ElektroschrottFriedhof der Computer

Im Westen ausgedient, in Afrika entsorgt – Tausende Tonnen Elektroschrott werden jährlich illegal nach Ghana exportiert und dort zerlegt. Die Folgen für die Menschen sind verheerend. von Anna Maria Priebe

Sie waren mal das Maß aller Dinge, schienen unverzichtbar – bis neuere, schnellere Modelle kamen und sie aus den Büros und Arbeitszimmern verdrängten. Hunderttausende aussortierte Computer liegen im Staub von Agbogbloshie, zusammen mit alten Fernsehern und Druckern. In dem Slum am Rande der ghanaischen Hauptstadt Accra liegt die größte Elektromülldeponie des Landes. Auf einem Quadratkilometer Fläche erstrecken sich Berge zertrümmerter Geräte und qualmende Feuerstellen.

Computer haben in Industrieländern im Durchschnitt nur eine Lebensdauer von zwei oder drei Jahren, bevor sie ersetzt werden. Es ist eine Verschwendung von Ressourcen, von der die Menschen auf der Schrottdeponie ein wenig profitieren wollen. Sie gewinnen Rohstoffe aus entsorgten Elektrogeräten und verkaufen sie weiter. Die Menschen riskieren dabei ihre Gesundheit, dennoch ist die Arbeit für viele verlockend. Wie auch in anderen Entwicklungsländern hat sich daraus in Ghana ein eigener Wirtschaftszweig entwickelt. Bis zu 13.000 Tonnen sogenannter e-waste (electronic waste) werden hier jährlich auf der Suche nach Stahl, Kupfer oder Aluminium verarbeitet. Auch Geräte aus Deutschland landen hier.

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ZEIT Wissen 6/2010
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Das dürfte eigentlich nicht sein. Denn der Export von Elektroaltgeräten ist hierzulande verboten. Das Elektro- und Elektronikgerätegesetz von 2005 fordert die Verbraucher dazu auf, alte oder defekte Geräte kostenlos auf den Recyclinghöfen ihrer Kommunen abzugeben. Von dort aus werden sie fachgerecht entsorgt – auf Kosten der Hersteller.

2006 wurden auf diese Weise 754.000 Tonnen Elektromüll gesammelt. Doch die Gesamtmenge an Elektroschrott liegt deutlich höher. Von den weltweit jährlich 50 Millionen Tonnen Elektroschrott stammen zwischen 1,3 und 1,5 Millionen Tonnen aus Deutschland. "Die genauen Zahlen zu ermitteln ist unglaublich schwer, denn was nicht bei den Recyclinghöfen landet, wird natürlich nicht erfasst", sagt Joachim Wuttke, der beim Umweltbundesamt der Experte für diese Fragen ist.

Ein großer Teil der alten Geräte landet auf illegalen Schrottplätzen oder bei privaten Sammlern. Da diese keinen elektronischen Abfall nach Afrika oder Asien verschiffen dürfen, deklarieren sie die Geräte als intakte Gebrauchtware – deren Export erlaubt ist. Sie verkaufen den Schrott an Entwicklungsländer weiter und machen damit ein Geschäft.

Einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes zufolge importierte Ghana im Jahr 2006 fast 6000 Tonnen elektronische Geräte aus der Bundesrepublik. Wie viele davon wirklich noch zu gebrauchen waren und wie viele gleich vom Ankunftshafen nach Agbogbloshie transportiert wurden, steht nicht in den Statistiken. Wer kann schon überprüfen, ob wirklich alle 200 Computer in einem Container funktionieren? "In der ersten Reihe stehen oftmals Geräte, die tatsächlich verwendet werden können, dahinter kommt nur noch Abfall", sagt Kristine Koch, die beim Umweltbundesamt zur Entsorgung von Elektrogeräten forscht.

Leserkommentare
  1. was ich im übrigen nicht bezweifle, dann sollte man die Ausfuhren stärker kontrollieren.

    Wenn in der ersten Reihe oftmals Geräte stehen, die tatsächlich verwendet werden können und dahinter nur noch Abfall kommt, dann muß man das Personal aufstocken und dahinter schauen.

    Wir werden doch noch genügend Know-how haben, um die Gesundheit der Menschen in Ghana vor Schaden zu bewahren.

    Aber, mir scheint, daß eine Schädigung in Kauf genommen werden soll, weil man den Warenverkehr und die Geschäftemacherei nicht stören will.

    • Gafra
    • 23. November 2010 12:26 Uhr

    denen zuvor durch europäische Riesenfischfangflotten die Existenzgrundlage geraubt wurde, werden hier hart bestraft werden.
    Die Herrschaften, die ihrern Dreck in diese Region exportieren und da Natur und Menschen schädigen, die gehen selbstverständlich unbestraft durchs Leben, und wenn sie mal belangt werden, dann ist es eine kleine Geldstrafe.

  2. Wie so häufig, wird man eine Lösung nur über das Portemonnaie schaffen. Warum sollte bei Computern inkl. Peripherie nicht möglich sein, was bei Autoakkumulatoren schon seit Jahren Gang und Gäbe ist?

    Aber, was bedeutet schon die Gesundheit hunderter oder tausender Afrikaner/Asiaten, gegen den schnellen Gewinn einiger Popanze in Deutschland, anderen EU - Ländern, USA etc..

  3. Während der Suche nach Drogen werden Container von vorne bis hinten ausgeräumt, weil die Vorgehensweise von Schmugglern illegaler Ware bekannt ist. Warum wird hier nicht ähnlich Verfahren, dadurch liesse sich doch bestimmt einiger Schindluder aufdecken. Vermutlich wird ein Erfolg bei der Drogenfahndung höher bewertet als ein Fund von Elektroschrott, scheint also keine ausreichende Motivation zu sein solche erbärmlichen Aktionen zu unterbinden (E-Waste-Schmuggel).
    Weiterhin bleibt noch überdenken, ob wirklich jedes zweite oder dritte Jahr ein neuer Rechner lebensnotwendig ist, oder ob der Umwelt und den Menschen zuliebe nicht doch wieder langfristige / nachhaltige Anschaffungen das Ziel sein sollten !?!?

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    Bei Notebooks wird man - wenn man mobil bleiben will - oft spätestens nach so 3 Jahren zum Neukauf gezwungen.
    Wenn der Akku den Geist aufgibt und einer neuer Akku knapp ein drittel des Computerpreises kostet ist ein neuer Computer die bessere Investition. Auch weil man nicht weiß in welchem Zustand die eigene Festplatte im alten Notebook ist.
    Das setzt natürlich voraus dass der Akku überhaupt noch zu erhalten ist - mein Notebook ist nun 2,3 Jahre alt, etwa 10% Akkuleistung verloren wenn ich mich nicht irre - aber wie lange ich das noch weiternutzen kann... und ja, ich brauche den Akku mit der Akkuleistung regelmäßig.

    Bei dem "Kleinkram" a la Mobiltelefone ist es schlicht und einfach Mode immer neue Geräte zu kaufen - auch weil sie durch Mobilfunkverträge Subventioniert werden - da schließt man bei der erstbesten Gelegenheit einen neuen Vertrag ab um ein neues Gerät zu bekommen.
    Auch sind viele Geräte heute so konzipiert dass sie mehrere Jahre gar nicht überleben würden.

    Das übersieht jetzt auch noch andere elektronische Helferchen wie Satellitennavigation, PDAs MP3 player - letztere wieder oftmals ein billiges Massenprodukt. Wenn Ein MP3 Player/Spieler nur wenige € kostet kann er weder besonders stabil sein noch besonders lange halten, er muss kaputtgehen damit der Kunde ihn ersetzt und der Hersteller weiter produzieren kann.

    Und um zurück zu den Computern/Notebooks zu kommen - als ich von meinem damals "alten Notebook" (1,6GHz Pentium M, 1GB RAM) auf mein neues wechselte (2,5GHz Core2Duo, 4GB RAM) war es eigentlich "overkill" - na ja, seitdem habe ich mit der Photographie angefangen - hätte ich das Geld gehabt, ich hätte vermutlich schon ein neues gekauft - 21MP Photos und HD Filmchem brauchen eine Menge Rechenleistung - und nein, einen Desktop habe ich nicht und zu unpraktisch wäre er mir auch.
    Ja, mein Notebook schafft es noch die Aufgaben zu bewältigen - aber es ginge auch schneller...

    Drogen tragen ja auch nicht zum Bruttoinlandsprodukt bei.

  4. ... interessiert es Niemanden mehr.
    Autos und LKWs aus Holland etc. werden bis zur Karosse zerlegt um Drogen (, die vielleicht nicht einmal so schädlich sind wie manche Stoffe im Elektroschrott) zu finden und bei Containiern mit "intakten Elektroartikeln" wird gerade einmal die erste Reihe kontrolliert.

    Das ist ein "wirklich gutes" System, aber anscheinend Interessiert nur die eigene Gesundheit, nicht die von unzähligen Afrikanern.

  5. damit die Gesundheit von Einwohnern der Industrielaender ja keinen Schaden erleidet...da gibt es leider unzaehlige Beispiele. Die Faesser werden zB aufs Geratewohl in ein Meer vor der Küste des betroffenen Entwicklungslandes gekippt, andere Gebinde wiederum entdeckt man in abgelegenen Berggebieten..etc. Mehr denn bedauerlich ist dabei, dass die Entsorgung die allergrössten Schwierigkeiten bereitet. In vielen Faellen leugnen die Verursacher, dass sie die Schadstoffe in das betroffene Land transportiert und/oder in dessen Küstengewaesser versenkt haben; müssen die Verursacher -weil bewiesen- ihre Tat gestehen, versuchen sie, sich der Rücknahme zu entziehen, zumindest diese (sehr oft um Jahre) zu verzögern.

    Es müsste, um diesem Missbrauch vorzubeugen, ein streng kontrolliertes internationales Reglement geben..schliesslich duldet die Gesundheit von armen, bedürftigen Menschen in zumeist schlecht entwickelten Laendern keine Diskriminierung..krank ist krank, ob da oder dort, abgesehen davon, dass in solchen Laendern die Chancen für eine richtige Behandlung nur sehr sehr gering sind.

    Sonst ergibt sich im Laufe der Jahre die mittelalterliche Situation, dass Adelige einen Anspruch auf luxeriöses Leben haben, derweil Hörige und Leibeigene ihrem Schicksal überlassen werden. Das mag etwas übertrieben sein, aber es gibt zu bedenken..

  6. Bei Notebooks wird man - wenn man mobil bleiben will - oft spätestens nach so 3 Jahren zum Neukauf gezwungen.
    Wenn der Akku den Geist aufgibt und einer neuer Akku knapp ein drittel des Computerpreises kostet ist ein neuer Computer die bessere Investition. Auch weil man nicht weiß in welchem Zustand die eigene Festplatte im alten Notebook ist.
    Das setzt natürlich voraus dass der Akku überhaupt noch zu erhalten ist - mein Notebook ist nun 2,3 Jahre alt, etwa 10% Akkuleistung verloren wenn ich mich nicht irre - aber wie lange ich das noch weiternutzen kann... und ja, ich brauche den Akku mit der Akkuleistung regelmäßig.

    Bei dem "Kleinkram" a la Mobiltelefone ist es schlicht und einfach Mode immer neue Geräte zu kaufen - auch weil sie durch Mobilfunkverträge Subventioniert werden - da schließt man bei der erstbesten Gelegenheit einen neuen Vertrag ab um ein neues Gerät zu bekommen.
    Auch sind viele Geräte heute so konzipiert dass sie mehrere Jahre gar nicht überleben würden.

    Das übersieht jetzt auch noch andere elektronische Helferchen wie Satellitennavigation, PDAs MP3 player - letztere wieder oftmals ein billiges Massenprodukt. Wenn Ein MP3 Player/Spieler nur wenige € kostet kann er weder besonders stabil sein noch besonders lange halten, er muss kaputtgehen damit der Kunde ihn ersetzt und der Hersteller weiter produzieren kann.

    Und um zurück zu den Computern/Notebooks zu kommen - als ich von meinem damals "alten Notebook" (1,6GHz Pentium M, 1GB RAM) auf mein neues wechselte (2,5GHz Core2Duo, 4GB RAM) war es eigentlich "overkill" - na ja, seitdem habe ich mit der Photographie angefangen - hätte ich das Geld gehabt, ich hätte vermutlich schon ein neues gekauft - 21MP Photos und HD Filmchem brauchen eine Menge Rechenleistung - und nein, einen Desktop habe ich nicht und zu unpraktisch wäre er mir auch.
    Ja, mein Notebook schafft es noch die Aufgaben zu bewältigen - aber es ginge auch schneller...

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    • rasibok
    • 23. November 2010 18:18 Uhr

    Originalakkus der Hersteller sind teilweise ab ca. 80€ zu haben (z.B. Dell)
    Festplattentausch habe ich kürzlich ebenfalls bei einem alten Apple iBook (6 Jahre alt und noch immer gut verwendbar) durchführen lassen - Materialpreis der Festplatte (320 GB) ca. 85€

    Arbeitsspeicher lässt sich auch ohne Probleme nachrüsten - so kann die Lebensdauer von vermeintlichen Altgeräten locker um nochmal zwei Jahre verlängert werden.

    Mit Qualitätsware hat man in der Regel länger seine Freude, so meine persönliche Erfahrung, dass das 500€ Notebook nach spätestens zwei Jahren den Geist aufgibt darf hingegen niemanden wundern...

    Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars, ob dieser das Artikelthema diskutiert. Danke, die Redaktion/fk.

  7. Mir fällt, wenn es bereits die Regel ist, zum ersten Mal auf, dass sie ihre Quellen offengelegt haben. Darauf warte ich zu Recht seit Jahren und das finde ich unglaublich gut und wichtig. Kompliment über Kompliment über Kompliment.

    Grüße!

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