Psychologie Professor Teddybär
Dacher Keltner ist ein Optimist. Der Psychologe ist davon überzeugt, dass Menschen von Natur aus freundlich sind. In seinem Labor in Berkeley erforscht er, wie das Gute im Körper verwurzelt ist – und sucht nach den wahren Superstars unter uns.

Glückliche Momente. Der Psychologe Dacher Keltner sucht das Gute im Körper der Menschen. Dort findet sich seiner Ansicht nach auch der Schlüssel zum Glücklichsein
Als Dacher Keltner seine Forschungsergebnisse auf dem Friedensgipfel im Dalai Lama Center for Peace and Education in Vancouver vorstellte, kamen ihm fast die Tränen. 2500 Zuschauer füllten das Auditorium im Art-déco-Stil. Unter den Gästen waren tibetanische Mönche, die Menschen umarmten einander. Manchmal schlug jemand einen Gong; es gab vegetarisches Essen in recycelbarer Verpackung. Überwältigt hat ihn aber vor allem die Begegnung mit seinem wichtigsten Zuhörer: dem Dalai Lama. Als dieser seine Hände umfasste und sich verbeugte, lächelte Keltner wie ein Junge an Heiligabend.
Der Psychologieprofessor der University of California gehört zu jenen Wissenschaftlern, deren Arbeit das Interesse des geistlichen Oberhauptes der Tibeter weckt. Im vergangenen Jahr erschien sein Buch Born to Be Good, in dem er dem verbreiteten Menschenbild des rivalisierenden Egoisten jenes eines fürsorglichen Wesens entgegensetzt. Keltner ist davon überzeugt, dass der Mensch von Natur aus gut ist.
- Der Sozialpsychologe und Altruismusforscher
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Dacher Keltner las schon als Teenager Bücher von Virginia Woolf und Gedichte großer Romantiker und wurde so früh zum Experten für Gefühle. Er studierte Psychologie und Soziologie in Santa Barbara.
Nach seiner Promotion an der Stanford University arbeitete er in San Francisco bei Paul Ekman, dem Pionier der Emotionsforschung. Von ihm lernte Keltner, Gefühle in Gesichtern ganz genau zu lesen. Er schätzt, dass er mehr als 30.000 verschiedene Gesichtsausdrücke analysiert hat. Ein gespieltes Lächeln erkennt er sofort. Er hat es auch selbst einstudiert – als er im Studium bei McDonald’s jobbte.Dacher Keltner
© Dacher KeltnerHeute leitet der 48-Jährige ein Labor an der Universität in Berkeley, wo er unter anderem das Mitgefühl erforscht. Keltner ist zudem Kodirektor des Greater Good Science Center, einer gemeinnützigen Organisation verschiedener Forscher, die Glück und Altruismus untersuchen.
Während die meisten seiner Kollegen den Blick auf die Probleme der menschlichen Psyche richten, erforscht Keltner ihre gute Seite – die positiven Emotionen und deren Rolle für den sozialen Zusammenhalt. Er untersucht, wie Menschen lächeln, einander berühren oder necken und wie viel Mitgefühl sie für andere aufbringen. »Er ist einer der größten Verfechter des Guten in der Psychologie«, sagt sein Kollege Jonathan Haidt von der University of Virginia.
Das Bild des Dalai Lama hängt in Keltners Büro in Berkeley über einer Schale Muscheln. Der Professor selbst sieht aus wie jemand, der viel Zeit am Strand verbringt: gebräunte Haut, blonde Mähne. Er trägt Jeans und Outdoorschuhe, den Rucksack lässig über der Schulter. Unbekümmert lässt er sich auf seinen Stuhl fallen, dessen Bezug so zerfetzt ist, dass die Spiralen herausgucken. Darauf angesprochen, schaut er verdutzt. »Ach ja, der Stuhl. Peinlich, oder? Den muss ich mal austauschen«, sagt er und grinst so vergnügt, als wäre es ihm völlig egal.
Vielleicht kümmern einen Äußerlichkeiten wenig, wenn man wie Keltner daran glaubt, dass das Gute tief im Menschen verwurzelt ist. »Unsere Spezies hat überlebt, weil wir die Fähigkeit entwickelt haben, zu kooperieren und für Hilfsbedürftige zu sorgen«, sagt er. Und beruft sich auf den Begründer der Evolutionstheorie: »Schon Darwin nahm an, dass Mitgefühl unser stärkster Instinkt ist.«
Keltner vermutet, dass dieses Gefühl eine weitverzweigte Wurzel im menschlichen Körper hat: den Vagusnerv. Dieser beginnt am oberen Ende des Rückenmarks, seine Äste sind mit den Gesichts- und Kehlkopfmuskeln, mit Herz, Lunge und anderen Organen verbunden. Er gehört zum Parasympathikus, jenem Teil des vegetativen Nervensystems, der beruhigend wirkt.
Wenn Menschen sich aufregen oder Angst haben, pocht ihr Herz schneller und verteilt so verstärkt Blut im Körper. Dadurch konnten unsere Vorfahren bei Gefahr fliehen oder kämpfen. Der Vagusnerv dagegen hilft, die Herzfrequenz zu senken. Und ermöglicht Keltner zufolge, dass Menschen einander friedlich begegnen.
Erst vor wenigen Jahren stellte der Psychiater Steven Porges die These auf, dass der Nerv eine wichtige Bedeutung für das soziale Miteinander habe, dass er eine Art Fürsorgeorgan sein könnte. Denn der Vagusnerv regt auch Muskeln an, die Mimik und Stimme beeinflussen, und ist mit Rezeptoren verknüpft, die das Vertrauenshormon Oxytocin binden.
»Unsere Untersuchungen zeigen, dass er uns hilft, andere gern zu haben und uns um sie zu kümmern«, sagt Keltner. Er und sein Kollege Christopher Oveis haben herausgefunden, dass der Vagusnerv aktiviert wird, wenn Menschen Fotos hungernder Kinder ansehen. »Sie berichten dann über ein warmes Gefühl in der Brust.«
Je mehr Nervenaktivität die Messungen zeigten, desto mehr Mitgefühl empfanden die Probanden. Eine andere Studie ergab, dass Menschen mit einem relativ hohen Vagusnervtonus mehr Freunde und soziale Kontakte haben. Zwar zeigte die Studie keinen Kausalzusammenhang, aber die Ergebnisse decken sich mit jenen anderer Forscher, denen zufolge etwa Schulkinder mit einem erhöhten vagalen Tonus besonders hilfsbereit sind und viel Mitgefühl zeigen.
- Datum 26.04.2010 - 18:11 Uhr
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- Quelle ZEIT Wissen 3/2010
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"Je wärmer die Absolventinnen des Mills College auf ihrem Foto im Jahr 1960 gelächelt hatten, desto erfüllter war ihr Leben später. Sie führten glücklichere Ehen, fühlten sich Mitmenschen näher und waren weniger ängstlich. Das klingt ziemlich unglaublich."
Für wen ? Je glücklicher jemand in der Jugend ist/war, je positiver die Pubertät verläuft, desto glücklicher ist er/sie später in der Regel auch. Das ist doch mittlerweile eine Binsenweisheit.
Ich wäre bei solchen Thesen überhaupt vorsichtig. Jemand, der früher glücklich war, kann über Nacht unglücklich werden. Es hilft gar nichts, wie man früher war.
Sätze wie diese
"Keltner ist davon überzeugt, dass der Mensch von Natur aus gut ist."
jedoch suggerieren eine vormoderne Kausalität. Nach dieser ruht etwas, und gerät durch andere in Unordnung. Die Ruhe ist hier die Güte - und die Unruhe das Böse.
Solch steile Thesen kursieren seit Jahrzehnten durch die Medien. Ich erinnere mich an Artikel vor 100 Jahre, die ähnliches beschrieben. Wer's mag. Es ist immerhin unterhaltsam und erinnert einen daran, mal öfter glücklich zu sein. Leute wie Keltner sind mir jedoch unheimlich und unwissenschaftlich. Das bisschen empirisches Gezirpe macht noch keine schlüssige Theorie aus.
Allerdings überrascht mich, dass Die Zeit seit Jahren empfänglich für dermaßen triviale Gut/Böse-Thesen ist.
Ich wäre bei solchen Thesen überhaupt vorsichtig. Jemand, der früher glücklich war, kann über Nacht unglücklich werden. Es hilft gar nichts, wie man früher war.
Sätze wie diese
"Keltner ist davon überzeugt, dass der Mensch von Natur aus gut ist."
jedoch suggerieren eine vormoderne Kausalität. Nach dieser ruht etwas, und gerät durch andere in Unordnung. Die Ruhe ist hier die Güte - und die Unruhe das Böse.
Solch steile Thesen kursieren seit Jahrzehnten durch die Medien. Ich erinnere mich an Artikel vor 100 Jahre, die ähnliches beschrieben. Wer's mag. Es ist immerhin unterhaltsam und erinnert einen daran, mal öfter glücklich zu sein. Leute wie Keltner sind mir jedoch unheimlich und unwissenschaftlich. Das bisschen empirisches Gezirpe macht noch keine schlüssige Theorie aus.
Allerdings überrascht mich, dass Die Zeit seit Jahren empfänglich für dermaßen triviale Gut/Böse-Thesen ist.
Okay, das ist hier nur ein Artikel, aber an sich kommen täglich x-Studienergebnisse auf den Tisch. 90% davon ist einfach flach und oft sogar unsinnig (oder gar falsch). Leider sind viele Studien einfach nur einseitig und versuchen (wie in der Mathematik) ein Ding aus der Realität in einem kleinen Raster und Modell zu untersuchen - und nur in Ausnahmefällen geschieht dies umfassend UND mit dem Blick aufs Ganze. Ich sehe in dieser Studie einen Informationsgehalt von 0.
... aber nichts. Entweder es wird einer gezeigt oder nicht- Punkt.
"Psychoanalytikern galt Frohsinn in der Trauerphase als Zeichen von Verdrängung."
Als ob Psychoanalyse der Stein der Weisen in der Psychologie wäre, nur weil diese in Amerika so beliebt ist. Jeder trauert auf andere Weise. Das gilt insbesondere für Menschen aus unterschiedlichen kulturellen Kreisen. Äpfel und Birnen zu vergleichen soll jetzt doch nicht etwa wissenschaftlich sein?
Im Übrigen ist Lachen sehr wohl ein häufiger Verdrängungsmechanismus, ein Selbstschutz. Er kann helfen zeitliche Distanz ,und damit Distanz, zwischen einem Ereignis und der Gefühlswelt einer Person zu schaffen.
Welche Schlussfolgerungen sollen eigentlich aus dieser Studie gezogen werden? Lasst eure Kinder öfter lachen, wer nicht mitmacht bekommt Hausarrest. Schließlich gibt es ja genug HartzIV-Empfänger die grimmig gucken. Wir wollen ein glückliches Prekariat!
Oder wir raten allen Müttern, die ihre Söhne in Afghanistan ließen, zum Comedy-Freitag auf Sat1.?
Es schwingt schon ein wenig Wut mit, wenn ich diese Zeilen schreibe. Da der Artikel sich wie einer dieser 08/15 "Anleitungen zum Glück" liest. Gerade in den USA ist doch oberflächliche freundlichkeit eine Art Volkssport.
Eine Studie über Ehrlichkeit wäre mal interessant.
stay out." Dieses Thema ist nichts für Sie.
Zweifel, Verzweiflung und Vagusnerv - das passt nicht zusammen!
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Zweifel, Verzweiflung und Vagusnerv - das passt nicht zusammen!
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Zweifel, Verzweiflung und Vagusnerv - das passt nicht zusammen!
Ja, danke für den Hinweis.
Ja, danke für den Hinweis.
Also dass Menschen, die über andere Macht ausüben, weniger mitfühlend seien, klingt mir plausibel.
Aber wenn die Leute den Tod ihres Partners schneller verarbeiten, liegt das bestimmt nicht daran, dass sie sich gegen ihr Gefühl dazu gezwungen haben, häufiger zu lachen. Eher glaube ich, die haben häufiger gelacht, weil sie mit dem Tod des Partners besser klarkamen.
@ im Zweifel
"Psychoanalytikern galt Frohsinn in der Trauerphase als Zeichen von Verdrängung."
Das Zitat, dass sie da so angreifen, wurde doch von dem Keltner widerlegt. Niemand hat behauptet, die Psychoanalytiker hätten Recht.
Für mich klingt der Artikel auch nicht wie eine Anleitung zum Glück. Steht doch gar nicht drin, was man nun machen soll, um einen tollen Vagusnervtonus zu haben oder glücklich zu sein.
Allerdings muss ich auch mal dazu sagen, dass es mir eigentlich auch egal ist, in welchem Teil von meinem Körper meine Gefühle entstehen und wie das chemisch von statten geht. Wichtig ist doch, dass sie entstehen.
Und da hab ich noch eine Anmerkung:
Keltner erforscht die positiven Emotionen.
Es gibt doch keine positiven und negativen Gefühle. Es gibt Gefühle und Punkt. Wenn einem etwas Trauriges passiert ist, dann ist man eben traurig. Das hilft einem, das Erlebte zu verarbeiten. Dann ist das Ereignis sicher nicht besonders positiv gewesen, aber das Gefühl ist deswegen doch nicht negativ zu bewerten.
Ich bin der Auffassung, dass es sich durchaus gelohnt hätte, auch andere Strömungen heranzuziehen. "Nur" weil Keltner die Psychoanalyse "widerlegt" hat, hat er noch lange nicht Recht.
Ich sträube mich vor allem gegen d e n richtigen Weg zur Trauerbewältigung.
Ich bin der Auffassung, dass es sich durchaus gelohnt hätte, auch andere Strömungen heranzuziehen. "Nur" weil Keltner die Psychoanalyse "widerlegt" hat, hat er noch lange nicht Recht.
Ich sträube mich vor allem gegen d e n richtigen Weg zur Trauerbewältigung.
Ich bin der Auffassung, dass es sich durchaus gelohnt hätte, auch andere Strömungen heranzuziehen. "Nur" weil Keltner die Psychoanalyse "widerlegt" hat, hat er noch lange nicht Recht.
Ich sträube mich vor allem gegen d e n richtigen Weg zur Trauerbewältigung.
Ja, danke für den Hinweis.
...gerade so, als hätte es Macchiavelli, Hobbes und Schopenhauer nie gegeben.
Aber die Zeitungen müssen ja irgendwie voll werden.-
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