft macht’s möglich: Ob jemand blaue oder braune Augen hat, können Genetiker schon mit hoher Wahrscheinlichkeit bestimmen. Auch rote Haare können sie aus der DNA herauslesen. Als Nächstes sollen Haut- und weitere Haarfarben folgen. Ein richtiges Phantombild wird den Genetikern aber wohl in absehbarer Zeit nicht gelingen.

—— Sagt der Beschuldigte die Wahrheit? In den USA bieten erste Firmen Tests mit Lügendetektoren an, die anhand der Hirnaktivität angeblich bestimmen, ob jemand Fragen ehrlich beantwortet oder nicht. (Klicken Sie hier für eine Infografik.) Bisher orientierten sich Lügendetektoren an Faktoren wie Blutdruck, Pulsfrequenz, Atmung, Schweißproduktion oder der Stimmlage. Diese gelten aber als unzuverlässig – schließlich schlägt das Herz nicht nur dann schneller, wenn jemand lügt, sondern auch, wenn er einfach nur aufgeregt ist. Bei der neuen Methode wird der Beschuldigte befragt, während er in einem Magnetresonanztomografen liegt. In Studien ließen Hirnforscher ihre Versuchspersonen gezielt lügen und stellten dabei fest, an welchen Stellen das Gehirn besonders aktiv war. Anschließend konnten sie mit teilweise mehr als neunzigprozentiger Wahrscheinlichkeit feststellen, ob jemand log.

Die besten Chancen hat die Kriminalistik, wenn alte und neue Methoden zusammenkommen und einander ergänzen – so, wie es bei der DNA-Analyse (6) (klicken Sie hier für eine Infografik) schon üblich ist. In der Tatortstraße reiben die Studenten mit Wattestäbchen das Ketchup von der eingeschlagenen Scheibe in der Gartenlaube oder von der Tür des geknackten Autos im Raum daneben. Im Ernstfall werden solche DNA-Proben dann ins Labor geschickt. So lässt sich prüfen, ob der genetische Fingerabdruck vom Tatort mit dem eines Verdächtigen übereinstimmt – inzwischen genügen den Genetikern dazu schon kleinste Spuren vom Tatort.

Weller passt von einem Kontrollraum aus auf, dass die Studenten alles richtig machen, wenn sie künstliches Blut sichern. »An jedem simulierten Tatort sind hochauflösende Kameras angebracht, sodass ich am Bildschirm Details heranzoomen und den Studenten auf die Finger sehen kann.« Wichtig ist auch, dass die angehenden Kriminalisten Handschuhe anziehen, damit sie den Tatort nicht selbst kontaminieren. Wenn die Beamten am Tatort aus Versehen ihre eigenen Hautschuppen sichern, nützt auch die beste DNA-Analyse nichts.

Die Möglichkeit, dass genau solche Fehler bei der Spurensicherung oder auch später im Labor passieren, müssen Kriminalisten immer berücksichtigen. Vertrauen sie der Methode blind, kann die Ermittlung fatal enden. Das beste Beispiel dafür ist die Wattestäbchen-Panne, die vor Kurzem eine Debatte über die Zuverlässigkeit von DNA-Analysen auslöste. Jahrelang fahndete die Polizei nach dem sogenannten Phantom von Heilbronn. Die DNA-Spur der Unbekannten tauchte an Tatorten in Deutschland, Österreich und Frankreich auf – und stellte sich letztlich als Trugspur heraus. Denn die Wattestäbchen kamen schon verunreinigt vom Lieferanten, eine Mitarbeiterin hatte das Material mit ihrem eigenen Erbgut verschmutzt.

Der Rechtsmediziner Bernd Brinkmann, der selbst ein DNA-Labor leitet, äußerte schon früh den Verdacht, dass das Material für die Spurensicherung verunreinigt sein könnte. Dass keiner der zuständigen Kriminalisten darauf kam, führt er auf die Trefferquote der gut etablierten DNA-Analyse zurück. »Die Irrtumswahrscheinlichkeit der Methode beträgt nur eins zu zehn Milliarden – derart große Zahlen beeindrucken Menschen, auch Kriminalisten und Richter«, sagt er. Insofern habe die Erbgutanalyse eine hohe Suggestivkraft, die möglicherweise den Blick für falsche Schlussfolgerungen trübe.

Auch bei der Wattestäbchen-Panne waren die Ergebnisse der DNA-Analysen korrekt und wurden wissenschaftlich einwandfrei einer unbekannten Person zugeordnet. Nur die Annahme, dass diese Person die Täterin war, stimmte eben nicht.

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Nach Bekanntwerden der Panne sahen sich Kritiker der DNA-Analyse bestätigt. Man hätte sich auf herkömmliche Ermittlungsmethoden konzentrieren sollen, anstatt den DNA-Proben einen derart hohen Stellenwert einzuräumen, mahnten sie. Auch Brinkmann sagt, man dürfe die Methode nicht überbewerten. »Es ist wichtig, dass die DNA-Analyse vor Gericht nur ein Beweisstück von vielen sein darf, aber nicht das alleinige – so wie es der Bundesgerichtshof festgelegt hat.« Bei anderen Methoden sei es ebenso entscheidend, mit der Einordnung vorsichtig zu sein, sagt Brinkmann: »Die Isotopenanalyse allein hat beispielsweise einen sehr geringen Beweiswert, kann aber hilfreiche Indizien für die weiteren Ermittlungen liefern«. Neurolügendetektoren bewertet der Rechtsmediziner skeptisch: »Das Ergebnis zeigt ja nur Schwarz oder Weiß – Lüge oder Wahrheit.« Dabei sei nicht berücksichtigt, dass es eine Fehlerquote gebe, auch wenn sie gering sei.

Siegfried Weller hat einen anderen Favoriten für die Spurensuche: Hunde. Ihnen traut er mehr zu als vielen technischen Neuerungen. Zeus eignet sich zwar nicht für den Polizeidienst, andere Hunde werden aber in der Tatortstraße zu Helfern ausgebildet. »Es ist schon vorgekommen, dass Kollegen einen Tatort Zentimeter für Zentimeter mit Speziallampen nach Resten von Blutspuren abgesucht haben, die der Täter weggewischt hat«, erzählt Weller. »Dann schickt man einmal einen speziell ausgebildeten Hund in das Zimmer, und der zeigt einem sofort, wo einmal Blut war.«

1: Vernehmung
Bei ihren Gesprächen mit Zeugen und Verdächtigen nutzen Polizisten die Grundlagen der Kommunikationspsychologie. Verdächtige müssen den Tatablauf immer wieder schildern und werden mit Widersprüchen und Gegenbeweisen konfrontiert. Vernehmungen dauern deshalb oft viele Stunden.

2: Rechtsmediziner
Ein Rechtsmediziner obduziert einen Leichnam im Auftrag der Staatsanwaltschaft, die den Leichnam beschlagnahmt hat. Pathologen hingegen untersuchen Menschen, die im Krankenhaus gestorben sind, und zwar mit dem Einverständnis der Angehörigen. Rechtsmediziner benötigen diese Zustimmung nicht.

3: Spannungspneumothorax
Luftansammlung in der Brust, die zum Lungenkollaps führen und lebensbedrohlich sein kann.

4: Computertomografie
Mit dieser Technik entstehen Bilder vom Inneren des Körpers, auf denen unter anderem Organe und Knochen gut sichtbar werden. Während der Aufnahme rotiert eine Röntgenröhre mit gegenüberliegenden Detektoren um den Körper der Leiche. Ein Computerprogramm berechnet aus den Daten Quer- oder Längsschnitte des Körpers.

5: Fingerabdrücke
Auch im Zeitalter der DNA-Analysen sind sie für die Ermittlungen wichtig. Kriminaltechniker machen die Abdrücke mit Magnet- oder Rußpulver sichtbar und nehmen sie mit Klebstreifen ab. In einer Datenbank des BKA, dem Automatisierten Fingerabdruck-Identifizierungs-System, sind Abdrücke von mehr als drei Millionen Straftätern gespeichert.

6: DNA-Analyse
Die deutsche Polizei nutzt die Technik seit Ende der achtziger Jahre, um Spuren von Tatorten zu untersuchen. Dabei erstellt sie genetische Fingerabdrücke aus Körperzellen, die sie in Resten von Haut, Blut, Speichel oder Schweiß findet. Für einen Test genügt eine einzige Zelle. Eine Hautschuppe enthält oft mehrere Hundert intakte Zellen.

 
Leser-Kommentare
  1. Was nützen alle theoretischen Möglichkeiten, wenn es nicht genug engagierte Beamte gibt, die die Spuren überhaut aufnehmen und verarbeiten können. Ich habe in einem Ort in einem Umkreis von 300m einen Einbruch und eine Brandstiftung in einem zeitlichen Abstand von 1,5 Jahren angezeigt. Den Einbruch hat niemand aufgenommen, nur im Büro der Kripo, die Brandstiftung, wo ich den Täter sogar selbst überrascht habe, hat für den Täter keinerlei Folgen gehabt. So konnte er im Ort weitere Brände legen. Armes Deutschland!

  2. 2.

    "Leichen lügen nicht"

    schon das ist falsch, denn die hälfte aller morde werden als solche erst gar nicht erkannt, die hausärzte haben viel zu wenig ahnung, die aufklärungsrate bei morden ist daher ein falsche, sie beträgt nicht um die 90% sondern dürfte bei 50% liegen wenn überhaupt

    gerade das vertrauen auf dna-tests ist erschreckend, und juristen und technik ist immer eine ungute kombination, weil sie kein verständnis dafür haben

  3. 3.

    interessant auch aufgrund der lage des bettlakens auf kampfspuren oder nicht rückzuschließen, beim sex verhalten sich menschen sehr unterschiedlich, manche schlafen auch sehr unruhig, da schaut es am morgen aus, als wenn ein bombe eingeschlagen hätte, auch ohne sex

    im fall fritzl war die antwort des kriminalisten auf die frage eines journalisten sehr informativ, der journalist fragte, ob die mutter nicht doch in den fall verwickelt wäre, worauf der krimonalbeamte antwortete, nein, dafür gäbe es keine anhaltspunkte und er stellte die gegenfrage, können sie sich vorstellen, dass da ein mutter mitmacht?

    ich habe mich da gefragt, untersucht der typ nur das was er sich vortstellen kann und was noch viel schlimmer ist, er kann sich vorstellen, dass eine frau 20 jahre in dem haus lebt und absolut nichts mitbekommt, da frage ich mich wie der beamte lebt, wenn er sich das vorstellen kann, aber die tatbeteilung der mutter nicht, wobei es genügend fälle in und außerhalb österreichs gibt, die belegen was mütter ihren kindern antun können

    die entwicklung ist schon erschreckend, was werden diktaturen mit den technischen möglichkeiten anfangen, die da hier entwickelt werden und dann überall zugänglich sind, wie werden sie jemanden behandeln der bei den gerhirnstromanalysen "versagt" - liquidierung des lügners, denken verboten schöne aussichten in der neuen welt, und verbrecher ist wer gar nichts verbrochen hat

    • luccas
    • 27.11.2009 um 21:36 Uhr

    ...die ich etwas anders sehen würde:

    Die Resultate einer Spheron incl. Spuren wollen auch richtig interpretiert sein. Dazu ist eine Menge mehr nötig, als das bloße Begaffen eines Bildschirms. Zudem ersetzt die Begutachtung des virtuellen Tatorts absolut nicht eine reale Besichtigung.

    Die deutsche Vernehmungspraxis ist - mit Verlaub gesagt - zu über 95% unterirdisch schlecht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie haben völlig Recht, der Augenschein vom TO -auch eine olfaktorische Prüfung- ist nicht durch abstrakte Dokumentation zu ersetzten. So entgehen doch allzuviel Dinge der Wahrnehmung, und wer hat schonmal Wischproben von einem Digitalbild gemacht?

    MfG

    Karl Müller

    Sie haben völlig Recht, der Augenschein vom TO -auch eine olfaktorische Prüfung- ist nicht durch abstrakte Dokumentation zu ersetzten. So entgehen doch allzuviel Dinge der Wahrnehmung, und wer hat schonmal Wischproben von einem Digitalbild gemacht?

    MfG

    Karl Müller

  4. Sie haben völlig Recht, der Augenschein vom TO -auch eine olfaktorische Prüfung- ist nicht durch abstrakte Dokumentation zu ersetzten. So entgehen doch allzuviel Dinge der Wahrnehmung, und wer hat schonmal Wischproben von einem Digitalbild gemacht?

    MfG

    Karl Müller

    Antwort auf "Zwei Dinge..."
    • pekka
    • 29.11.2009 um 22:52 Uhr

    war immer ein spass csi zu gucken, die methoden scheinen da noch abgefahrener...
    ansonsten nichts kann eine sehr gute ausbildung ersetzen und da gehören die "alten" methoden in meinen augen auch rein. Aber sich der neuen technik verschließen ist auch verkehrt. Aber leichen lügen nicht stimmt in dem fall, in dem sie bei der pathologie aufm tisch liegen. wenn die erstmal seziert werden, findet man sehr viel raus.

    ansonsten haben uns im mathelk mit abkühlungsfunktionen beschäftigt ;-) und welche körper waren interessant? leichen!
    fing mit newton an und ging mit den verfahren der polizei weiter. das thermometer kann schon wichtig sein, aber das wird ja leider nicht im tatort gezeigt

  5. Ich halte es für unglaublig fahrlässig, dass die Ermittler den Tatort sich nicht ansehen. So ist allerdings erklärbar, wie es sein kann, dass der (durchaus gestandenen) Tathergangs unmöglich ist.

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