Ein winziger Tropfen Blut aus dem Finger reicht aus, um den Blutzucker zu messen

Ein paar Wochen lang ließ Jens Posener sich gehen, lebte wie früher, vor der Diagnose. Er arbeitet im Außendienst, ist häufig mit dem Auto unterwegs in Deutschland, ohnehin keine guten Voraussetzungen für eine geregelte, gesunde Lebensführung. »Ich saß in dieser Zeit oft stundenlang im Auto, und wenn dann ein McDonald’s am Horizont auftauchte, konnte ich nicht immer widerstehen«, erzählt er. Und dass abends mit Geschäftspartnern meistens etwas mehr gegessen wurde, gehörte eben auch dazu.

Vorsichtiger wurde er erst wieder, als er von seiner Ärztin die Quittung für das süße Leben bekam – sein »HbA1c« war ungewöhnlich hoch. Dieser Wert steigt, wenn der Blutzucker innerhalb der vergangenen zwei Monate häufig oberhalb der Norm lag. Für Diabetiker, deren Zucker wegen eines gestörten Insulinhaushalts häufig länger als üblich in den Gefäßen treibt, ist der Wert eine wichtige Kontrolle ihres Verhaltens.

»Ist Diabetes erst einmal erkannt, lässt sich der Therapieerfolg fast lückenlos überwachen«, sagt Klaus Wiefels vom Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf. Ein Blutzuckermessgerät, das heute jeder Diabetiker im Haus hat, reicht dazu schon aus.

Gut leben als Patient: Wie wir mit Rückenschmerzen und Co. zurechtkommen (Bitte klicken Sie auf das Bild) © Karen Bleier/AFP/Getty Images

Wie viele Einheiten Insulin brauche ich für ein Jägerschnitzel mit Pommes? Wenn ich morgens Tabletten nehme und mittags nichts esse, droht dann eine Unterzuckerung? Mithilfe der Zuckermessungen gewinnt jeder ein Gefühl für seinen Stoffwechsel – und dafür, wie die Medikamente wirken. Beim Diabetes Typ 1 etwa, der sich eher im Jugendalter manifestiert, steuern die Patienten mithilfe der Messungen schon nach kurzer Zeit ihren Zuckerhaushalt wie andere ihre Herdplatte. Bei Diabetes Typ 2 ist das zwar komplizierter, aber die Kontrolle der Blutzuckerwerte hilft auch hier.

Das Problem des Diabetes liegt vielmehr in der Zeit vor der Diagnose. Acht Prozent der Deutschen zwischen 55 und 74 Jahren haben einen diagnostizierten Diabetes Typ 2, der häufig erst ab dem Alter von 40Jahren auftritt. Noch einmal so viele leiden ebenfalls darunter – sie wissen nur nichts davon.

Dabei gibt es beim Typ-2-Diabetes sogar ein Vorstadium, den sogenannten Prädiabetes: leicht erhöhte Blutzuckerwerte, die aber (noch) nicht mit einer Erkrankung verbunden sind. Insbesondere körperliche Bewegung könnte die Entwicklung zum Diabetes verlangsamen oder ganz verhindern. Nur: Viele haben von Prädiabetes noch nie gehört, nur wenige lassen sich testen.

Mehr Aufklärung und mehr Kontrollen – das hält auch Wiefels für entscheidend im Kampf gegen Diabetes. Denn ein erhöhter Blutzuckerspiegel tut eben nicht weh.

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