Werden wir das Universum jemals verstehen?
7. Werden wir das Universum jemals verstehen?
Die Kosmologie gab es bereits lange vor den Naturwissenschaften. Seit die Menschen Zeit zum Nachdenken haben, versuchen sie, sich ein Bild von der Welt zu machen. Zunächst mit der reinen Kraft der Fantasie. Manche Urkosmologen stellten sich die Erde als ruhend auf dem Rücken einer Riesenschildkröte vor. In diesem poetischen Stil ging es weiter – auch nachdem Physik und Chemie zu nüchternen Naturwissenschaften geworden waren. Bis vor wenigen Jahrzehnten war Kosmologie vor allem Glaubenssache. Manche Kosmologen waren überzeugt, dass das Universum seit je und für immer unverändert existiere. Andere glaubten an einen Urknall. Eine Entscheidung war nicht in Sicht.
Die brachte erst die Technik. Mit Satelliten und Radioteleskopen konnten die Kosmologen nachschauen, statt nur nachzudenken, und endlich ihren Theorienfundus entrümpeln. »Ein Goldenes Zeitalter der Kosmologie«, prophezeite David Schramm 1992. »Es ist wirklich gekommen«, sagte der MIT-Kosmologe Alan Guth zehn Jahre später, »die Kosmologie ist von einem Haufen Spekulationen zu einem Zweig der harten Naturwissenschaft geworden. Jetzt entwickeln wir echte Theorien, die wir an Beobachtungen testen können.« Nun wird geforscht statt fantasiert.
Die Situation ist paradox. Einerseits fügen sich die Beobachtungen der Astronomen und Astrophysiker zu einem einheitlichen Gesamtbild. Die Expansionsgeschwindigkeit und das Alter des Universums, die Krümmung des Raums, der Energie- und Materiegehalt – alle Zahlen passen gut zusammen, die Kosmologen diskutieren mittlerweile über Nach-Komma-Stellen. Andererseits müssen sie dafür annehmen, dass das Universum zu 72 Prozent aus Dunkler Energie und zu 23 Prozent aus Dunkler Materie besteht, für deren Existenz es keine direkten Hinweise gibt.
Wenn Dunkle Energie und Dunkle Materie einmal verstanden sind, könnte der Kosmos dann endlich enträtselt sein? Schön wärs. Vielleicht geht es dann erst richtig los mit den Rätseln. Der französische Mathematiker Émile Borel schrieb 1922: »Wer weiß, ob das ganze sichtbare Universum nicht wie ein Wassertropfen auf der Erdoberfläche ist? Bewohner dieses Tropfens, so winzig wie wir im Vergleich zur Milchstraße, könnten niemals ahnen, dass es außerhalb dieses Wassertropfens noch Dinge wie Eisen oder lebendes Gewebe gibt.« Mit solchen Bedenken halten sich Kosmologen lieber nicht auf.
- Datum 04.04.2010 - 13:47 Uhr
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- Quelle ZEIT Wissen 2/2010
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"Die Sterne, die in dieser Raumkugel schweben, wiegen zusammengenommen rund 3 mal 1052 Kilogramm – eine Zahl mit 52 Nullen."
Da hat wohl das Hochzeichen nicht funktioniert.
Lieber Leser,
die Zahlen sind jetzt richtig - tatsächlich hatte das hochstellen der Zahlen in der ersten Version nicht geklappt.
Herzlichen Dank für den Hinweis und Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.
Lieber Leser,
die Zahlen sind jetzt richtig - tatsächlich hatte das hochstellen der Zahlen in der ersten Version nicht geklappt.
Herzlichen Dank für den Hinweis und Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.
"Die Sterne, die in dieser Raumkugel schweben, wiegen zusammengenommen rund 3 mal 1052 Kilogramm"
Also 3156KG. Wirklich leichter als gedacht, dieses Universum ;-)
auch wenn es immer wieder falsch gemacht wird, wiegen die Sterne zusammen nicht, sondern haben eine Masse von .... Kg.
Materialisten sehen die Welt/ Materie im Prozeß, auch Engels, der selbst eine Schilderung gibt, wie sich neue Sonnen bilden werden...
Gruß
lars hennings
Ich finde es jedesmal wieder erstaunlich, wenn Kosmologen oder Wissenschaftsjournalisten über das All und seine vermeintlichen Eigenschaften schreiben, dass grundlegende Fragen und Bedenken der Philosophie oder Kognitionswissenschaften ausgeblendet bleiben. Anstatt die Frage zu diskutieren, welche Eigenschaften ein Universum, der Raum u.ä. haben mag, sollte doch vielmehr die Frage beantwortet werden, wie menschliches Denken beschaffen ist und welche Grenzen und Möglichkeiten dieses ermöglicht. Mit reinen Abstrakta wie etwa Raum oder Zeit zu arbeiten, welches allein Begriffe sind, um dasjenige, worin wir etwas wahrnemhen oder annehmen (Raum) oder einen Zustand A von einem Zustand B unterscheiden (Progress/Zeit), beschreiben zu können, sind vermutlich von vornherein nicht adäquat um die "Welt wie sie ist" zu erkennen, weil sie nicht Teil der Welt, sondern nur unseres "Denkens" sind (ebenso wie Kausalität, Existenz u.a.).
Zwar hat die Physik (bedingt durch die Mathematik) i.d.T. beachtliche Erkenntniszuwächse und Prognosequalitäten gezeitigt, aber der blinde Wahrheitsglaube an die "exakten" Naturwissenschaften ist wohl durch "undenkbare" Phänomäne wie die Unschärferelation u.ä. ad absurdum geführt. In der Tat scheint es bereits eine der größten Leistungen des menschlichen Denkens zu sein, seine Grenzen, die sich etwa in der Quantenphysik (der nicht beobachtbaren Welt) offenbaren, erkannt zu haben. Ob sich diese jemals überschreiten lassen ist fraglich und die entscheidende Frage
ich kann Ihnen insoweit folgen, als dass ich mir eine Welt vorstellen kann, deren Eigenschaften und Gesetzmäßigkeiten sich mir nicht erschließen müssten.
Unsere Welt jedoch ist nicht von diesem Typus. Ihre Gesetzmäßigkiten haben sich erschließen lassen, und sie haben sich uns nicht als definitorische sondern als objektive Wahrheiten (auf experimentellem Wege) offenbart.
Sie können die Objektivität in Frage stellen. Selbstverständlich. Dann zeigen Sie bitte, warum die physikalischen Gesetzmäßigkeiten für Sie nicht zutreffen.
Auf ein anderes Missverständnis ist in einem Vorkommentar schon hingewiesen worden: Die sog. Unschärferelation z.B. zeigt keine Grenze des menschlichen Denkens, sondern ist schlicht ein Zug der Natur.
In einem Punkt haben Sie wiederum recht: Der Glaube an die exakten Naturwissenschaften ist in der Tat ein Glaube, insoweit, als wir uns auf deren (Weiter-)bestehen blind verlassen müssen. Sie unterliegen nicht unserer Verfügungsgewalt.
Herzlichst Crest
auch wenn ich es angesichts der üblichen Vorbehalten vermutlich ein bisschen "bissiger" formuliert hätte.
Und @7 (c.schmid): "Hingegen wäre eine Theorie, die NUR eine Grenze für Vorstellung und/oder Experiment setzt und keine neuen Aussagen trifft wertlos!" - soso, Kants Werk ist also wertlos... Sie haben zwar mit ihren Aussagen zur Vorhersagbarkeit weitestgehend recht, versteigen sich hier aber meiner Meinung nach ziemlich.
ich kann Ihnen insoweit folgen, als dass ich mir eine Welt vorstellen kann, deren Eigenschaften und Gesetzmäßigkeiten sich mir nicht erschließen müssten.
Unsere Welt jedoch ist nicht von diesem Typus. Ihre Gesetzmäßigkiten haben sich erschließen lassen, und sie haben sich uns nicht als definitorische sondern als objektive Wahrheiten (auf experimentellem Wege) offenbart.
Sie können die Objektivität in Frage stellen. Selbstverständlich. Dann zeigen Sie bitte, warum die physikalischen Gesetzmäßigkeiten für Sie nicht zutreffen.
Auf ein anderes Missverständnis ist in einem Vorkommentar schon hingewiesen worden: Die sog. Unschärferelation z.B. zeigt keine Grenze des menschlichen Denkens, sondern ist schlicht ein Zug der Natur.
In einem Punkt haben Sie wiederum recht: Der Glaube an die exakten Naturwissenschaften ist in der Tat ein Glaube, insoweit, als wir uns auf deren (Weiter-)bestehen blind verlassen müssen. Sie unterliegen nicht unserer Verfügungsgewalt.
Herzlichst Crest
auch wenn ich es angesichts der üblichen Vorbehalten vermutlich ein bisschen "bissiger" formuliert hätte.
Und @7 (c.schmid): "Hingegen wäre eine Theorie, die NUR eine Grenze für Vorstellung und/oder Experiment setzt und keine neuen Aussagen trifft wertlos!" - soso, Kants Werk ist also wertlos... Sie haben zwar mit ihren Aussagen zur Vorhersagbarkeit weitestgehend recht, versteigen sich hier aber meiner Meinung nach ziemlich.
Ich möchte nicht die Notwendigkeit bestreiten, Naturwissenschaften aus dem Gesichtspunkt der Philosophie oder Kognitionswissenschaften auf ihr prinzipielles Potential an Erkenntnis zu untersuchen. Jedoch möchte ich sie an dem von ihnen selbst angebrachten Beispiel der Quantenmechanik auf ein weit verbreitetes Missverständnis aufmerksam machen.
Naturwissenschaften behaupten mitnichten exakte Beschreibungen unserer Welt zu liefern, sie haben jedoch gelernt trotz dieser Ungenauigkeit Voraussagen zu machen.
Z.B. stellt die Unschärferelation keine Grenze menschlicher Erkenntnis da. Sie beschreibt vielmehr die Unzulänglichkeit der klassischen Theorie in kleinsten Maßstäben. Denn die moderne Physik hat erkannt, dass Beobachtungen auf atomarer Ebene aus einer Vielzahl von Beobachtungen stammen muss, um einem einzelnen Ereignis eine gewisse Wahrscheinlichkeit experimentell zuordnen. Diese Wahrscheinlichkeiten werden in der anerkannten Theorie durch mathematische Objekte beschrieben, die jedoch unserer Intuition widersprechende Eigenschaften erzeugen (zB die Unschärferelation). Wir haben hier also in Wirklichkeit eine Theorie, die gerade die von ihnen geforderte Überlegungen zu den Grenzen des eigenen Beobachtens betrachtet aber gleichzeitig die wichtigste Eigenschaft einer neuen Theorie erfüllt, nämlich überprüfbare, neue Phänomene vorherzusagen.
Hingegen wäre eine Theorie, die NUR eine Grenze für Vorstellung und/oder Experiment setzt und keine neuen Aussagen trifft wertlos!
Machen gebrochene, irrationale oder auch imaginäre Zahlen einen Sinn, wenn es um Dimensionen geht, sagen wir rt(-a)Dimensionen mit a€R? Kann man darin noch rechnen?
Nach dem Yogacara sind Multidimensionallität, Anfangs- und Endlosigkeit aber auch Universenparallelität ja fraglos existent.
Macht das aber auch einen Sinn?
Der Mensch, so viel ist sicher, wird eine Fußnote in der Geschichte des Universums bleiben. da haben Sie zweifellos recht.
Was aber, wenn Sie sich irren sollten?
Herzlichst Crest
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