Seuchenbekämpfung Der Virenjäger
Jörg Hacker ist Deutschlands oberster Seuchenbekämpfer. Wenn die Schweinegrippe zu einer ernsthaften Bedrohung wird, bringt er seine Forscher in Stellung. Auf seinen Rat hören Bund und Länder. Ist er der Richtige für diesen Job?
© John MacDougall/AFP/Getty Images

Der Präsident des Robert Koch-Instituts: Jörg Hacker
Der Anruf erreicht Jörg Hacker an einem Freitagmittag im April. Hacker sitzt in einer Besprechung, vor ihm liegt eine Mappe mit den Forschungsvorhaben für die nächsten Jahre. Eigentlich soll es um die Zukunft gehen, doch was er am Telefon hört, stellt den Tag auf den Kopf, das folgende Wochenende, die kommenden Monate, bis heute beschäftigt die Sache den Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI).
Ein neu mutiertes Grippevirus sei vom Schwein auf den Menschen übergesprungen, erfährt er. Es sei in Mexiko aufgetaucht und breite sich rasend schnell aus, es gebe erste Todesfälle. Wie viele Erkrankte? Wie viele Tote? In welchem Zeitraum? Auf keine von Hackers Fragen gibt es zu diesem Zeitpunkt eine Antwort. Ziemlich beunruhigt sei er in diesen Stunden gewesen, sagt Hacker heute. »Wir wussten ja nichts.«
Als im Laufe des ersten Wochenendes Zahlen eintreffen und sich abzeichnet, dass die Symptome der Schweinegrippe nicht so stark ausgeprägt sind, wie anfangs angenommen, kommt Hacker etwas zur Ruhe. »Den ersten Schritt macht immer das Virus«, sagt er heute. »Damit müssen wir auch in Zukunft rechnen.« Für die Menschen ist die Welt geschrumpft, Mexiko liegt nur elf Flugstunden entfernt, für die Viren hat sie sich in gleichem Maße vergrößert.
Hackers Job ist es, gefährlichen Viren und Bakterien in Deutschland das Überleben schwer zu machen, egal ob es sich um Grippe oder Cholera handelt, um Pest, Typhus oder resistente Krankenhauskeime, die Liste ist endlos. Im RKI laufen die Fäden zusammen, und an der Spitze der deutschen Trutzburg gegen Infektionen steht der 57-jährige Jörg Hacker.

Als die Amerikaner auf dem Mond landeten, fasste Jörg Hacker den Entschluss, Wissenschaftler zu werden. Er studierte Biologie in Halle (Saale) und siedelte 1980 in den Westen über. 1988 wurde er Professor für Mikrobiologie in Würzburg, 1993 Leiter des Instituts für Molekulare Infektionsbiologie, 2003 Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Heute ist er Mitglied etlicher wissenschaftlicher Akademien und dreifacher Ehrendoktor. Im vergangenen Jahr bot ihm Ulla Schmidt die Leitung des Robert Koch-Instituts an, Hacker sagte zu. Im kommenden Jahr wird er den Vorsitz der Nationalen Akademie der Wissenschaften übernehmen.
Schon kurz nach Eintreffen der ersten Meldungen über die Schweinegrippe gab Hacker eine erste Pressekonferenz, direkt am Montag eine zweite, eine dritte, zur gleichen Zeit begannen die ersten Sitzungen mit Politikern, Wissenschaftlern, den Landesgesundheitsämtern, der Weltgesundheitsorganisation.
Plötzlich war er, der zurückhaltende Biologe mit dem schütteren grauen Haar, abends in den Fernsehnachrichten und morgens in den Zeitungen. Er erklärte den Zuschauern und Lesern, den Journalisten, den Politikern, dem Mann auf der Straße und der Frau im Bundeskanzleramt, womit sie es bei dem neuen Influenzavirus zu tun hätten. Der Verlauf der Schweinegrippe erwies sich als mild, aber immer noch kann das Virus deutlich gefährlicher werden.
Damals gelang der Spagat: die Menschen zu alarmieren, aber nicht in Panik zu versetzen. Und vielleicht brauchte es dafür jemanden wie Hacker. Einen, der lieber vor Reagenzgläsern steht als vor Kameras und Mikrofonen. Und dem man das auch ansieht, wenn er im Fernsehen auftritt.
Sein Faible für die Wissenschaft wurde in den sechziger Jahren geweckt. »Der Ostblock hatte zwar das Rennen um die Mondlandung verloren, aber die euphorische Aufbruchsstimmung kam auch bei uns an«, erzählt Hacker. Selbst im mecklenburgischen Grevesmühlen, wo er aufwuchs, erschien auf einmal alles möglich. 1970 fing er mit dem Biologiestudium in Halle an. »Damals flog man zum Mond, da gab es die Beatles, und bald, so hieß es, machen wir künstliches Leben.«
Etwas länger hat es dann doch gedauert. Erst in den vergangenen Jahren hat sich die sogenannte Synthetische Biologie entwickelt. Inzwischen gelingt es Biowissenschaftlern, Erbmaterial nach Wunsch zu konstruieren und maßgeschneiderte Enzyme herzustellen. Bis zur Erschaffung künstlicher Organismen ist es womöglich gar nicht mehr weit.
Im Frühjahr hat Hacker gemeinsam mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft eine Stellungnahme zur Synthetischen Biologie erarbeitet, in der sie mehr Grundlagenforschung, aber auch eine Risikoabschätzung empfehlen. So etwas lässt er sich nicht nehmen – trotz des aufreibenden Jobs im RKI, in dem er momentan die zeitraubende Rolle als Deutschlands oberster Seuchenbekämpfer spielt.
Hacker sitzt an seinem Schreibtisch vor einer Deutschlandkarte. Seit eineinhalb Jahren ist er jetzt Chef des RKI, seit einem halben Jahr beschäftigt ihn der Kampf gegen die Schweinegrippe. Informationen seien die wichtigste Waffe in diesem Kampf, sagt er. Wird bei irgendjemandem in Deutschland das Virus nachgewiesen, dann setzt sich eine Informationskette in Gang, an deren Ende das RKI steht. Hacker blickt aus dem Fenster, als könnte er draußen irgendwie die nächste Virenoffensive erkennen. Er sagt: »Das RKI behält die Übersicht im vom Föderalismus zerklüfteten Deutschland.«
Mehr als Informationen hat das RKI aber nicht zu bieten, sagen Kritiker. Das Institut ist keine Vollzugsbehörde. Es berät, handeln aber dürfen nur die Länder und Kommunen. Hacker verteidigt dieses Modell: »Die Kooperation mit ihnen ist aufwendig, aber sie funktioniert erstaunlich gut.«
Als er 1980 in den Westen übersiedelte, traf Hacker an der Universität Würzburg Werner Goebel, den damaligen Leiter des Mikrobiologischen Instituts. »Schon bei unserem ersten Gespräch war ich fasziniert von ihm«, erinnert sich Goebel. »Mir wurde schnell klar: Auf Smalltalk war Hacker nie aus, es ging um Bereicherung und Inspiration.«
So ist es noch heute: Wer im kleineren Kreis mit ihm spricht, hat seine volle Aufmerksamkeit. Nur zeigt sich da auch, dass Hacker niemals Menschenmassen mobilisieren kann, zum Beispiel um sie davon zu überzeugen, sich impfen zu lassen. Er ist kein spontaner Mensch, bei ihm ist alles wohlüberlegt, er formuliert nüchtern. Vielleicht ist die Gesundheit von 80 Millionen Menschen gerade deshalb ganz gut bei ihm aufgehoben. Für die Mobilmachung gibt es Politiker.
Beim Mittagessen klingelt das Telefon, Gesundheitsministerin Ulla Schmidt ist dran. Es geht um die Menge des Impfstoffes gegen die Schweinegrippe. Schmidt hat er Dutzende Male getroffen in den vergangenen Monaten, auch Angela Merkel zwei, drei Mal. Wird er sich selbst impfen lassen? »Natürlich«, sagt Hacker und wendet sich wieder seinem Reisgericht zu. Die Frage hat er schon oft beantwortet.
Im Flur vor seinem Büro hängt die Zukunft des RKI: Eine Computergrafik zeigt, wie das Institut in wenigen Jahren aussehen wird. Mit zusätzlichem Personal und Geld soll es zur zentralen Einrichtung Deutschlands für öffentliche Gesundheit aufgerüstet werden. Dabei geht es nicht nur um übertragbare Krankheiten, sondern auch um Herz-Kreislauf-Leiden und Krebs sowie den Einfluss der Klimaveränderung auf die Ausbreitung von Krankheiten.
Viel Zeit bleibt ihm nicht mehr für diese Mission. Schon im nächsten Jahr wird Hacker das RKI wieder verlassen. Anfang Oktober hat der Senat der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina Hacker zum neuen Vorsitzenden gewählt, er übernimmt das Amt im März. Hacker hat sich dafür nicht beworben, er wurde vorgeschlagen.
2008 ist die Leopoldina zur Nationalen Akademie der Wissenschaften ernannt worden, damit ist sie das offizielle Sprachrohr der Wissenschaft in Deutschland, sie soll die Politik beraten und die deutsche Wissenschaft im Ausland repräsentieren. Kann Hacker das? Schon die anderen wissenschaftlichen Akademien hinter die Leopoldina zu bringen ist eine Herausforderung. Hackers Mitarbeiter im RKI trauen ihm das zu. Er könne sich durchsetzen.
Das Wichtigste bringt Hacker aber aus den vergangenen Jahrzehnten mit: die Fähigkeit, sich zu vernetzen. Durch seine Forschungsaufenthalte hat er Kontakte in der ganzen Welt. Er wird wieder Politiker beraten und die Öffentlichkeit informieren, aber anders als jetzt. Nicht mehr als Fachmann für Mikrobiologie, sondern als Sprecher der Wissenschaft.
Warum aber bleibt er nicht am RKI? Hackers Antwort klingt wie auswendig gelernt für das Bewerbungsgespräch: »Seit die Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften geworden ist, steht sie, bisher eher noch als Idee, für die gesamte Wissenschaft in Deutschland. Mit daran zu arbeiten, diese Idee in die Tat umzusetzen, der Wissenschaft eine bedeutende Stimme zu verleihen, empfinde ich als Ehre.«
Erst später, als er sich verabschiedet, platzt es aus ihm heraus: »Ich werde mich im Grunde in alle Bereiche einarbeiten, Erkenntnisse gewinnen von archäologischen Funden bis hin zu sprachwissenschaftlichen Streitfragen.« Da spricht Jörg Hacker, der Forscher. War da nicht sogar ein wenig Enthusiasmus in seiner Stimme?
- Datum 26.10.2009 - 11:15 Uhr
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- Quelle ZEIT Wissen 06/2009
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ergibt sich aus der Position des Betrachters:
Arbeitet er allein im Hinblick auf die Volksgesundheit und auf Basis einer Medizin im Geiste des Hypokratischen Eides, oder ist er doch nur ein Lobbyist in Lohn und Brot der Pharmaindustrie, der das Lied seiner Brötchengeber singt.
Leider fällt es dem Beobachter der ganzer Szenerie gerade sehr schwer diesbezüglich eine Trennung von Spreu und Weizen klar zu determinieren.
Wem kann man heute eigentlich noch glauben!??
der Eid ist natürlich der 'hippokratische' Eid; Sry. :))
der Eid ist natürlich der 'hippokratische' Eid; Sry. :))
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haben merkel und steinbbrück abgelegt. so fern ist ihre vermutung nicht.
dieser schweinegrippe impfschwachsinn ist wirklich erschreckend. ein beispiel für die verblödung unserer gesellschaft.
genauso wie die klimaverblödung:
sollte jemand wirklich angst haben vor der schweinegrippe, kann er sich hier erschöpfend darüber informieren.
es geht um mms. ich bin ein überzeugter anwender und habe mit meiner familie die besten heilerfolge erzielt.
ich bin zwar nur ein kleines rad in diesem großen staat voll kluger menschen, die nichts anderes wollen als macht und unser geld. ich hingegen will einfach nur die welt zu retten. verzeiht mir.
aber der schwachsin mit der schweinegrippe hat mir einfach den rest gegeben.
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http://www.yoice.net/2009...
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