"Herausragende Wissenschaftlerinnen gibt es in ausreichender Zahl", sagt Ernst Rietschel © Cover/Getty Images

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Von Ernst Rietschel, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft

Dass Frauen auf den höchsten Stufen der wissenschaftlichen Karriereleiter unterrepräsentiert sind, hat tiefer gehende Ursachen. Diese zu überwinden erfordert mittelfristig einen kulturellen Wandel, kurzfristig aber eine Quote. Dabei geht es um ein Geschlechterverhältnis, das sich je nach Disziplin am Anteil potenzieller Kandidatinnen orientiert. In den Lebenswissenschaften könnte der vorgeschriebene Frauenanteil beispielsweise 40 Prozent betragen, mit einem Spielraum von plus/minus zehn Prozent.

Eine solche Quote würde Frauen in einem überschaubaren Zeitraum helfen, in Führungspositionen aufzusteigen. Sie könnten dann Vorbildfunktionen übernehmen und nachhaltige Netzwerke aufbauen. Solche Frauen-Netzwerke sind absolut essenziell, um das Haupthindernis auf dem Weg in Führungspositionen – nämlich (unbewusste) Männer-Machtseilschaften – zu überwinden. Das Exzellenzprinzip wäre entgegen vielen Befürchtungen durch eine Quote keineswegs außer Kraft gesetzt, denn herausragende Wissenschaftlerinnen gibt es in ausreichender Zahl.

Geschlechtergerechtigkeit entwickelt sich offenbar nicht von selbst. Nur wenn wir Zielgrößen vereinbaren und Sanktionen für das Nichterreichen dieser Ziele festlegen, ist der Druck hoch genug, um in naher Zukunft Geschlechterparität in der Wissenschaft zu erreichen.