Alternative Medizin Wie gut hilft die Naturmedizin wirklich?
Es ist ein jahrzehntealter Streit: Alternativheiler gegen Schulmediziner, Natur gegen Chemie, Altbewährtes gegen Wissenschaft. Jetzt nähern sich die beiden Seiten an – zum Wohle der Patienten

Wer mit der Schulmedizin nicht weiter kommt, sucht oft sein Heil bei Homöopathen, Heilpraktikern oder Akupunkteuren
Vielleicht sind es Geschichten wie die von Florian Klauer, die die Faszination der Alternativmedizin ausmachen. Der Junge litt jahrelang an einem chronischen Schnupfen, immer wieder musste er mit Antibiotika behandelt werden, die Ärzte wussten irgendwann nicht mehr weiter. Dann ging seine Mutter mit ihm zu einer Heilpraktikerin. »Die hat sich Florian angeschaut und festgestellt, dass es eine ganz tiefe, chronische Sache ist«, erzählt Sabine Klauer. »Wir haben mit der Behandlung angefangen, und jetzt hat er das erste Mal seit einigen Wochen keine Schnupfnase. Er ist so glücklich darüber und wir Eltern auch. Der Dauerschnupfen hat ihn wirklich eingeschränkt und ihm viel Lebensfreude genommen.«
Jeder kennt solche Geschichten. Von Kindern, die lange von einer Neurodermitis gequält und von Schulmedizinern erfolglos behandelt wurden. Und die sich nach einem Besuch beim Heilpraktiker nicht mehr die Haut wund kratzen. Von Erwachsenen, die über Jahre die Migräne plagte und denen nach zahlreichen Arztbesuchen endlich die Schmerzen genommen werden – von einem Homöopathen, einem Heilpraktiker oder einem Akupunkteur.
In der alternativen Medizin finden viele Menschen das Natürliche und Sanfte, das sie suchen, in allen Bereichen ihres Lebens. Wer Ökoäpfel und Biobrot kauft, der nimmt auch lieber etwas Pflanzliches gegen seine großen und kleinen Leiden, macht Yoga oder vertraut sich dem Akupunkteur an. Beinahe zwei Drittel der Deutschen gehen heute zu Alternativmedizinern, 1970 war es erst ein Drittel. Und sie geben viel Geld dafür aus: Insgesamt fünf Milliarden Euro bezahlten sie im Jahr 2006 aus eigener Tasche für alternativmedizinische Therapien.
- Die Alternative
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Pamela Wessel, 34 Hotelfachfrau: "Ich gehe ungern zu Ärzten"
»Ich hatte lange Zeit schlimme Rückenschmerzen, bis ich vor fünf Jahren bei meiner Heilpraktikerin gelandet bin, die auch Osteopathin ist. Gemeinsam mit ihr habe ich die Schmerzen in den Griff bekommen. Ich gehe generell ungern zu Ärzten, Heilpraktiker sind für mich wirklich die bessere Wahl. Denn die Alternativmedizin schaut eher als die Schul- medizin, woher bestimmte Beschwerden und Krank- heiten kommen und wie sie entstehen. Besonders für meine Kinder finde ich die Alternativmedizin gut. Inzwischen sage ich sogar: Meine Heilpraktikerin ist meine Hausärztin.«
- Der Wissenschaftliche
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Alexander Bätz, 32, Freiberufler: "Ich halte mich lieber an Fakten"
»Mein ehemaliger Chef hat eine eher romantische Vorstellung von Heilung. Er schwört auf Globuli oder pflanzliche Tropfen. Die helfen aber nicht bei chronischer Überlastung oder einem Bandscheibenvorfall. Wundern tut mich das nicht. Wenn man einen Wirk-stoff so stark verdünnt, dass quasi nur noch sein ›Karma‹ übrig bleibt, wie soll der bitte helfen? So eine esoterische Behandlung ist für mich so dubios, wie das Besprechen von Warzen. Wenn das hilft, dann nur, weil man daran glaubt und es keine ernsthafte Erkrankung ist. Ich halte mich lieber an Fakten und vertraue Therapien, deren Wirkung man messen kann, wissenschaftlich sauber, mit repräsentativen Stichproben, Kontrollgruppen und überprüfbaren Kriterien. Deswegen lege ich großen Wert darauf, dass mein Arzt den neuesten Stand der Forschung kennt. Ihm vertraue ich und nehme auch Antibiotika, wenn er es für richtig hält. Er fragt bei Rückenschmerzen aber sehr wohl, ob ich gerade Stress habe, anstatt mir einfach Schmerzmittel zu verschreiben.«
- Der Integrative
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Frank Radeke, 41, Ingenieur: "Es gibt Dinge zusätzlich zur Schulmedizin"
»Ich bin sehr wissenschaftlich orientiert, aber kein reiner Schulmedizinanhänger. Ich habe mit der Zeit immer öfter gemerkt: Es gibt darüber hinaus noch Dinge, die helfen können. Ich habe es selbst erlebt. Ich hatte ganz starke Bauchschmerzen, die meist in der Nacht so schlimm wurden, dass an Schlaf nicht zu denken war. Ich bin von Arzt zu Arzt gegangen, aber niemand konnte mir helfen. Als ich schon anfing, starke Schmerz- mittel zu nehmen, um wenigstens ein paar Stunden Schlaf zu bekommen, bin ich durch Zufall zu einem Allgemeinarzt gekommen, der auch alternativmedizinisch arbeitet. Der hat das mit ein paar Handgriffen innerhalb von fünf Minuten behandelt, am selben Abend waren die Schmerzen weg. Für Diagnose und Behandlung kamen weder Apparate noch Medikamente zum Einsatz. Das hat mir gezeigt: Man muss lernen, zufrie-den zu sein, ohne dass man immer so genau weiß, was hinter einer Therapie steckt.«
Die meisten Ärzte jedoch sind kritisch. Sie fragen sich: Wie kann etwas eine Wirkung haben, das nicht in unseren Lehrbüchern steht? Warum soll ein banales Kraut besser gegen ein schwaches Herz helfen als ein Medikament, das 20 Jahre lang entwickelt wurde? Was sollen kleinste Nadeln ausrichten gegen die stechenden Schmerzen in einem zerschlissenen Knie? Und wie sollen Globuli – Kügelchen, die keinerlei Wirkstoff enthalten – einen Heuschnupfen lindern, ein Asthma bessern, eine Neurodermitis gar heilen? Was haben Heilpflanzen, Akupunktur, Homöopathie, Yoga, Ayurveda, Bachblüten, Reiki, Osteopathie und was es sonst noch gibt, was haben diese teilweise obskuren Methoden in Arztpraxen und Krankenhäusern zu suchen?
Der Konflikt zwischen Alternativmedizinern und konventionellen Ärzten ist alt, er wirkt manchmal wie ein erbitterter Grabenkampf. Einfühlungsvermögen und Geduld gegen Apparatemedizin und Fließbandabfertigung, ganzheitliche Heiler gegen Symptombehandler, Quacksalberei gegen Wissenschaft. Und nicht zuletzt: Natur gegen Chemie. Auf der einen Seite Kräuter, die die Natur erschaffen hat, deren Kraft schon seit Jahrhunderten, manchmal gar seit Jahrtausenden Kranke von ihren Leiden befreit. Auf der anderen Seite Pillen: Produkte der Pharmaindustrie, am Reißbrett entworfen, im Labor synthetisiert – chemische Keulen mit starken Nebenwirkungen. So einfach war es lange Zeit.
So einfach ist es nicht mehr. Es bewegt sich etwas. An immer mehr deutschsprachigen Universitäten, einstmals Horte des Widerstands gegen die Alternativmedizin, entstehen Arbeitsgruppen, um sie zu erforschen; im Medizinstudium sind alternativmedizinische Behandlungsformen inzwischen oft fester Bestandteil; und Krankenkassen, sonst eher dafür bekannt, eher sparsam zu sein, übernehmen die Kosten von Alternativtherapien, vier Milliarden Euro allein 2006.
- Datum 02.04.2010 - 08:49 Uhr
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- Quelle ZEIT Wissen 2/2010
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für eine zukünftige menschlichere medizin. der nachweis der alternativmedizin wurde von der ärztelobby und pharmakonzernen verhindert, nicht umgekehrt. die richteten sich nach dem motto, was nicht sichtbar ist darf nicht sein.
zu "vieles in der alternativmedizin ist scharlatanerie". haben sie schon mal ohrenkerzen ausprobiert? es ist ein altes indianisches heilmittel. bei einer ohrentzündung die nicht bakteriell ist braucht man wärme. und diese gibt eine ohrkerze gut dosiert direkt in das ohr ab.
die zahlen belegen sehr gut das viele patienten kein vertrauen mehr in die schulmedizin haben. die denkweise der schulmedizin ist verdreht. im mittelpunkt, wie sie treffend schreiben steht nicht mehr der kranke mensch, sondern ein geldgieriger arzt, von krankenkassen und pharmakonzernen erpresst und in abhängigkeit gehalten.
wie lässt es sich sonst erklären dass selbst das sterben seine würde verloren hat?
Wie im Artikel gut beschrieben werden die Wirkstoffe in der Phytomedizin nicht im Labor sondern in der Pflanze hergestellt. Die Wirkstoffe in Pflanzen sind aber je nach Standort und Wetter im Jahr unterschiedlich hoch konzentriert. Ich selbst nutze gern die Heilkraft der Pflanzen aus dem Garten aber man muss auch die Risiken kennen. Johanniskraut zum beispiel verstärkt auch die Lichtempfindlichkeit der Haut. Homeopatie halte ich für großen Humbug, bei mir hilft sie nicht besser als andere Placebos und die Storys die ich darüber von Freunden höre sind Augenwischerei. Bisher konnte ich immer feststellen, dass die Krankheit nicht weg war, die aber niemand zugeben wollte. Wenn da 5 Warzen sind wurde immer gesagt die sind viel besser geworden obwohl da immer noch 5 Warzen waren. Die Verletzungsgefahr bei Ohrkerzen ist hoch und die Inianer die sie erfunden haben sollen wehren sich mittlerweile erfolgreich dagegen dass ihn en so ein Schwachsinn unterstellt wird. Die Gewinne der Alternativmafia sind doch mindestens so hoch wie die der Pharmamafia. Da kostet das Kilo Milchzucker dann locker 10.000 € nur weil es mal neben einem anderen Wirkstoff gelegen hat. Der einzige echte Pluspunkt bei Ganzheitlichkeit und Natur ist doch, dass der Heiler sich Zeit nimmt und zuhört. In einer Zeit in der Ärzte für den Patienten nur 8 min Zeit haben ist das ein wichtiger Faktor. Manchmal geht es einem schon besser wenn man über das was einen plagt reden kann... Die Schulmedizin ist zu klinisch rein!
Verwechseln sie NAtürliche Heilmittel nicht mit Homöopathie! Das kann zusammenpassen, muss aber nicht.
Verwechseln sie NAtürliche Heilmittel nicht mit Homöopathie! Das kann zusammenpassen, muss aber nicht.
Naturmedizin findet in der Heimtierhaltung häufig statt, weil sie viel sanfter ist. Mein Hund bekommt Teufelskralle und Grünlippenmuschelpulver wegen seiner Athrose und es hat in einer 1-Monaten Kur einen neuen hund aus ihm gemacht. Er hat vorher gelahmt, konnte kaum 15 minuten am Stück laufen und brauchte viel mühe aufzustehen. Nach der Kur waren wieder längere Spaziergänge möglich. Schmerzen haben dank der Teufelskralle auch nachgelassen. Dass alterantive, natürliche MDizin mehr als placebos sind, beweisen Tiere. Denn die wissen ja nichtmal, dass sie Medizin bekommen.
Es ist glaube ich wie mit deM elektroauto und Soladächern: Man möchte nicht dass es sich etabliert, weil die laufenden Kosten gering sind und weniger Leute reich machen. Wirtschaft vor gesundheit und Vernunft.
Verwechseln sie NAtürliche Heilmittel nicht mit Homöopathie! Das kann zusammenpassen, muss aber nicht.
Schlimm ist nicht, dass es die "Alternativmedizin" gibt oder dass sie genutzt wird, sondern das Unverständnis mit der ein Großteil der Bevölkerung an sie herangeht. Die Erwartungshaltung und die Attribute, die ihren verschiedenen Formen quasi automatisch zugeschrieben wird. Und natürlich die mangelnde Differenzierung.
Natürlich sind viele Pflanzeninhaltsstoffe wirksam. Natürliche Präparate sind ja meist nicht von heute auf morgen "erfunden" worden sondern besitzen eine lange Überlieferung. Diese Überlieferung ist selbstverständlich durch Empirie entstanden (nur weil im Altertum, Mittelalter usw. keine wissenschaftliche Methode per se bestand, bedeutet das ja nicht, dass die Menschen dort nicht alles mögliche ausprobiert und sich die Ergebnisse gemerkt hätten).
Was ist denn ein "pflanzliches Heilmittel"? Es ist eine meist ziemlich komplexe Mischung aus Wirkstoffen. Wirkstoffe? Klingt nach Pharmaunternehmen. Nach Chemie! Kann nicht sein, ist ja schließlich alles natürlich!
Das Problem ist nicht, dass diese pflanzlichen Wirkstoffe genutzt werden, sondern dass versucht wird eine _völlig künstliche_ Unterscheidung zwischen diesen Wirkstoffen und den künstlich erzeugten aufzubauen. Anstatt dass man mal versucht, zu verstehen was da in der Pflanze drin ist und wie diese Stoffe, auch und gerade im Kontext der bösen "Schulmedizin" funktionieren, wird von "sanften und natürlichen" Methoden gefaselt die sich offenbar grundlegend von künstlichen Präparaten unterscheiden. Na, wer mag.
wurde im artikel erwähnt, hilft bei bis zu mittelschweren depressionen. da es die lichtempfindlichkeit der haut herabsetzt (Kühe die viel davon gefressen haben und in der sonne lagen haben hautekzeme bekommen). deshalb wird bei der empfehlung zu johanniskrauttee auch geraten zu lange sonnenbäder zu vermeiden. alles wovon zuviel eingenommen wird bewirkt dann das gegenteil. und ja, heilpraktiker arbeiten anders als homöopathen.
Das interessante für mich an der ganzen Alternativmedizin-Debatte ist der Placebo-Effekt. Wenn Menschen an eine Therapie intensiv genug glauben, geht es ihnen dadurch tatsächlich besser (siehe Homöopathie).
Wie kann man diesen Effekt nutzen, ohne dass die Patienten Geld für eine an sich wirkungslose Therapie ausgeben müssen. Die Anbieter von Alternativpräparaten sind in dieser Hinsicht ja keinen Deut besser als die ständig kritisierte Pharmaindustrie.
Vielleicht sollte mehr Zeit dafür verwendet werden Entspannungsverfahren zu verbreiten. Davon gibt es genug um für jeden das geeignete Verfahren bereitzustellen (Autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga, ...) und für diese Techniken gibt es gute Wirksamkeitsnachweise. Und zwar nicht durch irgendwelche Pseudostudien, sondern richtige randomisierte, kontrollierte Studien.
Das Erlernen eines Entspannungsverfahrens kostet zwar Anfangs auch Geld, aber später ist man dafür unabhängiger.
Im Endeffekt ist nur wichtig, dass Methoden der Heilung wissenschaftlich überprüft werden.
Ein häufiger Irrtum ist, dass Alternativmedizin nicht überprüfbar wäre mit den Mitteln der Wissenschaft. Man hat da Laboranten in weißen Kitteln vor Augen und nimmt an, was die nicht chemisch nachbauen können, wirkt nicht.
Das ist aber nur ein Vorurteil. Der Standardansatz zur Erforschung von Wirksamkeit sind doppelblinde, randomisierte Studien.
In Kurz:
1. Patenten werden zufällig auf Gruppen verteilt. Dies filtert die Effekte verschiedener Einflüsse heraus, da sie statistisch nicht mehr ins Gewicht fallen.
2. Es wird ein Placebo (ohne Wirkstoff) und das Präparat an die Gruppen verteilt.
3. Doppelblind heißen die Studien weil weder der Patient noch der Arzt wissen, welche Gruppe das Präparat und welche das Placebo erhält.
Wenn unter diesen Bedingungen kein sichtbarer Unterschied zwischen den Gruppen entsteht, so ist das Präparat wahrscheinlich wirkungslos.
Das ist nicht Schulmedizin sondern evidenzbasierte Medizin.
Spannend:
- Viele Schulmedizinischen Verfahren sind nur auf nicht schädlichkeit getestet. Die Wirksamkeit ist unbekannt.
- Einige alternativmedizinische Verfahren zeigen Wirksamkeit in Studien.
- Andere hingegen sind wirkungslos. So die Homöopathie.
(Wichtig: Homöopathie ist nicht Naturheilung sondern der Ansatz, dass Stoffe in so geringen Konzentrationen, dass sie chemisch Wirkungslos sind aufgrund ihrer "Information" trotzdem wirken. In Kurz: Zauberei.)
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