Indigene Völker Die Renaissance der Maya
Die Kultur der Maya gehört zu den ältesten der Welt. Viele Jahrhunderte lang wurde sie unterdrückt, nun entdecken die Maya ihre Tradition und Sprache wieder – mithilfe deutscher Ethnologen.
© Marcel Burkhardt

Der Maya-Priester Rodrigo Jom Tilom zieht während einen uralten Zeremonie einen Kreis aus Zucker
Bald wird Nancy Cal Caprid sich zum ersten Mal mit ihrer Großmutter unterhalten können. Sie ist 19 Jahre alt und muss noch einige Vokabeln lernen. Vor allem muss sie ihrem Mund, der das weiche mittelamerikanische Spanisch gewohnt ist, die harten K-Laute der Maya-Sprache Pokomchi antrainieren. Ihre Lehrerin Griselda Jom Chiquin spricht vor: »K’ah, k’oxb’, ak’ach« – mit einem kleinen Knacksen hinter dem k.
Nancy ist eine Maya, aufgewachsen in San Cristóbal, einer abgelegenen Kleinstadt im Hochland von Guatemala. Die meisten Einwohner gehören zum Stamm der Pokomchi. Nancy trägt einen Trachtenrock, und sie sagt »meine Muttersprache«, wenn sie über das Pokomchi spricht. Dennoch versteht sie die Sprache ihrer Mutter und ihrer Großmutter kaum. Dabei hatten es ihre Eltern nur gut gemeint.
In Guatemala dominiert die spanisch geprägte Latino-Kultur das öffentliche und politische Leben, obwohl die Maya in der Mehrzahl sind. Nancy wurde während eines Bürgerkriegs geboren, in dem 83 Prozent der Opfer Maya waren. »Meine Eltern konnten sich nicht vorstellen, dass unsere Sprache weiterhin wichtig sein würde«, erzählt sie. »Deshalb haben sie mir nur Spanisch beigebracht.«
Nun lernt Nancy doch noch Pokomchi – aus Karrieregründen. Denn die Maya-Kultur erlebt derzeit eine Renaissance. Die Friedensverträge von 1996 stärken die indigene Bevölkerung. Seit 2003 sind die 22 Maya-Sprachen Guatemalas offizielle Landessprachen, jede Provinz ist theoretisch zweisprachig. Nancy will Lehrerin werden, und wenn sie Pokomchi beherrscht, hat sie bessere Chancen auf eine Stelle. Während eines Schulpraktikums hat sie erlebt, wie wichtig es ist, zweisprachig zu unterrichten: »In der Klasse waren Kinder aus San Cristóbal und Kinder vom Land. Diejenigen aus den Dörfern sprachen nur Pokomchi und wurden von den Stadtkindern ausgelacht. Wenn der Unterricht zweisprachig ist, bekommen die Kinder vermittelt, dass Pokomchi etwas wert ist.«
Den Maya-Sprachen zu mehr Anerkennung zu verhelfen ist ein zentrales Ziel der Maya-Organisationen Mittelamerikas. Unterstützt werden sie von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt. »Forscher waren von Anfang an bei der Revitalisierung der Maya-Sprachen dabei, und ich denke, dass unsere Wertschätzung sehr wichtig ist«, sagt der Ethnologe Nikolai Grube von der Universität Bonn, der die Maya seit Jahrzehnten erforscht.
Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer gemeinsamen Maya-Identität waren die Forschungsergebnisse von Otto Stoll. Der Schweizer Ethnologe brach im Jahr 1883 zu einer »linguistischen Rundreise« nach Guatemala auf. Mit zwei Maultieren und einem Diener reiste er ins Hochland und stellte mithilfe einheimischer Dolmetscher Vokabellisten zusammen. Bald erkannte er, dass die meisten guatemaltekischen Sprachen miteinander verwandt sind, dass sie eine gemeinsame Wurzel haben. Der Begriff der Maya-Sprachen war geboren.
Allerdings sind die Maya-Sprachen nur so weitläufig verwandt wie die romanischen Sprachen Europas. Ebenso wenig wie man mit französischer Grammatik einen spanischen Text schreiben kann, hilft die Kekchí-Grammatik, einen Text auf Pokomchi zu verfassen. Außerdem wurden die Maya-Sprachen bisher nur mündlich überliefert. Sie zu stärken ist daher leichter gesagt als getan. Die Sprachforscher jedenfalls stehen vor einer enormen Herausforderung.
Einen Großteil der Arbeit haben die Maya inzwischen selbst übernommen. Das war nicht ganz einfach, sie mussten dazu mit der gängigen Forschungspraxis brechen: Über viele Jahre hatten nur ausländische Linguisten in den Maya-Dörfern geforscht. Erst 1970 begann der amerikanische Sprachforscher Terrence Kaufman, die Maya zu Experten für ihre eigenen Sprachen auszubilden. Fortan kamen Abgesandte aus den Dorfgemeinschaften in das Sprachinstitut Francisco Marroquín in der Kolonialstadt Antigua, wo Kaufman ihnen beibrachte, wie man Wörterbücher erstellt und Texte in den Maya-Sprachen dokumentiert. Die Maya gründeten eigene Sprachorganisationen, um die Arbeit zu koordinieren.
In der Casa Crema im Zentrum von Guatemala-Stadt befindet sich heute die Zentrale der Maya-Linguisten, die Academia de las Lenguas Mayas de Guatemala (ALMG), eine Art Duden-Redaktion. Sie erstellt verbindliche Grammatiken und orthografische Regeln für die Maya-Sprachen Guatemalas. Die ALMG ist die einzige staatlich anerkannte Maya-Institution des Landes. Sie produziert auch Lehrbücher wie jenes, mit dem Nancy Cal Caprid Pokomchi lernt. Für die Kulturforscherin Patricia Delgado, eine Poptí-Maya, ist das nicht genug: »Wir versuchen unseren Einfluss als Sprachorganisation auch zu nutzen, um Kulturarbeit zu machen.«
Delgado versteht sich als Lobbyistin: »Uns sind unsere Kultur und unsere Sprache sehr wichtig. Das zeigt sich darin, dass trotz Jahrhunderten der Gewalt die Maya-Kultur besteht und die Sprachen gesprochen werden. Aber die Gesellschaft müsste unsere Kultur insgesamt mehr schätzen.« Dazu muss sie sichtbarer werden. Die Forscher der ALMG sammeln und dokumentieren, was die Maya-Identität ausmacht: Musik, traditionelle Medizin, politische Strukturen, Kleidung, Essen und Religion. Sie schreiben Gebrauchsanweisungen für den Maya-Kalender und stellen wichtige Bräuche in Broschüren zusammen.
Das Wissen über die Kultur haben die Forscher von Menschen wie Rodrigo Jom Tilom. Er ist Maya-Priester oder, wie er selbst sagt, »spiritueller Führer«. Jom Tilom hat wie einige andere auch die Spiritualität der Maya über die Zeit des Bürgerkriegs gerettet. Während der Schreckensjahre von 1960 bis 1996 konnten die Maya ihren Glauben nur im Geheimen praktizieren. »Viele unserer spirituellen Führer sind in dieser Zeit umgekommen«, sagt Rodrigo Jom Tilom. »Unsere Kultur hat gelitten, aber heute blüht sie auf.« Die Menschen aus der Gemeinde feiern heute wieder nach den traditionellen Riten.
Wie Amalia Cal Xuc und Juan Guillermo Caal Caal. Es ist ein nasskalter Samstagmorgen, als die beiden ihre drei Monate alte Tochter einen Hügel bei San Cristóbal hinauftragen. Tikali haben sie das Mädchen genannt, nach Tikal, der sagenumwobenen Maya-Stätte im Urwald von Guatemala. Tikali soll heute nach einem uralten Ritus in die Welt eingeführt werden. Der Hügel über San Cristóbal ist ein heiliger Ort für die Maya. Eine blaue Hütte steht dort. Das große Kreuz symbolisiert den Weltenbaum, die Achse des Kosmos.
Rodrigo Jom Tilom leitet die Zeremonie. Er zieht einen Kreis aus Zucker. In dessen Mitte streut er eine waagerechte Linie, die für den Weg der Sonne steht, und kreuzt sie mit einer senkrechten Linie, die den Weg der Luft symbolisiert. Vier Felder entstehen – die Vier ist eine heilige Zahl für die Maya. Die Erde, so besagt ihre Mythologie, ist an vier Eckpunkten aufgehängt. Es gibt vier Elemente. Vier Großeltern hat jeder Mensch.
In den Feldern ordnet Rodrigo Jom Tilom Kerzen in verschiedenen symbolischen Farben an. Rot, Schwarz, Weiß und Gelb stehen für Blut, Haare, Knochen und Haut des Menschen. Hinzu kommen blaue und grüne Kerzen, Symbole für den Himmel und die Natur. Der ganze Kosmos liegt nun symbolisch vor der Familie. Der Maya-Priester zündet das Feuer an und spricht dabei rituelle Texte auf Pokomchi.
Es riecht nach Rauch und karamellisiertem Zucker. Als der Priester Schnaps ins Feuer gießt, zischt es laut. Traditionell werden bei solchen Zeremonien auch Tiere geopfert, Tikalis Familie wollte das aber nicht. Ein junger Hahn soll dennoch die negativen Energien aus dem Körper des Babys ziehen. Rodrigo hält ihn hoch über das Feuer und legt ihn dann auf Tikalis Brust. Anschließend lässt er ihn laufen. Tikali ist jetzt gereinigt, der Erde und der Gemeinschaft vorgestellt.
Nun folgt der wichtigste Teil, das »Zählen der Zeit«. Der Kalender steht seit mehr als 2000 Jahren im Zentrum der Maya-Spiritualität. Es gibt einen eigenen Zeremonienkalender, der auf dem sogenannten Vigesimalsystem beruht. 20 Tagesnamen werden hierbei mit 13 Zahlen kombiniert. »20 Tage mit den 13 Energien unseres Kalenders, das ergibt 260 Tage, genau die Zeit der Schwangerschaft«, sagt Rodrigo Jom Tilom. Er trägt während der Zeremonie ein Kopftuch, das mit den Zeichen des Kalenders bestickt ist. Beim »Zählen der Zeit« vollzieht die Familie den Lauf des Jahres gemeinsam nach. Jeder hält 20 Kerzen, die in 13 Runden nach und nach ins Feuer geworfen werden.
Gemeinsam zählt Tikalis Familie die Zahlen auf. Zwischen den einzelnen Runden gehen Kinder und Eltern einige Runden allein um das Feuer. Die Familienmitglieder entschuldigen sich gegenüber der Natur für alle Schäden, die sie angerichtet haben, und beieinander für alles Leid, das sie einander zugefügt haben. Sie umarmen sich und weinen. Fast vier Stunden dauert diese Zeremonie, dann ist das Feuer heruntergebrannt. Die Familie stärkt sich mit Kakao und macht sich auf den Heimweg.
Bis vor Kurzem waren die Kenntnisse der spirituellen Maya-Führer nicht niedergeschrieben. Forscher versuchen nun, dieses uralte Wissen zu sichern. So analysieren Wissenschaftler der niederländischen Universität Leiden und der Universität Bonn den rituellen Kalender der Maya. Es geht um seine Bedeutung für die heutige Gesellschaft. Zwei Forscherinnen befragen sogenannte day keeper, spirituelle Schlüsselpersonen in den Gemeinden, über die von ihnen verwendeten Kalender. Es geht hier, wie so oft in der Maya-Forschung, um die Dokumentation von Basiswissen. Die Maya-Tradition ist stark durch die gesprochene Sprache geprägt, und die Ethnologie hat bisher erst einen kleinen Teil des riesigen Kulturschatzes gehoben.
Die Forscher befinden sich zudem in einem ständigen Wettlauf mit der Zeit, da Einflüsse von heute die Traditionen von gestern verändern. Das haben die Ethnologen der Universität Bonn auch in einem Forschungsprojekt über Zeremonien der Maya im mexikanischen Yucatán festgestellt. »Traditionell bitten die Bauern vor jedem Arbeitsschritt auf ihren Feldern die übernatürlichen Mächte um Erlaubnis – das gilt für die Aussaat von Mais und Bohnen genauso wie für das Roden von Wäldern«, sagt Projektleiter Nikolai Grube. Als die Forscher die Zeremonien über zehn Jahre verglichen, stellten sie fest, dass traditionelle Sequenzen immer häufiger wegfallen.
Durch die Zusammenarbeit mit Archäologen sind Ethnologen heute aber auch in der Lage, Kontinuitäten in der Kultur der Maya festzustellen. So entdeckte Grube auf Steinbildnissen der Maya aus dem 7. und 8. Jahrhundert Darstellungen, die er als Tänze deutete. Sie gingen mit Hieroglyphentexten einher, die bis dahin niemand entziffern konnte. Grube fiel auf, dass eine bestimmte Hieroglyphe immer wieder vorkommt. Er konnte zeigen, dass es das Zeichen für »tanzen« sein muss. Weitere Hieroglyphen sind genaue Beschreibungen der Tänze. »Es gibt einen Hirschtanz, einen Schlangentanz, einen Waffentanz«, sagt Grube. Diese Beschreibungen sind fast identisch mit den Namen der Tänze, die heute noch bei den Pokomchi und Quiché aufgeführt werden. Die modernen Tänze der Maya sind also nicht erst im 16. Jahrhundert durch die Spanier eingeführt worden, sie sind eine indigene Tradition.
Im Nebelwald des Hochlandes, dort, wo die Wolken in den Baumwipfeln hängen und die Luft immer feucht und kühl ist, wohnt Sabina Ixim Gualim. Ihr Haus ist aus Holz, es hat keine Fenster, Licht dringt nur durch die Lücken zwischen den Brettern. Der Boden besteht aus gestampfter Erde. Die Familie von Sabina Ixim Gualim lebt in nur einem einzigen Raum: Links stehen die Betten mit Strohmatten als Matratzen, rechts steigt Rauch von einem Herd auf, auf dem ein Topf mit süßem Kaffee kocht.
Der jüngste Sohn und Gualims drei Enkelkinder spielen. Sie selbst schält Maiskolben und mahlt sie zu einem Brei, den sie mit Kalk mischt. Daraus macht sie Maisfladen. Was hier zubereitet wird, essen die Maya von jeher. Im dauerfeuchten Boden gedeiht nicht alles, und Ixim Gualims Familie lebt fast ausschließlich von dem, was auf den eigenen Feldern wächst. An Festtagen schlachtet sie ein Huhn.
Sabina Ixim Gualim spricht nur Pokomchi. Geld verdient sie als Hebamme – umgerechnet zehn Euro pro Geburt. Dafür betreut sie die Frauen während der Schwangerschaft, holt das Kind auf die Welt und wäscht einen Monat lang die Wäsche von Mutter und Kind. Das ist Brauch. »Mit anderen Arbeiten könnte ich mehr verdienen«, sagt sie. »Aber ich will den Frauen im Dorf helfen, hier gibt es keinen Arzt.« Und auch kein fließendes Wasser, keine Müllabfuhr. Nur einmal am Tag quält sich ein Bus den Weg ins Dorf hinauf.
Bei aller Liebe zur Tradition, eine bessere Infrastruktur wünscht sich hier jeder. Sabina Ixim Gualim hat sich jetzt ein Handy besorgt, um bei schweren Geburten einen Arzt rufen zu können. Vor einem Jahr hat sie im Dorf eine Familienplanung eingeführt, damit die Paare nicht mehr Kinder bekommen, als sie wollen. Mit anderen Frauen webt sie zudem Tücher und Taschen, die sie auf den Märkten verkaufen.
Noch einen Schritt weiter geht Carola Cojol Gua. Sie ist die erste Frau aus dem Dorf, die eine Universität besucht hat. Nun ist sie zurückgekehrt, unterrichtet die Kinder und lehrt auch die Erwachsenen Lesen und Schreiben. »Es verändert sich viel«, sagt sie. »Die Leute wachen auf und bemerken, wie wichtig Bildung für unsere Entwicklung ist.«
Dass die Maya ihren Weg in die Zukunft selbst gestalten, hält der Bonner Ethnologe Nikolai Grube für sehr wichtig: »Die Modernisierung soll ja nicht von außen implementiert werden. Man muss den Maya die Zeit geben, ihre eigene Agenda zu formulieren.« Um sie dabei zu unterstützen, veranstaltet Grube jedes Jahr Workshops in Guatemala: »Ich versuche, die moderne Maya-Kultur mit den historischen Wurzeln zu verknüpfen und dazu beizutragen, das Selbstwertgefühl der modernen Maya zu stärken, ihnen bewusst zu machen, dass sie Teil einer großen Kultur sind.«
Es ist ein langer und beschwerlicher Weg. Wie schwierig es für die Maya nach wie vor ist, in Guatemala ihre Interessen zu vertreten, zeigt die finanzielle Situation der einzigen Maya-Organisation, die staatlich finanziert ist. Für das Jahr 2008 wurde das Budget der ALMG auf knapp 1,5Millionen Euro halbiert. Dabei gibt es gerade in der Sprachforschung noch viel zu tun: Für viele Maya-Sprachen sind noch keine Grammatikregeln definiert, und deshalb existieren auch keine Schulbücher.
Trotz solcher Probleme glaubt Nikolai Grube, dass die Renaissance der Maya-Kultur weitergeht: »Weil die Maya kreativ sind, sich adaptieren können, Einflüsse von außen aufnehmen und trotzdem ihre Identität behalten, ist ihre Kultur auch für die Jungen attraktiv und damit zukunftsfähig.«
Der Maya-Priester Rodrigo Jom Tilom formuliert es so: »Unsere Kultur wird weiter blühen, das lese ich in den Sternen.« Er blickt auf seinen Hausaltar. Neben einer Kerze, einer Schale mit Erde, einer mit Wasser und einer mit Luft – sie ist leer – stehen dort auch christliche Symbole: ein Kruzifix und Heiligenbilder. Er sagt: »Die Maya-Kultur kann nicht sterben, denn sie ist offen.«
- Datum 23.11.2009 - 11:00 Uhr
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- Quelle ZEIT Wissen 06/2009
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zu mehr Anerkennung zu verhelfen in einem Land, das weniger als ein Drittel der Fläche Deutschlands umfasst, ist ein wunderbarer Fall für politisch-korrektes Gutmenschentum, das an der Realität leider völlig vorbeigeht. Eine derartige Provinzialisierung wird ganz bestimmt nicht zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des Landes beitragen.
Sie schreiben: "Maya-Sprachen zu mehr Anerkennung zu verhelfen in einem Land, das weniger als ein Drittel der Fläche Deutschlands umfasst, ist ein wunderbarer Fall für politisch-korrektes Gutmenschentum,"
Freuen Sie sich doch. Worüber sonst sollte das Bösmenschentum sich aufregen (und schreiben)?
Sie schreiben: "Maya-Sprachen zu mehr Anerkennung zu verhelfen in einem Land, das weniger als ein Drittel der Fläche Deutschlands umfasst, ist ein wunderbarer Fall für politisch-korrektes Gutmenschentum,"
Freuen Sie sich doch. Worüber sonst sollte das Bösmenschentum sich aufregen (und schreiben)?
Hallo,
mich stört, dass einmal mehr "Wurzeln entdeckt" werden die eher theoretischer Natur sind. Die "Tradition der Maya" als Schöpfer eindrucksvoller Hochkulturen ging in blutigen Bürgerkriegen unter. Die unveränderte "Tradition der Maya" als Stammesgruppen ist vermutlich nicht älter als die ersten fixierenden Aufzeichnungen durch Ethnologen und massiv überformt durch Jahrhunderte fremder Einflüsse (Spanier, Gringos, evangelikale Missionare, Internet, Twitter etc.).
Und wenn ich lese, dass aller möglicher Hokuspokus mit geopferten Hähnen als "uraltes Wissen" fröhlich Urständ feiert lasse ich die Kontenance ganz fallen. Man komme mir auch nicht mit der tollen ganz nebenwirkungsfreien Naturmedizin die alle Krankheiten garantiert immer sofort heilt. Bei gut kontrollierten Studien wurden AFAIR auch Nebenwirkungen beobachtet die durchaus nicht ohne waren. Und Resistenzen bilden sich auch hier aus. Ist auch normal und zu erwarten. Die Pflanzen in diesen uralten Tropenwäldern sind so vielfältig und spezialisiert, dass aus der Vielfalt der Arten genügend "Lead Structures" ableitbar sind. Das soll auch den Menschen dort zu Gute kommen. Eine Neuauflage des Kolonialismus im Gewand der Pharmaforschung, mit mir nicht. Aber Wunder gibt es nicht.
@Tigurinus: Bis auf den Verweis auf Gutmenschen stimme ich Ihnen zu. Ich denke eher, dass wir hier den Deutschen auf der Suche nach dem "edlen Wilden" erleben. Und wenn er ihn nicht findet wird er, pardon, er/sie eben (re)konstruiert.
@ Vortikon: Stellen Sie sich einmal vor, einem halbgebildeten Maya stellen Sie die Vorzüge der deutschen Kultur vor: Sie erzählen von Walther von der Vogelweide, von Wofram von Eschenbach, von Goethe, Lessing, Kleist, Schiller, usw. und erhalten sodann als Antwort: Diese Kultur ist in zwei blutigen Weltkriegen untergegangen, zwischenzeitlich masssiv überformt durch Jahrhunderte fremder Einflüsse, Franzosen, Amerikaner, Russen, evangelikare Missionare, Internet, Twitter etc.
Merken Sie was?
@ Vortikon: Stellen Sie sich einmal vor, einem halbgebildeten Maya stellen Sie die Vorzüge der deutschen Kultur vor: Sie erzählen von Walther von der Vogelweide, von Wofram von Eschenbach, von Goethe, Lessing, Kleist, Schiller, usw. und erhalten sodann als Antwort: Diese Kultur ist in zwei blutigen Weltkriegen untergegangen, zwischenzeitlich masssiv überformt durch Jahrhunderte fremder Einflüsse, Franzosen, Amerikaner, Russen, evangelikare Missionare, Internet, Twitter etc.
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und ihre Nachkommen sprechen (zum Teil nur) diese Sprache. Es entspricht deshalb den Menschenrechten, diesen Menschen durch Anerkennung ihrer Muttersprache Chancengleichheit, Identität mit ihrer Herkunft und Kultur sowie Teilhabe am politischen Leben zu geben.
Dass die Hochkultur untergegangen ist, teilt sie mit vielen anderen Hochkulturen; in Europa z. B. mit denen der Griechen und Römer. Warum wird an deutschen Schulen eigentlich immer noch Latein und Altgriechisch unterrichtet?
@ tigurinus: Ihr Kommentar geht an der Sache vorbei und ist gerade im Vergleich mit Deutschland falsch. In Deutschland gibt es höchstens 60.000 Sorben, die zwei sehr unterschiedliche Sprachen sprechen, nämlich Obersorbisch und Niedersorbisch, nach verschiedener Ansicht gibt es zusätzlich noch Grenzdialekte. Diese Bevölkerungsgruppe hat jedenfalls vor deutschen Gerichten das Recht, sorbisch zu sprechen.
Im Übrigen gehört das Wort "Gutmenschentum" zum Wortschatz einer deutschen Bevölkerungsgruppe, zu der Sie hoffentlich nicht gehören.
Sie schreiben: "Maya-Sprachen zu mehr Anerkennung zu verhelfen in einem Land, das weniger als ein Drittel der Fläche Deutschlands umfasst, ist ein wunderbarer Fall für politisch-korrektes Gutmenschentum,"
Freuen Sie sich doch. Worüber sonst sollte das Bösmenschentum sich aufregen (und schreiben)?
@ Vortikon: Stellen Sie sich einmal vor, einem halbgebildeten Maya stellen Sie die Vorzüge der deutschen Kultur vor: Sie erzählen von Walther von der Vogelweide, von Wofram von Eschenbach, von Goethe, Lessing, Kleist, Schiller, usw. und erhalten sodann als Antwort: Diese Kultur ist in zwei blutigen Weltkriegen untergegangen, zwischenzeitlich masssiv überformt durch Jahrhunderte fremder Einflüsse, Franzosen, Amerikaner, Russen, evangelikare Missionare, Internet, Twitter etc.
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Nach der Lektüre der Artikels erscheint es durchaus als Problem, dass bei den Mayas einige Überreste, die den Bürgerkrieg überlebt haben nun zur allgemeinen Grundlage der Wiederbelebung einer Kultur wird, die aus der gelebten Erfahrung der Mehrheit der Bevölkerung verschwunden war.
Dennoch lässt sich das nicht mit Deutschland vergleichen. Aus zwei Gründen: 1. In Guatemala wird ja gerade nicht eine Einheitskultur begründet (sondern es werden regional andere Kulturen, dort aber anscheinend vereinheitlicht, gestärkt). 2. Die Wiederbelebung der Kultur ist kein Medium für eine Staatsgründung - Guatemalas Zukunft hängt nicht im Wesen des Kulturmenschen, wie in Deutschland.
Deutschlands Problem - und dem sitzen Sie auch auf, ist immer noch, dass im 19. Jahrhundert eine Einheitskultur erfunden und als 'deutsch' klassifiziert wurde, an die sich jetzt alle halten müssen, auch wenn sie Schwaben, Bayern, Friesen oder Westfalen sind. Die Erfindung der Deutschen Kultur war mit einem politischen Messianismus beseelt, der erst zu den zwei Weltkriegen geführt hatte - eine Zerstörung oder Abschwächung wäre somit kein Problem, sondern eine Hoffnung für Deutschland.
Und deshalb: nein ich merke nichts.
Nach der Lektüre der Artikels erscheint es durchaus als Problem, dass bei den Mayas einige Überreste, die den Bürgerkrieg überlebt haben nun zur allgemeinen Grundlage der Wiederbelebung einer Kultur wird, die aus der gelebten Erfahrung der Mehrheit der Bevölkerung verschwunden war.
Dennoch lässt sich das nicht mit Deutschland vergleichen. Aus zwei Gründen: 1. In Guatemala wird ja gerade nicht eine Einheitskultur begründet (sondern es werden regional andere Kulturen, dort aber anscheinend vereinheitlicht, gestärkt). 2. Die Wiederbelebung der Kultur ist kein Medium für eine Staatsgründung - Guatemalas Zukunft hängt nicht im Wesen des Kulturmenschen, wie in Deutschland.
Deutschlands Problem - und dem sitzen Sie auch auf, ist immer noch, dass im 19. Jahrhundert eine Einheitskultur erfunden und als 'deutsch' klassifiziert wurde, an die sich jetzt alle halten müssen, auch wenn sie Schwaben, Bayern, Friesen oder Westfalen sind. Die Erfindung der Deutschen Kultur war mit einem politischen Messianismus beseelt, der erst zu den zwei Weltkriegen geführt hatte - eine Zerstörung oder Abschwächung wäre somit kein Problem, sondern eine Hoffnung für Deutschland.
Und deshalb: nein ich merke nichts.
Moin Moin,
nein ich merke nix, bin merkbefreit, mit Zertifikat nach DIN EN ISO 0815....
Nur kurz. Ich behaupte ja auch nicht, dass ich aufgrund meiner (mit rollendem R auszusprechen) teutschen Vorfahren was besonderes bin. Im übrigen ist die Kultur in der ich aufgewachsen bin doch ein wenig besser dokumentiert und durchaus nicht untergegangen. Die Maya-Stadte wurden verlassen, Köln. Berlin etc, nicht, sondern wieder aufgebaut.
Mich stört eben der dauernde Verweis auf die Abstammung und die "Wurzeln".
CU
Nach der Lektüre der Artikels erscheint es durchaus als Problem, dass bei den Mayas einige Überreste, die den Bürgerkrieg überlebt haben nun zur allgemeinen Grundlage der Wiederbelebung einer Kultur wird, die aus der gelebten Erfahrung der Mehrheit der Bevölkerung verschwunden war.
Dennoch lässt sich das nicht mit Deutschland vergleichen. Aus zwei Gründen: 1. In Guatemala wird ja gerade nicht eine Einheitskultur begründet (sondern es werden regional andere Kulturen, dort aber anscheinend vereinheitlicht, gestärkt). 2. Die Wiederbelebung der Kultur ist kein Medium für eine Staatsgründung - Guatemalas Zukunft hängt nicht im Wesen des Kulturmenschen, wie in Deutschland.
Deutschlands Problem - und dem sitzen Sie auch auf, ist immer noch, dass im 19. Jahrhundert eine Einheitskultur erfunden und als 'deutsch' klassifiziert wurde, an die sich jetzt alle halten müssen, auch wenn sie Schwaben, Bayern, Friesen oder Westfalen sind. Die Erfindung der Deutschen Kultur war mit einem politischen Messianismus beseelt, der erst zu den zwei Weltkriegen geführt hatte - eine Zerstörung oder Abschwächung wäre somit kein Problem, sondern eine Hoffnung für Deutschland.
Und deshalb: nein ich merke nichts.
Vor der Wiedergeburt kommt der Tod - und es ist fraglich, wie viel Information über die tote Zeit gerettet werden kann. Man schaue mal in das Baskenland, da wurde die Sprache wiederbelebt und die Kultur. Und was wird dort als "alte" baskische Kultur verkauft? Musikinstrumente und Kleidung aus der Zeit der französischen Revolution! Ich kann mir nicht vorstellen, dass die baskischen Hirten mit Flöte und Trommel bergauf hinter den Schafen hergezogen sind. Und die Basken wurden erst in der französischen Revolution nicht frei und danach unterdrückt, das ist mal gerade 200 Jahre her. Wie lange war die Maya-Kultur tot?
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