Indigene Völker Die Renaissance der Maya
Die Kultur der Maya gehört zu den ältesten der Welt. Viele Jahrhunderte lang wurde sie unterdrückt, nun entdecken die Maya ihre Tradition und Sprache wieder – mithilfe deutscher Ethnologen.
© Marcel Burkhardt

Der Maya-Priester Rodrigo Jom Tilom zieht während einen uralten Zeremonie einen Kreis aus Zucker
Bald wird Nancy Cal Caprid sich zum ersten Mal mit ihrer Großmutter unterhalten können. Sie ist 19 Jahre alt und muss noch einige Vokabeln lernen. Vor allem muss sie ihrem Mund, der das weiche mittelamerikanische Spanisch gewohnt ist, die harten K-Laute der Maya-Sprache Pokomchi antrainieren. Ihre Lehrerin Griselda Jom Chiquin spricht vor: »K’ah, k’oxb’, ak’ach« – mit einem kleinen Knacksen hinter dem k.
Nancy ist eine Maya, aufgewachsen in San Cristóbal, einer abgelegenen Kleinstadt im Hochland von Guatemala. Die meisten Einwohner gehören zum Stamm der Pokomchi. Nancy trägt einen Trachtenrock, und sie sagt »meine Muttersprache«, wenn sie über das Pokomchi spricht. Dennoch versteht sie die Sprache ihrer Mutter und ihrer Großmutter kaum. Dabei hatten es ihre Eltern nur gut gemeint.
In Guatemala dominiert die spanisch geprägte Latino-Kultur das öffentliche und politische Leben, obwohl die Maya in der Mehrzahl sind. Nancy wurde während eines Bürgerkriegs geboren, in dem 83 Prozent der Opfer Maya waren. »Meine Eltern konnten sich nicht vorstellen, dass unsere Sprache weiterhin wichtig sein würde«, erzählt sie. »Deshalb haben sie mir nur Spanisch beigebracht.«
Nun lernt Nancy doch noch Pokomchi – aus Karrieregründen. Denn die Maya-Kultur erlebt derzeit eine Renaissance. Die Friedensverträge von 1996 stärken die indigene Bevölkerung. Seit 2003 sind die 22 Maya-Sprachen Guatemalas offizielle Landessprachen, jede Provinz ist theoretisch zweisprachig. Nancy will Lehrerin werden, und wenn sie Pokomchi beherrscht, hat sie bessere Chancen auf eine Stelle. Während eines Schulpraktikums hat sie erlebt, wie wichtig es ist, zweisprachig zu unterrichten: »In der Klasse waren Kinder aus San Cristóbal und Kinder vom Land. Diejenigen aus den Dörfern sprachen nur Pokomchi und wurden von den Stadtkindern ausgelacht. Wenn der Unterricht zweisprachig ist, bekommen die Kinder vermittelt, dass Pokomchi etwas wert ist.«
Den Maya-Sprachen zu mehr Anerkennung zu verhelfen ist ein zentrales Ziel der Maya-Organisationen Mittelamerikas. Unterstützt werden sie von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt. »Forscher waren von Anfang an bei der Revitalisierung der Maya-Sprachen dabei, und ich denke, dass unsere Wertschätzung sehr wichtig ist«, sagt der Ethnologe Nikolai Grube von der Universität Bonn, der die Maya seit Jahrzehnten erforscht.
Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer gemeinsamen Maya-Identität waren die Forschungsergebnisse von Otto Stoll. Der Schweizer Ethnologe brach im Jahr 1883 zu einer »linguistischen Rundreise« nach Guatemala auf. Mit zwei Maultieren und einem Diener reiste er ins Hochland und stellte mithilfe einheimischer Dolmetscher Vokabellisten zusammen. Bald erkannte er, dass die meisten guatemaltekischen Sprachen miteinander verwandt sind, dass sie eine gemeinsame Wurzel haben. Der Begriff der Maya-Sprachen war geboren.
Allerdings sind die Maya-Sprachen nur so weitläufig verwandt wie die romanischen Sprachen Europas. Ebenso wenig wie man mit französischer Grammatik einen spanischen Text schreiben kann, hilft die Kekchí-Grammatik, einen Text auf Pokomchi zu verfassen. Außerdem wurden die Maya-Sprachen bisher nur mündlich überliefert. Sie zu stärken ist daher leichter gesagt als getan. Die Sprachforscher jedenfalls stehen vor einer enormen Herausforderung.
- Datum 23.11.2009 - 11:00 Uhr
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- Quelle ZEIT Wissen 06/2009
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zu mehr Anerkennung zu verhelfen in einem Land, das weniger als ein Drittel der Fläche Deutschlands umfasst, ist ein wunderbarer Fall für politisch-korrektes Gutmenschentum, das an der Realität leider völlig vorbeigeht. Eine derartige Provinzialisierung wird ganz bestimmt nicht zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des Landes beitragen.
Sie schreiben: "Maya-Sprachen zu mehr Anerkennung zu verhelfen in einem Land, das weniger als ein Drittel der Fläche Deutschlands umfasst, ist ein wunderbarer Fall für politisch-korrektes Gutmenschentum,"
Freuen Sie sich doch. Worüber sonst sollte das Bösmenschentum sich aufregen (und schreiben)?
Sie schreiben: "Maya-Sprachen zu mehr Anerkennung zu verhelfen in einem Land, das weniger als ein Drittel der Fläche Deutschlands umfasst, ist ein wunderbarer Fall für politisch-korrektes Gutmenschentum,"
Freuen Sie sich doch. Worüber sonst sollte das Bösmenschentum sich aufregen (und schreiben)?
Hallo,
mich stört, dass einmal mehr "Wurzeln entdeckt" werden die eher theoretischer Natur sind. Die "Tradition der Maya" als Schöpfer eindrucksvoller Hochkulturen ging in blutigen Bürgerkriegen unter. Die unveränderte "Tradition der Maya" als Stammesgruppen ist vermutlich nicht älter als die ersten fixierenden Aufzeichnungen durch Ethnologen und massiv überformt durch Jahrhunderte fremder Einflüsse (Spanier, Gringos, evangelikale Missionare, Internet, Twitter etc.).
Und wenn ich lese, dass aller möglicher Hokuspokus mit geopferten Hähnen als "uraltes Wissen" fröhlich Urständ feiert lasse ich die Kontenance ganz fallen. Man komme mir auch nicht mit der tollen ganz nebenwirkungsfreien Naturmedizin die alle Krankheiten garantiert immer sofort heilt. Bei gut kontrollierten Studien wurden AFAIR auch Nebenwirkungen beobachtet die durchaus nicht ohne waren. Und Resistenzen bilden sich auch hier aus. Ist auch normal und zu erwarten. Die Pflanzen in diesen uralten Tropenwäldern sind so vielfältig und spezialisiert, dass aus der Vielfalt der Arten genügend "Lead Structures" ableitbar sind. Das soll auch den Menschen dort zu Gute kommen. Eine Neuauflage des Kolonialismus im Gewand der Pharmaforschung, mit mir nicht. Aber Wunder gibt es nicht.
@Tigurinus: Bis auf den Verweis auf Gutmenschen stimme ich Ihnen zu. Ich denke eher, dass wir hier den Deutschen auf der Suche nach dem "edlen Wilden" erleben. Und wenn er ihn nicht findet wird er, pardon, er/sie eben (re)konstruiert.
@ Vortikon: Stellen Sie sich einmal vor, einem halbgebildeten Maya stellen Sie die Vorzüge der deutschen Kultur vor: Sie erzählen von Walther von der Vogelweide, von Wofram von Eschenbach, von Goethe, Lessing, Kleist, Schiller, usw. und erhalten sodann als Antwort: Diese Kultur ist in zwei blutigen Weltkriegen untergegangen, zwischenzeitlich masssiv überformt durch Jahrhunderte fremder Einflüsse, Franzosen, Amerikaner, Russen, evangelikare Missionare, Internet, Twitter etc.
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@ Vortikon: Stellen Sie sich einmal vor, einem halbgebildeten Maya stellen Sie die Vorzüge der deutschen Kultur vor: Sie erzählen von Walther von der Vogelweide, von Wofram von Eschenbach, von Goethe, Lessing, Kleist, Schiller, usw. und erhalten sodann als Antwort: Diese Kultur ist in zwei blutigen Weltkriegen untergegangen, zwischenzeitlich masssiv überformt durch Jahrhunderte fremder Einflüsse, Franzosen, Amerikaner, Russen, evangelikare Missionare, Internet, Twitter etc.
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und ihre Nachkommen sprechen (zum Teil nur) diese Sprache. Es entspricht deshalb den Menschenrechten, diesen Menschen durch Anerkennung ihrer Muttersprache Chancengleichheit, Identität mit ihrer Herkunft und Kultur sowie Teilhabe am politischen Leben zu geben.
Dass die Hochkultur untergegangen ist, teilt sie mit vielen anderen Hochkulturen; in Europa z. B. mit denen der Griechen und Römer. Warum wird an deutschen Schulen eigentlich immer noch Latein und Altgriechisch unterrichtet?
@ tigurinus: Ihr Kommentar geht an der Sache vorbei und ist gerade im Vergleich mit Deutschland falsch. In Deutschland gibt es höchstens 60.000 Sorben, die zwei sehr unterschiedliche Sprachen sprechen, nämlich Obersorbisch und Niedersorbisch, nach verschiedener Ansicht gibt es zusätzlich noch Grenzdialekte. Diese Bevölkerungsgruppe hat jedenfalls vor deutschen Gerichten das Recht, sorbisch zu sprechen.
Im Übrigen gehört das Wort "Gutmenschentum" zum Wortschatz einer deutschen Bevölkerungsgruppe, zu der Sie hoffentlich nicht gehören.
Sie schreiben: "Maya-Sprachen zu mehr Anerkennung zu verhelfen in einem Land, das weniger als ein Drittel der Fläche Deutschlands umfasst, ist ein wunderbarer Fall für politisch-korrektes Gutmenschentum,"
Freuen Sie sich doch. Worüber sonst sollte das Bösmenschentum sich aufregen (und schreiben)?
@ Vortikon: Stellen Sie sich einmal vor, einem halbgebildeten Maya stellen Sie die Vorzüge der deutschen Kultur vor: Sie erzählen von Walther von der Vogelweide, von Wofram von Eschenbach, von Goethe, Lessing, Kleist, Schiller, usw. und erhalten sodann als Antwort: Diese Kultur ist in zwei blutigen Weltkriegen untergegangen, zwischenzeitlich masssiv überformt durch Jahrhunderte fremder Einflüsse, Franzosen, Amerikaner, Russen, evangelikare Missionare, Internet, Twitter etc.
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Nach der Lektüre der Artikels erscheint es durchaus als Problem, dass bei den Mayas einige Überreste, die den Bürgerkrieg überlebt haben nun zur allgemeinen Grundlage der Wiederbelebung einer Kultur wird, die aus der gelebten Erfahrung der Mehrheit der Bevölkerung verschwunden war.
Dennoch lässt sich das nicht mit Deutschland vergleichen. Aus zwei Gründen: 1. In Guatemala wird ja gerade nicht eine Einheitskultur begründet (sondern es werden regional andere Kulturen, dort aber anscheinend vereinheitlicht, gestärkt). 2. Die Wiederbelebung der Kultur ist kein Medium für eine Staatsgründung - Guatemalas Zukunft hängt nicht im Wesen des Kulturmenschen, wie in Deutschland.
Deutschlands Problem - und dem sitzen Sie auch auf, ist immer noch, dass im 19. Jahrhundert eine Einheitskultur erfunden und als 'deutsch' klassifiziert wurde, an die sich jetzt alle halten müssen, auch wenn sie Schwaben, Bayern, Friesen oder Westfalen sind. Die Erfindung der Deutschen Kultur war mit einem politischen Messianismus beseelt, der erst zu den zwei Weltkriegen geführt hatte - eine Zerstörung oder Abschwächung wäre somit kein Problem, sondern eine Hoffnung für Deutschland.
Und deshalb: nein ich merke nichts.
Nach der Lektüre der Artikels erscheint es durchaus als Problem, dass bei den Mayas einige Überreste, die den Bürgerkrieg überlebt haben nun zur allgemeinen Grundlage der Wiederbelebung einer Kultur wird, die aus der gelebten Erfahrung der Mehrheit der Bevölkerung verschwunden war.
Dennoch lässt sich das nicht mit Deutschland vergleichen. Aus zwei Gründen: 1. In Guatemala wird ja gerade nicht eine Einheitskultur begründet (sondern es werden regional andere Kulturen, dort aber anscheinend vereinheitlicht, gestärkt). 2. Die Wiederbelebung der Kultur ist kein Medium für eine Staatsgründung - Guatemalas Zukunft hängt nicht im Wesen des Kulturmenschen, wie in Deutschland.
Deutschlands Problem - und dem sitzen Sie auch auf, ist immer noch, dass im 19. Jahrhundert eine Einheitskultur erfunden und als 'deutsch' klassifiziert wurde, an die sich jetzt alle halten müssen, auch wenn sie Schwaben, Bayern, Friesen oder Westfalen sind. Die Erfindung der Deutschen Kultur war mit einem politischen Messianismus beseelt, der erst zu den zwei Weltkriegen geführt hatte - eine Zerstörung oder Abschwächung wäre somit kein Problem, sondern eine Hoffnung für Deutschland.
Und deshalb: nein ich merke nichts.
Moin Moin,
nein ich merke nix, bin merkbefreit, mit Zertifikat nach DIN EN ISO 0815....
Nur kurz. Ich behaupte ja auch nicht, dass ich aufgrund meiner (mit rollendem R auszusprechen) teutschen Vorfahren was besonderes bin. Im übrigen ist die Kultur in der ich aufgewachsen bin doch ein wenig besser dokumentiert und durchaus nicht untergegangen. Die Maya-Stadte wurden verlassen, Köln. Berlin etc, nicht, sondern wieder aufgebaut.
Mich stört eben der dauernde Verweis auf die Abstammung und die "Wurzeln".
CU
Nach der Lektüre der Artikels erscheint es durchaus als Problem, dass bei den Mayas einige Überreste, die den Bürgerkrieg überlebt haben nun zur allgemeinen Grundlage der Wiederbelebung einer Kultur wird, die aus der gelebten Erfahrung der Mehrheit der Bevölkerung verschwunden war.
Dennoch lässt sich das nicht mit Deutschland vergleichen. Aus zwei Gründen: 1. In Guatemala wird ja gerade nicht eine Einheitskultur begründet (sondern es werden regional andere Kulturen, dort aber anscheinend vereinheitlicht, gestärkt). 2. Die Wiederbelebung der Kultur ist kein Medium für eine Staatsgründung - Guatemalas Zukunft hängt nicht im Wesen des Kulturmenschen, wie in Deutschland.
Deutschlands Problem - und dem sitzen Sie auch auf, ist immer noch, dass im 19. Jahrhundert eine Einheitskultur erfunden und als 'deutsch' klassifiziert wurde, an die sich jetzt alle halten müssen, auch wenn sie Schwaben, Bayern, Friesen oder Westfalen sind. Die Erfindung der Deutschen Kultur war mit einem politischen Messianismus beseelt, der erst zu den zwei Weltkriegen geführt hatte - eine Zerstörung oder Abschwächung wäre somit kein Problem, sondern eine Hoffnung für Deutschland.
Und deshalb: nein ich merke nichts.
Vor der Wiedergeburt kommt der Tod - und es ist fraglich, wie viel Information über die tote Zeit gerettet werden kann. Man schaue mal in das Baskenland, da wurde die Sprache wiederbelebt und die Kultur. Und was wird dort als "alte" baskische Kultur verkauft? Musikinstrumente und Kleidung aus der Zeit der französischen Revolution! Ich kann mir nicht vorstellen, dass die baskischen Hirten mit Flöte und Trommel bergauf hinter den Schafen hergezogen sind. Und die Basken wurden erst in der französischen Revolution nicht frei und danach unterdrückt, das ist mal gerade 200 Jahre her. Wie lange war die Maya-Kultur tot?
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