Datenschutz Die kleinen Spione der großen KonzerneSeite 3/3

Aus den ungleich komplexeren Mobilfunkgraphen kann Sense Networks – in Abhängigkeit von Ort und Zeit – Nutzergruppen herausdestillieren. Ein Beispiel: Wer in einem trendigen Stadtteil wohnt, sich tagsüber im Bankenviertel und abends in einer Gegend mit teuren Szenerestaurants aufhält und dann häufig mit Leuten telefoniert, die ein ähnliches Bewegungsprofil haben, kann mit einiger Sicherheit in die Gruppe der Spitzenverdiener einsortiert werden. Diese Information kann Sense Networks wiederum an Werbenetzwerke verkaufen, die passende Werbung auf die Handys schicken.

»Vor fünf Jahren hätte man solche Analysen noch nicht machen können«, sagt Vincent Blondel, Data-Mining-Forscher an der Université Catholique im belgischen Löwen. Damals habe es noch keine geeigneten Algorithmen gegeben, um Netzwerke mit Millionen Knoten schnell zu analysieren. »Heute können Sie die mathematische Auswertung über fünf, sechs Ebenen bis an eine einzelne Person heranzoomen«, sagt Blondel. Er selbst hat in einer Untersuchung der Daten von zwei Millionen belgischen Handynutzern festgestellt, dass französisch und niederländisch sprechende Belgier in zwei getrennte Gruppen zerfallen, die miteinander so gut wie gar nicht kommunizieren – und damit ein Abbild der kulturellen Spaltung Belgiens produziert.

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In der Datenschutzdebatte hat man sich lange damit beruhigt, dass alle, die Datenmassen anhäufen, kaum in der Lage wären, sie sinnvoll zu verarbeiten. Das ändert sich allmählich. Solange Datensätze anonymisiert sind und ihre Analyse Verbrauchern noch mehr Werbung beschert, ist das nur ein Ärgernis. Der Übergang zur gezielten Manipulation ist jedoch fließend.

Besonders heikel wird es, wenn die Anonymität der Daten verloren geht. Durch einen Abgleich mit anderen Datenbanken könnte man aus Zeitpunkt und Aufenthaltsort in einem Mobilfunkdatensatz auf einzelne Personen zurückschließen, sagt Blondel. Die Informatiker Arvind Narayanan und Vitaly Shmatikov haben einen Algorithmus entwickelt, mit dem sie bekannte Nutzer des Mikroblogging-Dienstes Twitter auch aus einer anonymisierten Analyse von Twitter-Nachrichten identifizieren können, wenn sie Daten aus dem Fotodienst Flickr hinzunehmen. Zwar beträgt die Fehlerrate noch 12 Prozent, aber die beiden Forscher warnen davor, die Möglichkeiten einer »De-Anonymisierung« zu unterschätzen.

Verknüpfungen von Datensätzen und Identität sind oft rechtswidrig, ja gar kriminell. Doch gibt es im Datenschutzrecht genug Grauzonen, die von den neuen Profilern in der Wirtschaft kreativ genutzt werden – nach dem Motto: Was nicht explizit verboten ist, ist erlaubt. Für die vernetzte Gesellschaft müsste dieser Grundsatz dringender denn je umgedreht werden. Carola Elbrecht vom vzbv formuliert es so: »Nichts darf geschehen, ohne dass der Verbraucher eingewilligt hat und Bescheid weiß.«

 
Leser-Kommentare
    • sane
    • 01.09.2010 um 11:20 Uhr

    In den Beschaffungsabteilungen von Konzernen bereits üblich, Posten unter einem Preis X werden weder wirklich geprüft noch ihr Preis verhandelt, weil das viel teurer ist als einfach zu kaufen.

    Auf Endkonsumenten übertragen, könnte das so aussehen: Man gibt Limits an, Stückkosten unter 5 Euro und Gesamtbetrag für einen Monat auf 300 Euro. Die werden nun anhand des Bedarfs, der sich aus der Kaufhistorie ergibt, und der Vorlieben aus dem Werbeprofil möglichst effizient (natürlich sponsored der Marken) ausgegeben. Fertig ist der automatische Einkauf.

    Heißt: Nie mehr Zahnpasta aussuchen und kaufen oder Klopapier.

  1. durch die zahlreichen artikel und diskussionen ueber datenschutz stelle ich erfreut fest, dass endlich die natur des internets erkannt wird. das internet ist ein oeffentlicher(!) raum in dem jeder nuter in beziehung zu einem netzwerk (websites, p2p, etc..) steht sobald er informationen einbringt, und sei es nur doch die ip. das einzige problem besteht lediglich in der dauerhaften speicherung der (verbindungs-)daten. dort besteht meines erachtens gesetzlicher regelungsbedarf, alles andere obliegt im ermessen des users.

    • dth
    • 01.09.2010 um 11:31 Uhr

    Die Optionen für Flash-Cookies sind etwas dürftig, aber man kann zumindest einsehen, welche Cookies es gibt und wie viel Speicher verwendet werden darf:
    http://www.macromedia.com...
    Außerdem gibt es Browsererweiterungen, bei denen man Flash nur bei Bedarf aktivieren kann. Das macht das Surfen ohnehin schneller und angenehmer und erlaubt nur den wenigen Seiten die Nutzung von Flash-Cookies, die Flash tatsächlich für etwas sinnvolles verwenden (und nicht für Werbebanner o.ä.)

    Beacons und ähnliche Techniken (wie sie z.B. auch Google Analytics verwendet) ist tatsächlich schwer beizukommen und sind Datenschutzrechtlich auch ziemlich fragwürdig. Man kann natürlich das Laden externer Resourcen unterbinden (überigens für HTML-Mails recht sinnvoll), was aber nicht wirklich pragmatisch ist.

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    beacons und web analytics kann man mit den firefox-addons ghostery, bzw no-script und adblock relativ gut beherrschen.

    beacons und web analytics kann man mit den firefox-addons ghostery, bzw no-script und adblock relativ gut beherrschen.

  2. beacons und web analytics kann man mit den firefox-addons ghostery, bzw no-script und adblock relativ gut beherrschen.

    Antwort auf "Cookies"
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    Die LSOs hat man damit aber nicht unter Kontrolle, dies gelingt erst mit BetterPrivacy, u.a mit der Option --> Flahplayer Standard-Cookie löschen.
    Bei Ghostery kann man unter Optionen --> Blocking --> Alle anklicken, was das Handling sehr erleichtert.

    Und erst alle diese add-ons (Ghostery, No-Script, AdBlock Plus inkl. detschem Abo, BetterPrivacy) sinnvoll kombiniert, bringen einigermaßen Ruhe.

    Egal wie gut man sich vor der Sammelwut auch immer schützen mag, ändert dies nichts daran, dass die Methoden der Industrie immer mehr kriminellen Character annehmen.
    Niemand fragt mich, ob ich möchte, dass diese Daten gesammelt werden.
    In manchen Fällen ist dies vielleicht ja sogar sinnvoll.
    So finde ich die Methode von Amazon gut, dass ich, indem ich dort mein Profil bearbeite, nur Hinweise/Werbung über Produkte erhalte, die mich auch interessieren. Und ich kann dies natürlich auch so einrichten, dass ich gar keine Werbung mehr erhalte, So etwas nenne ich vorbildlich.
    Bei Amazon laufen übrigens auch keine Tracker.

    Die LSOs hat man damit aber nicht unter Kontrolle, dies gelingt erst mit BetterPrivacy, u.a mit der Option --> Flahplayer Standard-Cookie löschen.
    Bei Ghostery kann man unter Optionen --> Blocking --> Alle anklicken, was das Handling sehr erleichtert.

    Und erst alle diese add-ons (Ghostery, No-Script, AdBlock Plus inkl. detschem Abo, BetterPrivacy) sinnvoll kombiniert, bringen einigermaßen Ruhe.

    Egal wie gut man sich vor der Sammelwut auch immer schützen mag, ändert dies nichts daran, dass die Methoden der Industrie immer mehr kriminellen Character annehmen.
    Niemand fragt mich, ob ich möchte, dass diese Daten gesammelt werden.
    In manchen Fällen ist dies vielleicht ja sogar sinnvoll.
    So finde ich die Methode von Amazon gut, dass ich, indem ich dort mein Profil bearbeite, nur Hinweise/Werbung über Produkte erhalte, die mich auch interessieren. Und ich kann dies natürlich auch so einrichten, dass ich gar keine Werbung mehr erhalte, So etwas nenne ich vorbildlich.
    Bei Amazon laufen übrigens auch keine Tracker.

  3. Die LSOs hat man damit aber nicht unter Kontrolle, dies gelingt erst mit BetterPrivacy, u.a mit der Option --> Flahplayer Standard-Cookie löschen.
    Bei Ghostery kann man unter Optionen --> Blocking --> Alle anklicken, was das Handling sehr erleichtert.

    Und erst alle diese add-ons (Ghostery, No-Script, AdBlock Plus inkl. detschem Abo, BetterPrivacy) sinnvoll kombiniert, bringen einigermaßen Ruhe.

    Egal wie gut man sich vor der Sammelwut auch immer schützen mag, ändert dies nichts daran, dass die Methoden der Industrie immer mehr kriminellen Character annehmen.
    Niemand fragt mich, ob ich möchte, dass diese Daten gesammelt werden.
    In manchen Fällen ist dies vielleicht ja sogar sinnvoll.
    So finde ich die Methode von Amazon gut, dass ich, indem ich dort mein Profil bearbeite, nur Hinweise/Werbung über Produkte erhalte, die mich auch interessieren. Und ich kann dies natürlich auch so einrichten, dass ich gar keine Werbung mehr erhalte, So etwas nenne ich vorbildlich.
    Bei Amazon laufen übrigens auch keine Tracker.

    Antwort auf "add-ons"
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    Haha, ich bin fast vom Stuhl gefallen. Sie täuschen sich gewaltig - nicht jeder nutzt third party produkte zum tracken.

    schon der simple Aufruf einer Seite ist bereits "getrackt". Verlassen sie sich darauf, dass jeder Klick auf Amazon mit ihnen in verbindung gebracht wird.

    Haha, ich bin fast vom Stuhl gefallen. Sie täuschen sich gewaltig - nicht jeder nutzt third party produkte zum tracken.

    schon der simple Aufruf einer Seite ist bereits "getrackt". Verlassen sie sich darauf, dass jeder Klick auf Amazon mit ihnen in verbindung gebracht wird.

  4. Haha, ich bin fast vom Stuhl gefallen. Sie täuschen sich gewaltig - nicht jeder nutzt third party produkte zum tracken.

    schon der simple Aufruf einer Seite ist bereits "getrackt". Verlassen sie sich darauf, dass jeder Klick auf Amazon mit ihnen in verbindung gebracht wird.

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    ... sehr sparsam mit meinen Daten bin, täuschen Sie sich da sehr.

    Dort wo keine Cookies, keine LSO's und keine Tracker mitprotokoliere, bzw. nach Verlassen des Browsers gelöscht werden, können auch keine Daten gesammelt werden.

    Über mich finden Sie nichts relevantes im Netz.
    Kein Facebook, kein Chat, keine Kundenkarten, kein Nix.
    Mehrere Kreditkarten. Jede benutze ich wo anders.
    Mehrere Rechner mit verschiedenen LinuxVersionen, jeder Browser hat andere add-ons geladen.
    Manchmal browse ich sogar unter Windows, verschiedene Windows Versionen, verschiedene Add-Ons.
    Es gibt auch überall die Möglichkeit mit Rechnung zu bestellen, Bonität vorausgesetzt.

    Ein Freund von mir wollte mir dies auch nicht glauben, und obwohl er sich gut auskennt, konnte er nichts relevantes über mich finden.
    Merke: Wo keine Querverweise ermittelt werden können, können auch keine Daten gesammelt werden.
    Ich bewege mich allerdings auch seit einer kleine Ewigkeit fast nur noch mit Linux im Netz, und habe auch nirgends den gleichen Benutzernahmen.

    Leider muss man heutzutage sich wie ein ausgewachsener Paranoiker verhalten, um sich zu schützen.

    ... sehr sparsam mit meinen Daten bin, täuschen Sie sich da sehr.

    Dort wo keine Cookies, keine LSO's und keine Tracker mitprotokoliere, bzw. nach Verlassen des Browsers gelöscht werden, können auch keine Daten gesammelt werden.

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