Volkskrankheit Bluthochdruck

Viele Menschen wissen nicht, dass sie erkrankt sind. Sie leben riskant, denn Bluthochdruck richtet im Körper Schäden an, schon bevor Symptome auftreten. Ist die Erkrankung erkannt, lässt sie sich gut behandeln.

Die Hälfte der an Bluthochdruck Erkrankten weiß nicht einmal, dass sie die Krankheit haben

Die Hälfte der an Bluthochdruck Erkrankten weiß nicht einmal, dass sie die Krankheit haben

Gerlind Toussaint hat es geschafft, ihren Blutdruck wieder auf einen normalen Wert zu senken, und das ist bemerkenswert. Ohne sich dessen bewusst zu sein, stand Toussaint  dreimal an einer statistischen Weggabelung, die Chancen lagen jeweils bei etwa 50:50. Dreimal gehörte die 69-Jährige zur richtigen Hälfte. Nur ein kleiner Teil der an Bluthochdruck (Hypertonie) Erkrankten in Deutschland kommt so weit wie sie.

Risikofaktoren

Einige Ursachen von Bluthochdruck lassen sich beeinflussen, hier die wichtigsten:

Fettsucht, vor allem bauchbetontes Übergewicht.

Rauchen und Alkohol führen zu Arteriosklerose.

Kochsalz, viel davon zu essen könnte schädlich sein.

Bewegungsmangel unterfordert den Kreislauf.

Stress, körperlicher wie psychischer.

Gefährliche Folgen

Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit – solche Warnsignale bei erhöhtem Blutdruck sendet der Körper in der Regel erst spät. Meist bleibt die Erkrankung lange unauffällig und schädigt währenddessen das Gefäßsystem. Dort kommt es zu Arteriosklerose: Ablagerungen von Fetten, Bindegewebe oder Kalk. Die Gefäßwände werden starr und eng, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt und Schlaganfall können die Folge sein. Im Auge schädigt Hypertonie die Netzhautgefäße, auch die Niere ist empfindlich gegenüber hohen Blutdruckwerten.

Neue Methode?

Gegen Bluthochdruck ist derzeit eine neue Methode im Test: Eine Impfung soll ein körpereigenes Hormon blockieren.

ZEIT Wissen: Gewöhnlich impft man gegen fremde Erreger – solche sind bei Bluthochdruck nicht im Spiel. Wie funktioniert da die Impfung?

Hermann Haller: Es ist eine klassische Impfung, nur dass man Antikörper gegen ein körpereigenes Hormon entwickelt: Angiotensin II. Es ist mit dafür verantwortlich, dass sich die Gefäße eng stellen. Die Antikörper verhindern das, indem sie Angiotensin II abfangen.

ZEIT Wissen: Könnte man jeden damit impfen?

Haller: Theoretisch kommt die Impfung für jeden infrage, aber das muss noch geprüft werden. Besonders wirksam ist der Antikörper wahrscheinlich bei denjenigen, die vermehrt Angiotensin produzieren.

ZEIT Wissen: Wie verliefen die Tests?

Haller: Die ersten Studien waren positiv, im Jahr 2010 erwarten wir weitere Ergebnisse.

Hermann Haller von der Medizinischen Hochschule Hannover erforscht Hypertonie.

Die Hälfte der Betroffenen weiß nicht einmal, dass sie die Krankheit haben – die erste Schwelle auf dem Weg zu einer erfolgreichen Behandlung. »Mein Arzt entdeckte es während einer Routineuntersuchung«, sagt Toussaint. Von den identifizierten Kranken wiederum wird seltsamerweise nur die Hälfte therapiert; mal liegt es an mangelnder Bereitschaft der Patienten zum Mitmachen, mal daran, dass der Arzt eine Blutdruckerhöhung nicht wirklich ernst nimmt.

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Wer behandelt wird, ist aber noch keinesfalls am Ziel. Ein drittes Mal fällt die Hälfte weg: diejenigen, deren Blutdruck trotz Therapie nicht unter die Zielwerte von 140 zu 90 sinkt. Übrig bleiben die gut eingestellten Patienten wie Toussaint. Sie machen etwa ein Achtel aller Bluthochdruckkranken hierzulande aus. Ist das für einen Staat wie Deutschland mit einem intakten Gesundheitssystem nicht zu wenig?

»Wie diese ›Regel der Hälften‹ verdeutlicht, gehen uns bis heute viel zu viele Patienten verloren«, klagt Eva Brand, Bluthochdruckspezialistin an der Uni-Klinik Münster. Besonders dramatisch erscheinen die Zahlen vor dem Hintergrund, dass ein erhöhter Blutdruck zu Folgekrankheiten führen kann. »Dabei ließen sich viele Patienten mit einer niedrigeren Tablettendosis behandeln«, sagt Brand.

Volkskrankheiten
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Bei der Hochdruckambulanz arbeitet die Ärztin mit Sportmedizinern, Ernährungsberatern und Psychosomatikern zusammen. Sie klären die Patienten darüber auf, wie sie durch eigene Maßnahmen ihren Blutdruck senken können. Zusätzlich führt Brand im Rahmen eines europäischen Forschungsprogrammes auch genetische Untersuchungen durch. Denn »zu 50 Prozent wird der Blutdruck von den Genen bestimmt«, sagt Brand. Mithilfe der Daten könne man vielleicht einen Test für Hochrisikopatienten entwickeln.

Um auch diejenigen zu finden, die von ihrem Bluthochdruck nichts wissen, lädt das Team gemeinsam mit dem Gesundheitsamt Familien im Umkreis zu Vorsorgeuntersuchungen ein. Inzwischen planen einige Kliniken in Deutschland, das Konzept zu übernehmen.

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Leser-Kommentare
  1. Wo sind diese Zahlen, sprich "Regel der Hälften" publiziert? Gibt es dafür wohl auch valide Daten, oder ist das nur eine stimmige, leicht zu glaubende, bildhafte Beschreibung einer eindeutik vorhandenen Problematik?

    Apotheker Freischem
    www.bluthochdruck.de

  2. :-)

    sorry, es gibt keine Korrekturfunktion. ...

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