Astronom Halton Arp Arp und seine Welt
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Braucht die Wissenschaft solche Leute?

Am nächsten Morgen fährt Halton Arp ins Institut. Junge Astrophysiker sind gerade auf Socken unterwegs in die Teepause, manche nicken ihm kurz zu, einer hilft ihm, den Projektor zu verkabeln. »Ich rede mit ihnen nicht über Astronomie«, flüstert Arp, »es könnte ihre Karriere gefährden.«

Am Max-Planck-Institut hat Arp inzwischen eine neue Theorie aufgestellt: eine Verschwörungstheorie. Die meisten Wissenschaftler seien intolerant, schrieb er schon 1998 in seinem Buch Seeing Red, sie seien autoritätsgläubig, würden die Ideale der Aufklärung verraten und anderslautende Meinungen unterdrücken. Im Jahr 2004 veröffentlichte er dann mit 33 anderen Wissenschaftlern und Hobbygelehrten einen offenen Brief. Die Urknallbefürworter würden sich gegenseitig Fördermittel zuschanzen und Kritiker mundtot machen, schrieben sie.

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Braucht die Wissenschaft solche Leute? Es sei immer gut, für die Ideen von Außenseitern offen zu sein, sagt der Bielefelder Philosoph Martin Carrier. Aber: »Die Wissenschaft ist toleranter, als es oft aussieht.« Carrier erforscht Paradigmenwechsel in der Wissenschaft. In den sechziger Jahren, sagt er, seien Alternativen zur Urknalltheorie noch sehr offen diskutiert worden. »Aber wenn die Kritiker immer nur ihre alten Behauptungen wiederkäuen, ist es legitim, dass sie weniger Ressourcen bekommen.« Sie könnten ja heute in den öffentlich zugänglichen Daten der Standardastronomie nach Beweisen suchen. Und sie müssten mal eine Vorhersage machen, die bestätigt wird, »das wäre ein toller Erfolg«.

Arp startet seine Diaschau, die alles beweisen soll, aber doch nur neue Fragen aufwirft. Warum ignoriert er bis heute alle Indizien für die Urknalltheorie? Wie erklärt er die gleichförmige Mikrowellenstrahlung, die das gesamte Universum erfüllt, das Echo des Urknalls? Er könne all diese Argumente widerlegen, sagt Arp. Mit einem Kollegen wollte er immer »30 Gründe, warum die Urknalltheorie falsch ist«, publizieren. Der Kollege ist vor Kurzem gestorben.

Man könnte Mitleid bekommen, aber Halton Arp ist keine tragische Figur. »Es macht ihm Spaß, querzuschießen«, sagt der Kosmologe Gerhard Börner, der mittwochs mit Halton Arp Seniorentennis spielt. Arp sagt: »Ich hatte ein erfülltes Leben.«

Bei der Fechtweltmeisterschaft damals in Paris wurde Arp in der Vorrunde besiegt und musste ausscheiden. Am Abend nach dem Turnier traf er im Fechtklub den Weltmeister, einen Franzosen. Er forderte ihn heraus, nur so zum Spaß. Sie gingen auf den Laufsteg und fochten ein Match. Arp verlor. Sie gaben sich die Hand, und alles war gut.

 
Leser-Kommentare
  1. braucht man solche Leute in der Wissenschaft, oder generell im Leben. Denn sonst kommt man irgendwann dazu, einfach alles hinzunehmen, was behauptet wird.
    Dass Arp seine Teleskopzeit gestrichen bekam, weil er unangenehm war, ist mal wieder ein Beweis dafür, dass man am liebsten den Weg des geringsten Widerstands gehen will und Probleme lieber ignoriert, als sich mit ihnen auseinander zu setzen. Galileo Galilei wurde deswegen verfolgt. Nur dass sein "Henker" die Kirche war, bei Arp sind es Kollegen.
    Arp erscheint den anderen Wissenschaftlern vielleicht als "Nervensäge", aber die ist er doch nur, weil sich niemand mit ihm befasst(e).

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • PGMN
    • 06.01.2010 um 19:02 Uhr

    braucht man Querdenker. In den meisten Fällen werden solche Alternativthesen allerdings deshalb zurückgewiesen, weil sie (wie in diesem Fall) experimentellen Beobachtungen zuwiderlaufen, bzw. diese nicht zu erklären imstande sind. Solange eine Alternativthese nicht in der Lage ist, all jene Messergebnisse zu erklären die von der Lehrmeinung erklärt werden, ist letztere vorzuziehen. In diesem konkreten Fall steht die Alternativthese weiterhin auf sehr schwer haltbarem Grund, als dass sie (nach dem Artikel) keine überprüfbaren Vorhersagen macht und durch sie kein Erkenntnisgewinn entsteht. Diese beiden Umstände, die auf die genannte These zutreffen, lassen die Ablehnung durch die wissenschaftliche Gemeinschaft, insbesondere vor dem Hintergrund, dass in der Wissenschaft der Proponent einer These in der Bringschuld steht, nicht die Skeptiker, für gerechtfertigt erscheinen.

    Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass auch die Ablehnung einer falschen These einen Erkenntnisgewinn darstellt und deren Urhebern durchaus derselb e Respekt wie jedem Anderen zusteht. Auf der anderen Seite steht natürlich die Bereitschaft, die Unzulänglichkeiten der eigenen These einzugestehen, wenn sie den Experimenten zuwiderläuft und die Einsicht, dass eine Korrektur der eigenen Ansichten, um sie mit der Realität besser in Einklang zu bringen, nichts Ehrenrühriges darstellt.

    Wissenschaftliche Theorien müssen erstens mit Meßergebnissen in Einklang zu bringen sein, und zweitens Vorhersagen ermöglichen, die experimentell überprüfbar sind. Ist beides der Fall, werden sie (vorläufig) akzeptiert.

    Offenbar ist Herrn Arp nichts davon geglückt, obwohl man sehr geduldig mit ihm war und noch ist. Daß sich "niemand mit ihm befasst(e)" ist unwahr.

    Daß Arp aufgrund seiner mickrigen Bilanz bei der Ressourcenzuweisung übergangen wird, ist nicht zu vermeiden.
    Man würde mich ja auch nicht nächtelang mit dem Institutsteleskop nach dem Mann im Mond spähen lassen.
    Dazu braucht es keine Verschwörung.

    Nicht jeder verschrobene Kopf ist ein Galilei.

    • PGMN
    • 06.01.2010 um 19:02 Uhr

    braucht man Querdenker. In den meisten Fällen werden solche Alternativthesen allerdings deshalb zurückgewiesen, weil sie (wie in diesem Fall) experimentellen Beobachtungen zuwiderlaufen, bzw. diese nicht zu erklären imstande sind. Solange eine Alternativthese nicht in der Lage ist, all jene Messergebnisse zu erklären die von der Lehrmeinung erklärt werden, ist letztere vorzuziehen. In diesem konkreten Fall steht die Alternativthese weiterhin auf sehr schwer haltbarem Grund, als dass sie (nach dem Artikel) keine überprüfbaren Vorhersagen macht und durch sie kein Erkenntnisgewinn entsteht. Diese beiden Umstände, die auf die genannte These zutreffen, lassen die Ablehnung durch die wissenschaftliche Gemeinschaft, insbesondere vor dem Hintergrund, dass in der Wissenschaft der Proponent einer These in der Bringschuld steht, nicht die Skeptiker, für gerechtfertigt erscheinen.

    Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass auch die Ablehnung einer falschen These einen Erkenntnisgewinn darstellt und deren Urhebern durchaus derselb e Respekt wie jedem Anderen zusteht. Auf der anderen Seite steht natürlich die Bereitschaft, die Unzulänglichkeiten der eigenen These einzugestehen, wenn sie den Experimenten zuwiderläuft und die Einsicht, dass eine Korrektur der eigenen Ansichten, um sie mit der Realität besser in Einklang zu bringen, nichts Ehrenrühriges darstellt.

    Wissenschaftliche Theorien müssen erstens mit Meßergebnissen in Einklang zu bringen sein, und zweitens Vorhersagen ermöglichen, die experimentell überprüfbar sind. Ist beides der Fall, werden sie (vorläufig) akzeptiert.

    Offenbar ist Herrn Arp nichts davon geglückt, obwohl man sehr geduldig mit ihm war und noch ist. Daß sich "niemand mit ihm befasst(e)" ist unwahr.

    Daß Arp aufgrund seiner mickrigen Bilanz bei der Ressourcenzuweisung übergangen wird, ist nicht zu vermeiden.
    Man würde mich ja auch nicht nächtelang mit dem Institutsteleskop nach dem Mann im Mond spähen lassen.
    Dazu braucht es keine Verschwörung.

    Nicht jeder verschrobene Kopf ist ein Galilei.

    • PGMN
    • 06.01.2010 um 19:02 Uhr

    braucht man Querdenker. In den meisten Fällen werden solche Alternativthesen allerdings deshalb zurückgewiesen, weil sie (wie in diesem Fall) experimentellen Beobachtungen zuwiderlaufen, bzw. diese nicht zu erklären imstande sind. Solange eine Alternativthese nicht in der Lage ist, all jene Messergebnisse zu erklären die von der Lehrmeinung erklärt werden, ist letztere vorzuziehen. In diesem konkreten Fall steht die Alternativthese weiterhin auf sehr schwer haltbarem Grund, als dass sie (nach dem Artikel) keine überprüfbaren Vorhersagen macht und durch sie kein Erkenntnisgewinn entsteht. Diese beiden Umstände, die auf die genannte These zutreffen, lassen die Ablehnung durch die wissenschaftliche Gemeinschaft, insbesondere vor dem Hintergrund, dass in der Wissenschaft der Proponent einer These in der Bringschuld steht, nicht die Skeptiker, für gerechtfertigt erscheinen.

    Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass auch die Ablehnung einer falschen These einen Erkenntnisgewinn darstellt und deren Urhebern durchaus derselb e Respekt wie jedem Anderen zusteht. Auf der anderen Seite steht natürlich die Bereitschaft, die Unzulänglichkeiten der eigenen These einzugestehen, wenn sie den Experimenten zuwiderläuft und die Einsicht, dass eine Korrektur der eigenen Ansichten, um sie mit der Realität besser in Einklang zu bringen, nichts Ehrenrühriges darstellt.

    Antwort auf "Auf jeden Fall"
  2. Wissenschaftliche Theorien müssen erstens mit Meßergebnissen in Einklang zu bringen sein, und zweitens Vorhersagen ermöglichen, die experimentell überprüfbar sind. Ist beides der Fall, werden sie (vorläufig) akzeptiert.

    Offenbar ist Herrn Arp nichts davon geglückt, obwohl man sehr geduldig mit ihm war und noch ist. Daß sich "niemand mit ihm befasst(e)" ist unwahr.

    Daß Arp aufgrund seiner mickrigen Bilanz bei der Ressourcenzuweisung übergangen wird, ist nicht zu vermeiden.
    Man würde mich ja auch nicht nächtelang mit dem Institutsteleskop nach dem Mann im Mond spähen lassen.
    Dazu braucht es keine Verschwörung.

    Nicht jeder verschrobene Kopf ist ein Galilei.

    Antwort auf "Auf jeden Fall"
    • Lutz1
    • 06.01.2010 um 19:45 Uhr

    In der Wissenschaft ist es genau wie in allen anderen Bereichen unserer Gesellschaft. Der Mainstream ist der Heilige Gral und wer nicht mitschwimmt ist im besten Fall ein Spinner im schlimmsten Fall angeblich gefährlich. In jedem Fall wird er ignoriert,belächelt und wenn nötig gesellschaftlich eliminiert.
    Eine sich nicht mehr wirklich hinterfragende in Dekadenz, Sattheit,Selbstarroganz gegenüber der restlichen Welt sich selbst pompös, als die Beste für alle, feiernde Gesellschaft (oder Wissenschaft) ist ein Auslaufmodell. Siehe Rom.
    Weiter so! Denn alles Neue braucht ein Ende des Alten!

  3. Es ist zwar richtig und löblich - gerade in der Wissenschaft - zur Fairness zu mahnen und einen offenen Diskurs unter Einbeziehung von Kritikern zu fordern, dennoch muss man sich auch hier vor einem dramaturgischen Automatismus hüten: Das scheinbar verkannte Genie, das an einer vermeintlichen Verschwörung des Establishments scheitert, avanciert schnell zu einem starken Sympathieträger. Gerade der Anfang dieses Artikels umgibt sich mit eben jenem melancholischen, letztlich aber dramaturgisch trivialen Schleier.
    Man sollte auf dem Boden der Tatsachen bleiben und Herrn Arp nicht zu einem Don Quijote stilisieren. Dass wissenschaftliche Diagramme, wie in dem Artikel dargestellt wird, gegen Herrn Arps Bilder wie "Kindergekrakel" wirken, ist objektiv betrachtet pure Polemik, wenn auch zugegebenermaßen stilistisch sehr schön verpackt. Diagramme haben und hatten nie die Aufgabe, dem ästhetischen Empfinden zu schmeicheln, sondern in systematischer, quantitativer Weise wissenschaftliche Beobachtungen einer weiteren Auswertung zugänglich zu machen. Diagrammen mangelnde Ästhetik vorzuwerfen ist ähnlich widersinnig, als würde man einer Minearlwasserflasche vorwerfen, man könne so schlecht auf ihr über die Autobahn fahren.

  4. Dieses Thema wurde schon im Konkurrenzforum von SpiegelOnline erschöpfend behandelt.
    Vielleicht liegt Herr Arp mit seiner Vermutung richtig,
    aber aufgrund von Vorhersagen und Beobachtungen steht's zur Zeit mindestens 1:0 für die Urkanlltheorie.
    Also, halten Sie sich ran Herr Arp!

  5. Dieses amerikanische System sieht vor, das bei fehlendem Leistungsnachweis in Form von Publikationen in renommierten Fachzeitschriften Personal- und Sachmittel, sowie der Zugang zu Grossgeräten gestrichen wird. Die Spielregeln kennt jeder, der dort eine Hochschulausbildung durchlaufen hat.

    Wer nun wie Herr Arp mit seinen Peers und dem Lektorat völlig verkracht ist fliegt mangels Papers früher oder später raus. Das wäre ihm in der Industrie genau so ergangen, wenn er keine Patente vorzeigen kann und seine Chefs verärgert.

  6. Aus diesem Artikel geht nciht hervor, dass die Urknall-Theorie zunächst auch massiv abgeleht wurde. Unabhängig davon, ob er recht hat oder nicht, wer sich gegen den wissenschaftlichen Mainstream stämmt, wird zu einem Aussätzigem.

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