Astronomie: Das Ende von allem
Das neue Weltbild der Kosmologie ist schwindelerregend: Das Universum dehnt sich immer schneller aus. Wird die Welt eines Tages zerreißen?
© AFP/Getty Images

Die Aufnahme, die das Hubble-Weltraumteleskop zur Erde schickte, zeigt eine Supernova – das Ende eines Sterns
Die kürzeste Geschichte des Universums ermittelte unlängst das Magazin New Scientist in einem Wettbewerb. Die Leser sollten die wissenschaftliche Schöpfungsgeschichte in einem Textschnipsel auf Twitter erklären. Die kürzeste Einsendung hatte drei Zeichen: ».<∞«. Frei übersetzt: Am Anfang waren Raum, Zeit und Materie in einem winzigen Punkt konzentriert (.); nach dem Urknall dehnte sich das Universum aus (<) bis in alle Ewigkeit (∞ ist das Symbol für unendlich).
Das ist kurz und gut. Wirklich überraschend aber ist die Tatsache, dass Physiker vor 150 Jahren auch nicht viel mehr Platz brauchten, um mit einer kühnen Behauptung die Wissenschaft des Universums zu begründen. Damals erforschten sie heiße Gase und Dampfmaschinen, und sie suchten nach einer Theorie der Wärme, der Thermodynamik.
Aber die Erde war nicht genug. Der Berliner Physiker Rudolf Clausius besaß die Dreistigkeit, das Grundgesetz der Thermodynamik kurzerhand für das gesamte Universum zu formulieren. Kühn stellte er fest: »Die Entropie der Welt strebt einem Maximum zu.« Entropie ist Physikerjargon für Unordnung. Und wenn die Unordnung wachse, so argumentierte er, drohe dem Universum der »Wärmetod«. Mit Verbrennung hat das nichts zu tun. Vielmehr würden alle Sterne und Planeten eines Tages in atomare Bestandteile aufgelöst und überall im Weltall gleichmäßig verteilt sein wie ein lauwarmes Gas – ein Schicksal, das dem heutigen Wissen über das Ende des Universums recht nahekommt.
- Inflation
Exponentielle Aufblähung des Universums unmittelbar nach dem Urknall. Sie wurde postuliert, um Widersprüche im Urknallmodell zu beseitigen. Ihre Ursache ist noch unklar.
- Dunkle Energie
Sie wirkt wie ein Überdruck im Kosmos und gilt als Ursache der beschleunigten Expansion des Universums. Bislang ist sie nur eine Hypothese.
- Dunkle Materie
Hypothetische Materieform, die sich bislang nur durch die Schwerkraft bemerkbar macht. Physiker hoffen, dass sie die Elementarteilchen der Dunklen Materie im Teilchenbeschleuniger LHC in Genf finden werden.
- Roter Riese
Zwischenstadium eines Sterns, der 0,5- bis fünfmal so schwer ist wie unsere Sonne. Da der Wasserstoff im Kern aufgebraucht ist, fusionieren nun Atome in der Hülle des Sterns. Das Gas in der äußeren Schicht wird erhitzt und dehnt sich aus – der Stern bläht sich auf. Dadurch verteilt sich die Energie auf eine größere Oberfläche, sodass die Temperatur sinkt. Der Stern leuchtet nur noch rötlich.
- Weißer Zwerg
Endstadium eines Roten Riesen. Die Hülle des Sterns ist abgesprengt, übrig bleibt eine Kugel, so groß wie unsere Erde. Da sich die verbleibende Energie auf eine kleinere Oberfläche konzentriert, steigt die Temperatur – und der Stern leuchtet sehr hell.
Auch ohne Twitter brach eine Debatte vom Zaun, deren Kernfragen die Menschen bis heute beschäftigen: Existiert das Universum ewig, oder hat es einen Anfang und ein Ende? Und können wir das Universum überhaupt als Ganzes verstehen, obwohl wir ein Teil von ihm sind? Der Mensch, so viel ist sicher, wird eine Fußnote in der Geschichte des Universums bleiben. Und doch fasziniert ihn das Gesamtwerk, weil es die Grundfragen der Existenz berührt. Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Wo ist unser Platz im Kosmos?
Damals löste die These vom Wärmetod einen Kulturkampf aus, der weit über die Fachkreise hinausreichte. »Hier wurde um Weltbilder gekämpft«, sagt die Wissenschaftshistorikerin Elizabeth Neswald, »das Ende der Welt war ein Thema, das große öffentliche Aufmerksamkeit erregte und alle Gruppen auf den Plan rief, die beanspruchten, die Welt in ihrer Gesamtheit zu deuten.«
Theologen sahen im Wärmetod eine Bestätigung biblischer Endzeitvisionen, der Fuldaer Jesuit Ludwig Dressel veröffentlichte sogar einen »Gottesbeweis auf Grund des Entropiesatzes«. Materialisten wie Friedrich Engels dagegen lehnten die Theorie aus dem gleichen Grunde ab. Zu bibelnah. Außerdem passte der Zerfall der Welt nicht zu ihrem Fortschrittsoptimismus. Die Kosmologie wurde zum Kampfplatz für Grundsatzdebatten, als Waffen dienten populärwissenschaftliche Bücher und öffentliche Vorträge. Viele Argumente beruhten auf unbeweisbaren Annahmen über das Alter oder die Größe des Universums.
Das ist heute anders. Teleskope überwachen den Kosmos wie einen Patienten auf der Intensivstation. Es gibt eine Fülle von Daten, und es gibt eine bessere Theorie der kosmischen Verhältnisse: Einsteins Relativitätstheorie. Mit ihrer Hilfe haben die Kosmologen ein neues Weltbild entworfen. An Grusel hat dieses nichts eingebüßt, im Gegenteil. Die schockierenden Thesen: Die Welt hatte einen Anfang; und am Ende wird sie leer und dunkel sein.
Vor dem Anfang existierte gar nichts, keine Zeit, kein Raum – vielleicht ein Vorgängeruniversum, wie eine Minderheit glaubt. In der ersten Nanosekunde nach dem Urknall blähte sich der Raum explosionsartig auf. Was diese Phase der Inflation (englisch für das Aufblähen) angetrieben hat, ist noch ein Rätsel. Seit einigen Jahren reift aber die Erkenntnis, dass man die Zukunft des Universums studieren muss, um den Anfang zu verstehen. Satellitenmessungen ferner Sternexplosionen zeigen nämlich, dass das Universum sich seit fünf Milliarden Jahren wieder beschleunigt ausdehnt. Eine seltsame Kraft, »Dunkle Energie« genannt, scheint den Raum zu dehnen wie Überdruck einen Luftballon. Denkbar ist, dass diese Energie das Universum auch in der ersten Nanosekunde nach dem Urknall aufgebläht hat. Bislang kann allerdings niemand ihre Natur erklären, obwohl sie immerhin mehr als 70 Prozent des gesamten Energie-Materie-Gehalts im Universum ausmachen soll.
Zum Glück haben die Kosmologen noch etwas Bedenkzeit. Wenn sie recht behalten, ist ihr eigenes Fachgebiet erst in 500 Milliarden Jahren am Ende. Dann wird die Dunkle Energie den Weltraum so weit gedehnt haben, dass selbst mit den besten Teleskopen nur noch unsere eigene Galaxie sichtbar sein wird – zu wenig, um Hypothesen über das große Ganze zu überprüfen. Bis dahin müssen alle Rätsel des Universums gelöst sein.








"Die Sterne, die in dieser Raumkugel schweben, wiegen zusammengenommen rund 3 mal 1052 Kilogramm – eine Zahl mit 52 Nullen."
Da hat wohl das Hochzeichen nicht funktioniert.
Lieber Leser,
die Zahlen sind jetzt richtig - tatsächlich hatte das hochstellen der Zahlen in der ersten Version nicht geklappt.
Herzlichen Dank für den Hinweis und Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.
Lieber Leser,
die Zahlen sind jetzt richtig - tatsächlich hatte das hochstellen der Zahlen in der ersten Version nicht geklappt.
Herzlichen Dank für den Hinweis und Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.
"Die Sterne, die in dieser Raumkugel schweben, wiegen zusammengenommen rund 3 mal 1052 Kilogramm"
Also 3156KG. Wirklich leichter als gedacht, dieses Universum ;-)
auch wenn es immer wieder falsch gemacht wird, wiegen die Sterne zusammen nicht, sondern haben eine Masse von .... Kg.
Materialisten sehen die Welt/ Materie im Prozeß, auch Engels, der selbst eine Schilderung gibt, wie sich neue Sonnen bilden werden...
Gruß
lars hennings
Ich finde es jedesmal wieder erstaunlich, wenn Kosmologen oder Wissenschaftsjournalisten über das All und seine vermeintlichen Eigenschaften schreiben, dass grundlegende Fragen und Bedenken der Philosophie oder Kognitionswissenschaften ausgeblendet bleiben. Anstatt die Frage zu diskutieren, welche Eigenschaften ein Universum, der Raum u.ä. haben mag, sollte doch vielmehr die Frage beantwortet werden, wie menschliches Denken beschaffen ist und welche Grenzen und Möglichkeiten dieses ermöglicht. Mit reinen Abstrakta wie etwa Raum oder Zeit zu arbeiten, welches allein Begriffe sind, um dasjenige, worin wir etwas wahrnemhen oder annehmen (Raum) oder einen Zustand A von einem Zustand B unterscheiden (Progress/Zeit), beschreiben zu können, sind vermutlich von vornherein nicht adäquat um die "Welt wie sie ist" zu erkennen, weil sie nicht Teil der Welt, sondern nur unseres "Denkens" sind (ebenso wie Kausalität, Existenz u.a.).
Zwar hat die Physik (bedingt durch die Mathematik) i.d.T. beachtliche Erkenntniszuwächse und Prognosequalitäten gezeitigt, aber der blinde Wahrheitsglaube an die "exakten" Naturwissenschaften ist wohl durch "undenkbare" Phänomäne wie die Unschärferelation u.ä. ad absurdum geführt. In der Tat scheint es bereits eine der größten Leistungen des menschlichen Denkens zu sein, seine Grenzen, die sich etwa in der Quantenphysik (der nicht beobachtbaren Welt) offenbaren, erkannt zu haben. Ob sich diese jemals überschreiten lassen ist fraglich und die entscheidende Frage
ich kann Ihnen insoweit folgen, als dass ich mir eine Welt vorstellen kann, deren Eigenschaften und Gesetzmäßigkeiten sich mir nicht erschließen müssten.
Unsere Welt jedoch ist nicht von diesem Typus. Ihre Gesetzmäßigkiten haben sich erschließen lassen, und sie haben sich uns nicht als definitorische sondern als objektive Wahrheiten (auf experimentellem Wege) offenbart.
Sie können die Objektivität in Frage stellen. Selbstverständlich. Dann zeigen Sie bitte, warum die physikalischen Gesetzmäßigkeiten für Sie nicht zutreffen.
Auf ein anderes Missverständnis ist in einem Vorkommentar schon hingewiesen worden: Die sog. Unschärferelation z.B. zeigt keine Grenze des menschlichen Denkens, sondern ist schlicht ein Zug der Natur.
In einem Punkt haben Sie wiederum recht: Der Glaube an die exakten Naturwissenschaften ist in der Tat ein Glaube, insoweit, als wir uns auf deren (Weiter-)bestehen blind verlassen müssen. Sie unterliegen nicht unserer Verfügungsgewalt.
Herzlichst Crest
auch wenn ich es angesichts der üblichen Vorbehalten vermutlich ein bisschen "bissiger" formuliert hätte.
Und @7 (c.schmid): "Hingegen wäre eine Theorie, die NUR eine Grenze für Vorstellung und/oder Experiment setzt und keine neuen Aussagen trifft wertlos!" - soso, Kants Werk ist also wertlos... Sie haben zwar mit ihren Aussagen zur Vorhersagbarkeit weitestgehend recht, versteigen sich hier aber meiner Meinung nach ziemlich.
ich kann Ihnen insoweit folgen, als dass ich mir eine Welt vorstellen kann, deren Eigenschaften und Gesetzmäßigkeiten sich mir nicht erschließen müssten.
Unsere Welt jedoch ist nicht von diesem Typus. Ihre Gesetzmäßigkiten haben sich erschließen lassen, und sie haben sich uns nicht als definitorische sondern als objektive Wahrheiten (auf experimentellem Wege) offenbart.
Sie können die Objektivität in Frage stellen. Selbstverständlich. Dann zeigen Sie bitte, warum die physikalischen Gesetzmäßigkeiten für Sie nicht zutreffen.
Auf ein anderes Missverständnis ist in einem Vorkommentar schon hingewiesen worden: Die sog. Unschärferelation z.B. zeigt keine Grenze des menschlichen Denkens, sondern ist schlicht ein Zug der Natur.
In einem Punkt haben Sie wiederum recht: Der Glaube an die exakten Naturwissenschaften ist in der Tat ein Glaube, insoweit, als wir uns auf deren (Weiter-)bestehen blind verlassen müssen. Sie unterliegen nicht unserer Verfügungsgewalt.
Herzlichst Crest
auch wenn ich es angesichts der üblichen Vorbehalten vermutlich ein bisschen "bissiger" formuliert hätte.
Und @7 (c.schmid): "Hingegen wäre eine Theorie, die NUR eine Grenze für Vorstellung und/oder Experiment setzt und keine neuen Aussagen trifft wertlos!" - soso, Kants Werk ist also wertlos... Sie haben zwar mit ihren Aussagen zur Vorhersagbarkeit weitestgehend recht, versteigen sich hier aber meiner Meinung nach ziemlich.
Ich möchte nicht die Notwendigkeit bestreiten, Naturwissenschaften aus dem Gesichtspunkt der Philosophie oder Kognitionswissenschaften auf ihr prinzipielles Potential an Erkenntnis zu untersuchen. Jedoch möchte ich sie an dem von ihnen selbst angebrachten Beispiel der Quantenmechanik auf ein weit verbreitetes Missverständnis aufmerksam machen.
Naturwissenschaften behaupten mitnichten exakte Beschreibungen unserer Welt zu liefern, sie haben jedoch gelernt trotz dieser Ungenauigkeit Voraussagen zu machen.
Z.B. stellt die Unschärferelation keine Grenze menschlicher Erkenntnis da. Sie beschreibt vielmehr die Unzulänglichkeit der klassischen Theorie in kleinsten Maßstäben. Denn die moderne Physik hat erkannt, dass Beobachtungen auf atomarer Ebene aus einer Vielzahl von Beobachtungen stammen muss, um einem einzelnen Ereignis eine gewisse Wahrscheinlichkeit experimentell zuordnen. Diese Wahrscheinlichkeiten werden in der anerkannten Theorie durch mathematische Objekte beschrieben, die jedoch unserer Intuition widersprechende Eigenschaften erzeugen (zB die Unschärferelation). Wir haben hier also in Wirklichkeit eine Theorie, die gerade die von ihnen geforderte Überlegungen zu den Grenzen des eigenen Beobachtens betrachtet aber gleichzeitig die wichtigste Eigenschaft einer neuen Theorie erfüllt, nämlich überprüfbare, neue Phänomene vorherzusagen.
Hingegen wäre eine Theorie, die NUR eine Grenze für Vorstellung und/oder Experiment setzt und keine neuen Aussagen trifft wertlos!
Machen gebrochene, irrationale oder auch imaginäre Zahlen einen Sinn, wenn es um Dimensionen geht, sagen wir rt(-a)Dimensionen mit a€R? Kann man darin noch rechnen?
Nach dem Yogacara sind Multidimensionallität, Anfangs- und Endlosigkeit aber auch Universenparallelität ja fraglos existent.
Macht das aber auch einen Sinn?
Der Mensch, so viel ist sicher, wird eine Fußnote in der Geschichte des Universums bleiben. da haben Sie zweifellos recht.
Was aber, wenn Sie sich irren sollten?
Herzlichst Crest
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