VolkskrankheitDiabetes

Ist das Leiden einmal diagnostiziert, lernen die Patienten schnell, ihren Stoffwechsel zu steuern. Doch oft bleibt Diabetes lange unerkannt – was zu weiteren Krankheiten führen kann von 

Finger Blut Blutgerinnung Diabetes Krankheit Gesundheit

Ein winziger Tropfen Blut aus dem Finger reicht aus, um den Blutzucker zu messen  |  © Fotoline/photocase

Ein paar Wochen lang ließ Jens Posener sich gehen, lebte wie früher, vor der Diagnose. Er arbeitet im Außendienst, ist häufig mit dem Auto unterwegs in Deutschland, ohnehin keine guten Voraussetzungen für eine geregelte, gesunde Lebensführung. »Ich saß in dieser Zeit oft stundenlang im Auto, und wenn dann ein McDonald’s am Horizont auftauchte, konnte ich nicht immer widerstehen«, erzählt er. Und dass abends mit Geschäftspartnern meistens etwas mehr gegessen wurde, gehörte eben auch dazu.

Blutzucker

Insulin bewirkt, dass Zucker vom Blut in die Zellen abwandert. Der Körper muss den Stoff so dosieren, dass zwischen 90 und 110 Milligramm Glukose auf einen Deziliter Blut kommen. Ist deutlich weniger oder mehr Zucker in den Adern, kann es unangenehm werden.

Unterzucker (Hypoglykämie)

Anzeichen: Heißhunger, Zittern, kalt-schweißige Haut, Konzentrationsschwierigkeiten

Folgen: Kurzfristig und akut: Die Zellen "hungern aus", Krämpfe, Bewusstlosigkeit

Behandlung: Traubenzucker essen. Bei Bewusstlosigkeit injiziert der Arzt Glukose in die Vene

Überzucker (Hyperglykämie)

Anzeichen: Vermehrter Harndrang, trockener Mund und starkes Durstgefühl, Gereiztheit

Folgen: Zahlreiche langfristige Folgen. Akut bei sehr hohen Werten: Bewusstlosigkeit

Behandlung: Wasser trinken. In schlimmen Fällen injiziert der Arzt Insulin in die Vene

Vorsichtiger wurde er erst wieder, als er von seiner Ärztin die Quittung für das süße Leben bekam – sein »HbA1c« war ungewöhnlich hoch. Dieser Wert steigt, wenn der Blutzucker innerhalb der vergangenen zwei Monate häufig oberhalb der Norm lag. Für Diabetiker, deren Zucker wegen eines gestörten Insulinhaushalts häufig länger als üblich in den Gefäßen treibt, ist der Wert eine wichtige Kontrolle ihres Verhaltens.

Anzeige

»Ist Diabetes erst einmal erkannt, lässt sich der Therapieerfolg fast lückenlos überwachen«, sagt Klaus Wiefels vom Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf. Ein Blutzuckermessgerät, das heute jeder Diabetiker im Haus hat, reicht dazu schon aus.

Diabetes Mellitus

Die Gemeinsamkeit beider Krankheiten: Der Blutzucker wird nicht mehr richtig abgebaut und steigt. In vielen anderen Punkten aber unterscheiden sie sich erheblich.

Typ 1

Häufigkeit in Deutschland: Etwa 550.000 Erkrankte

Erstes Auftreten: Manifestiert sich überwiegend im Kindes- und Jugendalter

Hauptursache: Genetisch bedingt, Abwehrsystem greift eigene Zellen an (Autoimmunreaktion)

Symptome: Häufiger Durst, vermehrter Harndrang, Gewichtsverlust, Müdigkeit

Behandlung: Lebenslange Insulintherapie. Zusätzlich Schulungen und Kontrollen

Typ 2

Häufigkeit in Deutschland: Fast neun Millionen Erkrankte

Erstes Auftreten: Gilt als "Altersdiabetes" und tritt üblicherweise bei Menschen über 40 Jahre auf

Hauptursache: Vor allem ungesunde Ernährung, wenig Bewegung. Zum Teil auch genetisch bedingt

Symptome: Oft gar keine Beschwerden. Sonst ebenfalls: starker Durst und Harndrang

Behandlung: Mehrere Stufen: 1. Bewegung und Ernährung, 2. Tabletten, 3. Insulin

Volkskrankheiten
volkskrankheiten arzt stethoskop untersuchung praxis

Gut leben als Patient: Wie wir mit Rückenschmerzen und Co. zurechtkommen (Bitte klicken Sie auf das Bild)  |  © Karen Bleier/AFP/Getty Images

Wie viele Einheiten Insulin brauche ich für ein Jägerschnitzel mit Pommes? Wenn ich morgens Tabletten nehme und mittags nichts esse, droht dann eine Unterzuckerung? Mithilfe der Zuckermessungen gewinnt jeder ein Gefühl für seinen Stoffwechsel – und dafür, wie die Medikamente wirken. Beim Diabetes Typ 1 etwa, der sich eher im Jugendalter manifestiert, steuern die Patienten mithilfe der Messungen schon nach kurzer Zeit ihren Zuckerhaushalt wie andere ihre Herdplatte. Bei Diabetes Typ 2 ist das zwar komplizierter, aber die Kontrolle der Blutzuckerwerte hilft auch hier.

Das Problem des Diabetes liegt vielmehr in der Zeit vor der Diagnose. Acht Prozent der Deutschen zwischen 55 und 74 Jahren haben einen diagnostizierten Diabetes Typ 2, der häufig erst ab dem Alter von 40Jahren auftritt. Noch einmal so viele leiden ebenfalls darunter – sie wissen nur nichts davon.

Dabei gibt es beim Typ-2-Diabetes sogar ein Vorstadium, den sogenannten Prädiabetes: leicht erhöhte Blutzuckerwerte, die aber (noch) nicht mit einer Erkrankung verbunden sind. Insbesondere körperliche Bewegung könnte die Entwicklung zum Diabetes verlangsamen oder ganz verhindern. Nur: Viele haben von Prädiabetes noch nie gehört, nur wenige lassen sich testen.

Mehr Aufklärung und mehr Kontrollen – das hält auch Wiefels für entscheidend im Kampf gegen Diabetes. Denn ein erhöhter Blutzuckerspiegel tut eben nicht weh.

Volkskrankheiten plagen viele Deutsche. Wie Betroffene damit zurechtkommen:

Asthma – Wie man Anfälle verhindert

Bluthochdruck – Bleibt die Krankheit unentdeckt, kann sie dem Körper schaden

Depression – viele sind erkrankt, ohne es zu wissen

Rückenschmerzen – ganz ohne OP: Oft bringen schon sanfte Methoden Linderung

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • rabin
    • 10. November 2009 16:05 Uhr

    Da hat man Diabetes und spritzt und nimmt Tabletten,die Werte pendeln zwischen 170 und 300- jeder Diabetiker und Experte weiss Bescheid.

    Dann fährt man zu einer Ayurveda-Kur, innerhalb dreier Tage ohne jede Tablette und Spritze Werte unter 100, allein mit Ernährung und ayurvedischen Mitteln.

    Aber das ist in Deutschland kein anerkanntes Heilverfahren !

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Schlagworte Asthma | Aufklärung | Auto | Bluthochdruck | Depression | Diabetes
Service