Autoindustrie Bitte wenden!
Das Auto hat eine Zukunft – wenn die Hersteller den Mut haben, ein paar Dinge zu ändern. Sieben Schritte auf dem Weg aus der Krise
© Gabriel Bouys/Getty Images

Die Zukunft des Autos ist ungewiss. Vielleicht liegt sie in der Hybridtechnologie, die bereits in vielen Fahrzeugtypen verwendet wird
Die Ideen waren da, und sie wurden umgesetzt: 1992 startete auf der Insel Rügen der bis dahin größte Test mit Elektrofahrzeugen. Alle großen Hersteller waren vertreten, insgesamt gut 60 Autos. Doch der ganze Aufwand war umsonst, die Pläne landeten wieder in der Schublade. Deutschlands Autobauer hielten einfach an dem fest, was sie all die Jahrzehnte so erfolgreich gemacht hatten: sichere, schnelle und schöne Autos zu konstruieren.
Heute ist das Gejammer groß. »Die deutsche Autoindustrie hat beim Thema ›Elektro‹ nicht konsequent genug weitergearbeitet«, räumt VW-Chef Martin Winterkorn ein. Selbstkritik ist ein erster Schritt, reicht aber nicht. Die Ölreserven werden knapper, der Kohlendioxidausstoß des Verkehrs wird zum Problem, und Geländewagen für die Großstadt sind im Moment das Letzte, was die Welt braucht. Können die deutschen Autobauer den Vorsprung der Konkurrenz noch wettmachen? Haben sie eine Vision für das Auto der Zukunft? Oder werden deutsche Autos irgendwann das Schicksal von Schallplatten teilen, einer Technik, deren Zeit irgendwann abgelaufen war?
Die gute Nachricht: Die Ingenieure von BMW, Daimler, Opel und Volkswagen gehören zu den besten im Land, und an Ideen mangelt es ihnen nicht. Sie brauchen nur den Mut, sie umzusetzen. Beachten sie die folgenden sieben Punkte, könnte die Wende gelingen.
1. Der Motor: Hybrid muss sein
»Wir werden in den kommenden Jahren ein Nebeneinander von vielen unterschiedlichen Antriebskonzepten erleben«, sagt Horst Friedrich vom Institut für Fahrzeugkonzepte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das Renn-Reise-Stadt-Auto, den Wagen, der alles konnte, wird es nicht mehr geben. Milde Hybridantriebe, die derzeit von fast allen deutschen Herstellern auf den Markt gebracht werden, kommen dem aber noch am nächsten: Ein Elektromotor schaltet sich zu, wenn das Auto beschleunigt. Ziel ist es, den Verbrennungsmotor stets in einem mittleren, möglichst sparsamen Drehzahlbereich zu halten. Mercedes und BMW setzen bei ihren ersten Hybriden noch auf recht schwache Elektromotoren. Gerade einmal 15 Kilowatt liefern die Aggregate, während die Verbrennungsmotoren weit über 200 Kilowatt auf die Straße bringen.
Rein elektrisches Fahren ist auf diese Weise nicht möglich. Dazu braucht es einen Vollhybrid mit zwei ähnlich starken Motoren. Sehr weit kommt so ein Wagen allein mit Strom allerdings auch nicht. Toyotas Prius schafft rein elektrisch nur 1,5 Kilometer. Anschließend muss der Verbrennungsmotor eingreifen, indem er entweder die Räder direkt antreibt oder, deutlich eleganter, als Notstromaggregat für die Batterie fungiert. So können einfach ausgelegte Motoren eingesetzt werden, die ständig mit der optimalen Drehzahl laufen. Solchen Lösungen gehört die Zukunft. »Von 2025 an wird es kaum ein Auto mehr geben, das nicht mindestens hybridisiert ist«, sagt Martin Wietschel vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe.
Reine Elektroautos sind in ihrer Reichweite noch stark begrenzt. Der Porsche-Veredler Ruf hat gerade mithilfe von Siemens einen Sportwagen in einen Elektroflitzer umgebaut. Trotz modernster Technik schafft er – bei einer für Porsche-Verhältnisse defensiven Fahrweise – maximal 200 Kilometer. »Rein elektrische Fahrzeuge können niemals alle Wünsche abdecken, die wir an individuelle Mobilität haben«, sagt DLR-Forscher Friedrich. Es wird sie geben, vorerst aber vor allem als Zweit- und Stadtautos.
Wasserstoff- und Brennstoffzelle sind aus dem Rennen. Insgeheim hoffen die Ingenieure aber auf eine Renaissance nach 2020 – falls die Batterietechnologie bis dahin keine großen Sprünge gemacht hat.
- Datum 08.01.2010 - 10:38 Uhr
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