Es ist eine Art launischer und strenger Pförtner, der die Bronchien von Asthmatikern bewacht – das Portal, das die geschützte Lunge mit der zuweilen unzuträglichen Umwelt verbindet. Empfindlich reagiert der Pförtner etwa dann, wenn die Luft abends auf einer Feier rauchig wird. Dann stellt er die Bronchien eng – und mancher Asthmatiker muss erst einmal an die frische Luft.

»Es mag zynisch klingen, aber wer an Asthma leidet, hat meist eine sauberere Lunge als der durchschnittliche Stadtmensch«, sagt der Hamburger Lungenarzt Hein ten Hoff. Im Grunde sei mancher Asthmatiker wie ein hochempfindlicher Sensor für Schadstoffe in der Luft.

Mareike Clausing, 21 Jahre alt und Asthmatikerin, würde gerne auf diese Rolle verzichten. Seit bei ihr vor zwölf Jahren Asthma diagnostiziert wurde, muss sie ständig ein Inhalierspray bei sich tragen, mit dem sich die Bronchien während eines Asthmaanfalls wieder weiten lassen. »Damit fühle ich mich sicher«, sagt sie. Trotzdem holt sie es ungern vor Menschen heraus – nur dann, wenn sich die Lunge wirklich zuzieht und ein Anfall unmittelbar bevorsteht. »Gebrauche ich es dann, sehen mich manche Leute komisch an. Sie kennen mich ja nicht mit Spray«, erzählt Mareike.

Asthma sei eine weitgehend unsichtbare Krankheit, und das mache es eben nicht immer leicht, in der Gesellschaft ernst genommen zu werden. Mareike Clausings behandelnder Arzt Tibor Schmoller sieht das ähnlich. Er schob deswegen ein Projekt an, mit dem er unter Kindern ein besseres Bewusstsein für die Krankheit schaffen will: eine Wanderausstellung, die etwa im vergangenen Jahr in Hamburger Schulen unterwegs war.

Bunte Schaubilder erklären den Schülern anschaulich, was Asthma ist: Das eigene Abwehrsystem reagiert überempfindlich auf manche Reize, in der Folge verengen sich die Bronchien. Mit seinem Projekt will er keine Angst erzeugen, sondern Verständnis schaffen. »Aufklärung ist wichtig. Nicht nur, weil sie die Akzeptanz erhöht«, sagt Schmoller. Auch um den Kindern die Risiken klarzumachen.

Die Anlage für Asthma wird zwar überwiegend innerhalb der Familie durch die Gene weitergegeben. Tatsächlich zum Ausbruch kommt die Krankheit häufig aber nur, wenn entsprechende Reize vorhanden sind, auf die das Abwehrsystem überreagiert. Bei dem einen Asthmatiker kann das psychischer oder körperlicher Stress sein, der täglich zu Anfällen führt, beim anderen kalte Luft, die nur in den Wintermonaten alle paar Wochen ein klammes Gefühl im Hals auslöst.

Asthmatiker können zwar nicht alles vermeiden, aber manches, das macht Schmoller den Kindern klar: Rauchen etwa erhöht die Wahrscheinlichkeit zu erkranken um das Dreifache.

Wer die genetischen Anlagen in sich trägt und Reizen aus dem Weg geht, die die Erkrankung befeuern, beachtet eines der wichtigsten Therapieprinzipien überhaupt: Vermeidung. »Leicht Erkrankte, die wissen, was ihr Asthma auslöst, brauchen häufig dank der Vermeidungsstrategie nicht nur jahrelang kaum Medikamente zu nehmen«, sagt ten Hoff, »manchmal sind sie sogar ganz ohne Tabletten dauerhaft beschwerdefrei.«

Gut leben als Patient: Wie wir mit Rückenschmerzen und Co. zurechtkommen (Bitte klicken Sie auf das Bild) © Karen Bleier/AFP/Getty Images

Die Übrigen verlassen sich auf die Medikamente – mit Erfolg: An einem Asthmaanfall kommt heutzutage fast niemand mehr ums Leben. Es gilt: so viel nehmen, bis Beschwerdefreiheit herrscht. Die häufig als traumatisch empfundene Luftnot soll dem Betroffenen unbedingt erspart bleiben. Damit sie den richtigen Umgang mit der Krankheit und den Medikamenten lernen, besuchen die Patienten in der Regel eine Schulung. Dort lernen sie, welche verschiedenen Arten von Asthma es gibt, wie man die Sprays und Pulver genau anwendet, was sie bewirken und was im Notfall zu tun ist. »Am Anfang muss man ein Gefühl für sein Asthma bekommen«, sagt Mareike Clausing.

Wenn man sich dann auskenne, bleibe Asthma zwar noch eine Krankheit – aber eine, mit der man ziemlich entspannt leben könne.

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