BeleuchtungDas perfekte Licht

Von 2012 an soll Europa zur glühbirnenfreien Zone werden. Wissenschaftler und Ingenieure entwickeln nun mit Hochdruck alternative Lampen, damit die Konsumenten sich endlich von ihren geliebten alten Stromfressern trennen. von 

LED Licht Glühbirnenverbot

Weil in der EU die Glühbirne verschwinden soll, arbeiten Firmen wie Osram oder Philips fieberhaft an neuen Leuchtmitteln  |  © seraph/photocase.com

Die Nordseeinsel Norderney liegt im Nationalpark Wattenmeer. Auf dem Eiland gibt es lange Strände, Dünen, eingeschränkten Autoverkehr und ein vorbildliches Müllentsorgungskonzept. Touristen genießen hier die Natur, und man könnte meinen, auch die Einwohner seien ziemlich umweltbewusst.

So riefen im vergangenen April die Norderneyer Wirtschaftsbetriebe dazu auf, die Insel bis zum Jahresende 2009 zur ersten glühbirnenfreien Zone Deutschlands zu machen. Es gab eine große Kampagne und einen kleinen Zuschuss zu jeder neuen energieeffizienten Lampe. Doch Anfang Januar hatten von mehr als 2100 Inselhaushalten lediglich 178 umgestellt.

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ZEIT Wissen 2/2010

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Das Norderneyer Ergebnis lässt sich vermutlich auf ganz Deutschland übertragen: Der Abschied von der Glühbirne fällt uns schwer. Vielleicht gerade weil die EU sie für immer aus den Ladenregalen verbannen will. Seit September dürfen keine 100-Watt-Birnen mehr verkauft werden; ein Jahr später werden auch die 75-Watt-Birnen aus dem Handel verschwinden. Und bis 2012 soll es EU-weit so gut wie keine herkömmlichen Glühbirnen mehr zu kaufen geben.

Und dann? Womit werden wir unsere Häuser und Wohnungen erleuchten, unsere Straßen, Tunnel, Autos, Schiffe, Flugzeuge? Mit, nein, in welchem Licht werden wir künftig leben, nach mehr als 130 Jahren Wohngemeinschaft mit der Glühbirne?

Perfektes Licht gesucht

Um den perfekten Ersatz für die 60-Watt-Glühbirne zu finden, hat die US- Regierung den hoch dotierten L-Prize ausgeschrieben. Den ersten Beitrag hat Philips eingereicht: eine Lampe mit fünf bis sieben Leuchtdioden. Der LED-Chip besteht aus halbleitenden Verbindungen wie Indium und Gallium. Sie wandeln Strom in blaues Licht um. Eine Phosphorschicht macht aus einem Teil des blauen Lichts gelbes. Zusammen ergeben die Spektren weißes Licht, das eine Silikonlinse zu einem Strahl bündelt.

Auf der ganzen Welt sind Wissenschaftler, Ingenieure, Designer, Psychologen auf der Suche nach der Lichtquelle der Zukunft. Sie soll energiesparender sein als die Glühbirne, aber dennoch das gleiche angenehme Licht erzeugen. Sie soll viel länger halten und darf keine umweltschädlichen Stoffe enthalten.

Die Forschungen laufen schon länger, aber sie haben eine neue Dynamik bekommen. Durch das Glühbirnenverbot. Durch ein hoch dotiertes Preisausschreiben der US-Regierung. Und durch Fortschritte in der Lichttechnik. Womit nicht die Energiesparlampe gemeint ist, jene gasgefüllte Leuchtstoffröhre, die wir früher nur im Keller installierten und die uns heute in gefalteter Form als sparsamer Glühbirnenersatz verkauft wird. Zugegeben, wo man zuvor eine 60-Watt-Birne einschrauben musste, genügt jetzt eine 11-Watt-Energiesparlampe für das gleiche Licht.

Aber es ist eben nicht das gleiche Licht.

Künstliche Helligkeit ist den Menschen vertraut, seit sie vor geschätzten 500.000 Jahren wie auch immer das erste Feuer entzündeten, Licht mit einem hohen Anteil an Rottönen. Wohl deshalb empfinden wir den Schein einer Glühlampe, in der ein Metallfaden in einem Glaskolben leuchtet, als so angenehm: Er besitzt ein kontinuierliches Lichtspektrum mit allen Farben des Regenbogens. Ein Großteil dieses Spektrums liegt im roten Bereich, Licht um die 2700 Kelvin Lichttemperatur wirkt für unsere Augen »warm«.

Eine Lichtqualität und -farbe, die gerade die günstigeren der Energiesparlampen bei Weitem nicht erreichen. Allerdings erzeugen Glühbirnen neben 10 Prozent Licht auch 90 Prozent Wärme. Ziemlich ineffizient.

Leserkommentare
  1. So wie Osram und Phillips erwähnt werden...

    Ich leide seitdem ich in England bin unter Energiesparlampen... die Watt Umrechnung a la Tabelle ist auch nutzlos - nimmt man diese ist es in der Wohnung viel dunkler - oder zumindest wirkt es viel dunkler...

    Mit einer 12W Energiesparlampe die wohle eine 100W oder 120W Glühlampe ersetzen soll ist mein kleines Zimmer immer noch recht dämrig... ohne Tischlampe abends zu schreiben ist recht unangenehm...

    Wird es mal kälter (weil hier Häuser ohne Isolierung gebaut werden) ist das Ergebnis, dass die Lampe aufwärmen muss - im Schlafzimmer ist das für mich der Fall... mindestens so um doe 30 Sekunden... Licht an... Kaffee kochen, dann ist es endlich hell....

    LEDs - na ja, das Licht von LED Taschenlampen ist sehr kalt - aber da sind die Lampen hoffentlich anders - aber 60€ für eine Lampe? Egal wie sparsam sie ist... etwas viel.

    Da kaufe ich dann lieber was anderes dafür.

    Es ist nun einmal so das Glühlampen schnell das angenehmste Licht geben.

    Und zum Thema Ineffizienz - also wenn es im Winter kalt ist da ist die Glühlampenheizung eine Ergänzung zur Heizung.

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    ´Und für die neuen Lampen werden auch neue Fassungen gebraucht – schätzungsweise zwei Milliarden weltweit, ein riesiger Markt. Die Aufgabe klingt einfach: Finden Sie einen Ersatz für die 60-Watt-Glühbirne.´

    Nein, lieber DetlevCM, hier geht es nicht um ´leichtes Sponsoring´, hier geht es um ein massives Konjunkturprogramm für die Hersteller von Leuchtmitteln und Lampen. Und zwar eines, das zu 100% der Endverbraucher zahlt. Hier macht die EU Industriepolitik.

  2. lustig nur wenn man den eindruck hat das sich in der brieftasche des bürgers (durch geringeren stromverbrauch) nix ändert. früher hatte ich zwichen 25watt - 75watt birnen in meinem haushalt, heute verwende ich nur "sparbirnen" zwischen 3watt - 14watt, aber die inergiekosten dadurch haben sich nicht verändert. naja, irgendwie komisch.;-)

    mfg h.bremer

    • robrob
    • 23. März 2010 18:27 Uhr

    ...solange ich nicht sicher sein kann, im Supermarkt für horrendes Geld eine Energiesparlampe angedreht zu bekommen, die trotz Aufdruck "schnell startend" 2 Sekunden bracht bis sie an ist, dann trübe funzelt und erst in ihrer vollen Kühle Strahlt, wenn ich das Licht im Bad nach 5 Min. wieder ausschalte, weil ich es jetzt nicht mehr brauche, bleibe ich doch lieber bei der Glühbirne...
    Das ganze Gejammer der Industrie um die fehlende Kundenakzeptanz ist schlicht unehrlich, weil einem minderwertige Produkte zu Spitzenpreisen angederht werden. Umweltbewußt ja - aber sich dabei betrügen lassen - ganz klar NEIN!

  3. ach ja, darüber hatte ich nicht nachgedacht. aber zur not gibt es ja auch noch kerzen. ;-) fazit: umweltbewusstsein ja, aber gewohnheit ist günstiger. noch.

    mfg

    • LfbA
    • 23. März 2010 19:00 Uhr

    In Europa mag sie ja meist im "richtigen" Müll landen, aber wenn man mal gesehen hat, wo die ach so tolle Energiesparlampe in Schwellenländern landet, wenn sie nicht mehr geht, dem kommt das große Kotzen, sofern er oder sie an echtem Umweltschutz und nicht an vorgeschobenem, pseusoreligiösem Klimaschutz interesseriert ist.
    In Ägypten landen die leider zahlreich eingesetzten Energiesparlampen nach Gebrauch in der Wüste, wenn es gut geht, und in den Kanälen, wenn die Leute ihren Müll "normal" entsorgen. Von da aus geht dann der darin enthaltene Dreck zunächst ins Trinkwasser der Leute und dann ins Mittelmeer.
    Tolle Sache! Es lebe der gesunde Menschenverstand!
    Energiesparlampen nein danke!

    - LfbA

  4. brummt es leider sehr in meinem schönen alten Küchenradio, von dem ich mich nicht trennen kann, da es ein Röhrengerät ist, was einen unnachahmlich warmen und natürlichen Ton erzeugt. Genau das richtige für ein gemütliches Frühstück. Nun also das nervige Licht im Bad plus Brummton im Radio, anscheinend ist zuviel Elektronik in der Energiesparlampe, die die Störsignale zurück in's Stromnetz einkoppelt.

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    Flohmarkt, da habe ich 10 Glühbirnen (75W) für 5€ bekommen. ich glaube über 10.000 h wirst du nicht überleben !

  5. Situationen: 2 x Umzug (Abstand: 10 Jahre)
    Vorsatz: Umweltbewusstsein --> Energiesparen
    Maßnahme: Energiesparlampen (Markenprodukte in oberer Preisklasse), fernbedienbare Steckdosenschalter
    Ergebnis: Innerhalb des ersten Jahres Austausch von ca. 70% aller Energiesparlampen wg. Ausfall bzw. nicht akzeptierbarem Dämmer-/Flackerlicht
    Fazit: kein Fortschritt, aber tolle Preisentwicklung bei Energiesparlampen. Angeblich dimmbare Energiesparlampen flackern generell.
    Empfehlung: Finger weg von Energiesparlampen. "Einkellern" von Glühlampen für die Zukunft. Abschaltbare Steckdosen haben sich bewährt.

  6. Ich habe nach und nach alle Glühbirnen in meiner Wohnung auf Energiesparlampen umgestellt, und dabei verschiedene, jedoch allesamt eher günstige Modelle (Einzelpreis bis ca. 4 Euro) ausprobiert.
    Dabei habe ich folgende typische Probleme von Energiesparlampen identifiziert:

    1. Die Helligkeit. Auf den Verpackungen von Energiesparlampen ist ja immer angegeben, wieviel Watt eine von der Helligkeit vergleichbare Glühbirne hat. Zu Hause merkt man dann aber, dass die neue Energiesparlampe keineswegs so hell leuchtet wie die frühere 60 Watt-Glühbirne, die diese Energiesparlampe angeblich ersetzen soll.

    2. Die "Start-Geschwindigkeit". Ich hatte mehrere Energiesparlampen-Modelle, die erst nach ca. 1 Minute halbwegs hell wurden. In den ersten Sekunden nach dem Einschalten blieben diese Lampen fast völlig dunkel. Solche Lampen sind für die meisten Einsatzgebiete völlig unbrauchbar - ich z.B. wollte die Lampe ursprünglich in's Bad einbauen, aber wenn ich auf's Klo will, will ich nicht erst 2 Minuten warten.

    3. Die Lichtfarbe: Es gibt in der Tat viele Energiesparlampen, die ein ziemlich unangenehmes Licht abgeben.

    Ich kenne mehrere Leute, die bis dato immer nur Glühbirnen benutzt haben, dann mal testweise eine Energiesparlampe gekauft haben, eines der oben genannten Probleme hatten und die sich daraufhin enttäuscht die Meinung gebildet haben dass Energiesparlampen offenbar grundsätzlich unbrauchbar sind.

    ->

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    Ständig wird betont die Glühlampe wandle nur 5% der Energie in Licht um und dabei wird vergessen das die restlichen Prozente an Energie in Wärme umgewandelt werden,was bedeutet das wir eine prima Wärmequelle in den Wohnungen haben!Besonders im Winter muss somit weniger Heizleistung aufgebracht werden!Die Wärme die eine Glühlampe produzierte,muss nun von den Heizkörpern übernommen werden und dies bedeutet mehr Öl,Gas oder Strom verbrauch mit Energiesparlampen!Da es in den warmen Monaten ohnehin länger Hell ist,werden die Lampen zudem weniger in Anspruch genommen,als in der dunklen/kalten Jahreszeit,was bedeutet das die meiste Zeit des Jahres die Abwärme der Glühlampe zur erwärmung der Wohnung dienen kann,ohne das die Temperatur zu heiß würde.Zudem wird sehr viel mehr an Energie und Ressourcen für die Produktion einer Energiesparlampe verbaucht&es gibt noch keine maschienellen Verfahren die,die Energiesparlampe recycln können!Zudem verbraucht die Energies. die meiste Energie beim Einschalten,wer also Energiesparlampen in der Abstellkammer installiert, bei dem wird die Kosten/Leistungsrechnung nicht aufgehen.( uns sind schon 3 Energiesparlampen im Keller kaputt gegangen innerhalb eines Jahres)
    Wer profitiert eigentlich von der Energiesparlampe ? Die Lampenhersteller oder die Umwelt ? Ich glaube eher ersteres!
    Es ist die Dummheit die regiert. Die Politiker haben wohl noch nie etwas vom Energieerhaltungssatz gehört , dabei müsste unsere Kanzlerinn sich damit auskennen.

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