"Ich kenne die Person nicht im Alltag, aber ich kenne ihr Leben"
ZEIT Wissen: Anders gefragt: Wurden die Menschen im Laufe der Jahre zufriedener?
Vaillant: Manche. Wer im Alter von 40 oder 50 Jahren eine Menge Verantwortung zu tragen hatte, die Erziehung der Kinder etwa, den Beruf, vielleicht auch noch pflegebedürftige Eltern – kurz gesagt: Wer sich um andere Menschen kümmern musste, der ist im Alter meist auch unter widrigen Umständen zufrieden. Also wieder das Thema Bindung.
ZEIT Wissen: Kommen Sie den Menschen überhaupt nah genug, um das wirklich beurteilen zu können?
Vaillant: Über die ganze Dauer der Studie, also seit mittlerweile mehr als 70 Jahren, geben die Teilnehmer regelmäßig Auskunft über ihr Leben. Zusätzlich führen Psychologen alle paar Jahre lange Gespräche mit ihnen, und im Abstand von jeweils fünf Jahren untersuchen wir sie medizinisch.
ZEIT Wissen: Sie sind heute 74 Jahre alt und leiten die Untersuchung seit mehr als 30 Jahren. Fehlt da nicht die Distanz zu den Menschen, deren Leben Sie verfolgen?
Vaillant: Als ich damals anfing, verbrachte ich erst einmal viele Monate im Archiv und las alte Fragebögen, Briefe, Gesprächsprotokolle, medizinische Gutachten und Gesundheitswerte, um die Menschen kennenzulernen, die ich von da an »betreuen« würde. Ich las, dass so manchen der Teilnehmer früher Selbstzweifel geplagt hatten, die sich aber als unberechtigt herausstellten – das wusste ich da ja häufig schon. »Du wirst in einigen Jahren schon noch merken, was du alles geschafft hast«, dachte ich beim Lesen manchmal über die Teilnehmer. Ich hatte fast väterliche Gefühle.
ZEIT Wissen: Dabei sind Sie mehr als 15 Jahre jünger als die Teilnehmer der Studie.
Vaillant: Ja, und es kommt mir vor, als gingen die Teilnehmer den Weg des Alterns vor meinen Augen und ich folge ihnen, trete in ihre Fußstapfen und versuche dabei, so viel wie möglich zu lernen.
ZEIT Wissen: Empfinden Sie es als Verlust, wenn ein Teilnehmer stirbt?
Vaillant: Den Menschen habe ich ja meistens nur in zwei oder drei langen Gesprächen getroffen. Ich kenne die Person also nicht im Alltag, aber ich kenne ihr Leben. Und das ist es auch, was mir am meisten fehlt. Alles bleibt zwar in der Akte oder ist inzwischen auf dem Computer gespeichert. Aber wenn ein Mensch stirbt, kann sich der Lauf des Lebens nicht mehr verändern, nicht mehr entwickeln. Das Leben ist zu Ende. Und das ist jedes Mal ein Gefühl des Verlustes.
- Datum 12.07.2010 - 06:55 Uhr
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- Quelle ZEIT Wissen 4/2010
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Guten Morgen,
das Interview liest sich sehr angenehm, aber...
...mir ist schleierhaft, was das Ziel der Studie sein soll, was die Messgrößen sind; die Studie erscheint mir eher eine Art detaillierte wischi-waschi Informationssamlung zu sein.
Das hätte Herr Vaillant aus dem Professor rausquetschen können.
Grüße
Das Ziel der Studie kann man dem Interview doch entnehmen. Es geht um die Alterung und das Finden von Faktoren, welche zu einem gemäß Definition erfolgreichen Leben führen.
Auch gibt es keinen Grund von Wischi-Waschi-Informationssammlung zu sprechen. Was im Interview an Methodik anklingt, lässt auf ein normales Standardvorgehen schließen, wie es in der psychologischen Forschung etabliert ist. Wenn Sie sich für die Messgrößen interessieren, können Sie doch Publikationen des Autors zu der Studie lesen: http://adultdev.bwh.harva...
Mir scheint Sie verlangen etwas viel von einem einfachen Interview.
Das Ziel der Studie kann man dem Interview doch entnehmen. Es geht um die Alterung und das Finden von Faktoren, welche zu einem gemäß Definition erfolgreichen Leben führen.
Auch gibt es keinen Grund von Wischi-Waschi-Informationssammlung zu sprechen. Was im Interview an Methodik anklingt, lässt auf ein normales Standardvorgehen schließen, wie es in der psychologischen Forschung etabliert ist. Wenn Sie sich für die Messgrößen interessieren, können Sie doch Publikationen des Autors zu der Studie lesen: http://adultdev.bwh.harva...
Mir scheint Sie verlangen etwas viel von einem einfachen Interview.
Das Ziel der Studie kann man dem Interview doch entnehmen. Es geht um die Alterung und das Finden von Faktoren, welche zu einem gemäß Definition erfolgreichen Leben führen.
Auch gibt es keinen Grund von Wischi-Waschi-Informationssammlung zu sprechen. Was im Interview an Methodik anklingt, lässt auf ein normales Standardvorgehen schließen, wie es in der psychologischen Forschung etabliert ist. Wenn Sie sich für die Messgrößen interessieren, können Sie doch Publikationen des Autors zu der Studie lesen: http://adultdev.bwh.harva...
Mir scheint Sie verlangen etwas viel von einem einfachen Interview.
Glück ist doch immer nur ein sehr kurzer Moment im Leben. Viel wichtiger finde ich Zufriedenheit, was ein nachhaltigeres Gefühl als Glück ist. Glücksmomente sind kurz, intensiv und sicher auch wichtig. Aber wer glaubt, ein lebenlang ein glückliches Leben führen zu müssen, überfordert sich. Ich strebe nicht nach Glück, ich strebe nach Zufriedenheit. Und nehme Glücksmomente dankbar an, wenn sie sich auftun.
Problematisch scheint mir bei dieser Studie, so wie sie das Interview darstellt, vor allem die Definition von einem „erfolgreichen Leben“ zu sein. Abgesehen davon, dass „erfolgreich“ ein sehr relativer und auch subjektiver Begriff ist, schließt sie aus, dass Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen (ob physischer oder psychischer Natur) kein „erfolgreiches Leben“ haben können. Dies scheint in einem bizarren Gegensatz dazu zu stehen, dass gerade zwischenmenschliche Beziehungen für ein gutes Leben verantwortlich sein sollen. Dieser Widerspruch würde sich nur vermeiden lassen, wenn man behauptet, dass besagte Menschen unzureichende Bindungen zu anderen Menschen besitzen - völlig absurd!
Des Weiteren ist es kaum verwunderlich, dass Bildung (dieser Studie zufolge) so einen großen Einfluss auf ein „erfolgreiches Leben“ hat, wenn man nur Harvard-Absolventen untersucht.
So wie ich das sehe ist diese Studie viel zu sehr interessenorientiert und überhaupt nicht aussagekräftig!
Die Medien, viele Wissenschaftler, Philosophen, Psychologen und die unvermeidlichen Coacher beteiligen sich an einer beispiellosen Jagd nach den Ursachen und Wirkungen des Glücks oder was das so viel zitierte Glücklichsein bedeuten könnte. Da werden Symposien abgehalten und Forschungsaufträge vergeben, da schwafeln Berater und Esoteriker von der Macht und der Wichtigkeit des Glücks und drehen sich doch alle im Kreis.
Der Artikel zeigt eindrücklich, was es nach empirischen Erkenntnissen wirklich mit dem Glück auf sich hat, wie überbewertet die massenpsychologisch angezettelte Jagd auf das Phänomen "Glück" bei klarer Sicht ist.
Wenn so viele Glückssucher und Glücksbringer unterwegs sind, dann liegt es nahe, dass in unserer Gesellschaft irgendetwas falsch läuft, dass die Sehnsucht nach Glück sich aus einer irrational genährten von fremd erfüllenden Prophezeiungen resultiert.
Gefährlich wird die Glückssuche, wenn sie beginnt, das Leben mit einer übergroßen Erwartungshaltung zu besetzen. Da stehen die unterschiedlichen esoterisch geprägten Methoden an erster Stelle, gleich gefolgt von der Heerschar der Lebensberater und Seelentrainer, die eine große Marktlücke entdeckt haben und diese als Goldgrube ausbeutet. Bei diesen Praktiken scheint es zumindest eine Gruppe zu geben, die immer dann "glücklich" wird, wenn die Kasse klingelt. So taucht die Frage auf, ob Glück und materialistisches Verhalten nicht sehr eng beieinander liegen. Mit BOSS und Porsche nach Shangri La!
W. Neisser
Sicher können gute Beziehungen zu den Menschen des eigenen Umfeldes ggf. sehr erfüllend sein und das eigene Dasein in vielfältiger Weise bereichern.
Doch gehört zu einem erfüllten Leben auch eine geeignete Basis, auf der sich diese Kontakte leben und pflegen lassen und diese ist nun mal ein Stück weit wesentlich auch von materiellen Parametern beeinflusst.
Ich meine damit noch nicht einmal den, im aktuellen Zeitgeist scheints unumgänglichen, Kotau vor dem Materialismus, sondern allein eine gewisse Grundversorgung muss gegeben und nachhaltig gesichert sein, damit Leben auf breiter Ebene überhaupt gelingen kann. Ist dem nicht so, wird die permanente Sorge um die eigene Existenzsicherung stets das Gemüt umwölken, wenn nicht gar Schlimmeres zeitigen!
Nun sind dies sicher nicht Probleme, mit denen sich ein ehemaliger Harvard-Absolvent je wird herumschlageb müssen. Daher sind die Studien des Professors zwar ganz nett, keineswegs aber geeignet, um daraus valide Rückschlüsse auf allgemeine Grundlagen für ein gelingendes leben zu ziehen; Schon gar nicht einer breiteren Masse, quer über alle Schichten hinweg.
Den in den Raum gestellten Altrusismus, den muss man sich nämlich auch leisten können und dies ist ohne einen gewissen finanziellen Background, eine materielle Sicherheit der eigenen Lebensgrundlagen, nicht so einfach, wie es hier durch die Studie erscheinen mag!
Da käme nun ein bGE ins Spiel, welches in diesem Kontext eine gänzlich andere, positivere Basis schaffen würde :-)))
Da ausschließlich Männer an der Studie teilnehmen, sollte auch konsequenterweise statt von "Menschen" allgemein, der treffenderen Differenzierung halber auch durchweg von "Männern gesprochen werden. Aus den Verläufen ihrer Leben überhaupt allgemeingültige Schlüsse ziehen, ist aufgrund der neueren Hirnforschung schlichtweg falsch!!!
Es handelt sich also durchweg um eine männerspezifische Glücksforschungs-Studie, die allerdings offenbar eine Menge allgemeiner menschliche Binsenwahrheiten bestätigt, die meine Oma bereits wusste.
Das gleichmacherisch glattzureden, wie der 74-jährige Professor es tut, entspricht der Ideologie der 68er, dass Männer und Frauen völlig gleich seien (bes.populistisch propagiert von A.Schwarzer, "Der kleine Unterschied", der wie man heute besser weiß, psychologisch und soziologisch ein sehr großer ist.)
Dabei wurde und wird - wie hier dokumentiert - immer noch GLEICHWERTIGKEIT und GLEICHARTIGKEIT in einen Topf geworfen, was z.B. politisch und nahezu auf allen sozialen Ebenen in der Realität BEIDEN Geschlechtern zugleich fatalerweise nicht gerecht wird.
Neueste Literaturverweise dazu sehr zu empfehlen:
Louann Brizendine (Neurobiologin, Prof. f.Neuropsychiatrie): Das männliche Gehirn, Warum Männer anders sind als Frauen, Hoffmann u. Campe, 2010
u.dies. "Das weibliche Gehirn", TB Goldmann,2008, Spiegel-Bestseller "Das männliche Gehirn"
Es fällt auf, dass die vorangehenden Kommentare alle möglichen Vorbehalte gegen die Studie geltend machen, die gut begründet sein mögen, die aber allesamt Unverständnis für die Eigenart einer Langzeitstudie erkennen lassen, dass der methodische Ansatz nicht dem jeweils zeitgemäßen state of art angepasst werden kann. Warum also die Studie nicht als das nehmen, was sie ist und leisten kann? Die Bedeutung sozialer Bindung für die Entwicklung von Empathie ist doch ein bemerkenswerter Befund, selbst wenn er nur frühere Erkenntnisse untermauert. Und die Beschränkung der Kohorte auf männliche Harvardabsolventen schränkt die Allgemeingültigkeit der Ergebnisse zweifellos ein, aber sind diese deshalb irrelevant? Das Streben nach Vollkommenheit ist der Gier nach dem Glück sehr ähnlich. Beide erzeugen mehr Leid als alles Missgeschick, das uns sonst widerfährt. Inneren Frieden und damit ein gelungenes Leben werden wir nur finden, wenn wir nicht mehr fordern als das unter den jeweiligen Begrenzungen Erreichbare und wenn wir bereit sind, unserem Scheitern oder der Erfahrung von Leid nicht mit Bitternis und Auflehnung zu begegnen, sondern sie als das anzunehmen, was unser Leben mit all seinen Licht- und Schattenseiten ausmacht.
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