Das Projekt ermuntert die Dorfschüler zum Studium in der Stadt
2004 begann Ma, etwas gegen den Sand zu unternehmen. Er baute eine Website, warb um freiwillige Helfer und Spenden. Er wollte Bäume pflanzen, um Guodong zu schützen. Drei Jahre später rollte zum ersten Mal ein Bus mit Freiwilligen an, dreißig Helfer mit Schaufeln und Eimern, vor allem Studenten aus Lanzhou und Mitarbeiter anderer Umweltorganisationen. Die Bauern von Guodong fragten sich, was sie von den fremden Helfern halten sollten, erzählt Ma: »Sie dachten, die kämen nur, um Picknick zu machen.«
Ein paar Dorfbewohner setzten dann doch zusammen mit den Freiwilligen aus der Stadt Suosuo-Stecklinge in den kargen Boden. Die knorrigen Sträucher, auch Saxaul genannt, haben winzige Blätter, sie speichern das wenige Wasser in ihrer Rinde. Das Dorfkomitee von Guodong kam vorbei und sah sich die Sache an. Mittlerweile reisen jedes Frühjahr Helfer an, auch aus anderen Provinzen, sogar aus Peking. Studenten, Lehrer, Bankangestellte, Mitarbeiter einer Fluggesellschaft, sogar Regierungsbeamte.
Inzwischen pflanzen die Studenten nicht mehr nur Sträucher, sondern unterrichten auch die Schüler in den Sommerferien. Viele Jugendliche kämen erst durch die Fremden auf die Idee, dass auch sie eines Tages studieren könnten, einige hätten es sogar schon an die Universität geschafft, erzählt Ma: »Die Leute bekommen jetzt mehr mit von der Welt da draußen.«
Sein Wald wächst ganz in der Nähe seines Elternhauses, erst vor Kurzem ist er wieder hierhergezogen. Er mag die Abgeschiedenheit, das ruhige Leben in Guodong, sagt er. Eigentlich wirkt er nicht wie ein Aktivist, eher wie ein zurückgezogener Träumer. Er wollte am liebsten Schamane werden, erzählt Ma, so wie seine Großmutter, aber Schamanen seien nicht mehr gefragt.
Noch ist Mas Wald eher ein Gestrüpp. Gedrungene, braune Büsche klammern sich in den hart gefrorenen Boden, 60.000 Sträucher bis jetzt. Knapp dreieinhalb Hektar Land sind vor dem Wind sicher. Das ist ein Anfang, aber noch nicht viel. »Auf die Dauer können wir nur weitermachen, wenn der Wald auch etwas einbringt«, sagt Ma. Dafür hat er eine Idee. Ecological Studies of Haloxylon and Cistanche deserticola heißt das Buch, das auf seinem neuen Schreibtisch liegt. Er hat es im Internet bestellt. »Da steht drin, wie man zusammen mit dem Suosuo eine chinesische Medizin anbauen kann, Roucongrong. Die bringt sehr viel Geld«, erklärt Ma. Er hält eine schuppige Wurzel hoch. »Ist gut für die Nieren.« 80 Yuan bekommt man für das Kilogramm, knapp acht Euro. Im Sommer hat er die ersten Pflanzen gesetzt.
»Wenn die Leute im Dorf sehen, dass der Wald Geld einbringt, machen bestimmt auch mehr mit«, sagt Ma. Noch immer beteiligen sich nur knapp vierzig der 800 Einwohner an den gemeinsamen Pflanzaktionen. »Statt selbst etwas zu tun, warten viele auf den nächsten Besuch von Wen Jiabao oder die Reinkarnation von Buddha oder Marx«, schimpft er. »Aber wenn wir es nicht machen, wer dann?«
Eigentlich mag er die Wüste, sagt Ma, die Weite, die Ruhe. Manchmal fährt er mit dem Motorrad hinaus, erlegt ein Kaninchen und übernachtet am Feuer. Oft streift er tagelang mit seiner kleinen Digitalkamera durch die Dünen und fotografiert die zähen Wüstenpflanzen, die sich nicht unterkriegen lassen vom Sand. »Die sind unglaublich hartnäckig. Das bewundere ich«, sagt er und zupft an einem dürren Suosuo-Zweig in seinem Gestrüppwald. »Vor zwei Jahren ist hier der Sand noch herumgeflogen, jetzt bewegt er sich nicht mehr.« Mas Nachbar gibt Ruhe, vorerst.
- Datum 18.02.2010 - 17:13 Uhr
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- Quelle ZEIT Wissen 2/2010
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wird erblühen. Allerdings die des Geldes, der Lobbyisten u.s.w.. Wird wie in anderen Staaten der "soz."Marktwirtschaft laufen. Sollte dieses System dort kippen ,kann sich der Rest der Menschheit einen Platz auf dem Mond reservieren!
Bei der britischen Tageszeitung The Guardian gibt es eine gute Fotostrecke zum Thema:
http://www.guardian.co.uk...
ist ein guter Link, danke....
viereggtext - Wie ansteigende Wasserspiegel oder erodierende Küsten bedrohen diese Phänomene unser Dasein recht massiv. Südeuropa hat das Problem der Trockenheit mit Pipelines gelöst, ob das Gießen mit dem Kännchen (siehe Fotostrecke guardian) in China reicht ist fraglich.
ist ein guter Link, danke....
viereggtext - Wie ansteigende Wasserspiegel oder erodierende Küsten bedrohen diese Phänomene unser Dasein recht massiv. Südeuropa hat das Problem der Trockenheit mit Pipelines gelöst, ob das Gießen mit dem Kännchen (siehe Fotostrecke guardian) in China reicht ist fraglich.
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