Indigene Völker Die Renaissance der Maya
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Die Renaissance der Maya-Kultur geht weiter

Der jüngste Sohn und Gualims drei Enkelkinder spielen. Sie selbst schält Maiskolben und mahlt sie zu einem Brei, den sie mit Kalk mischt. Daraus macht sie Maisfladen. Was hier zubereitet wird, essen die Maya von jeher. Im dauerfeuchten Boden gedeiht nicht alles, und Ixim Gualims Familie lebt fast ausschließlich von dem, was auf den eigenen Feldern wächst. An Festtagen schlachtet sie ein Huhn.

Sabina Ixim Gualim spricht nur Pokomchi. Geld verdient sie als Hebamme – umgerechnet zehn Euro pro Geburt. Dafür betreut sie die Frauen während der Schwangerschaft, holt das Kind auf die Welt und wäscht einen Monat lang die Wäsche von Mutter und Kind. Das ist Brauch. »Mit anderen Arbeiten könnte ich mehr verdienen«, sagt sie. »Aber ich will den Frauen im Dorf helfen, hier gibt es keinen Arzt.« Und auch kein fließendes Wasser, keine Müllabfuhr. Nur einmal am Tag quält sich ein Bus den Weg ins Dorf hinauf.

Bei aller Liebe zur Tradition, eine bessere Infrastruktur wünscht sich hier jeder. Sabina Ixim Gualim hat sich jetzt ein Handy besorgt, um bei schweren Geburten einen Arzt rufen zu können. Vor einem Jahr hat sie im Dorf eine Familienplanung eingeführt, damit die Paare nicht mehr Kinder bekommen, als sie wollen. Mit anderen Frauen webt sie zudem Tücher und Taschen, die sie auf den Märkten verkaufen.

Noch einen Schritt weiter geht Carola Cojol Gua. Sie ist die erste Frau aus dem Dorf, die eine Universität besucht hat. Nun ist sie zurückgekehrt, unterrichtet die Kinder und lehrt auch die Erwachsenen Lesen und Schreiben. »Es verändert sich viel«, sagt sie. »Die Leute wachen auf und bemerken, wie wichtig Bildung für unsere Entwicklung ist.«

Dass die Maya ihren Weg in die Zukunft selbst gestalten, hält der Bonner Ethnologe Nikolai Grube für sehr wichtig: »Die Modernisierung soll ja nicht von außen implementiert werden. Man muss den Maya die Zeit geben, ihre eigene Agenda zu formulieren.« Um sie dabei zu unterstützen, veranstaltet Grube jedes Jahr Workshops in Guatemala: »Ich versuche, die moderne Maya-Kultur mit den historischen Wurzeln zu verknüpfen und dazu beizutragen, das Selbstwertgefühl der modernen Maya zu stärken, ihnen bewusst zu machen, dass sie Teil einer großen Kultur sind.«

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Es ist ein langer und beschwerlicher Weg. Wie schwierig es für die Maya nach wie vor ist, in Guatemala ihre Interessen zu vertreten, zeigt die finanzielle Situation der einzigen Maya-Organisation, die staatlich finanziert ist. Für das Jahr 2008 wurde das Budget der ALMG auf knapp 1,5Millionen Euro halbiert. Dabei gibt es gerade in der Sprachforschung noch viel zu tun: Für viele Maya-Sprachen sind noch keine Grammatikregeln definiert, und deshalb existieren auch keine Schulbücher.

Trotz solcher Probleme glaubt Nikolai Grube, dass die Renaissance der Maya-Kultur weitergeht: »Weil die Maya kreativ sind, sich adaptieren können, Einflüsse von außen aufnehmen und trotzdem ihre Identität behalten, ist ihre Kultur auch für die Jungen attraktiv und damit zukunftsfähig.«

Der Maya-Priester Rodrigo Jom Tilom formuliert es so: »Unsere Kultur wird weiter blühen, das lese ich in den Sternen.« Er blickt auf seinen Hausaltar. Neben einer Kerze, einer Schale mit Erde, einer mit Wasser und einer mit Luft – sie ist leer – stehen dort auch christliche Symbole: ein Kruzifix und Heiligenbilder. Er sagt: »Die Maya-Kultur kann nicht sterben, denn sie ist offen.«

 
Leser-Kommentare
  1. zu mehr Anerkennung zu verhelfen in einem Land, das weniger als ein Drittel der Fläche Deutschlands umfasst, ist ein wunderbarer Fall für politisch-korrektes Gutmenschentum, das an der Realität leider völlig vorbeigeht. Eine derartige Provinzialisierung wird ganz bestimmt nicht zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des Landes beitragen.

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    Sie schreiben: "Maya-Sprachen zu mehr Anerkennung zu verhelfen in einem Land, das weniger als ein Drittel der Fläche Deutschlands umfasst, ist ein wunderbarer Fall für politisch-korrektes Gutmenschentum,"

    Freuen Sie sich doch. Worüber sonst sollte das Bösmenschentum sich aufregen (und schreiben)?

    Sie schreiben: "Maya-Sprachen zu mehr Anerkennung zu verhelfen in einem Land, das weniger als ein Drittel der Fläche Deutschlands umfasst, ist ein wunderbarer Fall für politisch-korrektes Gutmenschentum,"

    Freuen Sie sich doch. Worüber sonst sollte das Bösmenschentum sich aufregen (und schreiben)?

  2. Hallo,

    mich stört, dass einmal mehr "Wurzeln entdeckt" werden die eher theoretischer Natur sind. Die "Tradition der Maya" als Schöpfer eindrucksvoller Hochkulturen ging in blutigen Bürgerkriegen unter. Die unveränderte "Tradition der Maya" als Stammesgruppen ist vermutlich nicht älter als die ersten fixierenden Aufzeichnungen durch Ethnologen und massiv überformt durch Jahrhunderte fremder Einflüsse (Spanier, Gringos, evangelikale Missionare, Internet, Twitter etc.).
    Und wenn ich lese, dass aller möglicher Hokuspokus mit geopferten Hähnen als "uraltes Wissen" fröhlich Urständ feiert lasse ich die Kontenance ganz fallen. Man komme mir auch nicht mit der tollen ganz nebenwirkungsfreien Naturmedizin die alle Krankheiten garantiert immer sofort heilt. Bei gut kontrollierten Studien wurden AFAIR auch Nebenwirkungen beobachtet die durchaus nicht ohne waren. Und Resistenzen bilden sich auch hier aus. Ist auch normal und zu erwarten. Die Pflanzen in diesen uralten Tropenwäldern sind so vielfältig und spezialisiert, dass aus der Vielfalt der Arten genügend "Lead Structures" ableitbar sind. Das soll auch den Menschen dort zu Gute kommen. Eine Neuauflage des Kolonialismus im Gewand der Pharmaforschung, mit mir nicht. Aber Wunder gibt es nicht.

    @Tigurinus: Bis auf den Verweis auf Gutmenschen stimme ich Ihnen zu. Ich denke eher, dass wir hier den Deutschen auf der Suche nach dem "edlen Wilden" erleben. Und wenn er ihn nicht findet wird er, pardon, er/sie eben (re)konstruiert.

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    • ddkddk
    • 24.11.2009 um 0:08 Uhr

    @ Vortikon: Stellen Sie sich einmal vor, einem halbgebildeten Maya stellen Sie die Vorzüge der deutschen Kultur vor: Sie erzählen von Walther von der Vogelweide, von Wofram von Eschenbach, von Goethe, Lessing, Kleist, Schiller, usw. und erhalten sodann als Antwort: Diese Kultur ist in zwei blutigen Weltkriegen untergegangen, zwischenzeitlich masssiv überformt durch Jahrhunderte fremder Einflüsse, Franzosen, Amerikaner, Russen, evangelikare Missionare, Internet, Twitter etc.

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    • ddkddk
    • 24.11.2009 um 0:08 Uhr

    @ Vortikon: Stellen Sie sich einmal vor, einem halbgebildeten Maya stellen Sie die Vorzüge der deutschen Kultur vor: Sie erzählen von Walther von der Vogelweide, von Wofram von Eschenbach, von Goethe, Lessing, Kleist, Schiller, usw. und erhalten sodann als Antwort: Diese Kultur ist in zwei blutigen Weltkriegen untergegangen, zwischenzeitlich masssiv überformt durch Jahrhunderte fremder Einflüsse, Franzosen, Amerikaner, Russen, evangelikare Missionare, Internet, Twitter etc.

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    • ddkddk
    • 23.11.2009 um 20:22 Uhr

    und ihre Nachkommen sprechen (zum Teil nur) diese Sprache. Es entspricht deshalb den Menschenrechten, diesen Menschen durch Anerkennung ihrer Muttersprache Chancengleichheit, Identität mit ihrer Herkunft und Kultur sowie Teilhabe am politischen Leben zu geben.

    Dass die Hochkultur untergegangen ist, teilt sie mit vielen anderen Hochkulturen; in Europa z. B. mit denen der Griechen und Römer. Warum wird an deutschen Schulen eigentlich immer noch Latein und Altgriechisch unterrichtet?

    @ tigurinus: Ihr Kommentar geht an der Sache vorbei und ist gerade im Vergleich mit Deutschland falsch. In Deutschland gibt es höchstens 60.000 Sorben, die zwei sehr unterschiedliche Sprachen sprechen, nämlich Obersorbisch und Niedersorbisch, nach verschiedener Ansicht gibt es zusätzlich noch Grenzdialekte. Diese Bevölkerungsgruppe hat jedenfalls vor deutschen Gerichten das Recht, sorbisch zu sprechen.

    Im Übrigen gehört das Wort "Gutmenschentum" zum Wortschatz einer deutschen Bevölkerungsgruppe, zu der Sie hoffentlich nicht gehören.

  3. Sie schreiben: "Maya-Sprachen zu mehr Anerkennung zu verhelfen in einem Land, das weniger als ein Drittel der Fläche Deutschlands umfasst, ist ein wunderbarer Fall für politisch-korrektes Gutmenschentum,"

    Freuen Sie sich doch. Worüber sonst sollte das Bösmenschentum sich aufregen (und schreiben)?

    Antwort auf "22 Maya-Sprachen"
    • ddkddk
    • 24.11.2009 um 0:08 Uhr

    @ Vortikon: Stellen Sie sich einmal vor, einem halbgebildeten Maya stellen Sie die Vorzüge der deutschen Kultur vor: Sie erzählen von Walther von der Vogelweide, von Wofram von Eschenbach, von Goethe, Lessing, Kleist, Schiller, usw. und erhalten sodann als Antwort: Diese Kultur ist in zwei blutigen Weltkriegen untergegangen, zwischenzeitlich masssiv überformt durch Jahrhunderte fremder Einflüsse, Franzosen, Amerikaner, Russen, evangelikare Missionare, Internet, Twitter etc.

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    Nach der Lektüre der Artikels erscheint es durchaus als Problem, dass bei den Mayas einige Überreste, die den Bürgerkrieg überlebt haben nun zur allgemeinen Grundlage der Wiederbelebung einer Kultur wird, die aus der gelebten Erfahrung der Mehrheit der Bevölkerung verschwunden war.
    Dennoch lässt sich das nicht mit Deutschland vergleichen. Aus zwei Gründen: 1. In Guatemala wird ja gerade nicht eine Einheitskultur begründet (sondern es werden regional andere Kulturen, dort aber anscheinend vereinheitlicht, gestärkt). 2. Die Wiederbelebung der Kultur ist kein Medium für eine Staatsgründung - Guatemalas Zukunft hängt nicht im Wesen des Kulturmenschen, wie in Deutschland.
    Deutschlands Problem - und dem sitzen Sie auch auf, ist immer noch, dass im 19. Jahrhundert eine Einheitskultur erfunden und als 'deutsch' klassifiziert wurde, an die sich jetzt alle halten müssen, auch wenn sie Schwaben, Bayern, Friesen oder Westfalen sind. Die Erfindung der Deutschen Kultur war mit einem politischen Messianismus beseelt, der erst zu den zwei Weltkriegen geführt hatte - eine Zerstörung oder Abschwächung wäre somit kein Problem, sondern eine Hoffnung für Deutschland.
    Und deshalb: nein ich merke nichts.

    Nach der Lektüre der Artikels erscheint es durchaus als Problem, dass bei den Mayas einige Überreste, die den Bürgerkrieg überlebt haben nun zur allgemeinen Grundlage der Wiederbelebung einer Kultur wird, die aus der gelebten Erfahrung der Mehrheit der Bevölkerung verschwunden war.
    Dennoch lässt sich das nicht mit Deutschland vergleichen. Aus zwei Gründen: 1. In Guatemala wird ja gerade nicht eine Einheitskultur begründet (sondern es werden regional andere Kulturen, dort aber anscheinend vereinheitlicht, gestärkt). 2. Die Wiederbelebung der Kultur ist kein Medium für eine Staatsgründung - Guatemalas Zukunft hängt nicht im Wesen des Kulturmenschen, wie in Deutschland.
    Deutschlands Problem - und dem sitzen Sie auch auf, ist immer noch, dass im 19. Jahrhundert eine Einheitskultur erfunden und als 'deutsch' klassifiziert wurde, an die sich jetzt alle halten müssen, auch wenn sie Schwaben, Bayern, Friesen oder Westfalen sind. Die Erfindung der Deutschen Kultur war mit einem politischen Messianismus beseelt, der erst zu den zwei Weltkriegen geführt hatte - eine Zerstörung oder Abschwächung wäre somit kein Problem, sondern eine Hoffnung für Deutschland.
    Und deshalb: nein ich merke nichts.

  4. Moin Moin,

    nein ich merke nix, bin merkbefreit, mit Zertifikat nach DIN EN ISO 0815....
    Nur kurz. Ich behaupte ja auch nicht, dass ich aufgrund meiner (mit rollendem R auszusprechen) teutschen Vorfahren was besonderes bin. Im übrigen ist die Kultur in der ich aufgewachsen bin doch ein wenig besser dokumentiert und durchaus nicht untergegangen. Die Maya-Stadte wurden verlassen, Köln. Berlin etc, nicht, sondern wieder aufgebaut.
    Mich stört eben der dauernde Verweis auf die Abstammung und die "Wurzeln".

    CU

  5. Nach der Lektüre der Artikels erscheint es durchaus als Problem, dass bei den Mayas einige Überreste, die den Bürgerkrieg überlebt haben nun zur allgemeinen Grundlage der Wiederbelebung einer Kultur wird, die aus der gelebten Erfahrung der Mehrheit der Bevölkerung verschwunden war.
    Dennoch lässt sich das nicht mit Deutschland vergleichen. Aus zwei Gründen: 1. In Guatemala wird ja gerade nicht eine Einheitskultur begründet (sondern es werden regional andere Kulturen, dort aber anscheinend vereinheitlicht, gestärkt). 2. Die Wiederbelebung der Kultur ist kein Medium für eine Staatsgründung - Guatemalas Zukunft hängt nicht im Wesen des Kulturmenschen, wie in Deutschland.
    Deutschlands Problem - und dem sitzen Sie auch auf, ist immer noch, dass im 19. Jahrhundert eine Einheitskultur erfunden und als 'deutsch' klassifiziert wurde, an die sich jetzt alle halten müssen, auch wenn sie Schwaben, Bayern, Friesen oder Westfalen sind. Die Erfindung der Deutschen Kultur war mit einem politischen Messianismus beseelt, der erst zu den zwei Weltkriegen geführt hatte - eine Zerstörung oder Abschwächung wäre somit kein Problem, sondern eine Hoffnung für Deutschland.
    Und deshalb: nein ich merke nichts.

    Antwort auf "Vergleich hinkt"
  6. Vor der Wiedergeburt kommt der Tod - und es ist fraglich, wie viel Information über die tote Zeit gerettet werden kann. Man schaue mal in das Baskenland, da wurde die Sprache wiederbelebt und die Kultur. Und was wird dort als "alte" baskische Kultur verkauft? Musikinstrumente und Kleidung aus der Zeit der französischen Revolution! Ich kann mir nicht vorstellen, dass die baskischen Hirten mit Flöte und Trommel bergauf hinter den Schafen hergezogen sind. Und die Basken wurden erst in der französischen Revolution nicht frei und danach unterdrückt, das ist mal gerade 200 Jahre her. Wie lange war die Maya-Kultur tot?

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