Astronom Halton Arp Arp und seine Welt
Seit 40 Jahren sammelt Halton Arp Indizien gegen die Urknalltheorie. Erst feierten ihn die Kollegen, doch mit der Zeit wurde er zur größten Nervensäge der Astronomie. Für die Wissenschaft sind Menschen wie er unentbehrlich.
© Adolf Schaller/dpa/pa

Wenige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall sollen in einem gigantischen Feuerwerk ein Großteil der heutigen Sterne entstanden sein. Halton Arp zweifelt, dass es überhaupt einen Urknall gab
Schöne Aussicht. Vorn die Erlöserkirche von Schwabing, weiter hinten die Kuppeln der Frauenkirche, am Horizont die Alpen. Halton Arp steht am Panoramafenster seiner Wohnung und blickt in die Dämmerung. Er hat keinen Blick für die Berge, er sagt nur: »Da ist eine Atmosphärenschicht.« Übersetzt: Eine sternklare Nacht wird das nicht. So ist das, wenn man sein halbes Astronomenleben lang durch Teleskope in den Himmel gespäht hat.
Inversionswetterlagen, Zirrus- und Stratuswolken waren Arps Alltag. Nächtelang kauerte der junge Astronom früher am kalifornischen Palomar-Observatorium in einem käfigartigen Hochstuhl und wartete auf Löcher in der Wolkendecke. In klaren Neumondnächten schob er eine Fotoplatte nach der anderen zwischen die Linsen des Teleskops, des größten der Welt.
Durch die offene Kuppel zog kalte Luft. Arp trug einen Fliegeranzug aus dem Zweiten Weltkrieg mit eingebauter Heizung, die einen Kurzschluss hatte: Am Bauch heizte sie, der Rest des Anzugs war kalt. Doch dann verbot man ihm die Benutzung des Teleskops. »Ketzer-Astronom soll Zugang zur Sternwarte verlieren« schrieb die Los Angeles Times 1982. Wie kam es zu diesem Karrieresturz?
In den fünfziger Jahren zählte Arp zu den besten Astronomen weltweit, berühmt für seine Aufnahmen von Galaxien. Der große Edwin Hubble hatte ihn angestellt, er schätzte Arps »Ausdauer bei widrigem Wetter und sein Gespür für neuartige Phänomene«. Damals tobte ein heftiger Streit über eine noch junge Theorie, der zufolge das Universum einst einen Anfang hatte – den Urknall.
Immer mehr Forscher ließen sich durch neue Daten und Argumente davon überzeugen. Nur Arp weigerte sich, seine Meinung zu ändern. Er sucht bis heute nach Beweisen für ein ewig existierendes Universum und gegen die Urknalltheorie. Für die meisten Kollegen ist er deshalb ein Spinner: Halton Arp, der letzte Gegner des Urknalls.
Für manche ist Halton Arps Geschichte aber auch der Beleg dafür, dass die Wissenschaft zu stromlinienförmig geworden ist. »Wir brauchen Leute wie ihn«, sagt der Astrophysiker Rudolph Kippenhahn, »sonst besteht die Gefahr, dass sich in der Wissenschaft Cliquen bilden, die keine Kritik von außen zulassen.« Kippenhahn leitete in den achtziger Jahren das Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching. Als Halton Arp am Palomar-Observatorium in Ungnade fiel, holte er ihn mit einem Stipendium nach München. Dort lebt der Amerikaner bis heute.
Fuchsbau nennen die Münchner das pyramidenförmige Apartmenthaus neben der Erlöserkirche. Arp wohnt mit seiner Frau, einer französischen Astronomin, und der Enkeltochter im siebten Stock. Er sei dünner geworden, sagen seine Freunde. Sein Gedächtnis ist nicht mehr so gut, er geht gebeugt und stolpert manchmal.
Arp lässt sich in das Sofa fallen, abgewetztes Leder, ein Erinnerungsstück. Er ist jetzt 82. »Meine Zeit läuft ab«, sagt er. Aber er ist noch nicht fertig mit dieser Welt. Er schreibt an einem Artikel, der seine Kritiker überzeugen soll. Er sagt: »Der wird alles aufklären, die letzten Absätze müssen perfekt sein.«
- Datum 06.01.2010 - 16:12 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT Wissen 1/2010
- Kommentare 8
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







braucht man solche Leute in der Wissenschaft, oder generell im Leben. Denn sonst kommt man irgendwann dazu, einfach alles hinzunehmen, was behauptet wird.
Dass Arp seine Teleskopzeit gestrichen bekam, weil er unangenehm war, ist mal wieder ein Beweis dafür, dass man am liebsten den Weg des geringsten Widerstands gehen will und Probleme lieber ignoriert, als sich mit ihnen auseinander zu setzen. Galileo Galilei wurde deswegen verfolgt. Nur dass sein "Henker" die Kirche war, bei Arp sind es Kollegen.
Arp erscheint den anderen Wissenschaftlern vielleicht als "Nervensäge", aber die ist er doch nur, weil sich niemand mit ihm befasst(e).
braucht man Querdenker. In den meisten Fällen werden solche Alternativthesen allerdings deshalb zurückgewiesen, weil sie (wie in diesem Fall) experimentellen Beobachtungen zuwiderlaufen, bzw. diese nicht zu erklären imstande sind. Solange eine Alternativthese nicht in der Lage ist, all jene Messergebnisse zu erklären die von der Lehrmeinung erklärt werden, ist letztere vorzuziehen. In diesem konkreten Fall steht die Alternativthese weiterhin auf sehr schwer haltbarem Grund, als dass sie (nach dem Artikel) keine überprüfbaren Vorhersagen macht und durch sie kein Erkenntnisgewinn entsteht. Diese beiden Umstände, die auf die genannte These zutreffen, lassen die Ablehnung durch die wissenschaftliche Gemeinschaft, insbesondere vor dem Hintergrund, dass in der Wissenschaft der Proponent einer These in der Bringschuld steht, nicht die Skeptiker, für gerechtfertigt erscheinen.
Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass auch die Ablehnung einer falschen These einen Erkenntnisgewinn darstellt und deren Urhebern durchaus derselb e Respekt wie jedem Anderen zusteht. Auf der anderen Seite steht natürlich die Bereitschaft, die Unzulänglichkeiten der eigenen These einzugestehen, wenn sie den Experimenten zuwiderläuft und die Einsicht, dass eine Korrektur der eigenen Ansichten, um sie mit der Realität besser in Einklang zu bringen, nichts Ehrenrühriges darstellt.
Wissenschaftliche Theorien müssen erstens mit Meßergebnissen in Einklang zu bringen sein, und zweitens Vorhersagen ermöglichen, die experimentell überprüfbar sind. Ist beides der Fall, werden sie (vorläufig) akzeptiert.
Offenbar ist Herrn Arp nichts davon geglückt, obwohl man sehr geduldig mit ihm war und noch ist. Daß sich "niemand mit ihm befasst(e)" ist unwahr.
Daß Arp aufgrund seiner mickrigen Bilanz bei der Ressourcenzuweisung übergangen wird, ist nicht zu vermeiden.
Man würde mich ja auch nicht nächtelang mit dem Institutsteleskop nach dem Mann im Mond spähen lassen.
Dazu braucht es keine Verschwörung.
Nicht jeder verschrobene Kopf ist ein Galilei.
braucht man Querdenker. In den meisten Fällen werden solche Alternativthesen allerdings deshalb zurückgewiesen, weil sie (wie in diesem Fall) experimentellen Beobachtungen zuwiderlaufen, bzw. diese nicht zu erklären imstande sind. Solange eine Alternativthese nicht in der Lage ist, all jene Messergebnisse zu erklären die von der Lehrmeinung erklärt werden, ist letztere vorzuziehen. In diesem konkreten Fall steht die Alternativthese weiterhin auf sehr schwer haltbarem Grund, als dass sie (nach dem Artikel) keine überprüfbaren Vorhersagen macht und durch sie kein Erkenntnisgewinn entsteht. Diese beiden Umstände, die auf die genannte These zutreffen, lassen die Ablehnung durch die wissenschaftliche Gemeinschaft, insbesondere vor dem Hintergrund, dass in der Wissenschaft der Proponent einer These in der Bringschuld steht, nicht die Skeptiker, für gerechtfertigt erscheinen.
Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass auch die Ablehnung einer falschen These einen Erkenntnisgewinn darstellt und deren Urhebern durchaus derselb e Respekt wie jedem Anderen zusteht. Auf der anderen Seite steht natürlich die Bereitschaft, die Unzulänglichkeiten der eigenen These einzugestehen, wenn sie den Experimenten zuwiderläuft und die Einsicht, dass eine Korrektur der eigenen Ansichten, um sie mit der Realität besser in Einklang zu bringen, nichts Ehrenrühriges darstellt.
Wissenschaftliche Theorien müssen erstens mit Meßergebnissen in Einklang zu bringen sein, und zweitens Vorhersagen ermöglichen, die experimentell überprüfbar sind. Ist beides der Fall, werden sie (vorläufig) akzeptiert.
Offenbar ist Herrn Arp nichts davon geglückt, obwohl man sehr geduldig mit ihm war und noch ist. Daß sich "niemand mit ihm befasst(e)" ist unwahr.
Daß Arp aufgrund seiner mickrigen Bilanz bei der Ressourcenzuweisung übergangen wird, ist nicht zu vermeiden.
Man würde mich ja auch nicht nächtelang mit dem Institutsteleskop nach dem Mann im Mond spähen lassen.
Dazu braucht es keine Verschwörung.
Nicht jeder verschrobene Kopf ist ein Galilei.
braucht man Querdenker. In den meisten Fällen werden solche Alternativthesen allerdings deshalb zurückgewiesen, weil sie (wie in diesem Fall) experimentellen Beobachtungen zuwiderlaufen, bzw. diese nicht zu erklären imstande sind. Solange eine Alternativthese nicht in der Lage ist, all jene Messergebnisse zu erklären die von der Lehrmeinung erklärt werden, ist letztere vorzuziehen. In diesem konkreten Fall steht die Alternativthese weiterhin auf sehr schwer haltbarem Grund, als dass sie (nach dem Artikel) keine überprüfbaren Vorhersagen macht und durch sie kein Erkenntnisgewinn entsteht. Diese beiden Umstände, die auf die genannte These zutreffen, lassen die Ablehnung durch die wissenschaftliche Gemeinschaft, insbesondere vor dem Hintergrund, dass in der Wissenschaft der Proponent einer These in der Bringschuld steht, nicht die Skeptiker, für gerechtfertigt erscheinen.
Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass auch die Ablehnung einer falschen These einen Erkenntnisgewinn darstellt und deren Urhebern durchaus derselb e Respekt wie jedem Anderen zusteht. Auf der anderen Seite steht natürlich die Bereitschaft, die Unzulänglichkeiten der eigenen These einzugestehen, wenn sie den Experimenten zuwiderläuft und die Einsicht, dass eine Korrektur der eigenen Ansichten, um sie mit der Realität besser in Einklang zu bringen, nichts Ehrenrühriges darstellt.
Wissenschaftliche Theorien müssen erstens mit Meßergebnissen in Einklang zu bringen sein, und zweitens Vorhersagen ermöglichen, die experimentell überprüfbar sind. Ist beides der Fall, werden sie (vorläufig) akzeptiert.
Offenbar ist Herrn Arp nichts davon geglückt, obwohl man sehr geduldig mit ihm war und noch ist. Daß sich "niemand mit ihm befasst(e)" ist unwahr.
Daß Arp aufgrund seiner mickrigen Bilanz bei der Ressourcenzuweisung übergangen wird, ist nicht zu vermeiden.
Man würde mich ja auch nicht nächtelang mit dem Institutsteleskop nach dem Mann im Mond spähen lassen.
Dazu braucht es keine Verschwörung.
Nicht jeder verschrobene Kopf ist ein Galilei.
In der Wissenschaft ist es genau wie in allen anderen Bereichen unserer Gesellschaft. Der Mainstream ist der Heilige Gral und wer nicht mitschwimmt ist im besten Fall ein Spinner im schlimmsten Fall angeblich gefährlich. In jedem Fall wird er ignoriert,belächelt und wenn nötig gesellschaftlich eliminiert.
Eine sich nicht mehr wirklich hinterfragende in Dekadenz, Sattheit,Selbstarroganz gegenüber der restlichen Welt sich selbst pompös, als die Beste für alle, feiernde Gesellschaft (oder Wissenschaft) ist ein Auslaufmodell. Siehe Rom.
Weiter so! Denn alles Neue braucht ein Ende des Alten!
Es ist zwar richtig und löblich - gerade in der Wissenschaft - zur Fairness zu mahnen und einen offenen Diskurs unter Einbeziehung von Kritikern zu fordern, dennoch muss man sich auch hier vor einem dramaturgischen Automatismus hüten: Das scheinbar verkannte Genie, das an einer vermeintlichen Verschwörung des Establishments scheitert, avanciert schnell zu einem starken Sympathieträger. Gerade der Anfang dieses Artikels umgibt sich mit eben jenem melancholischen, letztlich aber dramaturgisch trivialen Schleier.
Man sollte auf dem Boden der Tatsachen bleiben und Herrn Arp nicht zu einem Don Quijote stilisieren. Dass wissenschaftliche Diagramme, wie in dem Artikel dargestellt wird, gegen Herrn Arps Bilder wie "Kindergekrakel" wirken, ist objektiv betrachtet pure Polemik, wenn auch zugegebenermaßen stilistisch sehr schön verpackt. Diagramme haben und hatten nie die Aufgabe, dem ästhetischen Empfinden zu schmeicheln, sondern in systematischer, quantitativer Weise wissenschaftliche Beobachtungen einer weiteren Auswertung zugänglich zu machen. Diagrammen mangelnde Ästhetik vorzuwerfen ist ähnlich widersinnig, als würde man einer Minearlwasserflasche vorwerfen, man könne so schlecht auf ihr über die Autobahn fahren.
Dieses Thema wurde schon im Konkurrenzforum von SpiegelOnline erschöpfend behandelt.
Vielleicht liegt Herr Arp mit seiner Vermutung richtig,
aber aufgrund von Vorhersagen und Beobachtungen steht's zur Zeit mindestens 1:0 für die Urkanlltheorie.
Also, halten Sie sich ran Herr Arp!
Dieses amerikanische System sieht vor, das bei fehlendem Leistungsnachweis in Form von Publikationen in renommierten Fachzeitschriften Personal- und Sachmittel, sowie der Zugang zu Grossgeräten gestrichen wird. Die Spielregeln kennt jeder, der dort eine Hochschulausbildung durchlaufen hat.
Wer nun wie Herr Arp mit seinen Peers und dem Lektorat völlig verkracht ist fliegt mangels Papers früher oder später raus. Das wäre ihm in der Industrie genau so ergangen, wenn er keine Patente vorzeigen kann und seine Chefs verärgert.
Aus diesem Artikel geht nciht hervor, dass die Urknall-Theorie zunächst auch massiv abgeleht wurde. Unabhängig davon, ob er recht hat oder nicht, wer sich gegen den wissenschaftlichen Mainstream stämmt, wird zu einem Aussätzigem.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren