Auch pflanzliche Präparate haben Risiken
Deswegen müssen Patienten auch bei pflanzlichen Präparaten immer abwägen zwischen Wohl und Übel »Es geht um das Nutzen-Risiko-Verhältnis, auch bei Phytotherapeutika. Und dass auch pflanzliche Präparate Risiken haben, ist völlig klar«, sagt Windeler. Die sind bei standardisierten Mitteln wie dem Johanniskraut noch berechenbar und einschätzbar. Unübersichtlich wird es allerdings bei Mischungen, die aus China oder Indien kommen und von traditionellen Kräuterheilern angeboten werden. Sie haben fast nie eine nachgewiesene positive Wirkung, im Gegenteil: Manchmal sind sie verunreinigt, etwa mit Schwermetallen, oder auch absichtlich aufgepeppt mit herkömmlichen Medikamenten wie Cortison.
Besonders problematisch wird es, wenn nutzlose Pflanzenpräparate anstatt eines wirksamen Medikaments genommen werden. In der Krebstherapie ist das berüchtigt. Wenn Chemotherapeutika das Geschwür nicht kleiner werden lassen und zudem noch Nebenwirkungen wie starke Übelkeit hervorrufen, dann greifen viele Patienten lieber auf sanfte Alternativpräparate zurück. Bekannt sind die Beispiele von verzweifelten Eltern, die ihre krebskranken Kinder den Händen der Ärzte entrissen, um ihnen obskure Therapien zukommen zu lassen.
Edzard Ernst beschreibt so einen Fall in seinem Buch Gesund ohne Pillen, das er zusammen mit dem britischen Wissenschaftsjournalisten Simon Singh verfasst hat (siehe Kasten): Der achtjährige Joseph Hofbauer, der an Morbus Hodgin erkrankt war, wurde von seinen Eltern aus der konventionellen Krebstherapie genommen und bekam das pflanzliche Präparat Laetril, ein Extrakt aus Aprikosenkernen. Mit einer normalen Chemotherapie hätte er eine 95-prozentige Chance gehabt, die nächsten fünf Jahre zu überleben. Mit dem Laetril starb er nach zwei Jahren.
Solche dramatischen Fälle machen deutlich, dass die Pflanzenmedizin Grenzen hat und man sehr sorgfältig unterscheiden muss, wann sie helfen kann und wann die Schulmedizin erfolgversprechender ist. Auch das gehört zum neuen Miteinander von alternativer und konventioneller Medizin. Und diese Grenzen zu erkennen ist entscheidend dafür, dass die Pflanzenheilkunde ihr zweifellos großes Potenzial entfalten kann. »Ich bin sicher, dass es noch unentdeckte Substanzen in der Natur gibt, die eine heilende Wirkung haben«, sagt Jürgen Windeler. Und Edzard Ernst gibt schon einmal die Richtung vor, in der die Schul- und Naturmediziner danach suchen sollten: »Wenn man sich noch konsequenter mit der chinesischen Pflanzenmedizin auseinandersetzen würde, würde man da sicher noch einiges finden. Da sind noch einige Schätze zu heben.«
Mitarbeit: Florian Diekmann, Jonas Leppin
- Datum 02.04.2010 - 08:49 Uhr
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für eine zukünftige menschlichere medizin. der nachweis der alternativmedizin wurde von der ärztelobby und pharmakonzernen verhindert, nicht umgekehrt. die richteten sich nach dem motto, was nicht sichtbar ist darf nicht sein.
zu "vieles in der alternativmedizin ist scharlatanerie". haben sie schon mal ohrenkerzen ausprobiert? es ist ein altes indianisches heilmittel. bei einer ohrentzündung die nicht bakteriell ist braucht man wärme. und diese gibt eine ohrkerze gut dosiert direkt in das ohr ab.
die zahlen belegen sehr gut das viele patienten kein vertrauen mehr in die schulmedizin haben. die denkweise der schulmedizin ist verdreht. im mittelpunkt, wie sie treffend schreiben steht nicht mehr der kranke mensch, sondern ein geldgieriger arzt, von krankenkassen und pharmakonzernen erpresst und in abhängigkeit gehalten.
wie lässt es sich sonst erklären dass selbst das sterben seine würde verloren hat?
Wie im Artikel gut beschrieben werden die Wirkstoffe in der Phytomedizin nicht im Labor sondern in der Pflanze hergestellt. Die Wirkstoffe in Pflanzen sind aber je nach Standort und Wetter im Jahr unterschiedlich hoch konzentriert. Ich selbst nutze gern die Heilkraft der Pflanzen aus dem Garten aber man muss auch die Risiken kennen. Johanniskraut zum beispiel verstärkt auch die Lichtempfindlichkeit der Haut. Homeopatie halte ich für großen Humbug, bei mir hilft sie nicht besser als andere Placebos und die Storys die ich darüber von Freunden höre sind Augenwischerei. Bisher konnte ich immer feststellen, dass die Krankheit nicht weg war, die aber niemand zugeben wollte. Wenn da 5 Warzen sind wurde immer gesagt die sind viel besser geworden obwohl da immer noch 5 Warzen waren. Die Verletzungsgefahr bei Ohrkerzen ist hoch und die Inianer die sie erfunden haben sollen wehren sich mittlerweile erfolgreich dagegen dass ihn en so ein Schwachsinn unterstellt wird. Die Gewinne der Alternativmafia sind doch mindestens so hoch wie die der Pharmamafia. Da kostet das Kilo Milchzucker dann locker 10.000 € nur weil es mal neben einem anderen Wirkstoff gelegen hat. Der einzige echte Pluspunkt bei Ganzheitlichkeit und Natur ist doch, dass der Heiler sich Zeit nimmt und zuhört. In einer Zeit in der Ärzte für den Patienten nur 8 min Zeit haben ist das ein wichtiger Faktor. Manchmal geht es einem schon besser wenn man über das was einen plagt reden kann... Die Schulmedizin ist zu klinisch rein!
Verwechseln sie NAtürliche Heilmittel nicht mit Homöopathie! Das kann zusammenpassen, muss aber nicht.
Verwechseln sie NAtürliche Heilmittel nicht mit Homöopathie! Das kann zusammenpassen, muss aber nicht.
Naturmedizin findet in der Heimtierhaltung häufig statt, weil sie viel sanfter ist. Mein Hund bekommt Teufelskralle und Grünlippenmuschelpulver wegen seiner Athrose und es hat in einer 1-Monaten Kur einen neuen hund aus ihm gemacht. Er hat vorher gelahmt, konnte kaum 15 minuten am Stück laufen und brauchte viel mühe aufzustehen. Nach der Kur waren wieder längere Spaziergänge möglich. Schmerzen haben dank der Teufelskralle auch nachgelassen. Dass alterantive, natürliche MDizin mehr als placebos sind, beweisen Tiere. Denn die wissen ja nichtmal, dass sie Medizin bekommen.
Es ist glaube ich wie mit deM elektroauto und Soladächern: Man möchte nicht dass es sich etabliert, weil die laufenden Kosten gering sind und weniger Leute reich machen. Wirtschaft vor gesundheit und Vernunft.
Verwechseln sie NAtürliche Heilmittel nicht mit Homöopathie! Das kann zusammenpassen, muss aber nicht.
Schlimm ist nicht, dass es die "Alternativmedizin" gibt oder dass sie genutzt wird, sondern das Unverständnis mit der ein Großteil der Bevölkerung an sie herangeht. Die Erwartungshaltung und die Attribute, die ihren verschiedenen Formen quasi automatisch zugeschrieben wird. Und natürlich die mangelnde Differenzierung.
Natürlich sind viele Pflanzeninhaltsstoffe wirksam. Natürliche Präparate sind ja meist nicht von heute auf morgen "erfunden" worden sondern besitzen eine lange Überlieferung. Diese Überlieferung ist selbstverständlich durch Empirie entstanden (nur weil im Altertum, Mittelalter usw. keine wissenschaftliche Methode per se bestand, bedeutet das ja nicht, dass die Menschen dort nicht alles mögliche ausprobiert und sich die Ergebnisse gemerkt hätten).
Was ist denn ein "pflanzliches Heilmittel"? Es ist eine meist ziemlich komplexe Mischung aus Wirkstoffen. Wirkstoffe? Klingt nach Pharmaunternehmen. Nach Chemie! Kann nicht sein, ist ja schließlich alles natürlich!
Das Problem ist nicht, dass diese pflanzlichen Wirkstoffe genutzt werden, sondern dass versucht wird eine _völlig künstliche_ Unterscheidung zwischen diesen Wirkstoffen und den künstlich erzeugten aufzubauen. Anstatt dass man mal versucht, zu verstehen was da in der Pflanze drin ist und wie diese Stoffe, auch und gerade im Kontext der bösen "Schulmedizin" funktionieren, wird von "sanften und natürlichen" Methoden gefaselt die sich offenbar grundlegend von künstlichen Präparaten unterscheiden. Na, wer mag.
wurde im artikel erwähnt, hilft bei bis zu mittelschweren depressionen. da es die lichtempfindlichkeit der haut herabsetzt (Kühe die viel davon gefressen haben und in der sonne lagen haben hautekzeme bekommen). deshalb wird bei der empfehlung zu johanniskrauttee auch geraten zu lange sonnenbäder zu vermeiden. alles wovon zuviel eingenommen wird bewirkt dann das gegenteil. und ja, heilpraktiker arbeiten anders als homöopathen.
Das interessante für mich an der ganzen Alternativmedizin-Debatte ist der Placebo-Effekt. Wenn Menschen an eine Therapie intensiv genug glauben, geht es ihnen dadurch tatsächlich besser (siehe Homöopathie).
Wie kann man diesen Effekt nutzen, ohne dass die Patienten Geld für eine an sich wirkungslose Therapie ausgeben müssen. Die Anbieter von Alternativpräparaten sind in dieser Hinsicht ja keinen Deut besser als die ständig kritisierte Pharmaindustrie.
Vielleicht sollte mehr Zeit dafür verwendet werden Entspannungsverfahren zu verbreiten. Davon gibt es genug um für jeden das geeignete Verfahren bereitzustellen (Autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga, ...) und für diese Techniken gibt es gute Wirksamkeitsnachweise. Und zwar nicht durch irgendwelche Pseudostudien, sondern richtige randomisierte, kontrollierte Studien.
Das Erlernen eines Entspannungsverfahrens kostet zwar Anfangs auch Geld, aber später ist man dafür unabhängiger.
Im Endeffekt ist nur wichtig, dass Methoden der Heilung wissenschaftlich überprüft werden.
Ein häufiger Irrtum ist, dass Alternativmedizin nicht überprüfbar wäre mit den Mitteln der Wissenschaft. Man hat da Laboranten in weißen Kitteln vor Augen und nimmt an, was die nicht chemisch nachbauen können, wirkt nicht.
Das ist aber nur ein Vorurteil. Der Standardansatz zur Erforschung von Wirksamkeit sind doppelblinde, randomisierte Studien.
In Kurz:
1. Patenten werden zufällig auf Gruppen verteilt. Dies filtert die Effekte verschiedener Einflüsse heraus, da sie statistisch nicht mehr ins Gewicht fallen.
2. Es wird ein Placebo (ohne Wirkstoff) und das Präparat an die Gruppen verteilt.
3. Doppelblind heißen die Studien weil weder der Patient noch der Arzt wissen, welche Gruppe das Präparat und welche das Placebo erhält.
Wenn unter diesen Bedingungen kein sichtbarer Unterschied zwischen den Gruppen entsteht, so ist das Präparat wahrscheinlich wirkungslos.
Das ist nicht Schulmedizin sondern evidenzbasierte Medizin.
Spannend:
- Viele Schulmedizinischen Verfahren sind nur auf nicht schädlichkeit getestet. Die Wirksamkeit ist unbekannt.
- Einige alternativmedizinische Verfahren zeigen Wirksamkeit in Studien.
- Andere hingegen sind wirkungslos. So die Homöopathie.
(Wichtig: Homöopathie ist nicht Naturheilung sondern der Ansatz, dass Stoffe in so geringen Konzentrationen, dass sie chemisch Wirkungslos sind aufgrund ihrer "Information" trotzdem wirken. In Kurz: Zauberei.)
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