Ernährung und Klimaschutz Das Modell Sonntagsbraten

Köche müssen lernen, gute vegetarische Gerichte zu kochen. Das würde dem Klima helfen

Ein bis zweimal in der Woche Fleisch - das reicht aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung

Ein bis zweimal in der Woche Fleisch - das reicht aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung

Viele wissen es: Weitgehend auf Fleisch zu verzichten, ist nicht nur gesund, sondern kann auch dazu beitragen, den Hunger in armen Ländern zu lindern und den Klimawandel aufzuhalten . Warum sind also nicht längst alle Menschen Vegetarier und retten karottenknabbernd die Welt? Die Antwort ist simpel: Nur weil es gesund oder moralisch wünschenswert wäre, verzichten die Menschen nicht auf das, was ihnen schmeckt. Und für die meisten gehört Fleisch einfach zum Mittagessen dazu.

Kann man die Menschen zur Vernunft bringen? Eine Möglichkeit wäre, das Modell Sonntagsbraten durchzusetzen: Sechs Tage in der Woche gäbe es dann nur vegetarische Kost. So ähnlich lautet auch die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung : »Ein- bis zweimal in der Woche Fisch; Fleisch, Wurstwaren und Eier in Maßen.«

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Um das zu erreichen, könnte die Regierung zum Beispiel anordnen, dass in allen öffentlichen Kantinen, also in Behörden, an Schulen und Universitäten, nur noch vegetarisches Essen ausgeteilt wird. Dann wären mehr als 15 Millionen Menschen gezwungen, fünf Tage in der Woche zumindest mittags auf Fleisch zu verzichten. Sie würden erkennen, dass es auch ohne geht, und sich an den Geschmack von Gemüse gewöhnen. Oder etwa nicht?

»Wenn Kantinen ihr Essen nur danach auswählen würden, ob es gesund ist, hätten sie am Ende keine Gäste mehr«, sagt Burkart Schmid vom Institut für Gemeinschaftsverpflegung . Die Subventionen für Kantinengerichte seien aber zu gering, als dass es sich Betreiber leisten könnten, ihre Kunden zu vergraulen. »Um Gewinn zu machen, müssen sie sich hochgradig am Geschmack des Gastes orientieren.«

Und der will Fleisch: Seit Jahren wechseln sich Currywurst und Wiener Schnitzel auf dem Spitzenplatz der beliebtesten Kantinengerichte ab. »Vegetarisches Essen hat einfach ein zu schlechtes Image«, klagt Volker Peinelt, Ernährungswissenschaftler und Professor für Catering-Services an der Hochschule Niederrhein. »Es gilt als wenig schmackhaft und nicht sättigend. Das liegt auch daran, dass viele Köche einfach keine attraktiven vegetarischen Gerichte kochen können.« Man müsse deshalb schon in der Ausbildung ansetzen und der fleischlosen Kochkunst einen höheren Stellenwert einräumen.

Carola Schmidt vom Verband Deutscher Köche gibt zu, dass das Kochen mit Fleisch in den Köpfen der meisten Köche festsitzt. Bisher lernen Kochschüler nur in 14 Stunden Theorie und 20 Stunden Praxis, »Speisen aus pflanzlichen Rohstoffen« zu zubereiten. »Aber wir spüren eine vermehrte Nachfrage nach Fortbildungen in vegetarischer Küche.«

Bislang ist ein staatlich verordneter Vegetarismus nicht zu erwarten. Im Gegenteil, in den Kantinenrichtlinien des Bundes heißt es, »das Essen soll aus Fleisch, Gemüse, Kartoffeln oder anderen gleichwertigen Nahrungsmitteln bestehen«. Wenn das Bewusstsein und die Akzeptanz für eine gesunde, fleischarme Ernährung wachsen sollen, sollte die Regierung aber zumindest die Schulverpflegung bundesweit regeln. Denn die Ernährungsgewohnheiten von Kindern kann man noch prägen. 

 
Leser-Kommentare
    • Puzi
    • 16.06.2010 um 7:29 Uhr

    Interessanter Vorschlag. Dann wird also das Kind lernen - Schulkueche = furchtbar weil Kantine = vegetarisch. Mama/Papa kocht = lecker = FLEISCH!

    Und ganz wichtig. Wenn vegetarisch, dann richtig. Es gibt so viele leckere Dinge ohne Fleisch. Tofu ist allerdings geschmacksneutral und schmeckt genau nach dem Gewuerz. Es ist KEIN Fleischersatz sondern Magenfueller. Und es schmeckt auch nicht "genau wie die Bratwurst/Schnitzel/" - wenn Vegetarier es essen wollen, bitte sehr. Aber sie sollen mir nicht erzaehlen, dass es wie etwas schmeckt, was Sie nicht moegen.

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    würde zum Bürgerkrieg führen.
    Als Vegetarier kann ich folgendes zur Diskussion beitragen. Es gibt sehr wohl ausgezeichnete vegetarisches Schnitzel, Würste, Burger, Steaks, etc. Ich wette dass viele Fleischesser es im Blindversuch nicht schaffen, ein vegetarisches Gericht zu identifizieren. Man sollte sich aber auch von der Vorstellung verabschieden, dass in einer Wurst "Fleisch" verarbeitet wird. Es sind wohl eher Schlachtabfälle mit Gewüren.

    Tofu ist hochwertiges Eiweiß. Das Essen von Tofu ist vergleichbar mit dem Essen eines Steaks. Geschickter Umgang mit Tofu ist allerdings nicht gegeben sondern muss erlernt werden. Dann kann Tofu auch geschmacklich und sogar von der Textur her eine schöne Alternative sein.

    würde zum Bürgerkrieg führen.
    Als Vegetarier kann ich folgendes zur Diskussion beitragen. Es gibt sehr wohl ausgezeichnete vegetarisches Schnitzel, Würste, Burger, Steaks, etc. Ich wette dass viele Fleischesser es im Blindversuch nicht schaffen, ein vegetarisches Gericht zu identifizieren. Man sollte sich aber auch von der Vorstellung verabschieden, dass in einer Wurst "Fleisch" verarbeitet wird. Es sind wohl eher Schlachtabfälle mit Gewüren.

    Tofu ist hochwertiges Eiweiß. Das Essen von Tofu ist vergleichbar mit dem Essen eines Steaks. Geschickter Umgang mit Tofu ist allerdings nicht gegeben sondern muss erlernt werden. Dann kann Tofu auch geschmacklich und sogar von der Textur her eine schöne Alternative sein.

  1. ... dass viele Köche einfach keine attraktiven vegetarischen Gerichte kochen können ....
    Falsch, viele Kantinenköche kochen gar keine attraktiven Gerichte, sondern produzieren innerhalb ihres Budgets mittels Halbfabrikaten der Industrie die verlangte Anzahl von Portionen.

    Die Ernährungsgewohnheiten über das Essen im öffentlichen Raum volkserzieherisch "verbesseren" zu wollen, ist recht blauäugig.
    Am effektivsten regelt den Verbrauch doch wohl der Fleischpreis, aber dazu müsste man sich vom Wohlstandsmaßstab "Billigfleisch in Mengen für alle" lösen.

  2. Da soll es doch Menschen geben, die allen Ernstes glauben, sie könnten selbst entscheiden, was sie essen. Aber Dank Frau Hamm wissen wir es jetzt besser, stellen von Schnitzel auf Grünkernbrätling um, und danken auf Knieen unserer weisen Regierung, die Tag und Nacht neue Vorschriften ersinnt, unser Leben noch gesünder zu machen.

  3. würde zum Bürgerkrieg führen.
    Als Vegetarier kann ich folgendes zur Diskussion beitragen. Es gibt sehr wohl ausgezeichnete vegetarisches Schnitzel, Würste, Burger, Steaks, etc. Ich wette dass viele Fleischesser es im Blindversuch nicht schaffen, ein vegetarisches Gericht zu identifizieren. Man sollte sich aber auch von der Vorstellung verabschieden, dass in einer Wurst "Fleisch" verarbeitet wird. Es sind wohl eher Schlachtabfälle mit Gewüren.

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    • Logeg
    • 16.06.2010 um 10:19 Uhr

    Ich habe es probiert: diese vegetarischen Schnitzel, ... sind Industrieessen wie das nicht-vegetarische Fertigzeug auch. Es schmeckt nicht.

    • Logeg
    • 16.06.2010 um 10:19 Uhr

    Ich habe es probiert: diese vegetarischen Schnitzel, ... sind Industrieessen wie das nicht-vegetarische Fertigzeug auch. Es schmeckt nicht.

  4. Die Inder schaffen es, abwechslungsreich vegetarisch zu kochen, ohne dass man das Fleisch vermissen würde. Was hierzulande als vegetarisches Menu auf den Tisch kommt, ist meist eher unattraktiv.

    Eine Leser-Empfehlung
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    • Parvis
    • 16.06.2010 um 10:35 Uhr

    Dass die indische Küche, die es als solches nicht gibt, fleischlos auskommt, ist eine Mär. Selbst Hindus ist es nicht untersagt, Fleisch zu essen. Tabu ist nur Rindfleisch.

    • Parvis
    • 16.06.2010 um 10:35 Uhr

    Dass die indische Küche, die es als solches nicht gibt, fleischlos auskommt, ist eine Mär. Selbst Hindus ist es nicht untersagt, Fleisch zu essen. Tabu ist nur Rindfleisch.

  5. Gesundes Essen in der Schulkantine?! Das war und ist auch immer noch zum scheitern verurteilt.

    Ich denke dabei nur an das Schulkantinenprogramm des englischen Sterne- und TV-Kochs Jamie Oliver.

    Sein Plan war es an englischen Schulen jeden Tag etwas frisches und gesundes auf den Teller der Kinder zu bringen.
    Er hat das vorgeführt und mit Regierungsmitgliedern besprochen und druchgerechnet.
    Seine gesunde und frische Alternative war günstiger als die ungesunden Fertigprodukte die an den Schulen zum Alltag gehörten.
    Aber was passierte in einem Feldversuch? Die Kinder sind zu McDOnald's gegangen und selbst die Eltern haben das ganze boykotiert, indem sie ihrem Kindern Hamburger und Fritten durch den Zaun der Schule gereicht haben.

    Bei so einem Problem müsste großflächiger und grundsätzlicher angesetzt werden.
    Viele Kinder mögen nicht einmal mehr den Geschmack von frischen Zutaten, weil die Fertiggerichte mit ihren Zusatzstoffen "besser" schmecken.

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    Sie haben genau Recht! Kinder mögen Essen, das nach Geschmacksstoffen schmeckt. Bananenmilchshake aus echten Bananen - iiiiiiih!"Das hat Stückchen" und ist nicht gelb. Und fragen Sie mal ein Kind, ob es Kümmel kennt. Die sind schon völlig verpeilt auf Maggi und Ketchup.

    Sie haben genau Recht! Kinder mögen Essen, das nach Geschmacksstoffen schmeckt. Bananenmilchshake aus echten Bananen - iiiiiiih!"Das hat Stückchen" und ist nicht gelb. Und fragen Sie mal ein Kind, ob es Kümmel kennt. Die sind schon völlig verpeilt auf Maggi und Ketchup.

  6. Meiner Meinung nach ist das Problem der Deutschen in Sachen Fleisch-Verzicht vor allem ein Problem der Vorstellungskraft...

    Auf den meisten Tischen steht doch jeden Tag dasselbe ein Gericht mit folgendem Aufbau: die Hälfte des Tellers ist mit Fleisch bedeckt. Die andere Hälfte teilen sich der Soßen-Träger (Nudeln, Kartoffeln, Reis) und eine kleine Gemüsebeilage, meist nur lieblos kurz aufgetaut bleibt ja eh meist liegen....
    Wenns mal was ganz "Gewagtes" sein soll gibt es einen Auflauf der zwar Nudelauflauf heißt aber eigentlich Fleischauflauf heißen sollte.

    Versuchen diese Kochlöffel-Schwinger sich dann fleischlos zu ernähren machen sie im Grunde genauso weiter wie vorher nur ersetzen sie den Fleischteil durch noch mehr Gemüse. Und beschweren sich dann über mangelnde Vielfalt in der vegetarischen Küche.

    Vielleicht mal den kulinarischen Horizont erweitern und auf das übliche Dreierlei verzichten. Nur so viel sei gesagt: ich lebe seit meinem 12. Lebensjahr vegetarisch und bin bisher nie auf einen Fleischersatz in Form von Tofu und Ähnlichem angewiesen gewesen. Bin trotzdem gesund und eine Genießerin ;-)

  7. Tofu ist hochwertiges Eiweiß. Das Essen von Tofu ist vergleichbar mit dem Essen eines Steaks. Geschickter Umgang mit Tofu ist allerdings nicht gegeben sondern muss erlernt werden. Dann kann Tofu auch geschmacklich und sogar von der Textur her eine schöne Alternative sein.

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