Pro und Contra Friedensnobelpreis fürs Internet?
Das Internet sei ein Werkzeug des Friedens, schwärmt eine Initiative – das sollte angemessen gewürdigt werden.
PRO
von Riccardo Luna
Für den Frieden ist das Internet gemacht. Es ist ein Ammenmärchen, dass es aus einem Militärprojekt hervorgegangen sei. Etliche Bücher belegen, dass seine Väter ein offenes, demokratisches Netzwerk schaffen wollten, in dem die Welt ihr Wissen teilen kann. Das Ergebnis ist das größte Medium, das die Menschheit je besaß.
Jetzt kontrollieren nicht mehr nur Konzerne, Regierungen und Lobbyisten die Informationen wie im Zeitalter von Fernsehen, Radio und Zeitungen. Das Netz existiert für uns alle, um gemeinsam Ideen zu entwickeln, um Fortschritt und Wohlstand zu fördern. Um Brücken zu bauen anstelle von Mauern.
sind die Botschaft. Es ist eine Massenmobilisierungswaffe und verdient daher den Friedensnobelpreis. Wer den Preis entgegennehmen sollte? Die Väter des Internets natürlich, Vint Cerf und Tim Berners Lee etwa.
Das Netz unterscheidet sich von allen anderen Medien. Wir sind nicht mehr nur die Empfänger der Botschaft, wir
Natürlich weiß ich, dass das Netz auch missbraucht wird, etwa von Terroristen. Diese aber würden ihre Ziele auch ohne das Internet verfolgen. Andererseits erblüht durch das Netz eine einzigartige Kultur von Frieden und Zusammenarbeit, die die Welt zu einer besseren Heimat macht.
CONTRA
von Joachim Krause
Das Internet fördert die Kommunikation zwischen den Menschen weltweit – das heißt aber nicht, dass es der »Verbrüderung der Völker« Vorschub leistet, wie es im Testament Alfred Nobels geschrieben steht. Im Gegenteil: Noch nie hat so viel abscheuliches Gedankengut der Volksverhetzung, der Intoleranz und der Gewalt so weit verbreitet werden können wie seit Einführung des Internets.
Man muss sich nur die Webseiten von Extremisten und Gewalttätern anschauen: Dort kann man sich sogar Bauanleitungen für Selbstmordgürtel, Giftwaffen und selbst für Atombomben herunterladen. Das Internet hat der Kinderpornografie weltweit einen enormen Aufschwung beschert und damit der Gewalt gegen Tausende von Kindern den Weg bereitet.
Das Netz ist heute sogar selbst Schauplatz von Kriegen, den Cyberwars. Weil die Infrastruktur vieler Branchen davon abhängt, greifen immer wieder Hacker an. Das sind schon lange nicht mehr nur spätpubertierende Jungs, sondern auch staatliche Akteure.
Die Vermittlungsfunktion des Internets ist unbestritten. Aber es ist nur ein Medium. Entscheidend ist, wer es zu welchem Zweck nutzt. Dem Netz den Friedensnobelpreis zu verleihen ist genauso eine Schnapsidee, als wollte man das Telefon damit auszeichnen.
- Datum 09.02.2010 - 17:09 Uhr
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- Quelle ZEIT Wissen 2/2010
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So könnte man die Entwicklung der Menschheit kurz und bündig erklären.
Das Internet verändert alles.
Das Internet verwirft Modelle und Grenzen und schafft neue (genügend Stoff für Buch :D). Ob es den Friedensnobelpreis verdient hat? Ja, wenn es eine Person wäre.
Der Gedanke, dem Internet einen Friedensnobelpreis zu verleihen, ist eigentlich ziemlich interessant und auf jeden Fall eine Überlegung wert.
Dieses mini- pro und contra ist allerdings furchtbar oberflächlich. Schade.
Allein mit üblichen Klischees zu argumentieren ist flach: "Es sind ja auch Terroristen im Netz."
Sehr viel ansprechender wäre eine gute Recherche über andere Formen von Nachteilen (Cyber-mobbing - erstaunlicherweise sehr ausgeprägt im asiatischen Raum,...) und natürlich Vorteilen. Und dort sollte bitte nicht nur Wikipedia stehen.
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