Den Begriff "gesund" vermeiden

"Auf keinen Fall ›gesund‹ draufschreiben! Kinder verknüpfen ›gesund‹ mit Bevormundung und Zwang sowie mit der Erfahrung ›schmeckt sowieso nicht‹, da Eltern sie oft drängen, die so betitelten Produkte zu essen. Besser ist es, über den guten Geschmack zu motivieren: ›Probier doch mal den Brokkoli, der ist richtig lecker!‹ Und wenn positiv besetzte Vorbilder (Eltern, Großeltern, Freunde) den Brokkoli mit Genuss essen, werden Kinder aus dieser Beobachtung lernen und das Essverhalten übernehmen.

Das Wort ›gesund‹ sollte im Zusammenhang mit Essen und Trinken gar nicht benutzt werden, es schadet mehr, als es nützt! Letztlich gibt es auch keine gesunden und ungesunden Lebensmittel – nicht das einzelne Produkt, sondern die Gesamtauswahl über einen längeren Zeitraum entscheidet, ob Essen die Gesundheit fördert oder ihr schadet."

Thomas Ellrott, Ernährungspsychologe, Universitätsmedizin Göttingen

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Obst in die Schulklasse liefern

"Eigentlich ganz einfach – indem man selber gesund isst. Und mit Kindern kocht. Unsere Erfahrung zeigt aber: Vielen Kindern wird zu Hause gesunde Ernährung nicht mehr vorgelebt. Deshalb versuchen wir über das NRW-Schulobstprogramm, mit einer täglichen Portion frischem Obst und Gemüse die Essgewohnheiten von Kindern positiv zu beeinflussen. 85.000 Kinder im Grundschulalter bekommen jeden Morgen ihr ganz persönliches Obst und Gemüse in die Klasse geliefert.

Gemeinsam werden Apfel, Tomate und Co. klein geschnitten, ältere Schüler helfen den jüngeren. Zum Programm gehören auch Besuche auf dem Bauernhof und Unterricht zu gesunder Ernährung. Das Schulobstprogramm hilft uns dabei, Wissen spielerisch, mit Anfassen und Ausprobieren zu vermitteln. Und als Belohnung darf das Lernmittel dann gegessen werden.

Johannes Remmel, Verbraucherschutzminister von Nordrhein-Westfalen

"Vorsicht vor Disney-Figuren

"Bonbons mit Vitaminen, Frühstücksflocken mit ›Vollkorngarantie‹, Schokolade mit der ›Extraportion Milch‹: Die Supermärkte sind voll von augenscheinlich gesunden Produkten für Kinder. Und wie man Kindern diese Produkte nahebringen kann, wissen die Lebensmittelhersteller auch ganz genau – mit Disney-Figuren, Aufklebern und Sammelpunkten als Dreingabe. 2,8 Milliarden Euro gibt die Branche im Jahr für Werbung aus, mehr als die Autoindustrie. Größter Posten: Werbung für Schokolade und Zuckerwaren.

Niemand hat etwas dagegen, wenn Kinder mal etwas Süßes essen. Aber dann müssen sie Süßigkeiten auch als solche erkennen können. Vitamine machen aus Bonbons noch kein Obst, und 31 Prozent Vollkorn aus Cini Minis (33 Prozent Zucker!) kein Vollwertfrühstück.

Deshalb gilt: Vorsicht bei allem, was schreit: ›Ich bin gesund!‹"

Christiane Groß, Sprecherin von foodwatch