Sandra Brunsch bringt ihre Freunde groß raus. Einer lächelt vom Poster der örtlichen Sparkasse, andere werben in einem Blatt für Gartenfreunde, und sogar ihre Haustiere hat Brunsch in Szene gesetzt. »Ich habe schon immer nebenbei fotografiert, aber seit ich meine Bilder bei Fotolia anbiete, verdiene ich Geld damit«, sagt sie. Über das Portal fotolia.de können Hobbyfotografen ihre Werke für ein paar Euro je Download verkaufen, das Unternehmen erhält eine Provision.

Brunsch ist eine von vielen Internetnutzern, die mithilfe des Webs aus ihrem Hobby einen lukrativen Nebenjob gemacht haben. Wer früher nebenbei im Netz Geld verdienen wollte, verramschte seinen Trödel bei Auktionshäusern wie eBay .

Heute lässt sich mit zahlreichen Portalen aus persönlichen Interessen Kapital schlagen. »Die technische Entwicklung ermöglicht vielseitigere Geschäftsmodelle«, sagt Jonathan Dörr, Geschäftsführer des Zentrums für Internetforschung und Medienintegration der Ludwig-Maximilians-Universität in München. »Die Verbreitung von Breitband-Internet und die sinkenden Zugangskosten machen Verdienstportale besonders lohnend.«

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Große Firmen geben ihre Miniaufträge an die Webgemeinschaft ab und lassen die Nutzer kurze Werbetexte schreiben, E-Mail-Adressen überprüfen oder Bild- und Datensätze auswerten. Die Firmen drücken so ihre Kosten, die Onlinejobber verdienen sich ein Taschengeld und arbeiten, wann und wo sie wollen.  

Das Internetportal Humangrid zahlt seinen »Clickworkern« fünf bis sieben Cent je Minijob, also zum Beispiel pro recherchierter Adresse. Das Dortmunder Unternehmen hat nach eigenen Angaben schon mehr als 10.000 Mitarbeiter im Netz. »Für den Anbieter rechnet sich das nur, wenn viele mitmachen«, sagt Jonathan Dörr. Vorbild sind amerikanische Portale wie »Mechanical Turk«, die schon seit Längerem kleine Firmenaufträge an Privatleute vermitteln. 

Die Nebenjob-Community macht inzwischen einigen etablierten Firmen ernsthaft Konkurrenz. Das Portal Fotolia bringt mit seinem riesigen Onlinearchiv, das acht Millionen Bilder enthält, und einem Heer von Hobbyfotografen sogar Marktführer wie die amerikanische Agentur Getty Images in Bedrängnis. Nach eigenen Angaben ist Fotolia schon Europas gefragteste Bilddatenbank. Zeitungen, die immer häufiger mit knappem Budget auskommen müssen, kaufen gern günstige Bilder, Grafiken und Illustrationen. Zum Verdruss vieler Profifotografen. 

Wenn der Nebenjob im Netz aber das schnelle, große Geld verspricht, solle man vorsichtig sein, sagt Jonathan Dörr. »Solche Angebote sollte man genau prüfen.« Denn auch unter den Online-Jobcentern gibt es unseriöse Anbieter. Dörr warnt vor allem vor Websites, die mit Schneeballsystemen hohe Profite erzeugen wollen.

Manchmal wird aber aus dem Online-Nebenverdienst sogar ein Offline-Geschäft. Johannes Regnitz hatte seinen Ratgeber Cool ohne Alk, in dem er auch seine persönliche Trinkergeschichte erzählt, auf die Seite des Personal-Publishing-Portals Xinxii gestellt. Regnitz’ E-Book wurde so oft angeklickt, dass ein Verlag es inzwischen veröffentlicht hat, auf Papier.