Hirnforschung "Sie müssen sich selbst sehr gut kennenlernen."
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"Haben Sie mit sich selbst Geduld!"

ZEIT Wissen: Viele Menschen verstehen unter einem starken Charakter aber etwas anderes.

Roth: Genau da liegt das Missverständnis. Sie wollen in Wirklichkeit keinen gefestigten Charakter haben, sondern groß, berühmt, reich und mächtig werden. Das allerdings geht eher schon ins Psychopathologische. Bei solchen charismatischen Führerpersönlichkeiten funktioniert der normale Mechanismus nicht, der einem sagt: Jetzt ist aber auch mal gut, komm mal wieder runter! Das Motivationssystem ist bei solchen Menschen so stark ausgeprägt, dass es diese Sicherung zum Schweigen bringt – das geht aber meistens einher mit einer großen Angst vor Misserfolgen. Typisch für diese Charaktere ist ein jäher Absturz, und das ist ein klarer Hinweis, dass es sich dabei um alles andere als einen gefestigten Charakter handelt.

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ZEIT Wissen: Hat man denn eine Chance, einem gefestigten Charakter wenigstens ein bisschen nahezukommen?

Roth: Sie müssen sich selbst sehr gut kennenlernen. Das heißt nicht, dass Sie zum Psychiater rennen. Ich würde damit anfangen zu analysieren: Welche Projekte nehme ich mir vor, und wie erfolgreich bin ich damit? Fragen Sie sich, was Sie in Ihrem Leben noch erreichen wollen, und überprüfen Sie, ob diese Wünsche realistisch sind. Wenn Sie kurz vor der Pensionierung stehen, hat es keinen Sinn, sich aus Angst vor der großen Leere auf den nächsten Aufsichtsratsposten zu stürzen.

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Als Nächstes müssen Sie klare Ziele formulieren und das, was Sie erreichen wollen, auf kleine Schritte herunterbrechen. Wenn Sie ständig Dinge sagen, die Sie später bereuen, versuchen Sie beim nächsten Mal zu schweigen. Vergessen Sie auf keinen Fall, sich für Erfolge zu belohnen – die Belohnung muss aber nicht materieller Art sein. Es kann einen schon sehr motivieren, wenn man merkt, dass man mit dem neuen Verhalten bei anderen besser ankommt. Am allerwichtigsten ist aber etwas anderes: Haben Sie mit sich selbst Geduld!

 
Leser-Kommentare
  1. Denn die einzige Botschaft lautet "Positiv Denken". Ich denke auch nicht, dass man den Charakter großartig ändern kann. Was man allerdings tun kann ist, sich mit viel Disziplin Techniken anzueignene, mit denen man das eigene Ziel erreicht.

  2. Ob man seinen Charakter ändern kann oder nicht, hängt einzig oder allein davon ab, was man als Charakter bezeichnet. So wie ich das Wort Charakter verstehe, ist der Charakter eine Konstante, und alle "Änderung" ist entweder Verstellung oder mangelnde Fähigkeit, hinter die eigenen Verrenkungen zu schauen. Der Charakter ist für mich so etwas wie psychischer Knochenbau, und meiner hat sich seit über fünfzig Jahren nicht geändert. Der eine nicht und nicht der andere. Und wer glaubt, bei andern charakterliche Veränderungen zum Guten oder zum Schlechteren wahrzunehmen, der hat lediglich vorher nicht aufmerksam genug hingeschaut.

  3. 3. Ach...

    ... warum sollte man denn seinen Charakter wirklich ändern wollen? ich denke, wenn man sich slebst so annimmt, wie man ist, sich slebst so mag, sich auch Sachen verzeihen kann, dann läuft alles von alleine schon gut genug. Ich WILL mich gar nicht verändern, obwohl ich mit meinem "Temprament" auch immer wieder anstoße. Entscheidend ist doch, dass ich das zu erkennen in der Lage bin, sprich selbstreflektiert bleibe. Dann darf ich auch ruhig stolz auf mich und meine Fehler sein. Denn ich bin einzigartig... so wie ihr's alle seid.

    Also: Spart Euch Gerhard's Geschwafel ;)

  4. "Bei solchen charismatischen Führerpersönlichkeiten funktioniert der normale Mechanismus nicht, der einem sagt: Jetzt ist aber auch mal gut, komm mal wieder runter!"Den Satz merke man sich mal. Mein Verdacht geht schon lange in die Richtung. Wer sich und seine Ansichten für unfehlbar hält, bei dem stimmt was nicht so ganz. Oft sind selbsunkritische Menschen aber recht erfolgreich. Wahrscheinlich sehnen sich andere danach, dass ihnen jemand sagt wos lang geht. Irgendeiner muss doch schließlich besser durchblicken...

    • Slink
    • 13.10.2009 um 17:51 Uhr

    Also tut mir Leid, Herr Roth, mit der zu Anfang aufgeworfenen Frage, ob Schüchternheit "temperamentbedingt" in den Genen zu verorten sei, gehen Sie eindeutig viel zu weit, da hilft auch die Flucht in "vorgeburtliche Ereignisse" wenig, denn was meinen Sie konkret damit?
    Es ist legitim, sich in der Nature-Nurture Frage auf eine Seite zu stellen.. - hier ensteht aber beim Leser aber eher der Eindruck, dass das so neuester Stand der Hirnforschung sei, und das ist eben nicht der Fall. Oder haben Sie in ihrer neurobiologischen Arbeit das Temperament-Gen entschlüsselt/lokalisiert und hinreichend mit entsprechendem Verhalten korreliert? Wohl kaum...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Dieses Interview ist ein Beispiel dafür, wie ausserordentlich die Neurowissenschaften derzeit überschätzt werden. Da wird von "Charakter", "Temparament" usw. geredet, als seien dies wissenschaftliche Grössen, dabei wird das alles nicht mal ordentlich definiert.
    Es ist schon erstaunlich, was man im Hirn alles so sehen kann mit den neuen Methoden, aber mir stehen immer die Haare zu Berge bei den Schlussfolgerungen, die daraus gezogen werden.
    Und das peinlichste ist, dass Herr Roth am Ende Allerweltsweisheiten verbreitet, die inhaltlich gar nicht schlecht sind, nur wusste man das schon alles lange vor Hirnforschung & Co.

    Dieses Interview ist ein Beispiel dafür, wie ausserordentlich die Neurowissenschaften derzeit überschätzt werden. Da wird von "Charakter", "Temparament" usw. geredet, als seien dies wissenschaftliche Grössen, dabei wird das alles nicht mal ordentlich definiert.
    Es ist schon erstaunlich, was man im Hirn alles so sehen kann mit den neuen Methoden, aber mir stehen immer die Haare zu Berge bei den Schlussfolgerungen, die daraus gezogen werden.
    Und das peinlichste ist, dass Herr Roth am Ende Allerweltsweisheiten verbreitet, die inhaltlich gar nicht schlecht sind, nur wusste man das schon alles lange vor Hirnforschung & Co.

  5. Ich denke das weite Teile der Charaktereigenschaften eines Menschen tatsächlich "unverwüstlich", bzw. unabänderlich sind. Aus einem schüchternen Menschen wird kein Entertainer mehr.

    Andererseits sind wir Menschen wie wohl kein anderes Lebewesen anpassungsfähig. Wenn es um "Leben oder Tod" geht.

    Beispiel: Wenn ein schüchterner Mensch vor dem Problem steht wegen seiner Veranlagung keine Arbeit finden zu können, und sich fest vornimmt jede Woche 60 wildfremde Menschen anzusprechen, dann kann im Laufe eines Jahres, durch Übung, das Gröbste überwunden werden.

    Ähnlich würde ich das ja dem einen oder anderen Chef empfehlen, jede Woche zu 60 Menschen freundlich sein;-) .... aber ich befürchte davon hat Er/Sie wenig in unserer Gesellschaftsordnung:-)

  6. Dieses Interview ist ein Beispiel dafür, wie ausserordentlich die Neurowissenschaften derzeit überschätzt werden. Da wird von "Charakter", "Temparament" usw. geredet, als seien dies wissenschaftliche Grössen, dabei wird das alles nicht mal ordentlich definiert.
    Es ist schon erstaunlich, was man im Hirn alles so sehen kann mit den neuen Methoden, aber mir stehen immer die Haare zu Berge bei den Schlussfolgerungen, die daraus gezogen werden.
    Und das peinlichste ist, dass Herr Roth am Ende Allerweltsweisheiten verbreitet, die inhaltlich gar nicht schlecht sind, nur wusste man das schon alles lange vor Hirnforschung & Co.

    • kayob
    • 14.10.2009 um 1:27 Uhr

    ja, ich bin immer wieder erstaunt über herrn roths weisheit, aber diesmal eher darüber, dass er sie betont tief hängt und nur nebenbei begriffe für die neuro-jungs erobert.
    aber sie, kommentatoren, haben natürlich recht.
    schüchternheit ein festes konstrukt?
    persönlichkeit ein festes konstrukt?
    das konstrukt "charakter" wird von der psychologie seit hundert jahren nicht mehr benutzt, weil es eine a-psychologische verwurzelung hat, und sich auch sonst nicht finden ließ.
    und die tipps, die ich ja ganz nett finde, "seien sie nett zu sich", (muss man leider vielen erfolgsgeilen "charakter"optimierern sagen) haben ja nun mit neuro-wissenschaft fast nichts zu tun.
    warum ein zeit-artikel aber einen eindruck erweckt, als hätten sie das verstehe ich nicht.
    meine these ist:
    das wissen um psychologische fragestellungen ist so gering ausgeprägt in der gesamtgesellschaft, dafür geistern aber jede menge halb-gare oft überholte ideenreste umher, dass leute so etwas eben schlucken.
    und wenn viele psychologen und neuro-wissenschaftler schon mit halbseidenen menschenbildern hantieren, kann man es wissenschafts journalisten wohl nicht verübeln, dass sie in die wunden der scheinbar sicheren erkenntnisse der neuro-jungs ihre finger nicht legen wollen. schade.
    ne gute lehrerin hätte man auch fragen können, und die hätte bestimmt mehr an tipps beizutragen gehabt. aber natürlich wirkt ein hirnforscher, gleich seriöser. ach...mich nervt das immer so.

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