Mit Videos, TV-Serien und Onlinerollenspielen ist das Internet zur weltumspannenden Entertainment-Maschine geworden. Netzbetreiber verfolgen das mit Argwohn: Die wachsenden Datenmassen verstopften ihre Leitungen, klagen sie – vor allem die mobilen Datenautobahnen, über die Millionen Smartphones online gehen. Sie könnten nicht mehr garantieren, dass alle Daten rechtzeitig ans Ziel kommen. Die Folge: Videos ruckeln, Onlinetelefonate stocken.

Zudem stören sich Netzbetreiber daran, dass einige Anbieter an den datenintensiven Diensten gut verdienen, während sie die Kosten für den Ausbau der Leitungen tragen. Warum nicht also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen? Nahe liegt die Idee, ein Zwei-Klassen-Netz zu schaffen, in dem zeitkritische Daten gegen Aufpreis Vorfahrt haben. Manch zahlungskräftiger Anbieter dürfte an solch einem Modell durchaus Interesse haben, Google etwa scheint darüber nachzudenken: Vor Kurzem schrieb die New York Times, der Konzern verhandele mit einem Mobilfunkbetreiber über eine Bevorzugung etwa seiner YouTube-Videos.

Dabei hatte sich Google bislang immer stark eingesetzt für die sogenannte Netzneutralität. Dieses kluge Grundprinzip des Internets besagt: Alle Daten sind gleich – sie werden, ungeachtet des Inhalts und des Übertragungsformats, nach demselben Schema weitergeleitet. Der Vorteil: Das Netz kann Daten nach simplen Regeln übermitteln. Technisch wäre es dank des Internet-Protokolls (IP) zwar machbar, Datenpakete für eine bevorzugte Durchleitung zu markieren. Ein solches intelligentes Netz wäre aber deutlich aufwendiger zu betreiben als das bisherige.

Zudem hat die Neutralität auch zum rasanten Internet-Wachstum beigetragen, weil neue Anbieter sich nicht um die Struktur kümmern mussten, sondern ihre Daten nach den einfachen Standards einspeisen konnten. Außerdem jammern die großen Netzbetreiber zu Unrecht. Anbieter und Nutzer haben über die angeschlossenen Internet-Provider schließlich immer schon für den Datentransport bezahlt. Vor allem wäre es jedoch gefährlich, die Netzneutralität aufzugeben: Dank der Überwachungstechnologie Deep Packet Inspection können die großen Netzbetreiber Datenpakete heute minutiös auf ihren Inhalt hin prüfen. So könnten sie die Veröffentlichung missliebiger Inhalte behindern. Auch könnten sie ihre eigenen Onlinedienste wie Videostreaming bevorzugen.

Ein Ende der Netzneutralität würde den großen Netzbetreibern eine Machtstellung verschaffen, die weder Innovationen, Chancengleichheit noch Datenschutz zuträglich ist. Das demokratische Medium Internet wäre verloren.