Hirnforschung "Sie müssen sich selbst sehr gut kennenlernen."
Kann man seinen Charakter als Erwachsener überhaupt noch ändern? Der Neurobiologe Gerhard Roth erforscht solche Fragen am Institut für Hirnforschung an der Universität Bremen.

Vom Streithammel zum frommen Lamm? "Haben sie mit sich selbst Geduld", sagt der Neurobiologe Gerhard Roth. Mit etwas Zeit können auch Erwachsene sich noch ändern
ZEIT Wissen: Herr Professor Roth, ich bin furchtbar schüchtern und will ein anderer Mensch werden. Geht das?
Gerhard Roth: Die entscheidende Frage ist: Woher kommt Ihre Schüchternheit? Ist sie temperamentbedingt – steckt sie also überwiegend in Ihren Genen oder ist durch vorgeburtliche Einflüsse bedingt –, sind Ihre Aussichten schlecht.
ZEIT Wissen: Ist die Lage also hoffnungslos?

Gerhard Roth arbeitet am Institut für Hirnforschung an der Universität Bremen
Roth: Nicht unbedingt. Denn es kann sein, dass Sie eigentlich ein eher offener Mensch sind und dass Erlebnisse in Ihrer Kindheit oder Jugend für Ihre Schüchternheit verantwortlich sind. Dann stehen die Chancen schon besser, daran noch etwas zu ändern.
ZEIT Wissen: Mit welcher Strategie hat man denn am ehesten Erfolg?
Roth: Mit einem Selbsthilfebuch auf jeden Fall nicht. Wenn jemand erzählt: »Seit ich das gelesen habe, bin ich ein neuer Mensch«, ist das meistens Selbsttäuschung. An den Genen lässt sich ohnehin nicht mehr viel ändern – da hilft auch kein noch so gutes Buch. Wenn überhaupt, lässt sich an der emotionalen Ebene noch etwas drehen. Dafür braucht man aber die Hilfe eines erfahrenen, außenstehenden Menschen – der hat deutlich bessere Chancen als man selbst, die tief liegenden Persönlichkeitsstrukturen zu erreichen und dort etwas zu verändern.
ZEIT Wissen: Machen sich solche Veränderungen in der Persönlichkeit auch im Gehirn bemerkbar?
Roth: Wir machen gerade eine Studie mit depressiven Patienten, um herauszufinden, wie die Therapie sich in ihrem Gehirn auswirkt. Nach einem Jahr fühlen sie sich nicht nur besser, wir können auch deutliche Unterschiede im Gehirn erkennen: Die Abweichungen zu gesunden Probanden haben sich gemildert. Einen ähnlichen Effekt kann man bei Spielsüchtigen beobachten.
- Datum 13.10.2009 - 11:02 Uhr
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- Quelle ZEIT Wissen 06/2009
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Denn die einzige Botschaft lautet "Positiv Denken". Ich denke auch nicht, dass man den Charakter großartig ändern kann. Was man allerdings tun kann ist, sich mit viel Disziplin Techniken anzueignene, mit denen man das eigene Ziel erreicht.
Ob man seinen Charakter ändern kann oder nicht, hängt einzig oder allein davon ab, was man als Charakter bezeichnet. So wie ich das Wort Charakter verstehe, ist der Charakter eine Konstante, und alle "Änderung" ist entweder Verstellung oder mangelnde Fähigkeit, hinter die eigenen Verrenkungen zu schauen. Der Charakter ist für mich so etwas wie psychischer Knochenbau, und meiner hat sich seit über fünfzig Jahren nicht geändert. Der eine nicht und nicht der andere. Und wer glaubt, bei andern charakterliche Veränderungen zum Guten oder zum Schlechteren wahrzunehmen, der hat lediglich vorher nicht aufmerksam genug hingeschaut.
... warum sollte man denn seinen Charakter wirklich ändern wollen? ich denke, wenn man sich slebst so annimmt, wie man ist, sich slebst so mag, sich auch Sachen verzeihen kann, dann läuft alles von alleine schon gut genug. Ich WILL mich gar nicht verändern, obwohl ich mit meinem "Temprament" auch immer wieder anstoße. Entscheidend ist doch, dass ich das zu erkennen in der Lage bin, sprich selbstreflektiert bleibe. Dann darf ich auch ruhig stolz auf mich und meine Fehler sein. Denn ich bin einzigartig... so wie ihr's alle seid.
Also: Spart Euch Gerhard's Geschwafel ;)
"Bei solchen charismatischen Führerpersönlichkeiten funktioniert der normale Mechanismus nicht, der einem sagt: Jetzt ist aber auch mal gut, komm mal wieder runter!"Den Satz merke man sich mal. Mein Verdacht geht schon lange in die Richtung. Wer sich und seine Ansichten für unfehlbar hält, bei dem stimmt was nicht so ganz. Oft sind selbsunkritische Menschen aber recht erfolgreich. Wahrscheinlich sehnen sich andere danach, dass ihnen jemand sagt wos lang geht. Irgendeiner muss doch schließlich besser durchblicken...
Also tut mir Leid, Herr Roth, mit der zu Anfang aufgeworfenen Frage, ob Schüchternheit "temperamentbedingt" in den Genen zu verorten sei, gehen Sie eindeutig viel zu weit, da hilft auch die Flucht in "vorgeburtliche Ereignisse" wenig, denn was meinen Sie konkret damit?
Es ist legitim, sich in der Nature-Nurture Frage auf eine Seite zu stellen.. - hier ensteht aber beim Leser aber eher der Eindruck, dass das so neuester Stand der Hirnforschung sei, und das ist eben nicht der Fall. Oder haben Sie in ihrer neurobiologischen Arbeit das Temperament-Gen entschlüsselt/lokalisiert und hinreichend mit entsprechendem Verhalten korreliert? Wohl kaum...
Dieses Interview ist ein Beispiel dafür, wie ausserordentlich die Neurowissenschaften derzeit überschätzt werden. Da wird von "Charakter", "Temparament" usw. geredet, als seien dies wissenschaftliche Grössen, dabei wird das alles nicht mal ordentlich definiert.
Es ist schon erstaunlich, was man im Hirn alles so sehen kann mit den neuen Methoden, aber mir stehen immer die Haare zu Berge bei den Schlussfolgerungen, die daraus gezogen werden.
Und das peinlichste ist, dass Herr Roth am Ende Allerweltsweisheiten verbreitet, die inhaltlich gar nicht schlecht sind, nur wusste man das schon alles lange vor Hirnforschung & Co.
Dieses Interview ist ein Beispiel dafür, wie ausserordentlich die Neurowissenschaften derzeit überschätzt werden. Da wird von "Charakter", "Temparament" usw. geredet, als seien dies wissenschaftliche Grössen, dabei wird das alles nicht mal ordentlich definiert.
Es ist schon erstaunlich, was man im Hirn alles so sehen kann mit den neuen Methoden, aber mir stehen immer die Haare zu Berge bei den Schlussfolgerungen, die daraus gezogen werden.
Und das peinlichste ist, dass Herr Roth am Ende Allerweltsweisheiten verbreitet, die inhaltlich gar nicht schlecht sind, nur wusste man das schon alles lange vor Hirnforschung & Co.
Ich denke das weite Teile der Charaktereigenschaften eines Menschen tatsächlich "unverwüstlich", bzw. unabänderlich sind. Aus einem schüchternen Menschen wird kein Entertainer mehr.
Andererseits sind wir Menschen wie wohl kein anderes Lebewesen anpassungsfähig. Wenn es um "Leben oder Tod" geht.
Beispiel: Wenn ein schüchterner Mensch vor dem Problem steht wegen seiner Veranlagung keine Arbeit finden zu können, und sich fest vornimmt jede Woche 60 wildfremde Menschen anzusprechen, dann kann im Laufe eines Jahres, durch Übung, das Gröbste überwunden werden.
Ähnlich würde ich das ja dem einen oder anderen Chef empfehlen, jede Woche zu 60 Menschen freundlich sein;-) .... aber ich befürchte davon hat Er/Sie wenig in unserer Gesellschaftsordnung:-)
Dieses Interview ist ein Beispiel dafür, wie ausserordentlich die Neurowissenschaften derzeit überschätzt werden. Da wird von "Charakter", "Temparament" usw. geredet, als seien dies wissenschaftliche Grössen, dabei wird das alles nicht mal ordentlich definiert.
Es ist schon erstaunlich, was man im Hirn alles so sehen kann mit den neuen Methoden, aber mir stehen immer die Haare zu Berge bei den Schlussfolgerungen, die daraus gezogen werden.
Und das peinlichste ist, dass Herr Roth am Ende Allerweltsweisheiten verbreitet, die inhaltlich gar nicht schlecht sind, nur wusste man das schon alles lange vor Hirnforschung & Co.
ja, ich bin immer wieder erstaunt über herrn roths weisheit, aber diesmal eher darüber, dass er sie betont tief hängt und nur nebenbei begriffe für die neuro-jungs erobert.
aber sie, kommentatoren, haben natürlich recht.
schüchternheit ein festes konstrukt?
persönlichkeit ein festes konstrukt?
das konstrukt "charakter" wird von der psychologie seit hundert jahren nicht mehr benutzt, weil es eine a-psychologische verwurzelung hat, und sich auch sonst nicht finden ließ.
und die tipps, die ich ja ganz nett finde, "seien sie nett zu sich", (muss man leider vielen erfolgsgeilen "charakter"optimierern sagen) haben ja nun mit neuro-wissenschaft fast nichts zu tun.
warum ein zeit-artikel aber einen eindruck erweckt, als hätten sie das verstehe ich nicht.
meine these ist:
das wissen um psychologische fragestellungen ist so gering ausgeprägt in der gesamtgesellschaft, dafür geistern aber jede menge halb-gare oft überholte ideenreste umher, dass leute so etwas eben schlucken.
und wenn viele psychologen und neuro-wissenschaftler schon mit halbseidenen menschenbildern hantieren, kann man es wissenschafts journalisten wohl nicht verübeln, dass sie in die wunden der scheinbar sicheren erkenntnisse der neuro-jungs ihre finger nicht legen wollen. schade.
ne gute lehrerin hätte man auch fragen können, und die hätte bestimmt mehr an tipps beizutragen gehabt. aber natürlich wirkt ein hirnforscher, gleich seriöser. ach...mich nervt das immer so.
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