Forensik Leichen lügen nichtSeite 3/3
—— Sagt der Beschuldigte die Wahrheit? In den USA bieten erste Firmen Tests mit Lügendetektoren an, die anhand der Hirnaktivität angeblich bestimmen, ob jemand Fragen ehrlich beantwortet oder nicht. (Klicken Sie hier für eine Infografik.) Bisher orientierten sich Lügendetektoren an Faktoren wie Blutdruck, Pulsfrequenz, Atmung, Schweißproduktion oder der Stimmlage. Diese gelten aber als unzuverlässig – schließlich schlägt das Herz nicht nur dann schneller, wenn jemand lügt, sondern auch, wenn er einfach nur aufgeregt ist. Bei der neuen Methode wird der Beschuldigte befragt, während er in einem Magnetresonanztomografen liegt. In Studien ließen Hirnforscher ihre Versuchspersonen gezielt lügen und stellten dabei fest, an welchen Stellen das Gehirn besonders aktiv war. Anschließend konnten sie mit teilweise mehr als neunzigprozentiger Wahrscheinlichkeit feststellen, ob jemand log.
Die besten Chancen hat die Kriminalistik, wenn alte und neue Methoden zusammenkommen und einander ergänzen – so, wie es bei der DNA-Analyse (6) (klicken Sie hier für eine Infografik) schon üblich ist. In der Tatortstraße reiben die Studenten mit Wattestäbchen das Ketchup von der eingeschlagenen Scheibe in der Gartenlaube oder von der Tür des geknackten Autos im Raum daneben. Im Ernstfall werden solche DNA-Proben dann ins Labor geschickt. So lässt sich prüfen, ob der genetische Fingerabdruck vom Tatort mit dem eines Verdächtigen übereinstimmt – inzwischen genügen den Genetikern dazu schon kleinste Spuren vom Tatort.
Weller passt von einem Kontrollraum aus auf, dass die Studenten alles richtig machen, wenn sie künstliches Blut sichern. »An jedem simulierten Tatort sind hochauflösende Kameras angebracht, sodass ich am Bildschirm Details heranzoomen und den Studenten auf die Finger sehen kann.« Wichtig ist auch, dass die angehenden Kriminalisten Handschuhe anziehen, damit sie den Tatort nicht selbst kontaminieren. Wenn die Beamten am Tatort aus Versehen ihre eigenen Hautschuppen sichern, nützt auch die beste DNA-Analyse nichts.
Die Möglichkeit, dass genau solche Fehler bei der Spurensicherung oder auch später im Labor passieren, müssen Kriminalisten immer berücksichtigen. Vertrauen sie der Methode blind, kann die Ermittlung fatal enden. Das beste Beispiel dafür ist die Wattestäbchen-Panne, die vor Kurzem eine Debatte über die Zuverlässigkeit von DNA-Analysen auslöste. Jahrelang fahndete die Polizei nach dem sogenannten Phantom von Heilbronn. Die DNA-Spur der Unbekannten tauchte an Tatorten in Deutschland, Österreich und Frankreich auf – und stellte sich letztlich als Trugspur heraus. Denn die Wattestäbchen kamen schon verunreinigt vom Lieferanten, eine Mitarbeiterin hatte das Material mit ihrem eigenen Erbgut verschmutzt.
Der Rechtsmediziner Bernd Brinkmann, der selbst ein DNA-Labor leitet, äußerte schon früh den Verdacht, dass das Material für die Spurensicherung verunreinigt sein könnte. Dass keiner der zuständigen Kriminalisten darauf kam, führt er auf die Trefferquote der gut etablierten DNA-Analyse zurück. »Die Irrtumswahrscheinlichkeit der Methode beträgt nur eins zu zehn Milliarden – derart große Zahlen beeindrucken Menschen, auch Kriminalisten und Richter«, sagt er. Insofern habe die Erbgutanalyse eine hohe Suggestivkraft, die möglicherweise den Blick für falsche Schlussfolgerungen trübe.
Auch bei der Wattestäbchen-Panne waren die Ergebnisse der DNA-Analysen korrekt und wurden wissenschaftlich einwandfrei einer unbekannten Person zugeordnet. Nur die Annahme, dass diese Person die Täterin war, stimmte eben nicht.
Nach Bekanntwerden der Panne sahen sich Kritiker der DNA-Analyse bestätigt. Man hätte sich auf herkömmliche Ermittlungsmethoden konzentrieren sollen, anstatt den DNA-Proben einen derart hohen Stellenwert einzuräumen, mahnten sie. Auch Brinkmann sagt, man dürfe die Methode nicht überbewerten. »Es ist wichtig, dass die DNA-Analyse vor Gericht nur ein Beweisstück von vielen sein darf, aber nicht das alleinige – so wie es der Bundesgerichtshof festgelegt hat.« Bei anderen Methoden sei es ebenso entscheidend, mit der Einordnung vorsichtig zu sein, sagt Brinkmann: »Die Isotopenanalyse allein hat beispielsweise einen sehr geringen Beweiswert, kann aber hilfreiche Indizien für die weiteren Ermittlungen liefern«. Neurolügendetektoren bewertet der Rechtsmediziner skeptisch: »Das Ergebnis zeigt ja nur Schwarz oder Weiß – Lüge oder Wahrheit.« Dabei sei nicht berücksichtigt, dass es eine Fehlerquote gebe, auch wenn sie gering sei.
Siegfried Weller hat einen anderen Favoriten für die Spurensuche: Hunde. Ihnen traut er mehr zu als vielen technischen Neuerungen. Zeus eignet sich zwar nicht für den Polizeidienst, andere Hunde werden aber in der Tatortstraße zu Helfern ausgebildet. »Es ist schon vorgekommen, dass Kollegen einen Tatort Zentimeter für Zentimeter mit Speziallampen nach Resten von Blutspuren abgesucht haben, die der Täter weggewischt hat«, erzählt Weller. »Dann schickt man einmal einen speziell ausgebildeten Hund in das Zimmer, und der zeigt einem sofort, wo einmal Blut war.«
1: Vernehmung
Bei ihren Gesprächen mit Zeugen und Verdächtigen nutzen Polizisten die Grundlagen der Kommunikationspsychologie. Verdächtige müssen den Tatablauf immer wieder schildern und werden mit Widersprüchen und Gegenbeweisen konfrontiert. Vernehmungen dauern deshalb oft viele Stunden.
2: Rechtsmediziner
Ein Rechtsmediziner obduziert einen Leichnam im Auftrag der Staatsanwaltschaft, die den Leichnam beschlagnahmt hat. Pathologen hingegen untersuchen Menschen, die im Krankenhaus gestorben sind, und zwar mit dem Einverständnis der Angehörigen. Rechtsmediziner benötigen diese Zustimmung nicht.
3: Spannungspneumothorax
Luftansammlung in der Brust, die zum Lungenkollaps führen und lebensbedrohlich sein kann.
4: Computertomografie
Mit dieser Technik entstehen Bilder vom Inneren des Körpers, auf denen unter anderem Organe und Knochen gut sichtbar werden. Während der Aufnahme rotiert eine Röntgenröhre mit gegenüberliegenden Detektoren um den Körper der Leiche. Ein Computerprogramm berechnet aus den Daten Quer- oder Längsschnitte des Körpers.
5: Fingerabdrücke
Auch im Zeitalter der DNA-Analysen sind sie für die Ermittlungen wichtig. Kriminaltechniker machen die Abdrücke mit Magnet- oder Rußpulver sichtbar und nehmen sie mit Klebstreifen ab. In einer Datenbank des BKA, dem Automatisierten Fingerabdruck-Identifizierungs-System, sind Abdrücke von mehr als drei Millionen Straftätern gespeichert.
6: DNA-Analyse
Die deutsche Polizei nutzt die Technik seit Ende der achtziger Jahre, um Spuren von Tatorten zu untersuchen. Dabei erstellt sie genetische Fingerabdrücke aus Körperzellen, die sie in Resten von Haut, Blut, Speichel oder Schweiß findet. Für einen Test genügt eine einzige Zelle. Eine Hautschuppe enthält oft mehrere Hundert intakte Zellen.
- Datum 27.11.2009 - 19:01 Uhr
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- Quelle ZEIT Wissen 06/2009
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Was nützen alle theoretischen Möglichkeiten, wenn es nicht genug engagierte Beamte gibt, die die Spuren überhaut aufnehmen und verarbeiten können. Ich habe in einem Ort in einem Umkreis von 300m einen Einbruch und eine Brandstiftung in einem zeitlichen Abstand von 1,5 Jahren angezeigt. Den Einbruch hat niemand aufgenommen, nur im Büro der Kripo, die Brandstiftung, wo ich den Täter sogar selbst überrascht habe, hat für den Täter keinerlei Folgen gehabt. So konnte er im Ort weitere Brände legen. Armes Deutschland!
"Leichen lügen nicht"
schon das ist falsch, denn die hälfte aller morde werden als solche erst gar nicht erkannt, die hausärzte haben viel zu wenig ahnung, die aufklärungsrate bei morden ist daher ein falsche, sie beträgt nicht um die 90% sondern dürfte bei 50% liegen wenn überhaupt
gerade das vertrauen auf dna-tests ist erschreckend, und juristen und technik ist immer eine ungute kombination, weil sie kein verständnis dafür haben
interessant auch aufgrund der lage des bettlakens auf kampfspuren oder nicht rückzuschließen, beim sex verhalten sich menschen sehr unterschiedlich, manche schlafen auch sehr unruhig, da schaut es am morgen aus, als wenn ein bombe eingeschlagen hätte, auch ohne sex
im fall fritzl war die antwort des kriminalisten auf die frage eines journalisten sehr informativ, der journalist fragte, ob die mutter nicht doch in den fall verwickelt wäre, worauf der krimonalbeamte antwortete, nein, dafür gäbe es keine anhaltspunkte und er stellte die gegenfrage, können sie sich vorstellen, dass da ein mutter mitmacht?
ich habe mich da gefragt, untersucht der typ nur das was er sich vortstellen kann und was noch viel schlimmer ist, er kann sich vorstellen, dass eine frau 20 jahre in dem haus lebt und absolut nichts mitbekommt, da frage ich mich wie der beamte lebt, wenn er sich das vorstellen kann, aber die tatbeteilung der mutter nicht, wobei es genügend fälle in und außerhalb österreichs gibt, die belegen was mütter ihren kindern antun können
die entwicklung ist schon erschreckend, was werden diktaturen mit den technischen möglichkeiten anfangen, die da hier entwickelt werden und dann überall zugänglich sind, wie werden sie jemanden behandeln der bei den gerhirnstromanalysen "versagt" - liquidierung des lügners, denken verboten schöne aussichten in der neuen welt, und verbrecher ist wer gar nichts verbrochen hat
...die ich etwas anders sehen würde:
Die Resultate einer Spheron incl. Spuren wollen auch richtig interpretiert sein. Dazu ist eine Menge mehr nötig, als das bloße Begaffen eines Bildschirms. Zudem ersetzt die Begutachtung des virtuellen Tatorts absolut nicht eine reale Besichtigung.
Die deutsche Vernehmungspraxis ist - mit Verlaub gesagt - zu über 95% unterirdisch schlecht.
Sie haben völlig Recht, der Augenschein vom TO -auch eine olfaktorische Prüfung- ist nicht durch abstrakte Dokumentation zu ersetzten. So entgehen doch allzuviel Dinge der Wahrnehmung, und wer hat schonmal Wischproben von einem Digitalbild gemacht?
MfG
Karl Müller
Sie haben völlig Recht, der Augenschein vom TO -auch eine olfaktorische Prüfung- ist nicht durch abstrakte Dokumentation zu ersetzten. So entgehen doch allzuviel Dinge der Wahrnehmung, und wer hat schonmal Wischproben von einem Digitalbild gemacht?
MfG
Karl Müller
Sie haben völlig Recht, der Augenschein vom TO -auch eine olfaktorische Prüfung- ist nicht durch abstrakte Dokumentation zu ersetzten. So entgehen doch allzuviel Dinge der Wahrnehmung, und wer hat schonmal Wischproben von einem Digitalbild gemacht?
MfG
Karl Müller
war immer ein spass csi zu gucken, die methoden scheinen da noch abgefahrener...
ansonsten nichts kann eine sehr gute ausbildung ersetzen und da gehören die "alten" methoden in meinen augen auch rein. Aber sich der neuen technik verschließen ist auch verkehrt. Aber leichen lügen nicht stimmt in dem fall, in dem sie bei der pathologie aufm tisch liegen. wenn die erstmal seziert werden, findet man sehr viel raus.
ansonsten haben uns im mathelk mit abkühlungsfunktionen beschäftigt ;-) und welche körper waren interessant? leichen!
fing mit newton an und ging mit den verfahren der polizei weiter. das thermometer kann schon wichtig sein, aber das wird ja leider nicht im tatort gezeigt
Ich halte es für unglaublig fahrlässig, dass die Ermittler den Tatort sich nicht ansehen. So ist allerdings erklärbar, wie es sein kann, dass der (durchaus gestandenen) Tathergangs unmöglich ist.
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